mini|Kessel von Korsun (sowjetische Karte)

Die Kesselschlacht westlich von Tscherkassy (, Korsun-Schewtschenkowsker Operation) war Teil der Dnepr-Karpaten-Operation und dauerte vom 24. Januar bis 17. Februar 1944. Das Kampfgeschehen vollzog sich am mittleren Dnjepr während des Zweiten Weltkrieges an der Ostfront. Bei dieser Operation waren neben den Infanterietruppen auch bis zu vier sowjetische Panzerarmeen beteiligt. Die Kämpfe fanden mitten im Winter statt und umfassten dramatische Kämpfe, bei denen die Masse der deutschen 8. Armee von sowjetischen Truppen zeitweilig eingekesselt wurde, jedoch – wenngleich unter erheblichen Verlusten – ausbrechen konnte. Allerdings waren die Verluste auf sowjetischer Seite etwa fünfmal so hoch.

Vorgeschichte In der zweiten Januarhälfte 1944 hatten die Truppen der 1. Ukrainischen Front (Armeegeneral Nikolai Watutin) nach der Schitomir-Berditschewer Operation die Linie Korosten – Kasatin – Kanew erreicht. Die Truppen der 1. Ukrainischen Front waren auf über 600 Kilometer Länge ausgedehnt und bestanden aus sieben Armeen und mehreren Panzerarmeen. Während der linke Flügel noch am Fluss Dnjepr verankert war, stand die rechte Flanke bis in den Raum Sarny mehr als 300 Kilometer westlich des Dnjepr. Nach der Kirowograder Operation befand sich die 2. Ukrainische Front (Generaloberst Iwan Konew) bis zum 16. Januar im Vormarsch, auf 250 Kilometer Front festigte sich die neue Front östlich von Smela, westlich von Kirowograd bis nördlich von Nowgorodka. Konews Front bestand aus sechs Armeen und einer Panzerarmee, ein Kavallerie- und drei mechanisierte Korps befanden sich in Reserve. Die Nahtlinie zur 1. Ukrainischen Front verlief am Dnjepr südöstlich von Kanew. Das 73. Schützenkorps (Generalmajor Batizki) der 52. Armee hatte Tscherkassy am 14. Dezember mit der 373., 254. und 294. Schützendivision befreit. Rechts anschließend sicherte die 206. Schützen-Division der 27. Armee am Dnjepr-Abschnitt.

Situation der 8. Armee vor der Offensive mini|Deutscher Panzer IV

Auf der gegnerischen Seite stand die deutsche 8. Armee unter General der Infanterie Otto Wöhler. Sie bestand neben dem III. Panzerkorps aus dem XI. und XXXXII. Armeekorps mit 14 Divisionen (davon drei Panzer-Divisionen und eine motorisierte Brigade) mit etwa 170.000 Soldaten, 2.600 Geschützen und 310 Panzern. An der Linie Kanew – Swenigorodka – Smela hielt die deutsche 8. Armee eine Front von 90 Kilometern von Süden nach Norden und am Dnjepr 125 Kilometer Front von Ost nach West. Auf dem rechten Flügel der 8. Armee, an der Grenze zur 1. Panzerarmee, verteidigte das XI. Armeekorps eine längere Front als das XXXXII. Armeekorps. Der zum Dnjepr vorspringende nordöstliche Abschnitt der Front ließ keine großangelegten Operationen zu, weil das dortige Gebiet sumpfig war und große Waldungen Bewegungen schwierig machten. Hier waren die Reste der 112., 255. (u. a. als Divisionsgruppe 255) und 332. Infanterie-Division eingesetzt, die bereits in der Korpsabteilung B zusammengefasst waren. Die Front zwischen Moschny und Smela war von stark bewässerten Gebieten durchzogen und für schweres Gerät fast unzugänglich. Zahlreiche Flüsse, Schluchten mit steilen Hängen und zahlreiche große Siedlungen verstärkten die deutschen Verteidigungslinien. Das Abwehrsystem der Gräben und die Kommunikationsverbindungen waren gut ausgebaut, eine große Anzahl von Bunkern verstärkte die Stellungen. Die wichtigsten Stützpunkte vor der Front und an den Flanken wurden mit Minenfeldern und Drahtbarrieren gesichert. Der dort querende Fluss Tjasmyn konnte von der an dieser Stelle eingesetzten 389. Infanterie-Division als Verteidigungslinie genutzt werden.

Die stärkste deutsche Verteidigungslinie war im Abschnitt zwischen Kagarljk und Moschny geschaffen worden. Die erste Stellung verlief entlang des Ufers des Tjasmyn und der dahinter liegenden Höhen. Die zweite Verteidigungslinie verlief über den Gniloi Taschlyk und Tischkowka, war aber nicht vollständig ausgebaut. Entlang des Olshanka-Abschnitts, auf dem Gelände von Mlejew und Topilno wurde die Position nach Südosten verlängert. Der Raum südlich von Olschany war von der deutschen Verteidigung weniger gut ausgebaut worden. Im Gebiet westlich und nordwestlich von Kirowograd befanden sich während der Kirowograder Operation mehrere deutsche Panzerdivisionen, von denen noch zwei in Reserve der 8. Armee standen. Im Bereich südwestlich von Ochmatow standen weitere Panzerreserven der 1. Panzerarmee, welche schnell in den Raum Korsun verlegt werden konnten. Am 22. Januar führte das XI. Armeekorps zwischen Smela und Bereznjaki lokale Abwehrkämpfe, vor allem der Bereich Balandino – Krasnoselka war heftig umkämpft. Die Luftaufklärung ergab, dass die Rote Armee neue Kräfte zwischen Balandino-Krasnoselka konzentrierte. Die 389. Infanterie-Division wurde südlich von Balandino angegriffen, die sowjetischen Angriffe wurden abgeschlagen. Als Vorsichtsmaßnahme beschloss das Kommando der 8. Armee, die 11. und 14. Panzerdivision herauszuziehen, um eine Reserve zu schaffen. Die Angriffe der sowjetischen Truppen zwischen Balandino und Krasnoselka wurden den ganzen Abend mit Artilleriebeschuss fortgeführt, sowjetische Angriffe waren im Osten des Dorfes Burtki konzentriert.

Für die geplante Offensive ließ die Stawka der 1. Ukrainischen Front starke Verstärkungen zuführen: Für die Auffüllung der dortigen Panzerkräfte wurden der Front vom 22. Januar bis zum 3. Februar etwa 400 neue Panzer T-34 gesandt. In Übereinstimmung mit der Direktive des Oberkommandos begannen die Truppen der 1. und 2. Ukrainischen Front, die Angriffsoperation vorzubereiten. Das Kommando der 1. Ukrainischen Front konzentrierte seine Stoßgruppe östlich von Stawischtsche. Die Truppen an der linken Flanke der 40. Armee wurden mit dem 47. Schützenkorps (167. und 359. Schützen-Division) und dem 104. Schützenkorps (58. und 133. Schützen-Division) die rechte Flanke der 27. Armee mit der 180. und 337. Schützen-Division verstärkt. Auch das 5. Garde-Kavallerie-Korps, zuvor Teil der 4. Ukrainischen Front, kam als Verstärkung zur 2. Ukrainischen Front.

Sowjetische Angriffsplanung mini|Armeegeneral Iwan Konew

Der Beginn der sowjetischen Offensive wurde zunächst für den 25. Januar 1944 um 8:30 Uhr festgesetzt, dann doch einen Tag früher eingeleitet. Gemäß der Richtlinie der Stawka vom 20. Januar hatten die Hauptkräfte der 2. Ukrainischen Front, bestehend aus der 53. Armee, der 4. Garde-Armee und zwei mechanisierten Korps, auf Swenigorodka und Nowo-Mirgorod anzugreifen und bei Schpola die Verbindung mit den Kräften der 1. Ukrainischen Front herzustellen. Die 5. Garde-Panzerarmee (18., 20. und 29. Panzerkorps mit 218 Panzer und 18 Selbstfahrlafetten) sollte im Bereich der 53. Armee eintreten und über Schpola in Richtung Swenigorodka durchbrechen. Die 4. Garde- und die 53. Armee hatten zwischen Werbowka- und Wasiliwka auf 19 km Front in Richtung auf Schpola und Swenigorodka mit 14 Schützendivisionen anzusetzen. Zusätzlich zu diesem Hauptangriff sollten zwei Nebenangriffe mit der 5. und 7. Garde-Armee westlich und südwestlich von Kirowograd und der 52. Armee in Richtung auf Maloje Staroselje und Gorodischtsche erfolgen, um die im Raum Kirowograd stehenden deutschen Panzerreserven zu binden. Sobald die Angriffe der 5. und 7. Garde-Armee die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Hauptangriffsabschnitt abgelenkt hätten, sollte die Offensive der 52. Armee im engen Zusammenwirken mit der eigentlichen Hauptstoßgruppe einsetzen. Der linke Flügel der 1. Ukrainischen Front, bestehend aus dem 5. Garde-Panzerkorps und einer kombinierten Gruppe der 27. Armee, bestehend aus der 337. und 180. Schützendivision, sollte einen Tag später bei Talnoje nach Osten angreifen und anschließend nach Schpola durchbrechen. Die Gruppe, die für den Hauptangriff nach Osten bestimmt war, bestand aus der 6. Panzerarmee, dem 47. Schützenkorps und dem 104. Schützenkorps der 40. Armee. Diesen Planungen gemäß erhielten die Armeen folgende Aufgaben: Die 4. Gardearmee, (7 Schützendivisionen davon eine in zweiter Staffel) mit einer Feuerkraft von bis zu 100 Geschützen pro Kilometer (82-mm- und 120-mm-Mörser eingeschlossen), sollte die Front zwischen Werbowka und Balandino auf 10 Kilometer Breite angreifen. Diese Armee wurde auf der rechten Seite am Fluss Gniloi Taschlyk von der 52. Armee unterstützt. Die links anschließende 53. Armee (10 Schützendivisionen, davon eine in zweiter Staffel) hatte an der Frontlinie Balandino bis Wasiliwka in einer Breite von 9 Kilometern zu durchbrechen und auf Tischkowka und Meschirowka vorzugehen. Die zum operativen Durchbruch bestimmte 5. Garde-Panzerarmee sollte im Abschnitt der 53. Armee noch vor Abend des ersten Angriffstages eingeführt werden und die Linie Schurawka, Listopadowo und Taschkowka bis zu 24 Kilometer Tiefe erreichen, danach bis zum Ende des zweiten Angrifftages auf 50 km weiter auf Wasilkowka, Skotorewo und Krymki vorstoßen. Je nach Situation sollte diese Armee anschließend die Angriffe gegen Swenigorodka oder auf Petrakowka fortführen. Im Norden führte die 52. Armee einen unterstützenden Angriff entlang der linken Angriffsflanke in Richtung auf Gorodischtsche.

Die bei der 1. Ukrainischen Front für den Hauptschlag bestimmte 6. Panzerarmee war erst ab 21. Januar aufgestellt worden. Sie bestand aus dem 5. Garde-Panzerkorps und dem 5. Mechanisierten Korps, es gab vorerst keine weiteren Kräfte zur Verstärkung. Der bisherige Kommandant des 5. Garde-Panzerkorps, Generalleutnant Andrei Krawtschenko, war zum Kommandeur der 6. Panzerarmee ernannt worden. Am 26. Januar umfasste diese Armee nur 91 Panzer und 16 Selbstfahrlafetten, während der Operation wurde zusätzlich das 47. Schützenkorps als Verstärkung zugeführt. Nachdem die 6. Panzerarmee in die deutsche Verteidigung eingedrungen war, sollte sie nach Swenigorodka vordringen und die Verbindung mit der 5. Garde-Panzerarmee herstellen. Inzwischen sollten Einheiten der 40. Armee (die 136. Schützendivision, ein Regiment der 167. Schützendivision und die 6. motorisierte Schützenbrigade) Angriffe in der Region Basow, Rizino und Jankow ausführen. Die Stoßgruppe der 40. Armee (51. und 104. Schützenkorps) hatte den Auftrag, die deutsche Verteidigungsfront zwischen Tynowka- und Kosjakowka zu durchbrechen und die gesamte Operation von Süden her zu decken. Die Divisionen der 27. Armee sollten die gegnerische Verteidigung zwischen Kosjakowka und Koshewatoje durchbrechen und die Offensive auf Korsun entwickeln. Die operativen Vorbereitungen sollten fortgesetzt werden, auch wenn an der Front bereits intensive Kämpfe einsetzen würden.

Beteiligte Sowjetische Streitkräfte Die für die ersten Angriffe bestimmten Kräfte der 1. und 2. Ukrainischen Front zählten zusammen 27 Schützendivisionen mit 255.000 Mann, dazu ein Mechanisiertes Korps und vier Panzerkorps mit fast 600 Panzern und Selbstfahrlafetten. Etwa 5.300 Geschütze und Granatwerfer sowie 1054 Flugzeuge wurden beim Doppelangriff eingesetzt. Am Höhepunkt der Kesselschlacht waren dann neben den Panzerarmeen etwa 45 Schützen- und 3 Kavallerie-Divisionen mit etwa 336.000 Soldaten eingesetzt.

Linker Flügel der 1. Ukrainischen Front

27. Armee: Generalleutnant Sergei Georgijewitsch Trofimenko 180., 206. und 337. Schützen-Division 54. und 159. befestigter Raum 298. Garde-, 713. und 1892. Artillerieregiment

6. Panzerarmee: Generalleutnant Andrei Grigorjewitsch Krawtschenko 5. mechanisiertes Korps, Generalleutnant M. W. Wolkow (2., 9. und 45. mechanisierte Brigade) 233. Panzer-Brigade, Generalmajor M. I. Saweljew 5. Garde-Panzerkorps, Generalleutnant W. M. Alexejew (20., 21. und 22. Garde-Panzerbrigade, 6. Garde-mechanisierte Brigade)

40. Armee: Generalleutnant Filipp Feodosjewitsch Schmatschenko 47. Schützenkorps (74., 167. und 359. Schützendivision) 104. Schützenkorps (58., 133. und 136. Schützendivision) 50. Schützenkorps (4. Garde-Luftlandedivision, 38., 240. und 340. Schützendivision)