Die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) ist eine Eisenbahngesellschaft mit Sitz in St. Gallen. Auf ihrem eigenen, normalspurigenDie Südostbahn verlegt ihre Gleise mit einer Spurweite von 1437 mm. Die Spurweite der Normalspur beträgt 1435 mm mit einer Toleranz nach oben und unten. (Zahlen und Fakten. Auf der Website der Südostbahn, abgerufen am 10. Dezember 2023.) Streckennetz betreibt sie den Voralpen-Express, dazu in Kooperation mit den SBB den Treno Gottardo, den Alpenrhein-Express und den Aare Linth.

Die SOB entstand 2001 aus einer Fusion der ehemaligen Schweizerischen Südostbahn und der Bodensee-Toggenburg-Bahn. 2006 kam im Rahmen einer Netzbereinigung mit den SBB der obere Teil der früheren Toggenburgerbahn dazu, im Gegenzug gab die SOB ihre Anteile an den Gemeinschaftsbahnhöfen ab. Für das Jahr 2022 wies das Streckennetz der SOB eine Länge von 111 Kilometern aus, bei 145 Kilometern Gleislänge. Charakteristisch für das SOB-Südnetz sind die Steigungen von bis zu 50 Promille.

Geschichte Vorgängerbahnen mini|links|Die älteste Strecke der SOB über den Seedamm bei Rapperswil mit der RABe 526 044 (Stadler Flirt). mini|Gepäcktriebwagen De 4/4 22 der «alten» Südostbahn in Einsiedeln Die älteste Strecke der SOB ist Lichtensteig–Ebnat-Kappel. Diese wurde am 24. Juni 1870 im Zuge der Strecke Wil–Ebnat der Toggenburgerbahn eröffnet.

1877 nahm die erste der beiden Vorläuferinnen der «alten» Südostbahn den Betrieb auf, die Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE). Bereits 1878 folgte die Zürichsee–Gotthardbahn (ZGB), welche die Bahnstrecke über den gleichzeitig eröffneten Seedamm von Rapperswil errichtete.

Zwölf Jahre später, am 1. Januar 1890, entstand die Schweizerische Südostbahn mit Sitz in Wädenswil, durch die Fusion der WE und der ZGB sowie der beiden Initiativkomitees für die Strecken Biberbrugg–Goldau und Pfäffikon–Samstagern, die seit ihrer Eröffnung im Jahre 1891 zusammen mit den bestehenden Strecken Wädenswil–Einsiedeln und Rapperswil–Pfäffikon SZ ein zusammenhängendes Streckennetz bilden, das die SOB heute als Südnetz bezeichnet.

1904 wurde die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) gegründet. Die BT eröffnete die Strecken Romanshorn–St. Gallen St. Fiden und St. Gallen HB–Lichtensteig–Wattwil im Jahre 1910. Der Abschnitt Lichtensteig–Wattwil wurde parallel zur bestehenden Strecke der SBB gebaut, welche im selben Jahr die Strecke von Wattwil aus durch den Rickentunnel nach Uznach verlängerte. Zwei Jahre später eröffnete die BT die Strecke Ebnat-Kappel–Nesslau-Neu St. Johann und pachtete die bestehende SBB-Strecke Wattwil–Ebnat-Kappel für einen durchgehenden Betrieb.

Durch die verschiedenen Berührungspunkte arbeiteten sowohl die BT als auch die SOB schon früh mit den SBB zusammen. Die durchgehenden Züge von Romanshorn über Rapperswil und Arth-Goldau nach Luzern, welche von den drei Gesellschaften gemeinsam betrieben werden, wurden ab 1992 unter dem Namen Voralpen-Express geführt, und die Allianz wurde 1998 als einfache Gesellschaft formalisiert.

Fusion und weitere Entwicklung mini|Firmensitz in St. Gallen

mini|links|Von der BT stammender Pendelzug im Jahr 2005 im Bahnhof Arth-Goldau. Der Triebwagen und der zweite Zwischenwagen tragen bereits den neuen Anstrich der SOB, der Steuer­wagen fährt noch in den Farben der BT. mini|Schubdienste waren bis 2013 nicht unüblich: In Biberbrugg abgekuppelter BDe 4/4 trennt sich vom Voralpen-Express, nachdem er diesen ab Pfäffikon SZ geschoben hat. Rückwirkend auf den 1. Januar 2001 fusionierten die beiden Bahn­gesellschaften BT und SOB zur «neuen» Schweize­rischen Südostbahn mit Sitz in St. Gallen. Dadurch wurden die Besitz­verhältnisse neu verteilt – die heutige SOB gehört zu 35,83 % dem Bund, zu 23,84 % dem Kanton St. Gallen, zu 15,46 % diversen Gemeinden und Bezirken und zu 9,6 % den Kantonen Schwyz und Zürich, während sich die restlichen 15,27 % bei Privaten im Streubesitz befinden.

Nach der Fusion kam es zu verschiedenen Strukturbereinigungen. 2006 wurden die Eigentumsgrenzen zwischen dem SOB-Ostnetz und den SBB bereinigt. Bis dahin gehörte auf der doppelspurigen Strecke Lichtensteig–Wattwil (2,5 km) ein Gleis der SOB, das andere den SBB. Zudem wurde das Teilstück Wattwil–Ebnat-Kappel (4,9 km) von den SBB an die ehemalige BT bzw. die jetzige SOB verpachtet. Seit der Netzbereinigung gehören beide Abschnitte und die Bahnhöfe Lichtensteig und Wattwil vollumfänglich der SOB. Im Gegenzug übergab die SOB alle Eigentumsrechte am Bahnhof St. Gallen. Seit Dezember 2013 ist die Südostbahn vollumfänglich für den Voralpen-Express verantwortlich. Vorher war ein Joint Venture zuständig, an dem die SOB zu ⅔ und die SBB zu ⅓ beteiligt waren.

Von 2013 bis 2019 verkehrte der Voralpen-Express als Doppelpendelzug mit zwei Triebfahrzeugen, um auf den bei grossem Verkehrsandrang notwendigen Schubbetrieb auf den Steilstrecken des Südnetzes verzichten zu können. Seither kommen Triebzüge zum Einsatz. Ebenfalls bis 2013 stellte die SOB die Lokomotive mit dem Lokomotivführer und (bis Dezember 2008) den Buffetwagen für die werktags verkehrenden Berufspendlerzüge Einsiedeln–Wädenswil–Zürich Altstetten («Gipfeli-Express»), für die die SBB die Konzession hatten und die Erst- und Zweitklass-Wagen stellten. Im Juni 2014 stellten die SBB den «Gipfeli-Express» ein.

Seit der Fusion hat der wirtschaftliche Druck auf die Bahnunternehmungen zugenommen. Die Kosten für die Verwaltung erreichten bei der Südostbahn eine kritische Grösse. Viele Verwaltungsstellen sind unverzichtbar, da die SOB sowohl Eisenbahnverkehrsunternehmen als auch Infrastrukturbetreiberin ist. Der Trend, im Personenverkehr nur noch Triebzüge einzusetzen, hat auch geänderte Anforderungen bei der Instandhaltung des Rollmaterials zur Folge. Die SOB hat ein Wachstum angestrebt und ist seit 2020/21 mit dem Treno Gottardo und «Aare Linth» verstärkt im Fernverkehr tätig. Die günstigen Bedingungen auf dem Kapitalmarkt erleichterten der Südostbahn die Beschaffung der dafür notwendigen Triebzüge. Durch das Wachstum kann die SOB ihre Infrastruktur für die Unterhaltsarbeiten besser auslasten und ein günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis erzielen.

2017 gab die Südostbahn bekannt, den Abschnitt Wattwil–Nesslau-Neu St. Johann mit automatischen S-Bahn-Zügen befahren zu wollen, bei denen der Triebfahrzeugführer lediglich zur Überwachung im Führerstand bleibt und wenn nötig eingreift.

Die St. Galler Kantonsregierung teilte 2022 mit, sie plane, ihre Aktien der Appenzeller Bahnen gegen solche der Südostbahn einzutauschen.Michael Genova: Nach Subventionsskandal: Kanton St.Gallen will Anteile an Bus Ostschweiz verkaufen. In: St. Galler Tagblatt (online), 3. März 2022.

Streckennetz mini|260px|Südnetz und Ostnetz der Südostbahn Seit der Fusion 2001 und dem Infrastrukturabtausch 2006 mit den SBB verfügt die Südostbahn über folgende Strecken: Ostnetz (Strecken der früheren Bodensee-Toggenburg-Bahn): Romanshorn – St. Gallen St. Fiden (19,1 km) St. Gallen – Wattwil – Nesslau-Neu St. Johann (44,5 km) Südnetz (Strecken der «alten» Südostbahn): Rapperswil – Pfäffikon SZ (4 km, über den Seedamm) Pfäffikon SZ – Samstagern (8,3 km) Biberbrugg – Arth-Goldau (20,2 km) Wädenswil – Einsiedeln (16,7 km)

mini|links|Voralpen-Express auf dem 99 m hohen Sitterviadukt der SOB mini|Der Voralpen-Express, hier zwi­schen Immensee und Arth-Goldau am Zugersee, befährt die SBB-Strecke Arth-Goldau–Luzern im Netzzugang Die Bahnhöfe Romanshorn und Pfäffikon SZ sowie die Streckenabschnitte St. Gallen St. Fiden–St. Gallen, Wattwil (exklusive)–Rapperswil und Arth-Goldau–Luzern gehören den SBB und werden aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen von der SOB im Netzzugang befahren. Der fahrplanmässige Verkehr wurde noch bis im Dezember 2009 zwischen den beiden Bahnen und mit der SBB-Tochter Thurbo grösstenteils auf vertraglicher Basis geregelt, das heisst zwischen Wattwil und Rapperswil waren alle Züge rechtlich gesehen SBB-Züge, wurden aber teilweise von der SOB mit ihrem Personal und Material geführt. Umgekehrt fuhren z. B. die Thurbo-GTW nach Herisau formell als SOB-Züge. Die SOB-Strecke über den Seedamm wurde dagegen von SBB-Zügen im Netzzugang befahren – die SOB-Station Hurden wurde tagsüber sogar ausschliesslich von den SBB (S5) bedient. Seit Dezember 2013 fahren SOB, SBB und Thurbo je ihre eigenen Linien im Netzzugang. Auf den Streckenabschnitten Romanshorn–St. Gallen und Wattwil–Nesslau-Neu St. Johann fahren keine SOB-Züge mehr.

Ungefähr ein Achtel der ganzen Strecke liegt auf Grund der schwierigen Topografie auf 177 Brücken oder in den 19 Tunnels und ist daher auch eine von Touristen gerne genutzte Bahn. Die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz, das Sitterviadukt zwischen St. Gallen Haggen und Gübsensee bei Herisau ist im Eigentum der SOB.

Liniennetz Voralpen-Express 200px|rechts|Logo der SOB-Zugsverbindungen

Die Südostbahn betreibt ihre InterRegios mit kupferfarbenen Niederflurtriebzügen des Typs Traverso, die über grosse Fenster und zwei Bistrozonen mit Kaffee- und Snackautomat verfügen.

mini|Traverso als Voralpen-Express bei Rapperswil Der Voralpen-Express verkehrt seit 1992 zwischen St. Gallen und Luzern. Bereits seit 1947 fahren durchgehende Züge zwischen den Metropolen der Ost- und der Innerschweiz über die SOB-Strecke. Die achtteiligen Traverso werden bei Bedarf zwischen St. Gallen und Rapperswil mit vierteiligen Flirt-Zügen verstärkt.

Fernverkehr in Kooperation mit den SBB Seit dem Fahrplanwechsel 2020 befährt die SOB im Co-Branding mit den SBB den Treno Gottardo zwischen Zürich bzw. Basel und Locarno. Ein Jahr später kam der Aare Linth (Bern–Zürich–Chur) dazu. Zum Einsatz kommen Flirt-3-Züge (Traverso), wie sie 2016 für den Voralpen-Express bestellt wurden. Der Kooperationsvertrag zwischen der SOB und den SBB beinhaltet neuartige Bedingungen, die für beide Seiten attraktiv sind: Die SBB behalten die Konzession (aber auch das Einnahmerisiko), die SOB bekommt die Marktverantwortung und wird mit einer Kostenpauschale entschädigt. Die Bedingung der SOB war eine Gewinnmarge, um nicht das Risiko von Verlusten einzugehen, da der regionale Personenverkehr keine Absicherung bieten kann. Als Bonus winkt ein Gewinn aus der touristischen Vermarktung, die der SOB obliegt. Ab einem bestimmten Wert an Mehreinnahmen wird die SOB namhaft daran beteiligt.Peter Hummel: Die SOB wird zum nationalen Player. In Handelszeitung (online), 11. Dezember 2020.

mini|hochkant|Linienverlauf des Treno Gottardo Im Jahr 2014 bewarb sich die Südostbahn mit einem ersten Konzept «Treno Gottardo» erfolglos um die Konzession für den Fernverkehr auf der Gotthard-Bergstrecke.Südostbahn kämpft um alte Gotthard-Bahnstrecke. In: Schweizer Radio DRS, 4. Februar 2014. 2016 unternahm die SOB einen zweiten Anlauf, nachdem bekannt geworden war, dass auch eine Fernverkehrslinie auf der Gotthard-Bergstrecke ausgeschrieben werden sollte. Klar war, dass nur mit einem eigenwirtschaftlichen Konzept eine Chance auf die Konzession bestand. Zu den beiden Gotthardästen ab Basel und Zürich brauchte es deshalb eine profitable Strecke, die den Gotthard quersubventionieren kann. Diese Strecke sollte Zürich–St. Gallen–Chur sein. Publikation der SOB (PDF), Stand September 2016. Als auch die BLS Ansprüche in Richtung eigene Fernverkehrskonzession geltend machte, lud das Bundesamt für Verkehr (BAV) 2017 zu Konzessionsgesprächen zwischen den SBB und den beiden Regionalbahnen ein. Nachdem im Februar 2017 die trilateralen Gespräche gescheitert waren,Agostinis Massimo: SBB, BLS und Südostbahn auf Kollisionskurs. In Tagesschau (SRF) (online), 17. Februar 2017. blieben die SBB und die SOB weiter im Gespräch, und die Südostbahn konnte ihren Partner vom Potential einer Fernverkehrsverbindung über die Gotthard-Bergstrecke überzeugen. Die SOB ihrerseits kam zur Einsicht, dass die Übernahme der neuen IR-Linie Bern–Zürich–Chur («Aare Linth») besser zum beabsichtigten Konzept mit der Nutzung des touristischen Potentials passt.