mini|Kunigundenkapelle bei Bullenheim
Ippesheim (fränkisch: IbbesiE. Fuchshuber: Uffenheim, S. 109. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „ibbəsi“.) ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken.
Geografie Geografische Lage Markt Ippesheim mit seinen Gemeindeteilen Ippesheim, Bullenheim und Herrnberchtheim liegt 15 km südlich von Kitzingen unterhalb der südwestlichen Ausläufer des Steigerwaldes im Tal der Iff auf einer Höhe von 270–. Der tiefste Punkt (Winkelmühle an der Iff) liegt auf ca. 250 m, der höchste (Aussichtsturm auf dem Plateau des Bullenheimer Berges) auf 456 m. Bullenheim und Ippesheim haben Waldbesitz auf den Keuperhöhen der Frankenberge mit ihren Zeugenbergen (Bullenheimer Berg, Scheinberg), ihre Gemarkungen werden von der steil eingeschnittenen Iff durchflossen, in ihren westlichen Teilen liegen sie im fruchtbaren mainfränkischen Gäuland. Die waldlose Gemarkung von Herrnberchtheim befindet sich überwiegend auf der flachwelligen Gäufläche, die man hier schon zum Uffenheimer Gau rechnet.
Im Norden des Gemeindegebietes und in den angrenzenden Markungen befindet sich der Kunigundenwald. Er wurde bis ins 15. Jahrhundert von Ippesheim und sieben weiteren Dörfern, nämlich Bullenheim, Seinsheim, Iffigheim, Wässerndorf, Herrnsheim, Hüttenheim und Nenzenheim, als markgenossenschaftliches Eigentum gemeinschaftlich verwaltet. Der Sage nach soll er von der Kaiserin Kunigunde, der Bamberger Bistumsheiligen, den Dörfern geschenkt worden sein.Klarmann/Spiegel: Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. Gerolzhofen 1912, S. 242 ff.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Seinsheim, Willanzheim, Sugenheim, Weigenheim, Gollhofen und Martinsheim.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Bullenheim (Kirchdorf) Gemeindemühle (Einöde) Herrnberchtheim (Pfarrdorf) Ippesheim (Hauptort) Winkelmühle (Einöde)
Außerdem gibt es die Einöden Doktormühle, Jackenmühle, Merkleinsmühle, Rothmühle, Schreinersmühle, die zum Gemeindeteil Ippesheim zählen, und die Einöde Zapfenmühle, die zum Gemeindeteil Herrnberchtheim zählt. Ziegelhütte war ein Gemeindeteil von Ippesheim, der mittlerweile wüst gefallen ist.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bullenheim, Herrnberchtheim und Ippesheim. Die Gemarkung Ippesheim hat eine Fläche von 10,929 km². Sie ist in 1658 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6591,68 m² haben.
Geschichte Vorgeschichtliche Zeit Kreisgrabenanlage von Ippesheim Im Jahr 1989 wurde diese Anlage mit 65 m Durchmesser mit Hilfe der Luftbildarchäologie entdeckt. Sie gehört zu der Großgartacher Kultur (etwa 4900–4700 v. Chr.) und ist etwa 3000 Jahre älter als die Höhensiedlung auf dem Bullenheimer Berg. Die Erosion hat dort viel Erde abgetragen. In der Nähe war ein Siedlungsareal von mindestens 5 Hektar mit zahlreichen Hausstellen, das von einem Graben umgeben war.Bullenheimer Berg, Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen, Band 5.
Die Erbauer dieser Kreisgrabenanlage nutzten markante Punkte des östlichen Horizonts, um die Beobachtungsgenauigkeit der Sonnenwenden um mindestens den Faktor 10 zu erhöhen. So war das spektakuläre Auftauchen der Sonnenscheibe in dem Zwickel zwischen dem Südhang des Bullenheimer Berges und der blickdichten Palisade nur einmal pro Jahr zu sehen. Die Peilung zum Südhang des Weigenheimer Kapellbergs auch eine taggenaue Bestimmung der Wintersonnenwende.
Es ist anzunehmen, dass es sich um ein kultisches Zentrum handelte, auch wenn Form, Ablauf und religiöser Inhalt unbekannt sind. Sicher hatte diese Anlage eine Bedeutung für die zugehörige Siedlung. Hinweise dafür geben Scherben aus dem bayerischen Donauraum und gebänderte Plattenhornsteine aus dem Feuersteinabbaugebiet im Landkreis Kelheim.
Bisher nicht geklärt ist die Bestattung eines Mannes, der (ursprünglich als Frau angesen) kopfüber im Zentrum dieser Kreisgrabenanlage ausgegraben wurde. In dieser Grube fand man auch ein reichlich verziertes Bauchknickgefäß, das in die Zeit 4700 v. Chr. einzuordnen ist. Das ist die einzige bisher entdeckte kopfüber senkrechte Bestattung im voreisenzeitlichen Mitteleuropa. Diese Art der Bestattung weist auf ein „Auflassungsopfer“ hin. Warum diese Anlage nach wenigen Generationen aufgelassen (aufgegeben) wurde, ist unbekannt.Mythos Bullenheimer Berg.
Berliner Goldhut Für den Ursprung des Berliner Goldhutes, der aus einer Raubgrabung stammt, wird als ursprünglichen Fundort der Bullenheimer Berg verortet, denn im selben Jahr 1996 wurde der Bullenheimer Goldschatz (Ornat) auf dem Schwarzmarkt angeboten und vom bayerischen Staat gekauft. Beide Funde zeigen die gleichen Ornamentmuster, zudem wurden alle Goldhüte auf der Ost-West-Linie 49° gefunden. Auch Bullenheim liegt bei 49,6°.
Man geht heute davon aus, dass die Goldhüte religiös-kultischen Zwecken dienten und von Priestern eines in der späten Bronzezeit in Zentraleuropa verbreiteten Sonnenkultes verwendet wurden. Auf dem Bullenheimer Berg lebten damals auf einer Fläche von 38 Hektar etwa 1500 Menschen. Das war damals eine Großstadt, denn es lebten nur ca. 30 bis 40 Millionen Menschen auf der Erde. Sicher gehörten diese Goldfunde einem Würdenträger, Priester oder Stammeshäuptling; auch das Vorhandensein eines Kultwagens als fahrbare „Vogel-Sonnenbarke“ verstärkt den Eindruck, dass dort ein „heiliger Berg“ war.
Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde in Urkunde, die im Zeitraum von 820 bis 845 entstanden ist, als „Ippinesheim“ erstmals erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Ippin.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 110f. Karl der Große und sein Sohn Pippin sollen dem Kloster Fulda u. a. diesen Ort geschenkt haben.W. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 110. Seit dem Bau der Burg Vorderfrankenberg um 1250 – möglicherweise durch die Burggrafen von Nürnberg oder die Herren von Hohenlohe – gehörte Ippesheim zu dieser Burg. Vorderfrankenberg war ab ca. 1380 eine ritterschaftliche Herrschaft, zunächst der Seckendorff, dann der Heßberg und Absberg und ab 1520 der Herren von Hutten, die die heute noch bestehende Schlossanlage bauen ließen. Mit der Herrschaft Vorderfrankenberg waren Halsgericht, Zoll und Geleit als Reichslehen verbunden. Zur Zent Ippesheim gehörten neben Frankenberg und Ippesheim die Orte Geckenheim und Herrnberchtheim sowie der Aspachhof. 1783 starben die Herren von Hutten auf Frankenberg aus, Ippesheim kam zusammen mit Reusch an die Allodialerben (weibliche Erbfolge), zunächst der Wöllwarth und dann der Grafen von Ortenburg, die auch das huttische Rittergut Birkenfeld in den Hassbergen geerbt hatten. Bis 1848 existierte in Ippesheim ein adeliges Patrimonialgericht für Ippesheim und Reusch. Nach der Ortschronik von Oskar Oppitz kaufte der Ort in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Marktrecht von der Herrschaft Vorderfrankenberg. Bis heute werden im Frühjahr und im Herbst Jahrmärkte in Ippesheim abgehalten.
Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Ippesheim gebildet. Zu diesem gehörten Conradsmühle, Doktormühle, Jackenmühle, Lanzenmühle, Merkleinsmühle, Reusch, Rothmühle, Schloßmühle, Schreinersmühle, Zellesmühle und Ziegelhütte. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Ippesheim mit den Orten Conradsmühle, Doktormühle, Jackenmühle, Merkleinsmühle, Rothmühle, Schreinersmühle und Ziegelhütte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Uffenheim zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Uffenheim (1919 in Finanzamt Uffenheim umbenannt). Ab 1862 war das Bezirksamt Uffenheim für die Verwaltung der Gemeinde zuständig (1939 in Landkreis Uffenheim umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Uffenheim (1879 in Amtsgericht Uffenheim umbenannt), seit 1973 ist das Amtsgericht Neustadt an der Aisch zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 10,945 km².
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Herrnberchtheim, die am 2. Januar 1905 umbenannt wurde (vorheriger Name Bergtheim), eingegliedert. Bullenheim gehörte von 1857 bis 1932 zum Bezirksamt Kitzingen und kam dann nach Uffenheim. 1972 kehrte es für sechs Jahre nach Kitzingen zurück. Am 1. Januar 1978 kam Bullenheim (vorheriger Name Bülnheim) zum Markt Ippesheim.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1155 auf 1095 um 60 Einwohner bzw. um 5,2 %. Gemeinde Ippesheim Jahr 1987 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022Einwohner 1165 1132 1095 1098 1075 1132 1138 1141 1146 1087 1091 1100 1095 1098 1112 1126 1125Häuser 360 407 409 410 412 414 417 418 421 422 423Quelle
Ort Ippesheim (= Gemeinde Ippesheim bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2014Einwohner 609 710 743 736 730 741 715 718 730 684 670 660 674 692 642 636 636 626 597 745 767 726 619 560 513 502HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 153 124 136 146 151 160 147 140 139 161 Quelle Für die Gemeinde Ippesheim zuzüglich Conradsmühl (S. 16), Doktormühle (S. 19), Jacobsmühl (S. 44), Rothmühle (S. 78), Schreinersmühle (S. 83), Stoffelsmühl (S. 90) und Ziegelhütte (S. 106).
Politik Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Uffenheim.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Karl Schmidt. Vorgängerin war Doris Klose-Violette (Wählergemeinschaft).
Marktgemeinderat Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Marktgemeinderat (Vergleich zur Wahl 2014): Dorfgemeinschaft Herrnberchtheim DGH: 4 Sitze (±0) Wählergemeinschaft Bullenheim WGB: 3 Sitze (±0) Wählergemeinschaft Ippesheim WGI: 5 Sitze (±0)
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-gelb-rot.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Der Weinbau- und Heimatverein Ippesheim hat das ehemalige Kutscherhaus des Schlosses Lichtenstein einer gründlichen Renovierung unterzogen und dort das Heimatmuseum Ippesheim eingerichtet. Alljährlich findet dort das Schlossweinfest statt..
Baudenkmäler
Kunigundenkapelle (Bullenheim) Rathaus (Bullenheim) St. Leonhard (Bullenheim) Evangelische Kirche (Herrnberchtheim) Heiligkreuz (Ippesheim) Pferdeschwemme (Ippesheim) Schloss Ippesheim
Bodendenkmäler
Burgstall Burkertsgräben Turmhügel Herrnberchtheim
Musik Bläserchor Ippesheim Kirchenchor Ippesheim Männergesangverein Markt Ippesheim 1869 Posaunenchor Bullenheim Posaunenchor Herrnberchtheim Weinprinzessinnenchor der Mittelfränkischen Bocksbeutel-Straße (gegründet 1999)
Wirtschaft und Infrastruktur Weinbau