Das Doom Shall Rise war ein international anerkanntes Festival für Doom Metal und gelegentlich einiger Subspielarten des Doom Metals.
Das seit dem zweiten Jahr in Göppingen ansässige Festival fand zwischen 2003 und 2013 insgesamt acht Mal statt. Es galt aufgrund der auftretenden Künstler und des familiären Rahmens bei Interpreten und Zuschauern als Veranstaltung mit Kult-Charakter. International renommierte Bands wie Reverend Bizarre, Revelation, Place of Skulls, Count Raven, While Heaven Wept oder Wino traten trotz des kleinen Rahmens im Zuge des zweitägigen Festivals auf. Diverse auf Metal spezialisierte Musikzeitschriften und Webzines widmeten sich mit Berichten, Specials und Nachrufen der Veranstaltung, die als erste ihrer Art gilt.
Rezeption mini|Doom-Metal-Veranstaltungen wie dem Hammer of Doom in Würzburg, hier Publikumsphoto aus dem Jahr 2015, ebnete das Doom Shall Rise den Weg Seit der Erstauflage wurde das Festival durch Specials des Webzine Vampster begleitet, auch andere Webzines und Musikzeitschriften berichteten über einzelne Veranstaltungen und die aufgetretenen Künstler.
Der Redakteur des Deaf Forever Andreas Stappert bezeichnet die Veranstaltung in seiner Darstellung der internationalen Genre-Historie als legendär. In der gleichen Heft-Ausgabe beschreibt er das Doom Shall Rise als weltweit renommiertes Underground-Festival, welches hinsichtlich der Entwicklung der internationalen Doom-Szene geleistet habe. Auch der Sachbuchautor Aleksey Evdokimov bezeichnet in seinem Doom Metal Lexicanum das Festival als eine der ersten und zentralen Veranstaltungen, welche die Entwicklung der Doom-Szene nachhaltig beeinflusst habe. Hierzu vergleicht er das Doom Shall Rise mit dem 2009 erstmals abgehaltenen Malta Doom Metal Fest und dem im Herbst 2003 initiierten und mehr dem Death und Funeral Doom gewidmeten Festival Dutch Doom Days, das damals als Ein-Tages-Festival Dutch Doom Day stattfand. Dabei stünden diese Veranstaltungen für die Verbundenheit und das Engagement der Szene. Spätere Veranstaltungen wie das Hammer of Doom konnten auf dem Erfolg dieser Veranstaltungen aufbauen. Ergänzend beschreibt er das Festival als hoch Respektiert in der globalen Doom-Metal-Szene. Ebenso führt der Pädagoge Christoph Lücker, in seiner Darstellung der Metal-Szene Das Phänomen Heavy Metal: Ein Szene-Porträt, das Festival als Beleg für die Treue und Ergebenheit der Doom-Fans an und zitiert den Mitveranstalter Frank Hellweg, mit der Position, die Musik sei den Organisatoren, Fans und Musikern . Gerrit Philipp Mutz von Dawn of Winter unterstreicht im Gespräch mit Wolf-Rüdiger Mühlmann diese Einschätzungen und bestätigt, dass eine vergleichbare Veranstaltung in den 1990er Jahren nicht existierte. Im gleichen Interview bezeichnet er den Veranstalter Jochen Fopp als Mr. Doom.
Hintergrund und Rahmen Grundidee Frank Hellweg von Well of Souls und Jochen Fopp von Mirror of Deception fabulierten bereits Jahre vor dem ersten Doom Shall Rise von einem auf Doom Metal spezialisierten Festival. Das Ziel des Festivals sei die Etablierung einer jährlichen Veranstaltung gewesen, bei der Newcomer sowie etablierte Bands vorgestellt werden und einige Interpreten zum ersten Mal in Europa auftreten.
Als wichtige Inspiration bezeichnete Fopp das wirtschaftlich fehlgeschlagene eintägige „Doom in Bloom Fest“, das Mitte der 1990er stattfand. Hellweg und Fopp sprachen während einer gemeinsamen Tournee mit der italienischen Band Thunderstorm über das Festival und entwickelten aus diesem Gespräch die Idee zum Doom Shall Rise.
Bandauswahl und -vereinbarungen Der Schwerpunkt des Festivals lag von Beginn weg auf dem traditionellen Doom Metal. Vertreter weiterer Doom-Spielarten wurden sporadisch gebucht, um das Programm aufzulockern. Wesentlich blieb derweil die Doom-Kompatibilität. Auf Auftritte von Vertretern entfernterer Metal-Spielweisen verzichtete das Organisationsteam bewusst, trotz entsprechender Bewerbungen. Ein Teil der gebuchten Gruppen bewarb sich um eine Teilnahme, andere Interpreten wurden über die persönlichen Kontakte der Organisatoren eingeladen. Dabei entschieden Hellweg, Fopp und Astalosch nach ihrem persönlichen Geschmack. Insbesondere Gruppen, die nicht traditionellen Doom Metal präsentierten, stießen beim Publikum im Vorfeld des jeweiligen Festivals auf Widerstand – doch ihre Auftritte erwiesen sich häufig als besonders positives Erlebnis. Die Bands der ersten Festivals brachten sich dem Ansinnen einer familiären Veranstaltung entsprechend ohne Gage ein. Das Organisationsteam übernahm lediglich die Unterbringungskosten der Gruppen. Bei späteren Auflagen des Doom Shall Rise wurde den Headlinern hinzukommend die Anreise finanziert.
mini|Der Saint-Vitus-Gründer und -Gitarrist Dave Chandler trat zwar nicht mit den populären Saint Vitus beim Doom Shall Rise auf, jedoch 2006 mit Debris Inc. Vor dem Hintergrund des Ziels eines „Underground-Festivals“ mit familiärer Atmosphäre sprachen sich die Organisatoren gegen Buchungen der erfolgreichsten Gruppen des Doom-Metal-Spektrums aus. Die Mehrkosten, die durch Gruppen wie Candlemass, Trouble, Saint Vitus, Cathedral oder My Dying Bride entstünden, wären bei der angestrebten Veranstaltungsgröße und -atmosphäre nicht zu tragen gewesen. Allerdings traten einige Musiker dieser Gruppen mit anderen Projekten beim Doom Shall Rise in Erscheinung: die Trouble- und Saint-Vitus-Musiker zum Beispiel mit Debris Inc. und Wino, Pentragram-Musiker mit Place of Skulls und In-Graved.
Publikum, Ort und Termin Das erste Doom Shall Rise fand im Februar 2003 in einer Turnhalle in Triensbach bei Crailsheim statt und bot 350 Zuschauern Platz. Zum zweiten Festival änderte das Team die Veranstaltungs-Modalitäten. Diese blieben weitestgehend bis zum letzten Doom Shall Rise erhalten und wurden stets mit dem Festival assoziiert.
Als Austragungsort wurde die „Chapel“, eine ehemalige Militärkirche im Stauferpark in Göppingen, akquiriert. Auf die Örtlichkeit wurde in Festivalbesprechungen mehrfach hingewiesen da, so die Rezensenten, die Kirche Der Hauptraum hatte einer der vorherigen Nutzung des Gebäudes entsprechende Höhe, bunte Bleiglasfenster, eine verglaste Empore, und bot bis zu 1000 Besuchern Platz. Die einstige Sakristei wurde als Aufenthaltsraum der Musiker genutzt, und die Krypta, welche als Konzertkeller für 250 Personen angelegt war, wurde als Rückzugsraum für das Publikum gestaltet.
Ebenso wurde der Zeitpunkt der Veranstaltung verändert, Als Termin wurde seit dem zweiten Festival ein Freitag sowie ein Samstag im Frühjahr, zumeist im April, gewählt.
Zum ausverkauften zweiten Doom Shall Rise reisten insgesamt 500 Zuschauer aus Deutschland, Belgien, Brasilien, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Schweden, Spanien und Österreich an. Die optionalen 1000 Besucher wurden nie kalkuliert. Nach der ersten Festival-Pause im Jahr 2008 wurde die Zuschauerzahl auf etwa 800 Besucher erhöht. Davon wurden 680 Personen als zahlende Gäste zum sodann ausverkauften Doom Shall Rise zugelassen. Weiter wurde die Zuschauerzahl nicht mehr erhöht. Die Internationalität des Publikums blieb der Veranstaltung vorerst erhalten. Die ersten Veranstaltungen waren meist binnen eines Wochenendes ausverkauft, später verringerte sich der finanzielle Erfolg. Nicht zuletzt die wachsende Konkurrenz im Zuge der sich entwickelnden Kommerzialisierung der Doom-Metal-Szene trug so zum Ende des Doom Shall Rise bei.
Übernachtung und Verpflegung Das Festival bot kein eigenständiges Gelände und keine Möglichkeit zum Zelten. Der „Chapel“ genannten Veranstaltungsstätte vorgelagert befand sich ein größeres Areal, das jedoch im Besitz der Stadt Göppingen war und den Veranstaltern nur unter horrenden Bedingungen überlassen worden wäre. Hinzukommend erläuterte Hellweg, dass die Betreuung und abschließende Reinigung des Areals zuzügliches Personal, beziehungsweise weitere Zeit des bestehenden eingebundenen Personals, gebunden hätte. Beide Faktoren verhinderten ein eigenes Campingareal, wodurch Festival-Gäste Hotels und Pensionen buchen mussten.
Für die Verpflegung während des Festivals zeichneten die Betreiber des Veranstaltungsortes verantwortlich. Die ehemalige Krypta im Keller der „Chapel“ wurde neben dem obligatorischen Ausschank im Veranstaltungssaal als Café und Bar betrieben. Dort wurden Essen und Getränke an die Gäste verkauft. Ergänzend wurde der Beginn des zweiten Veranstaltungstages auf den Nachmittag gelegt, wodurch Gäste Zeit zur Selbstversorgung besaßen.
Geschichte Findungsprozess – Doom Shall Rise I und II Gemeinsam mit dem damaligen Inhaber der Rockkneipe Die Eiche Roman Astalosch bildeten sie das Organisationsteam des ersten Festivals. Während Hellweg und Fopp aus ihrer eigenen Musikerlaufbahn den Kontakt zu Musikgruppen besaßen, verfügte Astalosch mit Die Eiche über eine angemessen erscheinende Räumlichkeit und eine regionale Vernetzung. Da „Die Eiche“ bei Beginn des Vorverkaufs als Räumlichkeit bald zu klein erschien, änderte das Team den Ort und wich auf eine nahegelegene Sporthalle aus. Binnen zwei Tagen war das Festival ausverkauft. Das Team buchte ein Hotel für die auftretenden Künstler sowie eine Tournee für die angereisten Revelation, Reverend Bizarre gemeinsam mit Mirror of Deception um die Kosten zu reduzieren. Fünf Monate vor dem geplanten Festival wurden in einem Special im Webzine Vampster ab Oktober 2002 viele der vorgesehenen Künstler vorgestellt.
mini|Die amerikanische Band Revelation, hier Live in New York 2010, trat als Headliner des ersten Doom Shall Rise auf Das Festival fand am Freitag, den 7., und Samstag, den 8. Februar 2003, statt. Neben international renommierten Szenegrößen wie den maltesischen Forsaken, den italienischen Thunderstorm, den finnischen Reverend Bizarre und den amerikanischen Revelation traten Hellweg mit Well of Souls und Fopp von mit Mirror of Deception vor etwa 350 Zuschauern auf. Im Nachgang wurde die Veranstaltung als europaweit, manchen Berichten zur Folge sogar weltweit, erstes reines Doom-Metal-Festival seiner Art gerühmt und mitverantwortlich für den Erfolg des Genres im Verlauf der 2000er Jahre gemacht. Mehrere Webzines besprachen und lobten das Festival. Trotz der positiven Resonanz bezeichnete Hellweg die Veranstaltung als wirtschaftliches Verlustgeschäft. Aufgrund der positiven Reaktionen entschied sich das Team dennoch für eine Fortführung.
Das zweite Festival fand unter veränderten Bedingungen statt. Der Termin wurde in den April verlegt, und als Austragungsstätte konnte mit der „Chapel“ eine ausgediente, großräumige Militärkirche in Göppingen gewonnen werden. Am Freitag, den 2., und Samstag, den 3. April 2004, fand das zweite Doom Shall Rise mit international bekannten Gruppen wie den irischen Mourning Beloveth, den schwedischen Count Raven und den amerikanischen While Heaven Wept statt. Das Organisationsteam war zum zweiten Festival darum bemüht in die Auswahl der Gruppen zu bringen, nachdem das erste Festival von traditionellen Doom-Gruppen geprägt wurde. Entsprechend traten mit Drecksau, Spancer und Thee Plague of Gentlemen drei Sludge- mit Pantheist eine Funeral- und mit Mourning Beloveth eine Death Doom Band neben den Gruppen des Epic und des traditionellen Doom Metals auf. Entgegen der Erwartungshaltung des Publikums traten Well of Souls und Mirror of Deception nicht beim zweiten Doom Shall Rise auf. Hellweg begründete die Entscheidung gegen den eigenen Auftritt mit der Möglichkeit anderen Gruppen keinen Platz nehmen zu wollen.
Fortführung mit bestehendem Konzept – Doom Shall Rise III bis V