Sögel ist eine Gemeinde und der Verwaltungssitz in der Samtgemeinde Sögel im Landkreis Emsland im westlichen Niedersachsen (Deutschland).

Die Gemeinde, die sich über 55,2 km² Fläche erstreckt, hatte Ende des Jahres 2018 rund 8000 Einwohner.

Geografie Lage Sögel liegt am Südrand des Hümmlings, eines Geestrückens im Emsland. Östlich von Sögel befindet sich das Quellgebiet der Nordradde, einem Nebenfluss der Ems.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinden Werpeloh und Spahnharrenstätte, im Osten die Gemeinden Werlte und Lahn in der Samtgemeinde Werlte, im Süden die Gemeinden Hüven, Klein Berßen und Groß Berßen und im Westen die Gemeinde Stavern, sowie in der Samtgemeinde Lathen die Gemeinden Lathen und Renkenberge.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Sögel befindet sich hydrologisch im Flusssystem der Ems.

Ein bedeutendes Feuchtgebiet ist das Schaapmoor, ein Naturschutzgebiet südlich von Sögel in den Gemeinden Sögel und Groß Berßen (NSG WE 236). Es umfasst rund 210 ha im Talraum eines Geestbaches beziehungsweise im Niederungsbereich der Nordradde. Geschützt wird hier ein Mosaik aus Feuchtgrünland, Feuchtbrachen und Bruchwäldern, das Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten bietet. Ziel der Unterschutzstellung ist außerdem die Extensivierung der Nutzung sowie die Wiedervernässung von Flächen, um die charakteristischen Feuchtbiotope zu erhalten und weiterzuentwickeln. Es handelt sich um ein historisch genutztes Niedermoorgebiet. Durch zahlreiche Entwässerungsgräben wurde der Wasserhaushalt verändert.

Zudem befinden sich im Gemeindegebiet weitere kleinere Moorreste, Feuchtwiesen, Waldteiche und vernässte Senken, die mit den Bachniederungen und Grabenstrukturen des Hümmlings verbunden sind.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Sögel (alt: Sugila 1000, Soghelen 1150) ist eine uralte Ansiedlung. Sögel wurde um 1000 erstmals im Heberegister des Klosters Corvey erwähnt.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, ISBN 3-88077-082-4, S. 4–39, hier S. 6. Corvey besaß hier im 11. Jahrhundert drei tributpflichtige Höfe. Das Bestimmungswort sugi bedeutet Schwein, Sau. Das Grundwort la, lo, loh steht für Gehölz. Hier befand sich also ein Gehölz für die Eichelmast der Schweine.

Seit 1739 besteht in Sögel ein Konvent der Kapuziner, die vor allem in der Pfarrseelsorge in Sögel und in den Gemeinden rundum tätig waren.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, S. 4–39, hier S. 18. Zudem sollte ihre Niederlassung anfangs als ein katholischer Stützpunkt östlich der protestantischen Niederlande wirken.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, S. 4–39, hier S. 17.

19. und erstes Drittel des 20. Jahrhunderts Durch die 1898 eröffnete Kleinbahnstrecke von Lathen nach Werlte erhielt Sögel Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Bis 1932 war Sögel Sitz des früheren Amtes und späteren Kreises Hümmling, der dann mit dem Kreis Aschendorf zum Landkreis Aschendorf-Hümmling zusammengelegt wurde.

mini|300px|Mauergedicht von Hilde Domin an der Viehwaage Ulmenstraße in deutsch- und hebräischsprachiger Fassung

Die jüdische Gemeinde, die NS-Diktatur und die Schoa In Sögel lebten verhältnismäßig viele Juden. Im Jahr 1925 stellten sie 5,2 % der Einwohner. Die Sögeler Juden bildeten mit den jüdischen Bürgern von Lathen und Werlte eine Synagogengemeinde. Die Synagoge in Sögel wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört.

In der NS-Zeit versuchten einige jüdische Familien auszuwandern, doch die Mehrheit blieb im Ort. Sie wurden 1941 und 1942 in den Osten deportiert und wurden in Ghettos oder KZs umgebracht, ebenso wie die in die Niederlande ausgewanderten Gemeindemitglieder. Nur zwei der wenigen Überlebenden der Gemeinde kehrten 1945 nach Sögel zurück.Zur Biografie eines der überlebenden Sögeler Juden, des ehemaligen Viehhändlers Kurt Grünberg, siehe: Über transgenerationale Traditierungen extremen Traumas in einer Überlebenden-Familie. In: Marina Chernivsky, Jana Scheuring: Gefühlserbschaften im Umbruch. Perspektiven, Kontroversen, Gefühlserbschaften. Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Frankfurt am Main 2016, S. 58. Im Gedenken an die Sögeler Opfer des Nationalsozialismus wurden 54 Stolpersteine verlegt (Stand 2023).

Das Ende des Zweiten Weltkriegs In Sögel bestand während des Zweiten Weltkriegs ein Ausweichlager für ausgebombte Emder Familien. Sögel wurde am 9. April 1945 vom Lake Superior Regiment (Motor) der kanadischen Armee eingenommen.Charles Perry Stacey: The Victory Campaign: The Operations in North-west Europe 1944–45. Veröffentlicht in Volume III der Official History of the Canadian Army in the Second World War. Queen’s Printer, Ottawa 1960, S. 558. (online, abgerufen am 19. Januar 2026). Bei einem zuvor geflogenen Bombenangriff starben elf Einwohner und zwei deutsche Soldaten. Eine andere Quelle schreibt: „Zwölf Todesopfer (neun Sögeler Einwohner – darunter vier Kinder – und drei deutsche Soldaten) und mehrere Verwundete, von denen noch zwei einige Tage später ihren Verletzungen erlagen, waren zu beklagen.“Offline: Am Folgetag führten deutsche Fallschirmjäger einen Gegenangriff auf den Ort durch. Es kam zu Häuserkämpfen in der Innenstadt von Sögel, wobei die kanadische Armee auch Panzer des Lincoln and Welland Regiments einsetzte. Der Angriff konnte durch die Kanadier abgewehrt werden. Da sie die Unterstützung durch einheimische Zivilisten vermuteten, kam es im Anschluss an die Kämpfe zu Übergriffen kanadischer Soldaten auf diese. Später internierten sie die Zivilbevölkerung in einem Notgefangenenlager und sprengten am folgenden Tag über 70 Häuser entlang der vormaligen Kampflinie.Wege aus dem Chaos, Das Emsland und Niedersachsen 1945–1949, Meppen 1987. Die kanadische Armee bezeichnete den Kampf um Sögel als einen der für sie schwersten und verlustreichsten während des alliierten Vormarsches in Deutschland.The Maple Leaf, Ausgabe vom 3. Mai 1945. Die knapp gefasste Official Historical Summary der kanadischen Armee nennt Sögel nur in einem Satz zum Vorrücken der 4th Canadian Armoured Division: „On 8 April, it won a bridgehead over the River Ems at Meppen and then pressed forward through Sogel to Friesoythe.“ S. 279.

Sonderwaffenlager in der Lahner Heide Während des Kalten Krieges wurde ab 1963 zwischen Sögel und der Gemeinde Werlte ein zentrales Atomwaffenlager für das I. Korps der Bundeswehr und das niederländische I. Korps errichtet und vom Heer und der US Army betrieben. Im Februar 1992 wurden die letzten Atomwaffen aus dem Sondermunitionslager Lahn abtransportiert.

Eingemeindungen Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden in den Räumen Leer und Aschendorf-Hümmling wurde am 1. Januar 1973 Eisten in die Gemeinde Sögel eingegliedert. Zum Gebiet der heutigen Gemeinde Sögel gehört auch der größte Teil der ehemaligen Gemeinde Wahn, die 1941 für die Vergrößerung des Krupp’schen Schießplatzes eingeebnet wurde.

Einwohnerentwicklung mini|hochkant=2.0|Einwohnerentwicklung von Sögel (einschließlich des eingemeindeten Ortsteils Eisten) Jahr Einwohner 1821 1681 1848 1979 1871 2086 1885 1971 1905 2367 1925 2824 1933 3146 1939 3526 Jahr Einwohner 1946 3238 1950 3422 1956 3163 1961 3111 1971 3948 2005 6729 2013 7556 2015 7464 Seit 1977 gehört Sögel zum Landkreis Emsland mit Meppen als Kreisstadt.

Politik

Bürgermeister Seit 2023 Johannes Völker (CDU) 2021–2023 Günther Wucherpfennig (CDU) 2011–2021 Irmgard Welling (CDU) 19??–2011 Heiner Wellenbrock (CDU)

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 21 gewählte Mitglieder. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober. +SitzverteilungPartei2026Gemeindewahl Sögel 20262021Gemeindewahl Sögel, 13. September 2021, abgerufen am 14. September 2021.2016 CDU 13 11 12 SPD 7 8 8 Grüne – 1 – FDP – – 1 Einzelbewerber 1 1 –Einzelkandidat 2021/2026 Franz-Josef Bruns

Wappen und Flagge Das vom Heraldiker Ulf-Dietrich Korn entworfene Wappen sowie die Flagge der Gemeinde Sögel wurden am 9. Juni 1983 vom Landkreis Emsland genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Rot durch eine eingebogene goldene Spitze, darin ein schwarzes Keilerhaupt; vorn eine goldene Waage; hinten eine Darstellung des heiligen Jakobus des Älteren in Silber, Brustbild mit Evangeliar.“

Begründung: Die Waage weist auf die Bedeutung des Ortes als Gerichtssitz hin, der in der Zeit vor 1400 nachgewiesen ist. Die Darstellung des hl. Jakobus bezieht sich auf das Patronat der Urpfarrei Sögel, welche um das Jahr 800 datiert ist. Das Keilerhaupt symbolisiert die Bedeutung Sögels für die Jagd.

Die Flagge ist im Verhältnis 1:3:1 Rot-Gelb-Rot waagerecht geteilt belegt mit dem Wappen in der Mitte.Hans Fettweis: Die Wappen der Städte, Gemeinden und Altkreise des Emslandes. Lingen (Ems) 1989.

Wirtschaft Die Tönnies Holding betreibt in Sögel den größten Schweineschlachthof Norddeutschlands.

Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Clemenswerth mini|Ludmillenhof Sögel ist heute ein staatlich anerkannter Erholungsort und wird von Einheimischen für seine idyllische Lage auf dem Hümmling wertgeschätzt. Sögel ist von Wald umgeben und bietet gleichsam Erholungssuchenden wie auch Sportlern ein breites Angebot.

Gebäude und Anlagen Von überregionaler Bedeutung ist die barocke Schlossanlage Clemenswerth, in der sich acht sternförmig angeordnete kleinere Pavillonhäuser um einen größeren Zentralbau gruppieren. Die einzelnen Bauten sind eingefügt in acht, z. T. doppelreihige Linden-Alleen und bilden so einen Jagdstern.Andrea Kaltofen: Die Sögeler Allee des Jagdsterns Schloss Clemenswerth in Sögel, Landkreis Emsland. Konsequenzen aus dem Alter und Nutzung. In: Niedersächsisches Landesamtes für Denkmalpflege (Hrsg.): Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, , Jg. 33 (2013) S. 207–210. Errichtet wurde die Anlage in der Zeit von 1737 bis 1749 vom kurfürstlichen Architekten Johann Conrad Schlaun für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten, Fürstbischof von Münster und Träger weiterer Titel Clemens August I. von Bayern. Das Jagdschloss Clemenswerth ist das am besten erhaltene barocke Jagd- und Lustschloss seiner Art in Europa. Die sternförmige Anlage ist gekennzeichnet von einzelnen Achsen, die jeweils in eine Allee ragen und vom Zentralpavillon aus nur aus angewinkelter Position aus dem Fenster erblickt werden können. Die unmittelbare Umgebung des Waldes ermöglichte die Jagd. Teil der Anlage sind auch die drei miteinander durch Kanäle verbundenen Schlossteiche, die ebenfalls auf Achsen liegen, sowie der historische Marstall, der heute eine Jugendbildungsstätte beherbergt.Jugendbildungsstätte. Auch ein Kapuzinerkloster, in dem noch heute einige wenige Patres leben, gehört zur Schlosskapelle. Dieser angegliedert ist ein großer Klostergarten. Clemenswerth ist heute Museum mit separater Töpferei und Sitz der Emsländischen Landschaft.

Sehenswert sind auch der ehemals herzogliche Ludmillenhof, der heute das Rathaus beherbergt, sowie der alte Amtsbrunnen und der Heimathof.