mini|Prosset Osteingang – unterbrochen von der Prossetschlucht, Blickrichtung Nordwesten Die Prosset oder Prossetschlucht ist ein Engtal westlich von Winzendorf in Niederösterreich. Die vom Prossetbach durchflossene Schlucht zertrennt die Fischauer Vorberge und wurde einst von der Burg Emmerberg bewacht. Am Taleingang unweit des Winzendorfer Steinbruchs liegt der frühe Gasthof Kalkmetzen, der 2022 zu einem Gesundheitszentrum umgebaut wurde. Am oberen Ende befindet sich der frühere Gasthof Teichmühle, heute ein Wohnhaus. Dahinter beginnt die Neue Welt.

Geologie mini|links|Mitte 19. Jahrhundert, Ortschaft und Burg Emmerberg Aus geologischer Sicht ist die Schlucht ein epigenetischer Denudationsdurchbruch durch die Fischauer Vorberge. Nördlich der Prosset liegt der Schlossberg () und im Süden der Kalte Berg () und Mitterberg. In der Neuen Welt nordwestlich der Prosset finden sich Tegel und Gosau Konglomerate, die Felsen bestehen aus Hallstätter Kalk, teilweise mit Marmor. In der Prosset gibt es mehrere Höhlen: die Prossetschluchthöhle, die Versteckte Kluft, die Prossetschluchtkluft, die Kesselröhre und mehrere alte Stollen. In den 1920er Jahren wurden Funde von Höhlenheuschrecken beschrieben.

In den Prossetwänden oberhalb der Ortschaft Emmerberg wurden von Kletterern Hornvipern entdeckt. Wie eine DNA-Analyse ergab, geht dieses nördlichste Vorkommen der Europäischen Hornotter auf ausgesetzte Tiere zurück. Das Klettern im sogenannten „Prossetwand Klettergarten“ wird vom Grundstückseigentümer nicht geduldet und Haken wurden entfernt. Die Hänge rechts und links der Schlucht sind steil. Bei Starkregen kann es Murenabgänge geben.

Die Prosset (Prossetbach) mini|Prosset bei Winzendorf mini|links|Wasser-Eimer im Gemeindewappen Schlucht und Bach tragen den gleichen Namen. Der Bach hat keine eigentliche Quelle, sondern ist ein Zusammenfluss von Muthmannsdorfer Graben, Graben von Felbring, Stollhofgraben, Graben vom Mauthaus und Maiersdorfer Graben in den Wiesen hinter der Teichmühle, also nicht weit vor dem Beginn der Schlucht. Nur bei Netting gibt es über den Sommer wasserliefernde Quellen. Die Prosset fließt, früher verstärkt durch das Brunner Teichwasser (aktuell versiegt), nunmehr bezeichnet als Gemeindegraben, südöstlich von Bad Fischau in die Warme Fischa. Knapp 200 m, bevor die Prosset unter der Süd Autobahn durchgeleitet wird, wird sie durch den zweiten Winzendorfer Bach, den Frauenbach, verstärkt. Die Prosset gehört wie der Frauenbach zu den kleineren Fließgewässern, die das Grundwasser im südlichen Wiener Becken speisen. Der Frauenbach fließt erst seit 2007 wieder in die Warme Fischa. Einige Jahrzehnte ist er in einer Schottergrube versickert. Das Prossetbach-Frauenbach-System zeigte zuletzt wieder ein vitales Vorkommen zahlreicher, auch juveniler Exemplare der Bachmuschel (Unio crassus cytherea). Der alte Ort Winzendorf wurde am Frauenbach angelegt, da dort die Wasserführung ganzjährig ist, während der Prossetbach in trockenen Jahren ganz verschwinden kann. Auch das Kleinklima mag eine Rolle gespielt haben, weil es im Bereich der Prossetausmündung ungemütlicher ist (Kaltluftstrom oder Stürme aus den Alpen).

Die Wassermenge der Prosset ist gering und stark schwankend, was schon im Zuge der Vorarbeiten zur I. Wiener Hochquellenleitung festgestellt wurde. Das gesamte Becken der Neuen Welt mit ihren meist lettigen, wasserdichten Böden entwässert in die Prosset. Oberflächenwasser fließt sehr schnell ab und kann entlang des Bachverlaufs zu Hochwasser führen.HORA Hochwasserrisikozonierung Austria, abgerufen am 28. Dezember 2024. Wassermenge und Wassertemperaturen variieren sehr stark.

Daher gab es in Emmerberg (wie auch in anderen Orten z. B. Winzendorf) seit uralter Zeit Bewässerungsordnungen, die die Wasserentnahme der Eigentümer der angrenzenden Wiesen bis auf die Ebene Tag, Tageszeit und Stunde regelten. Die Verteilung des Wassers erfolgte mit teils gemauerten, teils hölzernen Schleusen. Dennoch kam es gelegentlich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen Wasserentzugs insbesondere der Weikersdorfer gegen die Winzendorfer bzw. gegen die Herrschaft Brunn etwa im Jahre 1834.

Wassermangel war für Burg und Herrschaft Emmerberg seit alters her ein Problem. Es gab zwei Zisternen auf der Burg, die aber nicht ausreichend waren. Ein (bei Belagerung) verborgener Weg führte entlang der Felsen hinunter zum Brunnen im Maierhof (Teichmühle). Das Wasserholen aus der ca. 50 Höhenmeter tieferliegenden Prosset ist bereits in der Gründungssage von „Eimer-Berg“ ein Thema. Version der Sage von Emmerberg von Hans Fraungruber 1911 bei sagen.at, abgerufen am 8. Dezember 2023 Ein Wassereimer war Teil des Wappens der Emmerberger und findet sich bis heute im Gemeindewappen.

Name und Geschichte mini|Prosset um 1912 Richtung Hohe Wand Geschlecht der Herren von Prosset mini|links|Das Castrum Prozath lag vermutlich im Bereich der heutigen Schafflersiedlung Der Name Prosset könnte auf ein Verteidigungswerk, ein „castrum Prozath“, ein slawischer Name aus karantanischer Zeit für Verhau, Verschanzung oder Burgstall zurückgehen. Es könnte auch ein Name aus keltischer Zeit sein. Gewässernamen gehören zu den ältesten Namen überhaupt. Weitere Schreibweisen sind Prossat, Prossath, Prossek oder Proseck.

mini|links|Nebel zieht von der Neuen Welt durch Prosset und Junge Prosset in das Steinfeld Aus dem Gebiet der Neuen Welt stammte ein Wulfing von Prosset, der sich nach der Burg, vermutlich identisch mit der Burg Emmerberg oder einer Feste in unmittelbarer Nähe der Teichmühle bzw. nach der Burg Stein in Maiersdorf (bisher nicht lokalisiert) nannte. Er wurde zum Stammvater der Herren von Stubenberg-Kapfenberg-Hohenwang-Landesehre-Neuburg. Die Herren von Stubenberg-Kapfenberg waren über viele Generationen die reichsten und mächtigsten steirischen Ministerialen. In der älteren Forschung wurde das Castrum Prozath in der Gegend von Weikersdorf lokalisiert. Allerdings bietet die Gegend im flachen Steinfeld keinerlei natürlichen Schutz. Ronald Woldron lokalisiert das Castrum auf dem Gebiet der heutigen Schafflersiedlung in Winzendorf.Ronald Woldron: Prosset. In: Wehrbauten und Adelssitze in Niederösterreich. Das Viertel unter dem Wienerwald. Band 4. Hrsg.: Institut für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten (in Vorbereitung). Die Josephinische Landesaufnahme zeigt eine atypisch runde Parzelle, eine Art Insel in der Prosset auf der Proseckwiese. In diese eingeschlossen war eine zweite Parzelle, die das Kernwerk der Burg gewesen sein könnte. Die Lage der Burgstelle passt mit den historischen Angaben gut überein und wurde vermutlich wegen der Lage in der Überschwemmungszone aufgeben. Eine archäologische Bestätigung ist noch ausständig. Im 12. Jahrhundert ist auch noch von einem Waldecker Ministerialen namens During die Rede, der als Ahnherr der Mannen auf Starhemberg und Emmerberg gesehen wurde.

Flurbezeichnung Prosset mini|links|Wasserstand im Winter und nach Regen Früher gab es die topografischen Unterscheidung zwischen Alter Prosset, der Prossetschlucht mit Emmerberg und der Jungen Prosset, zwischen Netting und Tachenstein, der zweite Übergang in den Vorbergen von der Neuer Welt in das Steinfeld. Der Übergang ist sehr alt. Gegen Maiersdorf wurden Spuren eines römischen Vicinalweges (Nebenweges) gefunden. Der Vorgängerbau der späteren Burg Dachenstein, vermutlich von Wulfing von Prosset errichtet, wird ebenfalls ein „castrum Prozath“ gewesen sein.

Die Bezeichnung Jungen Prosset war auch für Rieden bei Winzendorf üblich (die überwachsenen Terrassen am Weg zur Waldandacht). Weitere Flur- und Riedenbezeichnung im Zusammenhang mit der Prosset sind der Prossaberg und die Prossetwiesen (heute Curti- und Schafflersiedlung in Winzendorf). Die Qualität der Wiesen war eher schlecht, da häufig versauert, moosig und in nassen Jahren mit Rohr und Binsen durchwachsen. Erst die Entwässerung ab 1899, ein Teil unterhalb des Teiches im Park des Alexander Curti (nach dem Römerweg abwärts) wurde reguliert, brachte Besserung.

Militärische Bedeutung der Prossetschlucht mini|Naturdenkmal Paraplui-Föhre (Schwarzkiefer) am Eingang in die Prosset (Listeneintrag) Die militärische Bedeutung der „Alten Prossetklause“ war überschaubar, aber immerhin so groß, dass über ihr die Burg Emmerberg und davor auch schon das Castrum Prozath erbaut wurde. Zur Zeit des Ersten Österreichischen Türkenkriegs macht sich der damalige Besitzer Hanss Ludwig Brässican von Emerberg 1663 Gedanken über eine Sperre der Prosset und die dafür notwendige Befestigungen. Er schlug auch vor, den „grossen Teicht“ der Teichmühle, der durch viele Unwetter mit Erde verlegt war, zu räumen und dahingehend auszubauen, dass er zur Feindesabwehr durch die Prossetschlucht abgelassen werden könne, etwa wenn Wiener Neustadt belagert werden würde. Aufgrund des eher geringen Wasservolumens des Baches scheint das Projekt etwas zu ambitioniert, aber es muss vor dem Hintergrund des Werbens um finanziellen Unterstützung der Landesstände für die Türkenabwehr gesehen werden, was ihm als Inhaber der Herrschaft Emmerberg genützt hätte.

mini|links|Bei Bad Fischau / Brunn führt die Prosset am meisten Wasser Die letzte militärische Auseinandersetzung im Gebiet der Prosset war im April 1945. Die Rote Armee kam am 1. April immer näher. Es gab zurückflutende Fahrzeugkolonnen Richtung Piesting. Der Bürgermeister von Winzendorf verkündete am Nachmittag, dass die Russen in der Prosset aufgehalten werden sollten und stellte den Bewohnern frei, zu fliehen. Viele flüchteten auf die Hohe Wand. In der Nacht sprengt die Wehrmacht alles, was den Russen nützlich sein konnte. Am nächsten Tag (Ostermontag) lag die Teichmühle bereits im Bereich russischer Minenwerfer. Gesperrt wurde die Prosset aber nicht. Um 18:30 Uhr rückten die Russen in Muthmannsdorf ein, verabsäumten aber, die Hohe Wand zu besetzen. Auf dieser verschanzte sich über drei Wochen die Wehrmacht und in dieser Zeit gab es Artillerieduelle, die häufig das Gebiet der Prosset um die Teichmühle zum Ziel hatten, da es ein potentieller russischer Nachschubweg war. Die Kämpfe führten zu großen Personen- und Sachschäden. Das Gasthaus Zum Kalkmetzen am Ausgang der Klause, das damals weiter hinten am Hang lag, brannte samt Garage aus, der Gasthof Zur Teichmühle am Eingang der Schlucht wurde zum Teil zerstört.

Staudamm-Projekt „Heil Land“ 1922 Die topografische Situation der Neuen Welt, große Mulde (Synklinale) mit engem Wasserabfluss (Prosset) führte mehrfach zu Plänen für größere Stauprojekte, als es der Teich der Teichmühle war. 1922 präsentierte der Badener Architekt Fritz Malcher (1888–1933) sein „Heil Land“ Projekt.Rollettmuseum Baden / Rudolf Maurer: Nachlass Fritz Malcher. 1996, abgerufen am 9. Dezember 2023 Detailliert geplant (mit 5.000 Arbeitsstunden) wurde ein großer Stausee in der Neuen Welt, wobei „Muthmannsdorf am See“ durch eine Mauer geschützt gewesen wäre, da es tiefer liegt. Der Namensteil „Heil“ bezieht sich auf geplante Sanatorien in Stollhof. Die Tuberkulose war in Wien nach dem Ersten Weltkrieg ein ernstes Problem, ebenso die große Wohnungsnot. „Land“ steht für geplante Einfamilienhaussiedlungen am Fuße der Hohen Wand. Eine Staumauer sollte auf Höhe altes Posthaus zur Sperre der Prossetschlucht stehen und ein kleines Kraftwerk hätte die Gegend mit Strom versorgt. Das Projekt wurde trotz intensiver Gespräche nicht realisiert. Es war eine wirtschaftlich (Hyperinflation) und politisch (Trennung von Wien und Niederösterreich) schwierige Zeit und es hätte der natürliche Wasserzufluss in der Neuen Welt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ausgereicht, die Verdunstung und Versickerung (zwar weitgehend dichter Tonboden, aber z. T. auch Schotter) auszugleichen.

Emmerberg (Ortschaft) mini|Oberes Ende der Prosset mit Teichmühle