mini|Karl XII. im Jahre 1697 von David Klöcker Ehrenstrahl.rahmenlos|zentriert|128px|Karls Unterschrift

Karl XII., latinisiert Carolus Rex, (* in Stockholm; †  bei Fredrikshald) war von 1697 bis 1718 König von Schweden und Herzog von Bremen und Verden. Fast während seiner gesamten Herrschaftszeit führte er sein Land durch den Großen Nordischen Krieg, in dem er selbst als Feldherr agierte und für mehrere Jahre bedeutende Erfolge errang. Durch einen misslungenen Russlandfeldzug 1708/1709 brachte er sein Land aber in die Defensive. Er fiel 1718 in Norwegen bei der Belagerung von Frederikshald. Am Ende verlor Schweden seine Großmachtstellung als Schwedisches Reich in Europa, vor allem zugunsten des aufstrebenden Russlands.

Karls Eltern waren der schwedische König Karl XI. und Ulrike Eleonore, Tochter des dänischen Königs Friedrich III. Der Großvater Karls XII., König Karl X. Gustav, entstammte dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, Linie Pfalz-Zweibrücken.

Leben und Wirken mini|Das Monogramm Karls XII., fotografiert am Alten Zeughaus Wismar mini|Karl XII. von David von Krafft, 1700

Kindheit und Jugend Karl XII. war der älteste Sohn Karls XI. von Schweden und seiner Gemahlin Ulrike von Dänemark. Vier seiner jüngeren Brüder starben im Kleinkindalter. Der Vater übte schon früh einen großen Einfluss auf seinen Sohn aus. Er hatte ihm das Reiten, Jagen und Fechten bereits im Kindesalter beigebracht. Als kleiner Kronprinz begann er vierjährig eine von seiner Mutter gesteuerte umfassende Ausbildung und erhielt sein eigenes Pferd; mit sieben übernahm er sein eigenes Regiment. Später bekam der zukünftige König von speziell ausgesuchten Lehrern Unterricht in Militärwissenschaft, Fremdsprachen, Jurisprudenz, Mathematik, Geographie, Literatur und Geschichte. Karl XII. wurde im Geist der Treue zu den Prinzipien der absoluten Monarchie erzogen. Er war elf Jahre alt, als er 1693 seine Mutter verlor. Schon bald zeigte sich sein ungestümer, weder auf sich noch Andere rücksichtnehmender Charakter, der keinen Widerspruch duldete, mit hoher Verschwendung einherging und tollkühnen Reit- und Jagdunternehmen mit einer Reihe enger Freunde, in denen er mehrfach nur knapp dem Tod entkam. Er jagte häufig Bären mit Gabelstöcken, beteiligte sich an flegelhaften Streichen (wie den Bürgern die Fensterscheiben einzuwerfen und verdiente Generäle zu hänseln), und eines der Vergnügen seines Kreises bestand darin, verschiedene Tiere bis hin zu Bullen mit dem Schwert zu enthaupten. Ermahnungen staatlicher Würdenträger oder von Predigern vermochten daran nichts zu ändern. Er zeigte ein ernsthaftes Interesse am Militär.

Regierungsantritt Die Thronfolge trat er nach dem Tod seines Vaters am 14. Dezember 1697 im Alter von fünfzehn Jahren an, indem er sich selbst zum König ausrief und eine Regentschaft ablehnte, wodurch der schwedische Reichstag (die vier schwedischen Reichsstände) ihn für volljährig erklärte. Anschließend setzte er sich die Krone des Monarchen selbst auf seinen Kopf, für damalige Zeiten ein absoluter Regelbruch. Dies drückte aber auch seinen absoluten Machtanspruch aus und wurde bereits 1701 von Friedrich I., König in Preußen, bei seiner Königskrönung nachempfunden.

Der Vater hatte seinem Sohn ein gefestigtes Staatswesen mit verstärkter Königsmacht und sanierten Staatsfinanzen hinterlassen. Bei seiner Thronbesteigung herrschte Karl XII. über das heutige Schweden, Finnland, Livland, Karelien und Ingermanland, Wismar und Schwedisch-Pommern und das Herzogtum Bremen-Verden. Die ersten Jahre seiner Regierung waren dem Anschein nach frei von außenpolitischen Problemen. Allerdings hatte der Ruf als leichtfertiger Draufgänger und Verschwender, den Karl XII. inzwischen genoss, bei anderen Mächten Begehrlichkeiten geweckt, da man das als Schwäche auslegte.

Ausbruch des Großen Nordischen Krieges Im März 1700 begann der Große Nordische Krieg: Schweden wurde überraschend von Dänemark, Sachsen, Polen-Litauen und Russland angegriffen. Bereits im Oktober 1698 hatten August II. von Polen-Litauen und Friedrich IV. von Dänemark ein Offensivbündnis gegen Schweden geschlossen, dem Peter I. von Russland später beitrat. Einer der Hauptorganisatoren war der livländische Aristokrat Johann Reinhold von Patkul. Im Fall eines Sieges wollten die Verbündeten die zu Schweden gehörenden Ostsee-Provinzen (Schonen, Livland, Estland, Ingermanland und Schwedisch-Pommern) untereinander aufteilen. Die Allianz setzte auf einen leichten und schnellen Sieg, da das Land von einem sehr jungen und unerfahrenen König regiert und die gefürchtete schwedische Armee von einem Oberbefehlshaber, wie es schien, ohne jegliche militärische Erfahrung kommandiert wurde.

So stand im Frühling 1700 Karl XII. einer starken Koalition gegenüber. Sein Verhalten wandelte sich sofort grundlegend. Er ging zu einer spartanischen Lebensweise über und konzentrierte sich ganz auf den Krieg. Seine Strategie dazu war einfach, führte aber letztlich nicht zum Erfolg. Er konzentrierte alle Kräfte auf jeweils einen Feind, um ihn zu besiegen und zum Frieden zu zwingen. Mit Dänemark und Sachsen-Polen gelang dies vorübergehend, nicht aber gegen Russland.

Feldzug gegen Dänemark 1700 Die Feindseligkeiten begannen 1700 mit dem Angriff seines Cousins Friedrich IV. von Dänemark auf das mit Schweden verbündete Gottorfer Teilherzogtum in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, das von Herzog Friedrich IV., einem Schwager Karls, regiert wurde. Karl XII. nutzte die Abwesenheit der dänischen Armee, die in Holstein operierte, aus und landete am 23. Juli 1700 mit englisch-niederländischer Flottenunterstützung auf der dänischen Hauptinsel Seeland, schloss Kopenhagen ein und begann im August mit der Belagerung der dänischen Hauptstadt.

Der dänische König sah sich nun in einer gefährlichen Lage. So schloss Friedrich IV. am 18. August 1700 mit Schweden den Frieden von Traventhal. Der Status quo ante wurde wiederhergestellt, Dänemark schied aus der anti-schwedischen Koalition aus.

Feldzug gegen Russland und in Livland 1700 und 1701 Karl XII. wandte sich nun den beiden verbliebenen Gegnern zu, dem Russischen Reich und Sachsen-Polen. Beide waren dabei, die schwedischen Besitzungen im Baltikum anzugreifen. Russland begann im August 1700 mit seinem Angriff auf Estland und im September wurde mit der Belagerung der schwedischen Festung Narwa begonnen. Karl XII. entschloss sich, das russische Heer anzugreifen und die Festung Narwa zu entsetzen. In der Schlacht bei Narva besiegte seine schwedische Armee von etwa zehntausend Mann eine zahlenmäßig deutlich überlegene Armee der Russen. Die Schlacht bei Narwa gilt als einer der größten Siege der schwedischen Militärgeschichte.

In der Schlacht an der Düna am 19. Juli 1701 wehrte Karl XII. den Angriff der sächsisch-russischen Truppen auf Livland und auf Riga ab.Chorographische Delineation der Glükligen Descente über die Düna, sambt der darauff erhaltenen Victorieusen Bataille Seiner Königlichen Mayestet von Sueden Carl XII. (zeitgenössische Darstellung des Übergangs der schwedischen Truppen über die Düna). Damit hatte Karl XII. alle feindlichen Truppen von schwedischem Territorium vertrieben.

Kämpfe in Polen und Sachsen 1702–1708 mini|Karl XII. empfängt 1704 Stanislaus I. Leszczyński (1677–1766), Kupferstich von Daniel Chodowiecki

Anstatt das geschlagene russische Heer zu verfolgen, um es vollständig zu vernichten, und Zar Peter zum Frieden zu zwingen, wandte sich der König nun seinem dritten Gegner zu, dem sächsischen Kurfürsten und König von Polen, den er als wortbrüchig ansah und von Grund auf hasste. Am 23. März 1702 fielen die Schweden in Polen ein. Karl XII. eroberte Warschau, schlug August und seine sächsischen Truppen in der Schlacht bei Klissow 1702 und besetzte auch Krakau, die alte polnische Königsstadt.

Nach der Absetzung Augusts als König von Polen 1704 platzierte Karl seinen eigenen Mann auf dem polnischen Thron, Stanislaus Leszczynski. Währenddessen konnte Peter gleichsam hinter Karls Rücken Ingermanland und Estland erobern und an der Ostsee sogar eine neue Stadt bauen – Sankt Petersburg.

Nachdem Karl erkannt hatte, dass er August auf polnischem Territorium nicht besiegen konnte, da er in Sachsen immer wieder neue Armeen aufstellte, griff Karl 1706 Sachsen direkt an. Im Frieden von Altranstädt 1706 zwang er August schließlich zu einem Friedensvertrag und zum, wie Karl meinte, endgültigen Verzicht auf die polnische Königskrone. Damit endete vorerst die Personalunion Sachsen-Polen. Der König erreichte gleichzeitig mit seiner Drohung, auf Seiten Ludwigs XIV. von Frankreich in den Spanischen Erbfolgekrieg einzugreifen, dass den Lutheranern in der damals noch habsburgischen Provinz Schlesien in der Altranstädter Konvention 1707 eine begrenzte Religionsfreiheit zugestanden wurde. Er ließ sich auch Patkul, den Hauptorganisator der gegen ihn gerichteten Allianz, von August dem Starken ausliefern und richtete ihn durch Räderung hin. Im Anschluss wandte er sich seinem letzten verbliebenen Gegner zu, Peter dem Großen.

Feldzug in Russland 1708–1709 mini|Karl XII. konnte wegen einer Beinverletzung nicht in der Schlacht bei Poltawa kämpfen, hier wird Karl zusammen mit Hetman Masepa abgebildet. Zeichnung Gustaf Cederströms (1845–1933)

Um das Baltikum nicht ein weiteres Mal zum Schlachtfeld zu machen und um Russland endgültig zu besiegen, wollte er direkt Moskau, die russische Hauptstadt, angreifen. Die Niederlage in der Schlacht bei Lesnaja, wo unter anderem der wertvolle schwedische Versorgungszug von den Russen erobert wurde, zwang den König jedoch zum Ausweichen in die Ukraine. Karl erwartete dort Unterstützung durch eine massive Rebellion der ukrainischen Kosaken unter Iwan Masepa, aber die Russen besiegten die Aufständischen in ihrer Hochburg Baturyn, so dass Masepa Karl bei dessen Ankunft nur noch wenige Kämpfer zur Verfügung stellen konnte. Bei einem Aufklärungsversuch am 28. Juni 1709greg. wurde der König verwundet, weswegen er die schwedischen Kräfte nicht in der Schlacht bei Poltawa führen konnte. Die Schlacht wurde zu einem Desaster für die Schweden, und Karl floh ins Osmanische Reich, wo er ein Lager in Bender aufschlug.

Aufenthalt im Osmanischen Reich 1709–1714 mini|Karl beim Handgemenge bei Bender, bei dem ihm ein Stück Ohr abgeschossen wurde

Die Osmanen begrüßten anfangs die Anwesenheit des schwedischen Königs, der auf einen Krieg zwischen Russen und Türken hinarbeitete und darin seine Hoffnung setzte. Allerdings war Sultan Ahmed III. seit dem Frieden vom Pruth der Intrigen des schwedischen Königs überdrüssig geworden. Janitscharen setzten ihn im Auftrag des Sultans beim Handgemenge von Bender am 12. Februar 1713 gefangen[?] Messmer: Das bayerische Nationalmuseum. München 1868, S. 360. und wiesen ihm ein Quartier bei Adrianopel zu. Das Festsetzen des schwedischen Königs erleichterte den Frieden von Adrianopel zwischen Russen und Osmanen. Währenddessen nutzten Russland, Dänemark und Sachsen-Polen seine Abwesenheit und drängten Schweden weiter in die Defensive. Großbritannien, ein Alliierter der Schweden, kam seinen Bündnispflichten nur durch die halbherzige Entsendung eines Ostseegeschwaders nach. Russland besetzte in der Zwischenzeit Finnland, und August der Starke erlangte die polnische Königskrone zurück.

Verteidigung Pommerns 1714–1715 Nach Aufforderung durch den Sultan verließ Karl XII. erst im Oktober 1714 wieder das Osmanische Reich. Es gelang ihm in einem nur 15 Tage dauernden Gewaltritt, die 2150 Kilometer von Pitești in der Walachei durch Ungarn und Deutschland bis nach Stralsund in Schwedisch-Pommern zurückzulegenOtto Haintz, Karl XII, 1951, Band 2, S. 256 f., wobei er nur von einem Offizier begleitet wurde. Unmittelbar bei seiner Rückkehr nahm er an der Belagerung von Stralsund teil.