150px|mini|Spätrömischer Offiziershelm (Typ Berkasovo/Jarak) aus der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts, Muzej Vojvodine, Novi Sad
Der Dux Pannoniae secundae ripariensis et Saviae (Heerführer der Pannonia II und Saviae) war ab dem 3. Jahrhundert Kommandeur der am Donaulimes (Limes Pannonicus) stationierten Limitanei- und Flotteneinheiten. Wie sein westlicher Amtskollege, der Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis, befehligte er die Aufgebote von zwei Provinzen. Das Amt ist nur aus der Notitia Dignitatum bekannt.Notitia Dignitatum, IN PARTIBUS OCCIDENTIS, XXXII.
Der Zuständigkeitsbereich (ducat) des Dux erstreckte sich auf den Limes der Provinzen Pannonia secunda und Saviae, d.s. die südungarische, kroatische und serbische Donauregion und das Tal der Save, genauer der Abschnitt der mittleren Donau, der von Ad Novas (dem heutigen Zmajevac) an der Mündung der Drau bis Taurunum (heute Zemun) an der Mündung der Save verlief. Die Stützpunkte der Patrouillenflotillen (classis) lagen nicht direkt an der Donau, sondern an den Nebenflüssen Drau und Save. In seinem Verantwortungsbereich lag auch die Stadt Sirmium, die zeitweise als kaiserliche Residenz und Operationszentrum für Feldzüge gegen die Barbarenstämme nördlich der Donau diente.John Wilkes: «Provinces and frontiers (Appendix III: Frontier deployment, A.D. 193-337)». Averil En Cameron, Peter Garnsey, Peter; Alan Bowman: The Cambridge Ancient History. Vol. XII: The Crisis of the Empire A.D. 193-337. Cambridge University Press. 2005 S. 724-767.
In der Rangordnung des römischen Reichsadels nahm der Dux seit Valentinian I. die Stellung eines vir spectabilis (zweite senatorische Rangklasse) ein.
Verwaltungsstab Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo
Principem de eodem officio (Kanzleileiter) Numerarium (Zahlmeister) Adiutorem (Assistent) Commentariensem (Buchführer und Rechtskundiger) Subadiuuam (Hilfskraft) Regrendarium (Verwalter oder Archivar) Exceptores (Schreiber) Singulares et reliquos officiales (Ordonnanzen)
Truppen Der Großteil der Einheiten (einige werden in mehreren Standorten genannt) gehörte zu den Limitanei. Sie waren auf Kastelle oder Städte direkt an den Flussufern oder deren Hinterland verteilt. Ein paar von ihnen finden sich aber auch in den Feldarmeen (Comitatenses) des Magister Equitum (OB der Reiter) und des Magister peditum (OB der Infanterie). Die Notitia Dignitatum zählt insgesamt 22 Kastelle/Städte für die Pannonia II und Saviae auf. Allerdings werden nur 10 Präfekten und 4 Tribunen angegeben. Wie auch in einigen anderen Donauprovinzen war der Uferlimes (ripae) der Pannonia II organisatorisch in zwei Abschnitte geteilt:
oberer Abschnitt (partis superioris) und unterer Abschnitt (partis inferioris).
Diese Abschnitte wurden auffällig oft von der fünften Kohorte gesichert. Laut Karlheinz Dietz handelte es sich dabei wohl um eine Fehlinterpretation des Kürzels CHTV (c[o]h[or]t[i]u[m]) seitens der mittelalterlichen Kopisten der Notitia.Dietz 1993, S. 298 und 312. Im Gegensatz zur benachbarten Provinz Valeria wird der untere Abschnitt nicht erwähnt; Die dort stationierten Einheiten könnten in den späten 370er Jahren, nach der katastrophalen Niederlage der oströmischen Armee gegen Visigoten und Alanen in der Schlacht von Adrianopel, vernichtet oder zersprengt worden sein.
Distributio Numerorum Laut der ND Occ. standen dem Dux folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione
Kavallerie Einheit/Kastelle Bemerkung Abbildung Equites Dalmatae, NovasGrößtenteils im frühen 4. Jahrhundert aus dalmatinischen Stämmen rekrutierte Reitersoldaten. In der Notitia Dignitatum werden 48 Einheiten der Equites Dalmatae aufgelistet. Die equites Dalmatae wurden während der Herrschaft des Gallienus (253–268) geschaffen, ähnlich wie andere zu dieser Zeit aufgestellte Kavallerieformationen, die aus den Reiterkontingenten der Legionen und Auxiliareinheiten herausgelöst wurden. Der Name Dalmatae bedeutet, dass anfangs viele ihrer Soldaten aus dieser Provinz stammten. Später rekrutierten die jeweiligen Grenzschutzeinheiten ihre equites Dalmatae einfach in den Regionen, in denen sie stationiert waren. Diese Reiterformationen waren nie als ethnische reine Einheiten gedacht. Ihre enorme Präsenz unterstreicht ihre Rolle als Rückgrat der mobilen Grenzverteidigung am pannonischen Limes.Tomasz Dziurdzik: Die Beziehung der spätrömischen equites Dalmatae zu Dalmatien, in: D. Demicheli (Hrsg.), Illyrica Antiqua II, Zagreb 2017, S. 223-233. In Zmajevac (HR) erhebt sich nordwestlich eine mächtige Geländefalte mit einem großflächigen Plateau, das von Südwesten kommend nach Nordosten bis zum Kastell Ad Militare verläuft. Diese Erhebung ist ein Ausläufer der Banska kosa, einer Hügelkette, die von den Römern Aureus Mons (Goldener Berg) genannt wurde. Auf diesem Plateau über dem heutigen Dorf stand das Kastell Novas in leicht nach Südosten abfallender Lage.mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, AlbanoAlbano oder Albanum lag in Unterpannonien. Es stand im Mündungsdreieck von Donau und Drau, im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Kroatien, nahe den Orten Dálya oder Bâranyavár.Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band I,1, 1893, S. 1307.mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, CornacoWährend der Spätantike lag zunächst eine berittene Einheit der dalmatinischen Reiter im Kastell,Notitia Dignitatum occ. XXXII, 22. gefolgt von den berittenen Schildträgern.Notitia Dignitatum occ. XXXI, 31. Zuletzt war hier mit den Equites promoti erneut eine Reitereinheit kaserniert.Zsolt Visy: The ripa Pannonica in Hungary. Akadémiai Kiadó, Budapest 2003, ISBN 963-05-7980-4, S. 149. Das Kastell selbst stand auf dem Gebiet der kroatischen Ortschaft Sotin, mutmaßlich auf dem Popino-brdo (Priesterhügel), unmittelbar über der Donau.Mirjana Sanader: Die Grenze in Kroatien. In: Gerhild Klose, Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Grenzen des römischen Imperiums. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3429-X, S. 156. Heute steht dort eine Marienkirche. Die rund zwei Hektar große Hügelkuppe selber stellt sich als ein zur nordöstlich vorbeifließenden Donau seitlich abgeschnittenes Rund dar, dessen Nordflanke in ein kleines, tief eingeschnittenes Tal abfällt, das an der Donau endet. Auch an den anderen Seiten bilden Gräben und Hohlwege ein natürliches Hindernis, so dass der Zugang zum Kastell nur von Süden her möglich war.Mato Ilkić: Römisches Militärdiplom aus Sotin (Cornacum). In: Prilozi Instituta za arheologiju u Zagrebu. 26 (2009), S. 143–164 (PDF); hier: S. 162. Nach Westen, Süden und Südosten sowie über die Donau hinweg in das Barbaricum hinein ist das Land topographisch relativ flach und gut überschaubar.mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, BornoriaeÜber die genaue Lokalisierung des Kastells (auch Bornoria) herrscht in Archäologenkreisen noch Unklarheit, da am diesen Limesabschnitt viele antike Fundplätze dicht beieinanderliegen. Es war jedoch definitiv ein Bestandteil der Kastellkette an der Donau, zwischen den Kastellen Cornacum (Sotin, Kroatien) und Cuccium (Ilok, Kroatien).mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, CusiDas Kastell dieser Reitereinheit (auch Cuccium genannt) stand an der Donau beim heutigen Ilok im Osten Kroatiens, direkt an der Staatsgrenze zu Serbien. Ihre Hauptfunktion bestand wohl in der Grenzüberwachung, der Aufklärung und dem schnellen Abfangen von Plünderern oder Nomadenstämmen, welche versuchten, die Donau zu überqueren. Im Kastell waren laut der Notitia im 4. Jahrhundert auch berittene Bogenschützen und ein Cuneus equitum promotorum, untergebracht.Notitia Dignitatum occ. XXXI 21 und occ. XXXII 25. Das Kastell wurde in einer strategisch hervorragend gewählten Lage auf einem Berghügel errichtet der heute zur Gänze von einer mittelalterlichen Festungsanlage eingenommen wird. Von diesem Standort aus hatte die Besatzung Sichtkontakt zum nordwestlich gelegenen Donaukastell Cornacum (Sotin). Zudem konnte von hier aus auch das am anderen Ufer der Donau gelegene Barbaricum, d. h. das Siedlungsgebiet der sarmatischen Jazygen gut überwacht werden, die sich dort seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. niedergelassen hatten. Die Jazygen waren über eine lange Zeit ein äußerst gefährlicher Gegner Roms.Mirjana Sanader: Die Grenze in Kroatien. In: Gerhild Klose, Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Grenzen des römischen Imperiums. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3429-X, S. 156.mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, RictiDieses Reiterkastell (auf antiken Reiserouten als Ritti oder Rittium bezeichnet) stand beim heutigen Surduk in Serbien, ca. 40 Kilometer nördlich der serbischen Hauptstadt Belgrad, an einem Steiluferabschnitt der Donau. Die benachbarten Kastelle flussaufwärts waren Cusi (Ilok) und Burgentas (Novi Banovci).mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Equites Dalmatae, BurgentasDas Reiterkastell (in antiken Inschriften auch Burgenae oder Burgenis genannt), ist heute vom serbischen Ort Novi Banovci überbaut, rund 30 Kilometer nordwestlich von Belgrad. Das Lager stand direkt am rechten Hochufer der Donau. Neben den Equites Dalmatae beherbergte das Kastell, vermutlich eines der unterpannonischen Militärzentren, zu verschiedenen Zeiten auch eine Vexillation der Legio V Iovia, sowie eine weitere Reitertruppe, den Cuneus equitum Constantianorum.mini|hochkant=0.7|Schildzeichen unbekannt Cuneus equitum Dalmatarum, TeutiborgioCuneus (lateinisch für „Keil“) bezeichnete eine eigenständige Kavallerieeinheit von etwa 200 bis 300 Reitern. Ursprünglich der taktische Begriff für eine keilförmige Schlachtordnung, wurde er später zur offiziellen Bezeichnung für kleinere Reitereinheiten. Bei ihnen handelte es sich ursprünglich um Reiter, die aus den Legionen ausgegliedert worden waren, um ab da als eigenständige Verbände zu operieren. Die archäologischen Überreste ihres Kastells befinden sich beim heutigen Dalj in Kroatien (östlich von Osijek, direkt an einer Donauschleife). In Teutiborgio waren laut der Notitia Dignitatum im 4. Jahrhundert auch Equites promoti sowie eine Abteilung der