mini|hochkant=1.3|Dobbertin mit Kloster und See 1786 Dobbertin ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Goldberg-Mildenitz mit Sitz in der Stadt Goldberg verwaltet. Das Dorf liegt am nördlichen Rand des Dobbertiner Sees und wird durch den Klosterpark von der Klosteranlage getrennt.
Geografie und Verkehr mini|hochkant=1.3|Dobbertiner See mit Kloster im Hintergrund (2020) Dobbertin befindet sich im Karower Seen- und Sandergebiet und ist Bestandteil der Mecklenburgischen Großlandschaft. Der Ort liegt 5,5 Kilometer nördlich von Goldberg und 20 Kilometer südöstlich von Sternberg am Westrand des Naturparkes Nossentiner/Schwinzer Heide. Das Gebiet um Dobbertin gehört zum Klimagebiet der mittelmecklenburgischen höheren Hügelzüge und der großen Seen. Dort befinden sich der Dobbertiner See und an dessen Rändern der Goldberger See im Süden und der Woseriner See im Norden. Weitere Gewässer der seenreichen Gegend sind unter anderem die Lüschow, der Spendiner See, der Borgsee, der Kleestensee und der Praassee. Größere Fließgewässer sind die Mildenitz und die Jasenitz. Größere Waldgebiete sind die Lüschower Tannen im Osten, die Spendiner Tannen und das große Waldgebiet Hohes Holz im Norden entlang des Durchbruchtales der Mildenitz.
Der zentrale Teil des Gemeindegebietes ist durch eine Weiden- und Feuchtwiesen-Landschaft geprägt, dazu gehören das Naturschutzgebiet Klädener Plage und Mildenitz-Durchbruchstal und die Dobbiner Plage. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt im Norden in der Nähe des Stefanberges mit .
Durch Dobbertin verläuft am nordöstlichen Rand die Bundesstraße 192, die von Sternberg nach Goldberg führt. Diese wurde 1849 fertiggestellt. Über diese erreicht man hinter Alt Schwerin den Anschluss der Bundesautobahn 19. Ganz im Osten verläuft die stillgelegte Bahnstrecke Wismar–Karow.
Ortsteile mini|hochkant=1.3|Ältestes Bauernhaus von 1787 in Dobbertin, Güstrower Str. 2 (2017) Dobbertin Kläden Dobbin Neuhof Alt Schwinz Jellen Kleesten Neu Schwinz Spendin§ 1 der Hauptsatzung (PDF; 36 kB) der Gemeinde Die eigenständige Gemeinde Dobbin wurde am 1. Juli 1950 Dobbertin zugeordnet.
Geschichte Nahezu alle Ereignisse der Ortsgeschichte wurden bis ins 20. Jahrhundert durch das Dobbertiner Kloster mit seinem Klosteramt geprägt.
Von der Klostergründung bis zum 16. Jahrhundert Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes Dobbertin (Dobrotin) mit Dobbin und Jellen erfolgte zeitgleich mit der Gründung des Benediktinerklosters. In der ältesten, nicht mehr im Original erhalten gebliebenen Urkunde vom 28. August 1227, wurde der Ort mit 40 Hufen als Flächengrößeneinheit aufgeführt.MUB I. (1863) Nr. 343.
Der Name Dobrotin leitet sich vom slawischen Wort dob, dem Namen des Lokators des Ortes, ab und deutet als Ort des Doba, auch Dobrota auf die Slawenzeit bis zum 12. Jahrhundert hin.Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. MJB 46 (1881) , S. 3–168, hier S. 40.
In der Klosteranlage auf der Halbinsel des Jawir Sees, dem heutigen Dobbertiner See, konnte bei den letzten archäologischen Grabungen neben einer steinzeitlichen Vorsiedlung auch eine mittelslawische Besiedlung nachgewiesen werden.Frank Wietrzichowski: Grabungsbericht Kloster Dobbertin, Sanierung Klausurgebäude. KLD/AD 2003–2005 Bodenfunde belegen weitere slawische Besiedlungen in der näheren Umgebung von Dobbertin. Davon zeugen auch die Hügelgräber zwischen Dobbin und Kläden.
Um 1220 wurde das Kloster Dobbertin von Fürst Heinrich Borwin I. gegründet und als Benediktinerkloster geweiht. Die Umwandlung in ein Nonnenkloster gleichen Ordens erfolgte 1234 zeitgleich parallel zur Ersten Hauptlandesteilung Mecklenburgs. Danach entwickelte sich Dobbertin mit einem beträchtlichen Grundbesitz zum bedeutendsten Feldkloster im damaligen Land Werle. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte war selten etwas vom Ort zu hören, wenn, dann immer nur in Verbindung mit dem Kloster. So erstmals am 13. Juni 1288 bei einem Grundstück für ein Krankenhaus im Dorf, deren Stiftung der Schweriner Bischof Hermann bestätigte.MUB III. (1865) Nr. 1964. Am 29. August 1289 schenkte Fürst Nicolaus zu Werle dem Dobbertiner Propst Heinrich von Barse vier Hufen, die den Kranken zugutekommen sollten.MUB III. (1865) Nr. 2031.
Durch Papst Clemens V. erfolgte 1309 die Bewidmung des Leprosen-Hospitals St. Jürgen westlich der Mildenitz am Dobbiner Landweg nach Dobbin und Below.MUB V. (1869) Nr. 3327. 1331 wurde Herr Johannes als Fürsorger genannt. Nach dem Tode von Johann Pickard zu Goldberg am 10. November 1346 fielen seine beiden Häuser dem Krankenhaus in Dobbertin zu.MUB VIII. (1873) Nr. 5787. Am 15. August 1347 verkaufte der Klosterprovisor Gottfried zwei Hufen auf dem Dobbertiner Feld zu Gunsten des Krankenhauses und der Reparatur des Verwalterhauses.
In einigen, nicht im Original vorhandenen Klosterurkunden von 1335, wurde in Dobbertin schon ein Hoff, auf dem Einlieger des Dorfes arbeiteten, verzeichnet. Er bestand aus einer Scheune, einem Vieh- und Pferdestall. Dieser befand sich nördlich der Klosteranlage und wurde durch die Verwaltung geleitet. 1456 erhielt der Rostocker Vikar Nicolaus Herdink vom Dobbertiner Propst Nicolaus Beringer zehn Mark Rente vom Klosterhof.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 163
mini|hochkant|Grabplatte des Mühlenbauers Hinrik Glove (2011) Erstmals wurde 1337 eine Mühle am Auslauf der Mildenitz am Dobbertiner See genannt.MUB X. (1877) Nr. 5752. Von dort führte durch den morastigen Grot Werder, dem heutigen Klosterpark, der einzige Weg zum Kloster. Die Mönche hatten diesen Weg wohl mit Bedacht gewählt, denn hier konnten die wehrhaften Mönche einen ansehnlichen Haufen Feinde abhalten. Der Große Werder bildete eine natürliche Grenze zwischen Dorf und Kloster. 1371 schenkte der Bruder Hinricus, ein Mollenmeister, nach den Nonnen sein im Dorf Dobrotin gelegenes Haus mit zugehörigem Besitz.MUB XVIII. (1897) Nr. 19142. Die erhalten gebliebene, fast zwei Meter große Grabplatte des Mühlenbauers Hinrik Glove steht heute im südlichen Kreuzgang des Klosters. In der rechten unteren Ecke ist ein Rad mit vier Speichen und in der linken Ecke eine Axt zu sehen. Die Axt als Zeichen für den Beruf des Verstorbenen deutet auf einen Mühlenbauer hin.
Herzog Heinrich, auch Heinrich der Dicke genannt, bestätigte am 16. Oktober 1441 alle Privilegien des Klosters Dobbertin und schenkte dem Kloster alle seine Rechte an den Klostergütern und Dörfern, darunter auch Dobbertin.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 119. Vom Dorf Dobbertin war in diesen Jahrzehnten immer nur im Zusammenhang mit klösterlichen Angelegenheiten die Rede. 1540 lediglich in den Steuerlisten aufgeführt, steht es 1554 mit 24 Kossaten und 24 besetzten Stellen als Kossatendorf in den Registern der Landbede.
Während der lutherischen Reformationszeit wurde 1562 aus dem Kloster von heftigem Widerstand berichtet. Der dortige dulle Nunnen Krich ist wohl als einmaliger Vorgang in die mecklenburgische Geschichte eingegangen.Johann Peter Wurm: Die Reformation des Benediktinerinnenklosters Dobbertin 1557–1578. 2012, S. 26–37.LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitationsprotokolle. Nr. 22. Das Dobbertiner Kloster wurde nach der erfolgten Säkularisation 1572 den Landständen zur weiteren Nutzung übertragen.Horst Alsleben: Das Jungfrauenkloster als evangelisches Damenstift – Ein Klosteramt in Mecklenburg-Schwerin. 2012, S. 42. Das nun Landeskloster sollte auch zur Versorgung der unverheirateten Töchter der Ritter- und Landschaft Mecklenburgs dienen und es wurde dort ein evangelisches adeliges Damenstift zur christlichen Auferziehung inländischer Jungfrauen eingerichtet. Mit der Umwandlung des Klosters bedurfte es auch einer neuen Verwaltungsorganisation zur Erhaltung und Vermehrung des gesamten Klostervermögens. Die wurde von der neuen Klosteramtsverwaltung wahrgenommen. Deren Zuständigkeiten und die Amtszeiten der Klosterbeamten wurden auf den Landtagen festgeschrieben. Der Klosterhauptmann als Geschäftsführer hatte mit seinen beiden Provisoren und dem Küchenmeister die Oberaufsicht im Klosteramtsgebiet. Er wurde für sechs Jahre und die Provisoren für vier Jahre auf den Landtagen gewählt. Über die Jahrzehnte leiteten 34 erfahrene Klosterhauptmänner und 59 bisher ermittelte Provisoren aus den ältesten mecklenburgischen Adelsfamilien das Dobbertiner Klosteramt.Horst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. 2010–2013. Der Küchenmeister als verantwortlicher Finanzbeamter führte sehr akribisch die jährlichen Rechnungsbücher, aus denen sich heute noch die finanzwirtschaftlichen Tätigkeiten im Klosteramtsgebiet nach vollziehen lassen. Das Klosteramt entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zum größten und reichsten Wirtschaftsunternehmen in Mecklenburg. Zum Klosterbesitz gehörten 25 122 Hektar Land, Wald und Seen mit zeitweise 132 Dörfern, 26 Güter, 17 Pachthöfen, 12 Forstämtern, 19 Pfarrkirchen, 27 Schulen, 16 Mühlen, 13 Dorfkrügen, 6 Ziegeleien und Kalköfen, 3 Glashütten, Sägewerke, Schmieden, Meiereien sowie den Klosterbauhof in Dobbertin.Horst Alsleben: Kloster Dobbertin – 800 Jahre mecklenburgische Geschichte. 2018, S. 165–166. Eine der wichtigsten Aufgaben der Klosteramtsverwaltung war die tägliche und ständige Versorgung der 32 Konventualinnen im Damenstift durch den dortigen Klosterbauhof.
Im Amtsprotokollbuch des Klosters war 1588 zu lesen, dass sich acht Dobbertiner Hausleute beim Klosterhauptmann Joachim von der Lühe über ihren wenig ertragreichen Sandacker beklagten. Eine Veränderung war jedoch nicht möglich. 1593 wurde der Bierbrauer Jurge Schwierig wegen schlechten Bierbrauens entlassen. Nach dem Klagebuch des Klosteramtsgerichts kam es 1593 während Chim Mollers Hochzeit im Dobbertiner Dorfkrug zu einer heftigen Schlägerei, an der die Drescher Christoffer Ciball, Chim Schult, der Fischer Claus Grube und der Schuster Hans Schmitt beteiligt waren. An mehreren Schlägereien auf dem Dobbertiner Markt waren neben dem Fischer Claus Grube auch der Drescher Peter Iwen aus Mühlhof und Magnus Schuttes Söhne Frentz und Chim aus Below beteiligt. 1597 gab es auch auf der Hochzeit von Hans Rodans eine Schlägerei.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 275 Clagebuch 1593–1598, Amtsprotokollbuch 1587–1593.
Von 1594 bis 1682 gab es 25 Hexenprozesse im Klosteramt, allein 14 in Dobbertin.Horst Alsleben: Zanksüchtig, ungesellig – Hexe! SVZ Schwerin, Mecklenburg-Magazin, 23. Februar 2018. Bei der Urteilsfindung half die Juristische Fakultät der Rostocker Universität dem Kloster-Amtsgericht. Der Scharfrichter Claus Lowens kam aus Güstrow und der Galgen stand in den Spendiner Tannen am alten Landweg von Dobbertin nach Güstrow. Dieser Gerichtsberg wird heute noch als Dat Gericht bezeichnet.Horst Alsleben: Der Dobbertiner Gerichtsberg. Der Galgen des Klosteramtsgerichts stand auf einer Anhöhe in den Spendiner Tannen. SVZ Lübz – Goldberg – Plau, 18./19. Oktober 2014. Wegen Teufelsbuhlschaft wurden 1594 aus Dobbertin Anna Fischer und 1595 Lena Hovemann und Margarete Kargen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3005, 3276
Dorfgeschichte seit dem 17. Jahrhundert Im Ort gab es bis 1920 drei Armenhäuser,Horst Alsleben: Unverbesserliche Säufer belästigten Damen. Im Klosterdorf Dobbertin gab es drei Armenhäuser und ein Krankenhaus – und damit manchmal auch Probleme. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 17. März 2017. das zweite wurde ab 1868 als Krankenhaus mitgenutzt und das letzte namens St. Jürgen wurde erst 1982 abgerissen.Horst Alsleben: Hilfe für Arme und Kranke. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 21. Juli 2019, S. 22.