Der Dux Valeriae ripensis (Heerführer der Ufervaleria) war vermutlich ab dem 4. Jahrhundert Kommandeur der am mittleren Donaulimes stationierten Limitanei- und Flotteneinheiten. Sein unmittelbarer Vorgesetzter war der Magister peditum (Oberbefehlshaber der Infanterie).
Wie die meisten Duces limites des Westreiches befehligte er nur das Aufgebot einer Provinz. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckte sich auf den Limes der Provinz Valeria, d. i. die Donauregion im heutigen Zentralungarn und damit der Abschnitt der mittleren Donau, der von der Mündung der Raab bei Arrabona (Győr) bis nach Ad Militare (Batina) in der Nähe der Mündung der Drau verlief.John Wilkes: «Provinces and frontiers (Appendix III: Frontier deployment, A.D. 193-337)». Averil En Cameron, Peter Garnsey, Alan Bowman: The Cambridge Ancient History. Vol. XII: The Crisis of the Empire A.D. 193-337. Cambridge University Press. 2005 S. 737-739.
Die offizielle Amtsbezeichnung, Dux Valeriae limitis, ist aus einer Bauinschrift des Kastells von Solva bekannt.Kovacs 2004, S. 116, Inschrift: RIU 770 (364–367) Sitz des Dux war das Legionslager Aquincum.Zsolt Visy: Towns, Vici and Villae: Late Roman Military Society on the Frontiers of the Province Valeria. In: Thomas S. Burns, John W. Eadie (Hrsg.): Urban Centers and Rural Contexts in Late Antiquity. Michigan State University Press, East Lansing 2001, ISBN 0-87013-585-6, S. 163–184, hier S. 163–164. Das große Badegebäude im südöstlichen Viertel des Legionslagers wurde in der Spätantike zu einem Wohngebäude umgebaut und diente danach vermutlich als Residenz des Dux, da der alte Statthalterpalast zu dieser Zeit wohl nicht mehr benutzbar war.Margit Németh: Zur Funktion der Thermae Maiores von Aquincum im 4. Jahrhundert. In: Zsolt Visy (Hrsg.): Proceedings of the XIXth International Congress of Roman Frontier Studies, Pécs 2003. University of Pécs, Pécs 2005, ISBN 963-642-053-X, S. 667–679.
Das Dukat, bzw. einige seiner Amtsinhaber, sind aus der Notitia dignitatum, dem Geschichtswerk Res gestae des spätrömischen Chronisten Ammianus Marcellinus, einer Bauinschrift, vermutlich aus Esztergom-Hideglelőskereszt und von zahlreichen Ziegelstempeln aus Ungarn bekannt.Notitia dignitatum, IN PARTIBUS OCCIDENTIS, XXXIII, Res Gestae, 31, Bauinschrift Esztergom-Hideglelőskereszt .
Namentlich bekannte Duces: Aurelius Ianuarius (um 303)Iupiteraltar aus Almásfüzitő. Augustianus (364/365–367), Terentius (367–371), Frigeridus (370–373), Marcellianus (374)
Mehrere Ziegelstempel des Dux Frigeridus fanden sich im Burgus Tahitótfalu-Balhavár, dem Burgus von Visegrád – Lepence, im Wachtturm Visegrád – Steinbruch und im Burgus von Szigetmonostor – Horány. Da dort auch einige Exemplare des Dux Terentius gefunden wurden, könnte dieser um das Jahr 371 abgelöst worden sein. Die Amtszeit und die Ziegelstempel des Frigeridus konnten in die Jahre zwischen 371 und 373 n. Chr. datiert werden.GRÓH – GRÓF 1996, 21-23, SOPRONI 1978, 51-55, Taf. 58,13, Taf. 66,1
Frigeridus Rang im römischen Reichsadel, Vir perfectissimus, ist auf einigen Ziegelstempeln in der Abkürzung VP überliefert. Ab der Herrschaft Valentinian I. nahm ein Dux die Stellung eines Vir spectabilis (zweite senatorische Rangklasse) ein.
Verwaltungsstab Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo
Principem de eodem corpore (Kanzleileiter) Numerarium (Zahlmeister) Adiutorem (Assistent) Commentariensem (Buchführer und Rechtskundiger) Subadiuuam (Hilfskraft) Regrendarium (Verwalter oder Archivar) Exceptores (Schreiber) Singulares et reliquos officiales (Ordonnanzen)
Truppen Der Großteil der Einheiten (einige werden in mehreren Standorten genannt) gehörte zu den Limitanei. Sie waren auf Kastelle oder Städte direkt an oder nahe der Donau verteilt. Ein paar von ihnen finden sich aber auch in den Feldarmeen (Comitatenses) des Magister Equitum Galliarum (OB der in Gallien stationierten Reiterarmee) und des Magister peditum (OB der Infanterie). Die Notitia dignitatum zählt für die Valeria insgesamt 31 Kastelle und Städte auf. Allerdings werden nur 9 Präfekten und 6 Tribunen angegeben. Die Notitia Dignitatum, liefert auch keine genauen Informationen über die Struktur der spätrömischen Militärorganisation in den pannonischen Provinzen während der spätrömischen Zeitperiode. Sie zeigt den Stand um 395 (und später bis 425–430) an, dem Zeitpunkt ihrer Zusammenstellung und späteren teilweisen Korrektur.Peter Kovacs: The late roman Army in Pannonia. Acta Ant. Hung. 44, 2004, S. 115. Im Gegensatz zur benachbarten Pannonia II scheinen die Einheiten des Dux Valeria aber vollständig angegeben zu sein (vorausgesetzt, die nicht mit ihrer Ordnungsnummer angeführte Legionsabteilung in Transiacinco gehörte zur Legio I Adiutrix). Dennoch wurden anscheinend zwei Einheiten aus der Valeria abgezogen, noch bevor die Endfassung der Notitia erstellt wurde. Inschriften bestätigen die Existenz eines N EQQ SCUT (Numerus equitum scutariorum). Der Grabstein eines ihrer Offiziere (praepositus) wurde in Intercisa (Dunaújváros) entdeckt. Dasselbe trifft für die militum Histricorum aus Aquincum zu. Diese beiden Einheiten werden nicht mehr in der Notitia erwähnt.RIU 5, 1205, , Egon Schallmayer 1994, S. 274: „Dieselbe Militärtracht findet sich auf einer Grabstele (Abb. 2) aus Intercisa/Pann. inf., bei einem Beneficiarier des numerus equitum scutariorum, der erst nach 260 in Intercisa stand. Die Stele wurde dem Beneficiarier Aurelius Valens von seinem Bruder Aurelius Monimus, der ebenfalls einer Reitertruppe angehörte, gesetzt. Das Relief gibt den Beneficiarier in langärmeliger Tunika (tunica manicata) mit Ringschnallen-Cingulum und einem Mantel, der von einer Fibel über der rechten Schulter gehalten wird, wieder. An seiner linken Körperseite hängt ein Schwert herab. Das reich aufgezäumte Pferd im Hintergrund springt in unnatürlicher Bewegung nach links.“ Die Überreste der früheren Organisationsstruktur lassen sich noch in der Notitia erkennen. Die Legion bestand aus zwei Teilen, einer pars (oder pedatura) superior und einer pars inferior, jeweils mit fünf Kohorten unter dem Kommando eines Praefectus ripae. Die Existenz dieses Systems auch in den anderen Donauprovinzen wurde von Karlheinz Dietz anhand gestempelter Ziegel nachgewiesen.Péter Kovács: The late Roman army in Pannonia. In: Acta Ant. Hung. 44, 2004, S. 117. Wie in einigen anderen pannonischen Donauprovinzen war daher auch der Limes (ripae) der Valeria organisatorisch in zwei Abschnitte geteilt:
oberer Abschnitt, stromaufwärts (partis superioris) und unterer Abschnitt, stromabwärts (partis inferioris).
Die ggstdl. Abschnitte wurden lt. Notitia auffällig oft von der fünften Kohorte gesichert. Laut Karlheinz Dietz handelte es sich dabei wohl um eine Fehlinterpretation des Kürzels CHTV (c[o]h[or]t[i]u[m]) seitens der mittelalterlichen Kopisten der Notitia.Dietz 1993, S. 298 und 312.
Eine der westlichen Fabricae ist in der Notitia als Acincensis scutarie aufgeführt. Sie befand sich in Aquincum (Acincum) stellte Schilde her und unterstand dem westlichen Magister Officiorum.
Distributio Numerorum Laut der ND Occ. standen dem Dux folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione
Kavallerie Einheit/Kastelle Bemerkung Abbildung Cuneus – limitanei Cuneus equitum scutatorum, Solve„Equitum scutatorum“ bedeutet übersetzt „die schildtragenden Reiter“. Cuneus (lateinisch für „Keil“) bezeichnete eine eigenständige Kavallerieeinheit von etwa 200 bis 300 Reitern. Ursprünglich der taktische Begriff für eine keilförmige Schlachtordnung, wurde er später quasi zur offiziellen Bezeichnung für kleinere Reitereinheiten. Das spätantike Lager stand direkt am Donauufer auf einem freistehenden, ovalen, 150 Meter hohen Felsplateau, der sog. Burgberg der Stadt Esztergom, der heute von der Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Adalbert eingenommen wird. Seine exponierte Lage erlaubte der Besatzung die östlich, in einer Senke zwischen dem Kastellplateau und dem ansteigenden Gebirge verlaufende Militär- und Handelsstraße schon aus großer Entfernung eingesehen werden. Auch die von Südwesten abfließende Donau, die in einem weit nach Nordwesten ausgreifenden Bogen am Kastellplatz vorbeiführt, sowie das gegenüberliegende, im Barbaricum gelegene Ufer des Flusses, das im Westen sehr flach ausläuft, konnte von dieser Position aus gut kontrolliert werden. mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Cuneus equitum Dalmatarum, IntercisaGrößtenteils anfangs wohl aus dalmatinischen Stämmen rekrutierte Kavalleristen. Die Verbände der equites Dalmatae wurden während der Herrschaft des Gallienus (253–268) geschaffen, als schnelle, leicht bewaffnete Eingreiftruppe eingesetzt und im 4. Jahrhundert den Grenztruppen zugewiesen. Ähnlich wie andere zu dieser Zeit aufgestellte Kavallerieformationen, die aus den Reiterkontingenten der Legionen und Auxiliareinheiten herausgelöst wurden. Equites Dalmatae waren zu dieser Zeit eine der am weitesten verbreiteten Reiterverbände. Allein im Westreich sind über 30 von ihnen dokumentiert. Der Name Dalmatae bedeutet, dass anfangs wohl viele ihrer Soldaten aus dieser Provinz stammten. Onomastische Analysen deuten darauf hin, dass sie in der Spätantike aber vorwiegend aus lokalen Ressourcen rekrutiert wurden und dieser Name entweder auf ihre Kampftaktik zurückgeht oder später aus alter Tradition beibehalten wurde. Diese Reiterformationen waren also nie als ethnische reine Einheiten gedacht. Ihre enorme Präsenz unterstreicht ihre Rolle als Rückgrat der mobilen Grenzverteidigung am norisch-pannonischen Limes. Ihre Aufgabe war die Überwachung ihres jeweiligen Flussabschnitts und die schnelle Reaktion auf Einfälle transdanubischer Völker.Tomasz Dziurdzik: Die Beziehung der spätrömischen equites Dalmatae zu Dalmatien, in: D. Demicheli (Hrsg.), Illyrica Antiqua II, Zagreb 2017, S. 223-233. Als spätantike Besatzungen sind in Intercisa auch die
Equites sagittariiNot. dign. occ. XXXIII, 38 (berittene Bogenschützen), anschließend der Cuneus equitum DalmatarumNot. dign. occ. XXXIII, 25 sowie zuletzt der aus dem Kastell Lussonium hierher versetzte Cuneus equitum ConstantianorumNot. dign. occ. XXXIII, 26 belegt.