mini|Haemadipsa picta am Finger eines potenziellen menschlichen Wirts mini|Haemadipsa picta an einem Schuh mini|Haemadipsa zeylanica saugt durch eine Socke hindurch Blut mini|Haemadipsa zeylanica beim Saugen, mit beiden Saugnäpfen an der Haut verankert (Kopf links) mini|Haemadipsa zeylanica, satt und vollgesogen. Pahang, Malaysia mini|Von Haemadipsa zeylanica gebissene Wunde mini|Blase, die an einer von Haemadipsa zeylanica gebissenen Wunde entstanden ist

Die Landegel (Haemadipsidae) sind eine Familie der Kieferegel (Hirudiniformes), die in feuchten Wäldern Asiens als Blut saugende Parasiten verschiedenen Wirbeltiere und auch den Menschen befallen.

Merkmale Die Landegel ähneln äußerlich den in Europa heimischen Egeln der Familie Hirudinidae, sind aber deutlich kleiner. Sie besitzen zwei bis drei Kiefer, die jeweils mit einer einfachen Zahnreihe versehen sind. Jedes Segment weist außen drei bis zwölf Ringel auf. Der hintere Saugnapf hat zahlreiche Radialfurchen, welche die Fortbewegung an Land erleichtern. Der Körper ist von Längsfurchen überzogen, die quer zu den Ringeln verlaufen, so dass sich ein netzartiges Muster mit quadratischen Flecken ergibt. Hasko Friedrich Nesemann: Aquatic invertebrates of the Ganga River System: Mollusca, Annelida, Crustacea (in part), Vol. 1. Chandi Press, Kathmandu 2007. S. 155.

Während die Egel der Gattung Haemadipsa in ihrem Schlund drei Kiefer und pro Segment im Mittelabschnitt fünf Ringel haben, sind es bei der Gattung Phytobdella zwei Kiefer und pro Segment sechs Ringel. An ihrem hinteren Saugnapf haben Egel der Gattung Haemadipsa zudem einen gebogenen Fortsatz (Greifpapille), der ihnen die Fortbewegung im Geäst ermöglicht. Hugh L. Keegan, Seiichi Toshioka, Hiroshi Suzuki: Blood Sucking Asian Leeches of Families Hirudidae [sic] and Haemadipsidae. U. S. Army Medical Command, Japan, 1968. Genus Haemadipsa Tennent, S. 33–35.

Die Landegel nehmen auf Grund ihres Geruchs- und wahrscheinlich auch Wärmesinns ihren Wirt gegen den Wind wahr und bewegen sich durch Geäst, Gras oder über den Boden rasch in seine Richtung. Sie besitzen einen Mechanismus, der ihnen die Saugnäpfe auch bei trockener Witterung feucht hält: Das erste Paar Nephridien mündet über einen langen Harnleiter direkt in den vorderen Saugnapf. Die austretende Harnflüssigkeit wird über die Furchen des Saugnapfs durch Kapillarwirkung auf dessen Oberfläche verteilt. Die hintersten Nephridien münden dagegen unter lappenförmigen Fortsätzen („Öhrchen“ oder Aurikel) des 23., 24. und 25. Segments. Während der Fortbewegung des Egels streichen diese Fortsätze über die Innenseiten des hinteren Saugnapfs und benetzen ihn so mit der Harnflüssigkeit. Die Form des drehbaren hinteren Saugnapfs mit seiner Greifpapille, die bei manchen Arten auch aktiv einen Ast umfassen kann, ermöglicht dem Egel eine sehr rasche Fortbewegung im Geäst und Gras.W. Nachtigall: Biological Mechanisms of Attachment: The Comparative Morphology and Bioengineering of Organs for Linkage, Suction, and Adhesion. Translated by M. A. Biederman-Thorson. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1974. S. 128.K. H. Mann: Leeches (Hirudinea): Their Structure, Physiology, Ecology and Embryology. Pergamon Press, Oxford 1962. S. 32–34.

Verbreitung, Lebensräume und Beispielarten Die Landegel leben in Wäldern Südasiens, Südostasiens, Australiens und Madagaskars, wo sie als blutsaugende Parasiten Säugetiere befallen.

Der bereits 1827 von Alfred Moquin-Tandon als erste Art beschriebene, kaum 4 cm lange Ceylonegel (Haemadipsa zeylanica) ist in ganz Südostasien von Indien bis Japan verbreitet und durch mehrere geographische Unterarten vertreten. Die Art lebt vor allem am Boden, von wo aus sie die Wirte insbesondere an den Beinen angreift. Durch ein Anaestheticum im Speichel werden ihre Bisse oft kaum bemerkt, so dass sich der Egel vollsaugen kann und schließlich abfällt. Der bis zu 3,3 cm lange Tigeregel (Haemadipsa picta) ist in Borneo, Indochina und Taiwan verbreitet, wo er im Astwerk oberhalb einer Höhe von 1 m lebt. Er kann sich auf seine Wirte fallen lassen und verursacht stark schmerzende Bisswunden. Dies tut auch der bodenlebende Indische Landblutegel (Haemadipsa sylvestris). Eine im südöstlichen Australien in Wäldern häufige Egelart, die auch an Menschen Blut saugt, ist der Australische Landblutegel (Chtonobdella limbata). Es gibt aber auch Landegel, die nur an Reptilien saugen, so der auf der Malaiischen Halbinsel heimische Kettstreifige Blutegel (Phytobdella catenifera).

Bedeutung für den Menschen Einige Landegel, darunter der Ceylonegel und der Tigeregel, treten stellenweise massenhaft auf, so dass Passanten im Wald nicht verhindern können, dass sich zahlreiche Egel an ihnen festsaugen. Die Egel, deren Bisse auch zu bakteriellen Sekundärinfektionen führen können, übertragen in manchen Fällen Flagellaten der Gattung Trypanosoma und verursachen so in einzelnen Fällen Verkrüppelungen oder auch den Tod des betroffenen Menschen.Heinz Mehlhorn: Die Parasiten der Tiere: Erkrankungen erkennen, bekämpfen und vorbeugen. 7. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg. 2012. S. 367. Deshalb gelten manche Waldgebiete etwa auch für Soldaten als schier unpassierbar, was dazu geführt hat, dass Militäreinrichtungen Forschungen über die Egel betrieben. Eine Imprägnierung der Standarduniform der United States Army mit der Chemikalie M-1960 wurde in Untersuchungen der 1950er Jahre als ausreichender Schutz befunden.B. C. Walton, R. Traub, H. D. Newson 1956: Efficacy of the clothing impregnants M-2065 and M-2066 against Terrestrial Leeches in North Borneo. American Journal of Tropical Medicine and Hygiene 5, S. 190–196.

mini|hochkant|links|Die gewählten Strümpfe sollten dick genug sein (hier: Haemadipsa sp.) Der Olmützer deutschmährische Zoologe Ludwig Karl Schmarda berichtet von einer Reise durch die britische Kolonie Ceylon, das heutige Sri Lanka, in den 1850er Jahren:

Systematik Zur Familie Haemadipsidae werden heute unter anderen folgende Gattungen gezählt: Amicibdella Chtonobdella Haemadipsa Hygrobdella Idiobdella Malagabdella Nesophilaemon Philaemon Phytobdella

Eine Zeitlang zu dieser Familie gestellt wurde auch der Europäische Landblutegel (Xerobdella lecomtei), der im Gegensatz zu den Haemadipsidae kein Blut saugt, sondern Insektenlarven und Regenwürmer erbeutet und als Ganzes verschlingt. Die Gattung Xerobdella gehört jedoch nicht in dieses Taxon, sondern ebenso wie die Gattung Mesobdella zur Familie Xerobdellidae.Elizabeth Borda, Alejandro Oceguera-Figueroa, Mark E. Siddall (2008): On the classification, evolution and biogeography of terrestrial haemadipsoid leeches (Hirudinida: Arhynchobdellida: Hirudiniformes). Molecular Phylogenetics and Evolution Volume 46, Issue 1: 142–154.

Literatur Hasko Nesemann, Eike Neubert: Annelida, Clitellata: Branchiobdellida, Acanthobdellea, Hirudinea. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 1999. S. 105. Hasko Friedrich Nesemann: Aquatic invertebrates of the Ganga River System: Mollusca, Annelida, Crustacea (in part), Band 1. Chandi Press, Kathmandu 2007. S. 155. Yi-Te Lai, Takafumi Nakano, Jiun-Hong Chen (2011): Three species of land leeches from Taiwan, Haemadipsa rjukjuana comb. n., a new record for Haemadipsa picta Moore, and an updated description of Tritetrabdella taiwana (Oka). ZooKeys 139: 1–22. Hugh L. Keegan, Seiichi Toshioka, Hiroshi Suzuki: Blood Sucking Asian Leeches of Families Hirudidae [sic] and Haemadipsidae. U. S. Army Medical Command, Japan, 1968. J. P. Moore: Arhynchobdellae. In: W. A. Harding, J. P. Moore (Hrsg.): The Fauna of British India, including Ceylon and Burma. Hirudinea. Taylor and Francis, London 1927. S. 97–298, hier 254ff. J. P. Moore (1929): Leeches from Borneo with descriptions of new species. Proceedings of the Academy of Sciences Philadelphia 81, S. 267–295. J. P. Moore (1930): Leeches (Hirudinea) from China with descriptions of new species. Proceedings of the Academy of Sciences Philadelphia 82, S. 169–192. A. Soos: Identification key to the leech (Hirudinoidea) genera of the world with a catalogue of the species. IV. Family: Haemadipsidae. Acta Zoologica Academiae Scientiarum Hungaricae 13, S. 417–432, 1967 Urania Tierreich, Band 2. Urania-Verlag, Leipzig/Jena/Berlin 1966. S. 79, 84f., Familie Haemadipsidae, Landegel.

Weblinks

Haemadipsidae in: Lexikon der Biologie, Online-Ausgabe.

Einzelnachweise

Kategorie:Egel