mini|hochkant=1.3|Erlanger Straße, mittig die evangelisch-reformierte Kirche im Palais von Gleichen aus dem Jahr 1743 mit dem 1989 aufgesetzten Dachreiter mini|Südwestliche Innenstadt auf einem Stadtplan von 1910 Die südwestliche Innenstadt von Bayreuth stellt das Bindeglied zwischen dem alten Stadtkern und dem peripher gelegenen Stadtteil Altstadt dar.

Lage mini|Roter Main und Schlachthausbrücke, rechts das 1935 abgerissene „Gasthaus zum Main“ Das Gebiet lässt sich durch den Mistelbach sowie die Hindenburgstraße, den Straßenzug Hohenzollernring–Wittelsbacherring (Teil des „Stadtkernrings“), die Rathenaustraße, die Bismarckstraße und die Scheffelstraße eingrenzen. Bis zu seiner Verlegung und Kanalisierung während des Ersten Weltkriegs bildete der Rote Main die nördliche Abgrenzung des Gebiets. Einzige Möglichkeit zu dessen Überquerung war die „Schlachthausbrücke“ im Bereich der heutigen Kreuzung Mühltürlein/Hohenzollernring.

Geschichte Der heutige Stadtteil Altstadt ist vermutlich älter als die Stadt Bayreuth selbst. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde er als Altenstadt bezeichnet und trug möglicherweise vorher den Namen „Reut“.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 24.

Der vorgelagerte Ort Altenstadt wurde erst im Jahr 1840 nach Bayreuth eingemeindet, ab 1480 hatten dessen Bewohner aber bereits das Bürgerrecht der Stadt. Der Hauptverkehrsweg zwischen den beiden Orten verlief entlang der heutigen Erlanger Straße, dem damaligen „Kirchweg“, den die Bürger auf dem Weg zum Gottesdienst nutzten. Denn nach dem Bayreuther Landbuch von 1421/24 war die Sankt-Nikolaus-Kirche in der Altenstadt die „rechte Pfarrkirche“ der Stadt, die Stadtkirche intra muros nur deren Tochterkirche.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 28. An der Nordseite des Kirchwegs lag seit 1545 der städtische „Gottesacker“ (Friedhof) mit der 1562 geweihten ersten Gottesackerkirche.

mini|Brücke der Kulmbacher Straße über den Mistelbach Vom Unteren Tor am Pauschenberglein breitete sich die Stadt außerhalb ihrer Mauer nach Nordwesten und Südwesten hin aus. Die Bebauung der unteren Erlanger Straße lässt sich bereits Anfang des 17. Jahrhunderts nachweisen.Gottfried Lindner, Wolfgang Bouillon: Unsere Altstadt, S. 35. 1745 war die Erlanger Straße bis zu den heutigen Hausnummern 24a und 31 bebaut, hinzu kamen vereinzelte Gebäude in Friedhofsnähe. Darunter war das Haus Erlanger Straße 59, wo vermutlich bereits 1449/50 ein „Siechenhaus“ (Krankenhaus) geschaffen wurde. Das Gebäude wurde 1580 neu aufgebaut, es erhielt 1784 ein Obergeschoss und wurde 1848 in ein Armenhaus umgewandelt. 1979 wurde es unter Berücksichtigung von Auflagen des Denkmalschutzes abgebrochen, zwei Jahre später entstand ein Neubau unter Herstellung des äußeren Erscheinungsbilds. Der dort befindliche Brunnen wurde zunächst neben die Rotmainhalle versetzt, heute steht er auf dem Bernd-Mayer-Platz neben der Stadtkirche.Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 122 ff.

Auch beiderseits der Kulmbacher Straße, die bereits 1447 gepflastert und früher als Steingasse bzw. SteinwegDer Name verweist auf den alten Flurnamen Der Stein, er war bereits vor der Pflasterung der Straße gebräuchlich. bezeichnet wurde, wuchs die Stadt ab dem 16. Jahrhundert über ihre Befestigung hinaus.Kurt Herterich: Ein Bayreuther Straßendreieck, S. 7. Auf ihrer Südseite ist 1745 der Spitalhof nachweisbar; die vor 1447 erbaute Brücke über den Mistelbach ist die älteste Brücke der Stadt.Neues Korsett für die alte Brücke in: Nordbayerischer Kurier vom 2. November 2020, S. 8. Mit der Bebauung der Straße Graben und der Wolfsgasse endete die Erschließung des Gebiets zunächst, die weitere Bautätigkeit in westlicher Richtung erfolgte erst im 19. Jahrhundert. 1850 reichte die Bebauung der Südseite der Erlanger Straße bereits bis über die heutige Hardenbergstraße hinaus.Plan von 1850 bei www.bayerische-landesbibliothek-online.de, abgerufen am 14. August 2018

Die historischen Gebäude in diesem Bereich, an der einstigen Straße Graben, der Austraße und der (alten) Wolfsgasse sowie am „Schoberths-Eck“ fielen in der Nachkriegszeit weitgehend der Spitzhacke zum Opfer. Ursache hierfür war der Bau der vierspurigen Umgehungsstraße „Stadtkernring“ in den 1970er Jahren. Erhalten blieben Häuser an der Südseite der Erlanger Straße, darunter das 1743 von Joseph Saint-Pierre erbaute Palais von Gleichen, das die evangelisch-reformierte Kirche seit 1755 als Sakralbau nutzt.Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 109. mini|Ehemalige Offiziershäuser in der Rathenaustraße

Um 1900 wurde der Bereich südlich der Erlanger Straße baulich erschlossen. Bereits aus dem Jahr 1889 stammt die Rathenaustraße (vor 1947: Kasernstraße bzw. Straße des 7. Infanterieregiments) als nördliche Begrenzung des Kasernenviertels. Am Nordrand der Rathenaustraße wurden im Zuge des Kasernenbaus im Baustil der Kasernen Häuser errichtet, in denen Offiziere mit ihren Familien in gehobenem Wohnstil lebten. 1893 wurde die Karlstraße (seit 1947: Albert-Preu-Straße),Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A–Z, S. 20. 1897 wurden die Sedanstraße (seit 1947: Oswald-Merz-Straße)Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A–Z, S. 92. und der östliche Abschnitt der RupprechtstraßeRosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A–Z, S. 101. angelegt. Die Bismarckstraße entstand, zunächst zwischen der Karl- und der Sedanstraße, im Jahr 1901.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A–Z, S. 29.

Zwischen der Erlanger Straße und der Bismarckstraße wurde eine Stadtrandsiedlung mit stattlichen, mehrgeschossigen Wohnhäusern villenhaften Zuschnitts errichtet. In der Villa des Fabrikbesitzers Adolf Bayerlein, der zugleich rumänischer Konsul war, hatte in der Karlstraße das Königlich Rumänische Konsulat seinen Sitz.Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 145.

1902 wurde an der Sedanstraße die Luitpoldschule fertiggestellt. Sie war nach der Central-Schule (heutige Graserschule) und der Volksschule in Sankt Georgen die dritte große Volksschule der Stadt. Das am 1. September 1902 eingeweihte, für 20 Schulklassen konzipierte Gebäude hat sich in seiner äußeren Form nicht mehr verändert. Namengebend war Luitpold von Bayern,Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 141 f. Prinzregent des Königreichs Bayern von 1886 bis 1912. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Gebäude als Lazarett genutzt.

Die vom Bauverein gebauten Mietwohnungskomplexe am Y-förmigen Teil der westlichen Rupprechtstraße stammen aus den Jahren 1924–1926.Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt, S. 147 ff. Bis dahin wurde alljährlich von ca. 1900 bis 1914 sowie 1920 und 1921 auf der dortigen „Baumanns-Wiese“ das Schützenfest der 1890 gegründeten Schützengilde „Unteres Tor“ veranstaltet. Damit war stets ein kleines Volksfest mit Karussellen, Schiffsschaukeln, Glücks- und Schaubuden verbunden. 1912 wurde, als große Neuerung, der gesamte Festplatz erstmals elektrisch beleuchtet; 1914 führte das Attentat von Sarajevo zu einem vorzeitigen Abbruch.Ronald Werner: Schützen als Wegbereiter des Volksfestes in: Heimatkurier 3/1997 des Nordbayerischen Kuriers, S. 21.

Struktur mini|Justizpalast Am unteren Ende der heutigen Maximilianstraße begannen die Landstraßen nach Kulmbach und Bamberg (sog. Hohe Straße) bzw. Erlangen. Während erstere ihre Funktion als solche verloren hat, ist die Erlanger Straße weiterhin die Ausfallstraße in Richtung Westen. Den Verkehr in der Gegenrichtung nehmen die Bismarckstraße und die Rathenaustraße auf. Zwischen dem Hohenzollernring und ihrer Vereinigung fungieren die Erlanger Straße und die Bismarckstraße seit Mitte der 1970er Jahre als Einbahnstraßen.Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 88.

Vor allem durch den Bau des Stadtkernrings wurde die älteste Substanz des Viertels weitgehend zerstört. Die östliche Erlanger Straße verlor ihren Charakter, der durch Einzelhandel und Gastwirtschaften geprägt war. Im Wittelsbacherring ging die Leonrodstraße auf, deren Bebauung jedoch erhalten blieb. An deren Ecke zur Wilhelminenstraße wurde 1904 der Justizpalast eingeweiht. In den als „Zentraljustizgebäude“ genutzten Bau sollten im Frühjahr 1945 mehrere Senate des Volksgerichtshofs verlegt werden.Kurt Herterich: Durchs südwestliche Bayreuth, S. 19 ff. Gegenüber, in der Wilhelminenstraße 9, befindet sich seit 1953 die Hochschule für evangelische Kirchenmusik der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern.

Mit der Begradigung des Roten Mains in der Unteren Au Anfang der 1930er Jahre verlor die Schlachthausbrücke ihre Funktion; sie verschwand im Zuge des Baus der Hindenburgstraße. 1935 wurde dort das Gebäude der über 200 Jahre alten Gastwirtschaft „Gasthaus zum Main“ abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.Bernd Mayer: Das Ende eines Altbayreuther Endembles in: Heimatkurier 3/2005 (Beilage des Nordbayerischen Kuriers), S. 22.

Jenseits der Schlachthausbrücke lag das Mainflecklein,Auf einer Karte von 1775 als „Gemein Flecklein“ eingezeichnet, bestimmt für den allgemeinen Gebrauch; ein Zusammenhang mit dem Roten Main besteht bezüglich des Namens nicht. eine Wiese, die die Bewohner der Stadt, z. B. zum Wäschetrocken, unentgeltlich nutzen konnten.Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A–Z, S. 22 f. Dort wurden auch Versammlungen und Volksfeste abgehalten, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Gelände als Barackenviertel und später als Parkplatz. In den 1990er Jahren entstanden dort ein Parkhaus und das 1997 eröffnete Multiplex-Filmtheater „Cineplaza“.Vor 25 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 12./13. Februar 2022, S. 10.

Vernichtung historischer Bausubstanz nach 1945 Erlanger Straße Nach 1945 wurden die folgenden Häuser abgerissen: Erlanger Straße 2, zuletzt Gaststätte Weißes Rössel, abger. 1974 Erlanger Straße 4, zuletzt Bavaria-Drogerie Eysser und Bäckerei Hammon Erlanger Straße 6 („Eck-Schoberth“), zuletzt Gaststätte Schoberth, Fachwerkhaus Erlanger Straße 8, zuletzt Färberei Wacht Erlanger Straße 10, zuletzt Drogerie Eysser und Schreibwarenhandlung Horlbeck Erlanger Straße 11, Eckhaus zur Wolfsgasse Erlanger Straße 12, zuletzt Gaststätte Unteres Tor Erlanger Straße 13, zuletzt Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung Räbiger Erlanger Straße 14, zuletzt Fahrrad-, Nähmaschinen- und Büromaschinenhandlung Schröck Erlanger Straße 15, zuletzt Lebensmittelgeschäft Rabenstein Erlanger Straße 16, zuletzt Metzgerei Hoffmann Erlanger Straße 17 Erlanger Straße 18, zuletzt Kolonialwarenhandlung Schorr und Schneiderei Hertel Erlanger Straße 20, zuletzt landwirtschaftliche Maschinen, Haus- und Küchengeräte Schorr Erlanger Straße 22, zuletzt Gaststätte Lindenstuben Erlanger Straße 39, zuletzt Gärtnerei Ullmann und Glaserei Pfeiffer

Kulmbacher Straße

Von der einstigen Bebauung sind die Häuser an der Nordseite (gerade Hausnummern) weitgehend vorhanden. Auf der Südseite existiert bis zum Mistelbach mit der Nummer 9 nur noch eines der 1973 noch vorhandenen Gebäude. Seit 1974 wurden abgerissen: Kulmbacher Straße 1, erbaut 1743, Sandsteingebäude, zuletzt Friseur Küffner, abger. 1974 Kulmbacher Straße 2, 1514 erstmals urkundlich erwähnt, Sandsteingebäude, zuletzt Drogerie Fischer, abger. 1974 Kulmbacher Straße 3, 1680 urkundlich erwähnt, Sandsteingebäude, zuletzt Mechaniker Frey Kulmbacher Straße 5, Sandsteingebäude, zuletzt Kolonialwaren Krug Kulmbacher Straße 7, Sandsteingebäude, erbaut 1745/55, Geburtshaus von Jakob und Julius Herz, zuletzt Metzgerei Eberl Kulmbacher Straße 11, eingeschossiges Sandsteingebäude, um 1955 Möbelgeschäft Eichmüller, abger. 1990 Kulmbacher Straße 13, Landmaschinenhandlung Schorr, abger. 1990

Graben Die Straße Graben verschwand fast vollständig beim Bau des Stadtkernrings. Dort verläuft heute ein Abschnitt des Hohenzollernrings. Abgerissen wurden: Graben 2, Eckgebäude zur unteren Maximilianstraße, Sandsteingebäude, zuletzt Sanitäranlagen Küffner, abger. 1969 Graben 4, Sandsteingebäude, abger. 1973

Wolfsgasse