Umm Salama Hind bint Abī Umaiya (, geboren um 580 oder 597, gestorben zwischen 679 und 683) war die sechste Ehefrau des Propheten Mohammed. Sie heiratete ihn in zweiter Ehe. Ihr erster Ehemann war Abū Salama ibn ʿAbd al-Asad. Zusammen mit ihm nahm sie als eine der ersten Frauen in Mekka den Islam an. Die beiden wanderten nach Abessinien aus und folgten später dem Propheten nach Medina, um der Verfolgung durch die Mekkaner zu entgehen.

Umm Salama zählte zu den einflussreichsten Frauen in der frühislamischen Gemeinde und war nach dem Tode Mohammeds als Ratgeberin in religiösen Angelegenheiten sehr gefragt. Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī wird mit der Aussage zitiert, Umm Salama sei eine Frau von „außergewöhnlicher Schönheit“ (ǧamāl bāriʿ) gewesen, die über einen scharfen Verstand, rasche Auffassungsgabe (faur ʿaql) und eine unerhörte Fähigkeit, zutreffende Urteile zu formulieren, verfügte.Mernissi: Der politische Harem. Mohammed und die Frauen. 1989, S. 153. Bei Rechts- und Religionsgelehrten des islamischen Mittelalters galt sie auch als Fiqh-Expertin.Senoglu: „Sie weinte und fiel in Ohnmacht.“ Die weibliche Heiligenfigur im Spiegel der Ṭabaqāt-Literatur. 2012, S. 148. Auf Umm Salama werden 378 Hadithe zurückgeführt, womit sie unter den weiblichen Überlieferern hinter ʿĀ'ischa bint Abī Bakr den zweiten Rang einnimmt. Für einige islamische Feministinnen ist Umm Salama ein großes Vorbild, denn sie setzte sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein und scheute sich nicht vor der Konfrontation mit führenden Männern wie ʿUmar ibn al-Chattāb, dem zweiten Kalifen. mini|Die Grabstätte von Umm Salama neben derjenigen von Māriya al-Qibtīya, Zainab bint Dschahsch, Fātima bint Muhammad und Hafsa bint Umar auf einer schematischen Darstellung des al-Baqīʿ-Friedhofs

Abstammung Umm Salama gehörte dem Clan Machzūm aus dem Stamm der Quraisch an. Ihr vollständiger Nasab war Umm Salama Hind bint Abī Umaiya ibn al-Mughīra ibn ʿAbdallāh ibn ʿUmar ibn Machzūm.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 123. Ihr Vater Suhail Abū Umaiya war einer der bedeutenden Männer seines Clans und war für seine Großzügigkeit berühmt. Sein Haus war so freigebig, dass er mit den Jahren als Zād ar-Rakb bekannt wurde, was bedeutete, dass er die Karawanen mit Proviant versorgte. Wenn er reiste, wies er es zurück, dass die anderen ihr eigenes Essen mitbrachten und bestand darauf die Karawanen auf seine Kosten zu versorgen.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 123.

Umm Salamas Mutter ʿĀtika gehörte dem Stamm der Kināna an. Ihr Nasab war ʿĀtika bint ʿĀmir ibn Rabīʿa ibn Mālik ibn Dschadīma ibn ʿAlqama Dschidl at-Tiʿān ibn Firās ibn Ghanm ibn Mālik ibn Kināna.Muhammad Ibn Saʿd az-Zuhrī: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 85.

Erste Ehe mit Abū Salama Abū Salama ibn ʿAbd al-Asad Abū Salama hieß ursprünglich ʿAbdallāh. Er war Sohn von ʿAbd al-Asad ibn Hilāl ibn ʿAbdallāh ibn ʿUmar ibn Machzūm, stammte aus dem gleichen Clan Machzūm wie seine Frau, gehörte jedoch einer anderen Familie an.Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 85. Abū Salama wurde auch Dhū al-Hidschratain („derjenige, der zweimal die Hidschra vollzogen hat“) genannt, weil er sowohl die Hidschra nach Abessinien als auch diejenige nach Medina mitgemacht hatte. Seine Mutter war eine Tante des Propheten, Barra bint ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim, also war er Cousin Mohammeds und auch Bruder durch Milchverwandtschaft, beide wurden von einer Sklavin Abū Lahabs, eines Onkels von Mohammed, gestillt.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 124.

Gemeinsame Kinder Über die Anzahl und das Geschlecht ihrer Kinder herrscht Uneinigkeit, es ist von drei oder vier Kindern die Rede. ʿĀ'ischa ʿAbd ar-Rahmān Bint asch-Schāti', die ihre Informationen aus at-Tabarī bezieht, gibt an, dass sie zwei Söhne, Salama und ʿUmar, und zwei Töchter, Zainab und Barra, geboren habe.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 126. Bei Ibn Saʿd sind die Namen der Tochter Zainab und der Söhne Salama, ʿUmar und Durra erwähnt.Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 85. Von Zainab selbst ist überliefert, dass sie ursprünglich Barra hieß, aber der Prophet ihr den Namen Zainab gab.Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 428. Bekannt sind die Söhne Salama, mit dem Umm Salama nach Medina ausgewandert ist und von dem sie ihre Kunya (Umm Salama = „Mutter von Salama“) erhalten hat, und ʿUmar sowie die Tochter Zainab.Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 91.

Mohammed soll die Kinder von Umm Salama sehr geliebt und als Familienangehörige betrachtet haben. Salama wählte er als Ehemann für die Tochter Umāma seines Onkels Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib, der in der Schlacht von Uhud gefallen war. Zainab wuchs unter dem Schutz des Propheten auf und wurde eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 130. ʿUmar kämpfte später an der Seite des vierten Kalifen ʿAlī ibn Abī Tālib.aṭ-Ṭabarī: The History of al-Tabarī. Bd. 16 The Community Divided. 1997, S. 42.

Auswanderung nach Abessinien Umm Salama und Abū Salama gehörten zu den ersten Anhängern des Propheten Mohammed. Als diese in Mekka unter schwierigen Bedingungen zu leiden hatten, wanderten einige, darunter die beiden, nach Abessinien aus. Ihr erster Sohn Salama, nach dem sie benannt wurden, ist dort geboren. Sie kehrten nach Mekka zurück, als sie dachten, dass die Situation sich gebessert hätte. Doch waren sie dort erneut der Verfolgung ausgesetzt. Als sie diese nicht länger aushalten konnten, entschied Abū Salama, wieder zu fliehen, diesmal nach Medina, wohin Mohammed bereits ausgewandert war.

Auswanderung nach Medina Die Geschichte ihrer Flucht ist tragisch. Als Abū Salama das Kamel mit Umm Salama und Salama darauf aus der Stadt führen wollte, hielten ihn Männer aus der Familie al-Mughīras auf. Sie verboten ihm, ihre Familienangehörige mitzunehmen und entrissen ihm die Zügel des Kamels. Dies machte die Familie der ʿAbd al-Asad wütend, denn sie beanspruchten den Sohn Salama für sich. So zogen beide Seiten an dem Kind, bis ihm ein Arm ausgerenkt war. Schließlich nahmen die Männer seines Vaters ihn mit, während die Familie al-Mughīra seine Mutter behielt. So ging Abū Salama alleine nach Medina, Umm Salama war getrennt von ihm und von ihrem Sohn. Nach der Überlieferung saß sie jeden Morgen in Mekka an einem Platz und trauerte bis zum Abend, dies für fast ein Jahr, bis sich ein Verwandter von ihr erbarmte. Er sprach beharrlich zu seinen Verwandten, bis sie Umm Salama erlaubten, ihrem Ehemann zu folgen. Gleichermaßen brachte der Stamm ʿAbd al-Asad ihren Sohn zurück. Daraufhin sattelte Umm Salama ihr Kamel, nahm ihren Sohn und ritt mit ihm alleine nach Medina, um dort ihren Ehemann zu finden. Etwa zwei Meilen entfernt von Mekka, traf sie ʿUthmān ibn Talha, der zu dieser Zeit noch Polytheist war und ihr anbot, sie zu begleiten, da er sie nicht alleine reisen lassen wollte. Er führte sie bis nach Medina in zuvorkommender Weise und zeigte ihr, in welchem Viertel sich Abū Salamas Haus befand. Dann kehrte er zurück nach Mekka. Umm Salama war unter den Emigranten die erste Frau und eine der wenigen Frauen, die sich alleine auf den Weg nach Medina machte.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 124–126.

Der Tod von Umm Salamas Mann im Kampf für den Islam Als der Prophet im zweiten Jahr der Hidschra (624) eine Schlacht gegen Dhū l-Uschaira führen wollte, übertrug er Abū Salama in der Zwischenzeit die Herrschaft von Medina. Mit dem Propheten nahm er später an der Schlacht von Badr und der Schlacht von Uhud teil. Bei letzterer zog er sich eine schwere Wunde zu. Als sich einige Männer nur zwei Monate nach Uhud gegen Mohammed und den Islam wandten und Mohammed in Erfahrung brachte, dass der Stamm Asad seine Leute rief, um sein Haus in Medina anzugreifen, rief er Abū Salama und beauftragte ihn, eine Truppe von 150 Männern zu führen, um gegen die Angreifer zu kämpfen. Abū Salama führte die Befehle des Propheten aus und überraschte seine Feinde in der Morgendämmerung. Er erreichte einen Sieg, kehrte triumphierend nach Medina zurück und stellte so die Würde wieder her, die die Muslime in Uhud verloren hatten. Abū Salama führte seine Männer in diese Schlacht, während er immer noch an der Wunde litt, die er sich in der Schlacht von Uhud zugezogen hatte, sie war nur teilweise geheilt. Der Kampf gegen den Stamm Asad erschöpfte ihn, die Wunde wurde gefährlich und verursachte seinen Tod. Der Prophet soll ihn an seinem Totenbett besucht haben und betend an seiner Seite geblieben sein, bis er starb.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 126–127. Nach Muhammad ibn Saʿd trat sein Tod am 8. Dschumādā th-thāniya des Jahres 4 (= 11. November 625) ein.Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 85.

Zeit zwischen den beiden Ehen „Wir gehören Gott und zu ihm kehren wir zurück“ Nach der islamischen Überlieferung erinnerte sich Umm Salama beim Tode Abū Salamas daran, dass er ihr einst vom Propheten die Worte überliefert hatte: „Wenn jemandem ein großes Unheil widerfahren ist, soll er diese Worte sprechen: »Wir gehören Gott und zu ihm kehren wir zurück. (, Sure 2, Vers 156). Gott, belohne mich für dieses Unglück und vergelte es mir mit etwas Besserem.« Und Gott wird ihn belohnen und dies mit etwas Besserem ersetzen.“ Umm Salama soll diese Worte gesprochen und sich dabei gefragt haben, welcher Ersatz ihr gegeben werden könnte, der besser wäre als Abū Salama? Gott habe ihr daraufhin einen besseren Ersatz gegeben (nämlich den Propheten).Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt al-kabīr. 2001, Bd. X, S. 86.

Die Überlieferung besagt außerdem, dass Umm Salama ursprünglich mit Abū Salama einen Pakt habe vereinbaren wollen, dass sie sich jeweils nach dem Tod des anderen nicht wiederverheiraten, damit Gott sie im Paradies wiedervereinigt. Doch soll Abū Salama dies entschieden zurückgewiesen und zu ihr gesagt haben, dass sie in dem Fall, dass er zuerst sterbe, erneut heiraten soll. Er habe bei dieser Gelegenheit auch Gott für sie um die Versorgung mit einem besseren Mann als ihn gebeten, der sie weder betrübt noch verletzt.Ibn Saʿd: The women of Medina. 1995, S. 62.

Heiratsanträge angesehener Männer Nach der vorgeschriebenen Wartezeit (ʿidda) von Umm Salama hielt Abū Bakr um ihre Hand an, doch wies sie ihn behutsam zurück. Ihm folgte ʿUmar ibn al-Chattāb, doch hatte er nicht mehr Glück. Danach sandte der Prophet jemanden, um für ihn selbst um ihre Hand anzuhalten. Ein Bericht besagt, dass Umm Salama sich gewünscht hatte, dass ihr eine so große Ehre zu Teil würde, sie jedoch voller Zweifel war, einen angemessenen Platz im Haushalt des Propheten neben ʿĀ'ischa bint Abī Bakr und Hafsa bint ʿUmar auszufüllen, weil sie bereits älter war und Kinder hatte, um die sie sich kümmern musste. So ließ sie dem Propheten, um sich zu entschuldigen, ausrichten, dass sie voraussichtlich sehr eifersüchtig sein würde und außerdem alt sei und sich um ihre Kinder kümmern müsse. Mohammed antwortete, dass er älter sei als sie und Gott darum bitten würde, ihr ihre Eifersucht zu nehmen; was die Kinder anlange, so würden sich Gott und sein Prophet um sie kümmern.Bint asch-Schāti': The wives of the prophet. 2006, S. 128.

Nach einer anderen Version des Berichts war der dritte Grund der Zurückweisung nicht das fortgeschrittene Alter, sondern die Tatsache, dass Umm Salama keinen Walī hatte, der sie hätte verheiraten können; Mohammed bat dann den Sohn Umm Salamas, der noch im Kindesalter war, als ihr Walī zu fungieren.Senoglu: „Sie weinte und fiel in Ohnmacht.“ Die weibliche Heiligenfigur im Spiegel der Ṭabaqāt-Literatur. 2012, S. 148. Ein weiterer Grund für die Ablehnung soll gewesen sein, dass Umm Salama keine weiteren Kinder wünschte.Ibn Saʿd: The women of Medina. 1995, S. 66.

Umm Salama als Ehefrau des Propheten Umm Salamas Position in Mohammeds Haushalt