Volkach ist der Hauptort der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Er bildet heute, als einwohnerreichster und größter Gemeindeteil, den Mittelpunkt der politischen Gemeinde Volkach. Zur Stadt wurde Volkach bereits im 13. Jahrhundert. Zunächst war die Ansiedlung der wichtigste Ort in der mittelalterlichen Grafschaft Castell, ehe sie ein Teil des Hochstifts Würzburg wurde. Bereits in der Vergangenheit war Volkach einer der Verwaltungsmittelpunkte am Maindreieck.
Die Stadt liegt an der sogenannten Volkacher Mainschleife, die als größte Flussmäanderlandschaft Bayerns zum Landschafts- und Naturschutzgebiet erklärt wurde. Kulturhistorisch ist die Mainschleife vom Weinbau geprägt. Volkach war im Mittelalter ein wichtiger Weinhandelsort im Anbaugebiet Franken und die Bevölkerung betrieb Weinanbau. Heute werden die Volkacher Erzeugnisse unter dem Lagenamen Volkacher Ratsherr vermarktet.
Neben dem Weinbau zieht heute vor allem die erhaltene Altstadt Touristen an. Die Stadt wurde bereits in den 1970er Jahren von der bayerischen Regierung zum staatlich anerkannten Erholungsort erklärt.Staatsministerium des Inneren: Verzeichnis der Kur- und Erholungsorte, PDF-Datei, S. 40, abgerufen am 18. August 2018. In Volkach ist die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur angesiedelt, die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Volkach. Die Stadt Volkach ist die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Kitzingen. In den 1980er Jahren entstand die Mainfranken-Kaserne und machte Volkach zum Bundeswehrstandort.
Geografie Geografische und naturräumliche Lage Volkach liegt zentral im Gebiet der politischen Gemeinde. Die Gemeindeteile ordnen sich sternförmig um die Stadt an. Im Norden befindet sich Gaibach, im Nordosten liegt Obervolkach. In einiger Entfernung beginnt die Gemarkung von Rimbach im Osten. Südöstlich erhebt sich das Pfarrdorf Eichfeld. Im Süden beginnt mit dem Gebiet des Dorfes Gerlachshausen die Gemeinde Schwarzach am Main, im Südwesten beginnen die Orte Nordheim am Main und Sommerach nahe der Hallburg. Getrennt durch den Main liegt im Westen Astheim. Entlang des Maines zieht sich die Straße nach Fahr im Westen.
Nächstgelegene, größere Städte sind Kitzingen, mit einer Distanz von etwa 15 Kilometern und Schweinfurt, das ungefähr 20 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 23 Kilometer entfernte Würzburg.
mini|hochkant|Die Volkacher Mainschleife aus Westen (Oktober 2015). Links die Vogelsburg, rechts Nordheim, im Hintergrund Astheim und Volkach.
Naturräumlich liegt Volkach im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 10. Januar 2019.
Die Stadt liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau im Ort. Geologisch lagerte der Main an der Stelle der Stadt eiszeitliche Mainsande und -schotter ab. Um Volkach sind außerdem die Gesteine des Oberen Muschelkalks zu finden, die zum sogenannten Volkacher Sattel aufgewölbt wurden. Sie tragen, zusammen mit denen im äußersten Norden der Gemarkung vorkommenden Steinen des Lettenkeupers, überwiegend die typischen Rebhänge um die Stadt.Herrmann, Axel: Geologischer Aufbau und Oberflächenformen. S. 33 (Karte).
Charakteristisch für die Stadt ist die Lage am Scheitelpunkt der sogenannten Volkacher Mainschleife. Diese Flussmäanderlandschaft ist die größte ihrer Art in Bayern. Sie entstand nach der Bildung erster Täler während des Pleistozäns, als der Obermain an das heute noch bestehende Mainsystem angeschlossen wurde.Landesamt für Umwelt: Volkacher Mainschleife, PDF-Datei, abgerufen am 16. August 2018. Das zweitwichtigste Gewässer in der Volkacher Gemarkung ist der Bach Volkach selbst, der einen Teil der Stadtmauer begleitet und aus dem Steigerwald kommend in den Main mündet.
Daneben fließen der Eschbachgraben, der Heiligenbach, der Ölberggraben, der Rotenbach, der Rothenbühlgraben, die Sommerach und einige unbenannte Gräben um Volkach zumeist auf den Main zu, wobei viele der Flüsse verlegt und kanalisiert wurden. In den 1950er Jahren entstand der Volkacher Mainkanal, der die enge Flussschlinge der Mainschleife umgeht und nach der Staustufe Astheim, gegenüber der Stadt, bis Gerlachshausen geführt wird. Der Volkachbach wird kurz vor seiner Mündung durch einen Düker unter dem Kanal entlanggeführt.Meyer, Herbert: Der Volkachbach. S. 342.
Gemarkung Die Gemarkung Volkach hat eine Fläche von 13,260 km². Sie ist in 5118 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2590,91 m² haben.
Ortsgliederung mini|Gliederung der Volkacher Kernstadt und ihrer Gemarkung
Zentral in der Volkacher Gemarkung liegt die mittelalterliche Altstadt, die als Zweitorestadt in Richtung Nordwesten bzw. Süden ausgerichtet ist. Außerhalb der ummauerten Kernstadt schließen sich die Untere Vorstadt im Nordwesten und die Obere Vorstadt im Süden an die alte Bebauung an. Der Obere Markt bildete neben dem Marktplatz mit dem Marktbrunnen und dem Gänsemarkt in der Altstadt eines der Handelszentren Volkachs. Insbesondere im Norden und Westen haben sich die Überreste der alten Gräben erhalten, die von Privatleuten als Gärten genutzt werden.Egert, Gerhard: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 59–75.
Östlich der alten Stadt schließt sich ein Areal an, in dem sich das Krankenhaus (Fachklinikum Mainschleife), die Grund- und Mittelschule (mit dem Hallenbad), eine große Mehrzweckhalle (Mainschleifenhalle), ein Kindergarten und das Bürgerspital befinden. Von Osten nähert sich die Volkach der Stadt, an ihr liegen die Schaub- und die Herrenmühle. Beide waren im 19. Jahrhundert Ortsteile von Volkach und sind heute weitgehend mit der Stadt verwachsen. Im Osten der Oberen Vorstadt erstreckt sich seit dem 16. Jahrhundert der städtische Friedhof.
mini|links|hochkant|Die Villen in der Gartenstraße am Rande der Altstadt (August 2018)
Ein weiteres Areal entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bahnhof im Nordwesten der Altstadt bzw. westlich der Oberen Vorstadt. Neben dem inzwischen zu einem Jugendhaus umgewandelten Bahnhof und der ehemaligen Post entstanden dort erste Industrieansiedlungen, die sich heute in südlicher Richtung bis zur ehemaligen Gerichtsstätte am Galgenberg, das Industriegebiet Sonnenberg, ziehen.Vgl.: Schramm, Georg Wolfgang: Die Mainschleife und ihre Eisenbahn. Dort befindet sich der etwa 5 ha große Stadtsee, auch Berzgrube, am Rande der bebauten Fläche. Der See bietet insbesondere vielen Insektenarten einen Lebensraum.LZR Broschüre Renaturierung: LZR Broschüre Renaturierung, PDF-Datei, S. 9, abgerufen am 8. März 2019.
Im Westen der Altstadt in Richtung des Maines liegt der Hindenburgpark, der vor allem als Weinfestplatz genutzt wird. Weiter im Nordwesten entstand das Volkacher Freibad. Dort siedelten sich mehrere Sportvereine mit ihren Plätzen sowie ein Campingplatz an. Die Orientierung in Richtung des Maines wird durch den Flusshafen Volkach an Flusskilometer 306 mit der Einmündung des Schleusenkanals und einer Anlegestelle für Fahrgastschiffe ebenso wie durch die Mainbrücke an dieser Stelle verdeutlicht. Kontrovers diskutiert wird die künftige Anlage einer Mainpromenade (siehe auch Schiffsverkehr).LAMA-Volkach: Ideenwettbewerb, abgerufen am 18. August 2018.
Ehemalige Ortsteile Herrenmühle Kirchberg Schaubmühle
Die Altstadt ist fast vollständig von Wohngebieten umschlossen, lediglich entlang des Volkachbachs verzichtete man bisher auf eine geschlossene Bebauung. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden Villen an den Ausfallstraßen, insbesondere in Richtung Obervolkach. 1929 und 1937 wurden weitere Straßenränder mit Zweifamilienhäusern bebaut, die sogenannte Neue Siedlung.Schmitt, Günther: Alte Volkacher Gärten in und vor der Stadt. S. 181. Im Jahr 1957 entstanden Gebiete im Südosten zwischen Eichfelder Straße und dem Erlachweg mit dem Julius-Echter-Platz als Mittelpunkt.Egert, Gerhard: Volkach: Die Stadtentwicklung 1955–1957. S. 137. Um 1970 errichtete man das Wohngebiet um die Sonnenstraße, während in den 1980er Jahren begonnen wurde, das Areal nördlich der Altstadt zu bebauen (sogenanntes Nordgebiet). Neueste Wohngebiete entstanden nördlich der Schaubmühle im 21. Jahrhundert.
Um die heutige Stadt existieren auch landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Nördlich befindet sich die Flur Sambühl, die überwiegend mit Weinreben bestockt ist. An die bebaute Fläche schließen sich im Südosten die sogenannten Erlachhöfe, mehrere Aussiedlerhöfe, an. Weiter südöstlich beginnt der Hartwald als Stadtforst. Im Süden wurde in den 1980er Jahren die Mainfranken-Kaserne gebaut. Südlich der Kaserne befand sich bis ins 17. Jahrhundert das Dorf Ulberg, das als totale Ortswüstung Teil der Gemarkung Volkach ist.Egert, Gerhard: Die Ortsnamen als siedlungshistorische Quelle. S. 15.
Heute getrennt durch den Mainkanal liegt die Hallburg, Schloss und Gutshof, im Südwesten. Sie gelangte 1955 als Gemeindeteil zur Stadt. Historisch besonders bedeutsam ist das Areal im Nordwesten der Altstadt. Auf dem Kirch- oder Marienberg liegt die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten, ein alter Kreuzweg verbindet die Stadt mit dem Gotteshaus. Der Kirchberg war im 19. Jahrhundert ebenfalls ein eigenständiger Ortsteil Volkachs. In späterer Zeit entstand unterhalb ein Aussiedlerhof, der Marienhof.
Siehe auch: Altstadt (Volkach), Obere Vorstadt (Volkach), Untere Vorstadt (Volkach), Ulberg und Hallburg (Volkach)
Schutzgebiete
mini|hochkant|Das Schutzgebiet Alter Main bei Volkach, im Hintergrund der Wald an der Hallburg (Juli 2016)
Die Stadt ist von mehreren Schutzgebieten umgeben. So wurde die Volkacher Mainschleife bereits am 1. August 1955 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Im Schutzgebiet liegen heute sowohl die Kirche Maria im Weingarten als auch Wohngebiete der Stadt nordwestlich des Altortes und die Fluren um die Hallburg. Ebenso ist die Mainschleife Fauna-Flora-Habitat (FFH). Weite Teile der Mainschleife sind außerdem als Abschnitt des Maintales zwischen Dettelbach und Schweinfurt zum Vogelschutzgebiet erklärt worden. Hierzu zählen auch Areale im Süden der Kasernenanlagen. Die Mainschleife genießt zusätzlich den Status eines Geotopes.
Besonderen Schutz genießen die Naturschutzgebiete um Volkach. So wird die weitgehend erhaltene Auelandschaft an der Mainschleife in einem schmalen Streifen entlang des Flusses unmittelbar westlich des Mainkanals unter der Bezeichnung Alter Main bei Volkach geschützt. Oberhalb dieses Schutzgebietes liegt der Wald an der Hallburg, der ebenfalls zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Hier gilt die besondere Aufmerksamkeit dem artenreichen Hangwald. Im Osten des Mainkanals beginnen die Sandfluren bei Volkach, Schwarzach am Main und Sommerach. Schutzziel sind die Sandgrasheiden mit ihren Dünen und Flugsandflächen.Bund Naturschutz-Volkach: , abgerufen am 17. August 2018.
Ebenfalls erhalten mehrere Biotope in der Gemarkung von Volkach besonderen Schutz. Sie sind überwiegend in der Nähe des Maines anzutreffen, ziehen sich allerdings auch entlang der kleineren Bäche und insbesondere der Volkach. Ein weiterer Schwerpunkt ist am Marien- oder Kirchberg zu finden. Nordwestlich der Altstadt um die Kirche Maria im Weingarten erstreckt sich außerdem ein ausgedehntes Trinkwasserschutzgebiet auf beiden Seiten des Maines.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte (bis 906) Die Besiedlung der Mainschleife und ihres Umfeldes erfolgte bereits sehr früh, dies belegen Lesefunde und systematische Ausgrabungen in der näheren Umgebung der Stadt. Erste Spuren menschlicher Besiedlung im Bereich der Mainschleife stammen aus dem Paläolithikum. Mehrere Gerätefunde belegen die Anwesenheit des Menschen in dieser damals von Tundra bedeckten Region. Kultisches Zentrum blieb während der gesamten vor- und frühgeschichtlichen Zeit der Vogelsberg, der heute noch immer die Mainschleife überragt.