350px|Stradivari Antonio Stradivari, der heute von vielen als der beste Geigenbauer der Geschichte angesehen wird, stirbt am 18. Dezember in Cremona und wird in der Basilica di San Domenico beerdigt. Sein Handwerk hat er auch in seinem Todesjahr noch ausgeübt. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1737.

Ereignisse Johann Sebastian Bach Johann Sebastian Bach ist seit dem 30. Mai 1723 Thomaskantor und musikalischer Leiter der Thomaskirche in Leipzig. Außerdem hat er 1729 die Leitung des 1701 von Georg Philipp Telemann gegründeten Collegium musicum übernommen. Durch die zusätzliche Leitung des Kollegiums erweitert er seine Wirkungsmöglichkeiten im Leipziger Musikleben beträchtlich. Mit diesem studentischen Ensemble führt er deutsche und italienische Instrumental- und Vokalmusik auf, darunter seine eigenen in Weimar und Köthen entstandenen Konzerte. Die Konzerte finden ein- bis zweimal pro Woche im Zimmermannischen Caffee-Hauß (1943 kriegszerstört) oder im dazugehörigen Garten statt. 28. September: Für die Huldigungsfeier des kursächsischen Geheimen Rats und Vizekammerpräsidenten Johann Christian von Hennicke, der 1737 Schloss und Gut Wiederau bei Leipzig als erbliches Lehen erhalten hat, komponiert Johann Sebastian Bach die Festkantate Angenehmes Wiederau (BWV 30a) auf einen Text von Johann Christian Henrici (Picander). Johann Sebastian Bach wird zum 19. Mal Vater. Das zwölfte gemeinsame Kind mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena Bach, Johanna Carolina (1737–1781), wird geboren. Bach begutachtet die Orgel in der Kirche St. Peter und Paul in Weißensee, die von dem Orgelbauer C. W. Schäfer geschaffen wurde.

Georg Friedrich Händel Georg Friedrich Händel wohnt seit Juli/August 1723 in London in der 25 Brook Street und bewohnt hier bis zu seinem Tod im Jahr 1759 zwei Stockwerke. Nahezu alle Werke, die seit 1723 entstehen, werden in diesem Haus komponiert. Auch die Vorbereitungen der Aufführungen finden oft im Händelschen Dining Room statt. Händel, der 1729 gemeinsam mit Johann Jacob Heidegger die „zweite Opernakademie“ gegründet hatte, ist in das neuerbaute Covent Garden Theatre umgezogen und führt das Opernunternehmen (die „dritte Opernakademie“) inzwischen in eigener Regie und in eigener finanziellen Verantwortung. 12. Januar: Die Uraufführung der Oper Arminio von Georg Friedrich Händel nach einer Vorlage von Antonio Salvi findet am Covent Garden Theatre in London statt. Die Hauptrollen singen Domenico Annibali, Anna Maria Strada, Gizziello und Francesca Bertolli. Dem Werk ist kein Erfolg beschieden. 16. Februar: Georg Friedrich Händels Oper Giustino wird in der gleichen Besetzung wie Arminio am Covent Garden Theatre uraufgeführt. Die literarische Vorlage stammt von Nicolò Beregan und Pietro Pariati. 23. März: Das Oratorium Il trionfo del Tempo e del Disinganno, das Georg Friedrich Händel in einer ersten Version im Frühjahr 1707 auf das Libretto von Kardinal Benedetto Pamphili komponiert hatte, wird in einer überarbeiteten Version im Theatre Royal, Covent Garden in London uraufgeführt. Den Stoff wird Händel 1757 noch ein weiteres Mal unter dem Titel The Triumph of Time and Truth (Der Triumph der Zeit und der Wahrheit) bearbeiten und aufführen. April: Händel erleidet einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen, erholt sich bei einem Kuraufenthalt in den Aachener Thermalquellen in Burtscheid bis September jedoch schnell wieder und komponiert mit der alten Produktivität. 13. April: Das Pasticcio Didone abbandonata von Georg Friedrich Händel wird am Covent Garden Theatre uraufgeführt. Es handelt sich um eine Bearbeitung des ersten, gleichnamigen Opernlibrettos von Pietro Metastasio auf der Grundlage der Oper Leonardo Vincis. Händel kann die Aufführung aufgrund seines Schlaganfalls nicht selbst leiten. 18. Mai: Berenice ist die dritte Oper Georg Friedrich Händels innerhalb eines halben Jahres, die am Covent Garden Theatre uraufgeführt wird. Das Libretto stammt von Antonio Salvi. Auch diese Uraufführung kann er nicht selbst leiten und wie alle Werke dieser Spielzeit bleibt es ohne Erfolg. Ende Mai: Aufgrund finanzieller Probleme muss Georg Friedrich Händel sein Opernunternehmen schließen und sein Opernensemble auflösen. Aber auch die rivalisierende Opera of the Nobility geht pleite und muss aufgelöst werden. Bezeichnenderweise ist wieder ein Werk der populäreren „leichten Muse“ der „Sargnagel“ des Unternehmens: die Opernparodie The Dragon of Wantley (Libretto: Henry Carey) des deutschen Komponisten Johann Friedrich Lampe. Diese hat insgesamt mehr Vorstellungen als seinerzeit John Gays und Johann Christoph Pepuschs The Beggar’s Opera. Für das Staatsbegräbnis von Königin Caroline komponiert Händel das Funeral Anthem (The ways of Zion do mourn).

Domenico Scarlatti Domenico Scarlatti ist der portugiesischen Prinzessin Maria Bárbara de Bragança, die er am Hofe des frommen und verschwendungssüchtigen Königs Johann V. in Lissabon kennengelernt und als Musiklehrer unterrichtet hatte, nach deren Heirat mit dem spanischen Thronfolger Don Fernando von Asturien (ab 1746 König Ferdinand VI.) nach Spanien gefolgt. Von Oktober 1730 bis 16. Mai 1733 war die Alcázares Reales in Sevilla seine feste Residenz und Wirkungsstätte. Danach zieht der Hof nach Norden in die Umgebung von Madrid, wo er je nach Jahreszeit abwechselnd in den Schlössern Buen Retiro, El Pardo, Aranjuez, La Granja und El Escorial weilt. Scarlatti steht vermutlich weiterhin in den „privaten“ Diensten von Maria Bárbara und scheint sich praktisch ausschließlich dem Cembalo und der Komposition seiner Sonaten zu widmen.

Georg Philipp Telemann Georg Philipp Telemann ist seit 1721 Cantor Johannei und Director Musices der Stadt Hamburg, eines der angesehensten musikalischen Ämter Deutschlands. In diesem Amt verpflichtet sich Telemann zur Komposition von zwei Kantaten wöchentlich und einer Passion pro Jahr, in späteren Jahren greift er allerdings bei seinen Kantaten auf frühere Werke zurück. Daneben komponiert er zahlreiche Musiken für private und öffentliche Anlässe, etwa für Gedenktage und Hochzeiten. Außerdem hat Telemann für ein Jahresgehalt von 300 Talern die Leitung der Hamburgischen Oper am Gänsemarkt übernommen, baut das bereits 1660 von Matthias Weckmann gegründete, aber mittlerweile nicht mehr konzertierende Collegium musicum neu auf und übernimmt zusätzlich eine Stelle als Kapellmeister von Haus aus für den Hof des Markgrafen von Bayreuth. Dorthin liefert er von Zeit zu Zeit Instrumentalmusik sowie eine Oper jährlich. Einem langgehegten Wunsch folgend, besucht Telemann im Herbst 1737 Paris, nachdem er von einer Gruppe dortiger Musiker (Jean-Baptiste-Antoine Forqueray, Jean-Pierre Guignon und Michel Blavet) dazu eingeladen wurde. Während seiner Abwesenheit lässt sich Telemann von Johann Adolph Scheibe vertreten. Sieben Werke Telemanns liegen in Paris bereits im Nachdruck vor. Nach viermonatigem Aufenthalt verleiht der französische König ihm ein 20 Jahre dauerndes Exklusivrecht an seinen Veröffentlichungen, das vor Raubdrucken schützen soll. Mit mehreren Aufführungen seiner Werke gelangt Telemann endgültig zu internationalem Ruhm. Als erster deutscher Komponist darf er sich am Concert Spirituel, das öffentliche Konzerte gibt, vorstellen. Telemanns Nouveaux Quatuors („Pariser Quartette“, 1737) gehören zu den heute populärsten Instrumentalwerken Telemanns. Im Mai 1738 kehrt Telemann, dessen Ansehen auch in Deutschland durch die Reise erhöht wurde, nach Hamburg zurück.

Antonio Vivaldi Antonio Vivaldi ist seit 1726 musikalischer Leiter des Teatro Sant’Angelo in seiner Heimatstadt Venedig. Dort wird er sowohl als Komponist als auch als Geigenvirtuose zur lebenden Legende und zum „Wallfahrtsziel“ für viele Musiker aus ganz Europa. 5. Februar: Uraufführung der Oper Il giorno felice von Antonio Vivaldi auf ein Libretto von Francesco Scipione Maffei im Kärntnertortheater in Wien. Mai: Am Teatro Filarmonico di Verona wird Antonio Vivaldis Oper Catone in Utica auf das Libretto von Pietro Metastasio uraufgeführt. 28. Dezember oder 30. Dezember: Uraufführung der Oper L’oracolo in Messenia von Antonio Vivaldi nach dem Libretto Merope von Apostolo Zeno im Teatro Sant’Angelo in Venedig.

Weitere biografische Ereignisse Giovanni Bononcini verliert bei dubiosen Spekulationen viel Geld und muss sich zeitweilig seinen Lebensunterhalt als Kopist verdienen. William Boyce leitet das Three Choirs Festival. Riccardo Broschi ist am Hofe Carl Alexanders von Württemberg in Stuttgart als „compositore di musica“ engagiert. Hier gelangt Anfang 1737 seine Oper Adriano in Siria zur Aufführung, die 1735 ihre Uraufführung in Mailand hatte. Der plötzliche Tod des Herzogs am 12. März 1737 beendet frühzeitig seinen Aufenthalt in Stuttgart. Farinelli reist nach dreijährigem Aufenthalt in England 1737 nach Spanien. Auf dem Weg verbringt er einige Monate in Frankreich, wo er vor Ludwig XV. singt. In Spanien, das er ursprünglich nur für fünf Monate hatte besuchen wollen, bleibt er schließlich fast fünfundzwanzig Jahre (1737–1759). Sein Gesang wird von der Königin Elisabetta Farnese eingesetzt, um die schweren Depressionen von Philipp V. zu kurieren, so wie dies 40 Jahre zuvor schon der Kastratensänger Matteuccio für Karl II. getan hatte. Neun Jahre lang (bis zum Tode Philipps 1746) darf er nur noch für den König singen – laut einem Brief Farinellis vom 15. Februar 1738 an seinen Freund Graf Pepoli muss er „jeden Abend ... acht oder neun Arien vortragen“. Giovanni Battista Ferrandini, der bereits als Knabe eine Stelle als Oboist in der Hofkapelle in München erhalten hatte und 1732 zum Kammerkomponisten aufgestiegen war, wird Direktor der Kammermusik. Geminiano Giacomelli, der nach Parma zurückgekehrt ist und bis 1737 seine beiden Positionen am Hof und an der Kirche Madonna della Steccata wieder aufgenommen hat, geht 1737 nach Graz, wo er die Aufführungen seiner Oper Cesare in Egitto leitet. Charles-Joseph van Helmont wird Kantor an der Hofkirche Notre-Dame-de-la-Chapelle („Kapellekerk“) der Statthalterin der Niederlande, Erzherzogin Maria Elisabeth. Er wird diese Position bis zu deren Tod 1741 bekleiden. Ignaz Holzbauer, der als Kapellmeister in Holleschau tätig ist, heiratet am 30. April an seinem Beschäftigungsort die aus Olmütz stammende Opernsängerin Rosalie Andreides († 1785). Johann Friedrich Lampe schreibt zusammen mit Henry Carey sein bei weitem erfolgreichstes Werk, die Opernparodie The Dragon of Wantley, die mehr zeitgenössische Aufführungen erlebt als Gays Beggar’s Opera. Die Fortsetzung, Margery, or A Worse Plague than the Dragon, im Jahr 1738 wird weniger Erfolg haben. Benedetto Marcello, der seit 1730 als Provveditore (Gouverneur) der Republik Venedig in Pola in Istrien im heutigen Kroatien geschickt worden war, kehrt aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes nach Venedig zurück. Domenico Sarro wird nach dem Tode seines Vorgängers Francesco Mancini zum Hofkapellmeister am Hof von Neapel ernannt. Eine seiner ersten Aufgaben ist die Komposition der Oper zur offiziellen Eröffnung des Teatro San Carlo, Achille in Sciro. Johann Adolph Scheibe veröffentlicht von 1737 bis 1740 mit Der critische Musicus eine Zeitschrift, die sich mit damals wichtigen Fragen musikalischer Ästhetik befasst.

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Eröffnungen mini|Heutige Innenansicht des Teatro San Carlo