Die Mamelouks de la Garde impériale (deutsch: Mameluken der Kaiserlichen Garde) waren eine Einheit Leichter Kavallerie, die während des Ägyptenfeldzuges durch Napoléon Bonaparte aufgestellt wurde und von 1801 bis 1815 im Dienst stand. Das Korps war die dritte Kavallerieformation und die erste aus Ausländern, die in die Garde impériale integriert wurde. Bei Beginn des Feldzuges rekrutiert, wurde sie mit den französischen Truppen nach Paris transportiert und in einer Escadron zusammengefasst, danach aber auf eine Kompanie reduziert.

Während des Ersten Kaiserreichs waren die Mameluken dem Régiment des chasseurs à cheval de la Garde impériale zugeteilt. Ihren ersten Einsatz hatten sie in der Schlacht bei Austerlitz, in deren Verlauf sie dazu beitrugen, die russische Gardekavallerie in die Flucht zu schlagen.

Nachdem sie sich im Feldzug in Preußen und Polen mehrfach auszeichnen konnte, wurde die Kompanie 1808 nach Spanien verlegt, wo sie aktiv mit heftigen Kämpfen an der Niederschlagung des Aufstandes im Mai in Madrid beteiligt war. Die kleine Einheit war dann 1809 beim Feldzug in Österreich eingesetzt, nahm am Russlandfeldzug 1812 teil, wo sie stets an der Seite der Chasseurs à cheval de la Garde impériale zu finden war. Im folgenden Jahr zur 10. Escadron des Chasseurs geworden, zeichneten sich die Mameluken in der Schlacht bei Reichenbach, der Schlacht bei Hanau und im Feldzug in Frankreich 1814 aus.

Nach der Abdankung von Napoléon 1814 gingen einige der Mameluken mit dem Kaiser auf die Insel Elba, die Mehrheit wurde jedoch in das Corps royal des chasseurs de France (königlich-französisches Jägerkorps) integriert. Andere wurden mit ihren Familien nach Sainte-Marguerite gebracht, wo sie unter sehr ärmlichen Verhältnissen lebten. Während der Herrschaft der Hundert Tage wurde die Kompanie wieder aufgefüllt und kämpfte an der Seite der Chasseurs à cheval de la Garde in der Schlacht bei Waterloo. Nach der Rückkehr des Königs wurden die echten Mameluken in das Depot nach Marseille verlegt, wo viele im Zuge des Terreur blanche massakriert wurden. Im Jahre 1830 begleiteten einige der Überlebenden die französische Armee auf dem Feldzug in Algerien als Dolmetscher.

Feldzug in Ägypten Im Jahre 1798 landete Napoléon Bonaparte mit etwa 40.000 Mann in Alexandria, um Ägypten zu erobern. Murad Bey Muhammad zog seine Reitertruppe zusammen und versuchte, den Vormarsch im Gefecht bei Chebreiss und dann durch die Schlacht bei den Pyramiden aufzuhalten. Aufgrund der besseren Disziplin und Feuerkraft der Franzosen, die Infanteriekarrees gebildet hatten, scheiterten die Angriffe der Ägypter mit schweren Verlusten. Murad Bey und der Rest seiner Truppe mussten sich nach Oberägypten zurückziehen.

Bonaparte befahl dem Général Desaix die Verfolgung, während er nach Kairo weiterzog und die dortige Bevölkerung unterwarf. Währenddessen wurde jedoch die französische Flotte in der Seeschlacht bei Abukir vernichtet, und Bonaparte konnte nicht mehr mit nennenswertem Nachschub rechnen. Er beschloss daher, die von Ägypten angebotenen Mittel bestmöglich zu nutzen, und ordnete im September 1798 an, dass alle Mameluken im Alter von acht bis sechzehn Jahren sowie ihre gleichaltrigen Sklaven in die französische Armee eingegliedert werden sollten.Dekret von Napoléon Bonaparte vom 8. September 1798 in der Google-Buchsuche (aus Œuvres complètes de Napoléon. Band 2. F. G. Cotta, Stuttgart/Tübingen 1822, S. 500).

Nach der siegreichen Schlacht bei Abukir (1799) ließ Bonaparte die Orientarmee unter dem Kommando von Général Kléber zurück und begab sich nach Paris, wo er für den Staatsstreich verantwortlich zeichnete, der ihn zum Ersten Konsul und somit faktisch zum Diktator machen sollte.Pawly 2006, S. 5–7

Kléber hielt die Mameluken weiter im Dienst, im November 1799 wurden die französischen Ordonnanzoffiziere durch Mameluken in der gleichen Funktion ersetzt. Ende Februar 1800 befanden sich 278 Mameluken unter der französischen Fahne. Der Général Jacques de Menou de Boussay als Nachfolger des ermordeten Kléber errichtete zwei Kompanien syrische Janitscharen und eine Kompanie Mameluken, die für die Verwendung in den Hilfstruppen bestimmt waren. Im Oktober 1800 wurden die drei Kompanien zu einem Regiment zusammengefasst, das die Bezeichnung „Régiment de Mamelouks de la République“ erhielt und nach Art der französischen Kavallerie organisiert war.

Im Jahre 1801 wurde die französische Situation zunehmend unhaltbar. Ein britisches Expeditionskorps unter dem Kommando von General Abercromby landete in Ägypten und schlug die Franzosen in der Schlacht bei Alexandria (fr.: Bataille de Canope). Menou kapitulierte und kehrte mit seinen Truppen nach Frankreich zurück. Er verfügte noch über 760 Mameluken, syrische Janitscharen und Soldaten der griechischen Legion, denen allen mit ihren Familien gestattet wurde, sich der französischen Armee anzuschließen.

In Frankreich Organisation mini|Mamelouk à cheval de la Vieille Garde, von Adolphe de Chesnel 1861

Am 13. Oktober 1801 befahl Bonaparte seinem Aide de camp, dem Colonel Jean Rapp, eine Escadron zu 240 Reitern aus den Flüchtlingen aus Ägypten zusammenzustellen. Bei seiner Ankunft in Marseille stellte Rapp fest, dass die Mehrzahl der Mameluken entweder zu alt oder bar jeder Disziplin waren. Er konnte daher zu Beginn des Jahres 1802 lediglich 150 Mann als einsatzfähig melden.Pawly 2006, S. 10 Fast das gesamte neue Korps bestand, mit Ausnahme einiger französischer Offiziere, aus Mameluken sowie syrischen oder koptischen Soldaten, die in Ägypten mit französischen Truppen gekämpft hatten. Zu dieser Zeit beabsichtigte der Erste Konsul, die Mameluken als persönliche Leibwache einzusetzen, ohne Teil der Garde consulaire (Konsulargarde) zu sein. Erst am 15. April 1802 wurde die Escadron zu zwei Kompanien zu je 80 Mann Teil der Garde.Pawly 2006, S. 11 und 12

Am 1. Oktober wurde die Einheit umgebildet und bestand jetzt aus 13 Offizieren und 159 Reitern sowie einem Kesselpauker.Pawly 2006, S. 14

Zusammensetzung: Stab mit einem Colonel, Capitaine quartier-maître (Quartiermeister-Offizier), einem Capitaine chargé de l’administration (Verwaltungsoffizier), einem Lieutenant-instructeur (Leutnant der Ausbildung), einem Sergent-major, einem Adjutant, einem Vétérinaire (Tierarzt), einem Chef trompette (Stabstrompeter), einem Maître-sellier (Sattler), einem Maître-tailleur (Schneider), einem Maître-bottier (Schuster) und einem Maître-armurier (Waffenmeister) zwei Kompanien, jede mit einem Capitaine, einem Lieutenant en premier, einem Lieutenant en second, einem Sous-lieutenant, einem Maréchal des logis-chef, vier Maréchaux des logis, einem Fourrier, acht Brigadiers, zwei Trompetern, 59 Reitern und einem Intendanten

Kurze Zeit später wurden die Kompanien nach Melun verlegt, wo sie ihre Kaserne, das „Quartier Augereau“, bezogenBrunon 1963, während die abgelehnten Mameluken mit ihren Familien in Marseille verblieben.

Zu Beginn des Jahres 1803 verließ Rapp die Einheit und wurde durch Colonel Pierre Louis Dupas ersetzt, dem am 29. August Capitaine Charles Delaitre folgte. Am 21. Januar 1804 wurden die Mameluken dem Regiment der „Chasseurs à cheval de la Garde consulaire“ zugeteilt, die ab Mai zur Garde impériale gehörten.Pawly 2006, S. 15 Letztendlich wurden sie mit einer Kompanie zu 125 Reitern in die Chasseurs à cheval eingegliedert. Wegen der Kosten der aufwendigen Uniformen war die Bezahlung anfänglich niedriger als die der Chasseurs à cheval, erhöhte sich aber im Laufe der Zeit.Haythornthwaite 2004, S. 6 Die Pferde kamen nicht mehr aus Ägypten, es wurden Pferde aus dem Kontingent der Chasseurs à cheval eingesetzt.Liliane und Fred Funcken: L’uniforme et les armes des soldats du Premier Empire.: de la garde impériale aux troupes alliées, suédoises, autrichiennes et russes. Band 2. Casterman, Tournai 1969, ISBN 2-203-14306-1.

Die Mameluken in der französischen Gesellschaft Bei der Ankunft der Mameluken in Frankreich ergaben sich Probleme und Konfrontationen, bedingt durch die unterschiedlichen Kulturen.

Der Capitaine Ibrahim Bey erschoss im Quartier des Halles in Paris zwei Zivilisten, die sich über seine Uniform lustig gemacht hatten. Vor Bonaparte zitiert, erklärte er, dass er nicht anders gehandelt habe, als er es in Ägypten getan hätte. Bereits kurz nach der Ankunft der Mameluken in Melun kam es zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen der französischen Bevölkerung und den Neuankömmlingen.Pawly 2006, S. 14 Diese Vorfälle konnten jedoch nicht verhindern, dass die ägyptische Kavallerie regelmäßig an der Spitze von Defilees erschien, eine Vorgehensweise, die von Napoléon ermutigt wurde, da er durch sie die Größe seines Imperiums symbolisieren wollte.Grigsby 1996, S. 13 und 14

Andererseits weckten die Mameluken die Begeisterung der französischen Bevölkerung. Die farbenfrohe Uniformierung, nahezu überladen mit Stickereien und Borten, fand bei der Kaiserkrönung von Napoléon die Bewunderung der Anwesenden. Sie traten sogar im Theater auf und zogen bald die Aufmerksamkeit von renommierten Malern wie Carle Vernet auf sich, der viele Darstellungen der Mameluken schuf. Die Kleidermode „à la mamelouke“, die sich durch das Tragen von Turbanen und Tuniken mit langen Ärmeln auszeichnete, war bei den Damen bald sehr beliebt.Amaury Faivre d’Arcier, Jean Tulard: Mamelouks (= Dictionnaire Napoléon). Fayard, Paris 1987. In der Armee wurden bald die Kesselpauker der Kavallerie nach dem Vorbild der Mameluken uniformiertPawly 2006, S. 8, und der Säbel „à la turque“ wurde ebenso bald von den Offizieren der ganzen Armee bevorzugt.Henry Lachouque: La Garde impériale (= Les Grands moments de notre histoire). Lavauzelle, 1982.

mini|Cheval mamelouk (Mamelukenpferd). Öl auf Leinwand von Carle Vernet.

Einsätze Von Austerlitz bis Eylau mini|links|Die Mameluken greifen in der Schlacht bei Austerlitz zusammen mit den Chasseurs à cheval die russische Kavallerie von Großfürst Konstantin an. Zeichnung von Felician Myrbach.

In der Schlacht bei Austerlitz gehörten sie unter dem Kommando von Jean Rapp zur Reserve, während die russische Kavallerie die Höhe von Pratzen angriff und zwei französische Regimenter der Division Vandamme zersprengte. Nach einer erfolglosen Attacke von zwei Escadrons der Chasseurs à cheval de la Garde, unterstützt von drei Escadrons der Grenadiers à cheval der Garde, befahl Napoléon Rapp, mit den zwei verbliebenen Escadrons der Chasseurs und den Mameluken die Situation zu bereinigen. Als letztere in den Kampf eingriffen, behinderten sie sich durch die Masse von Männern und Pferden auf engstem Raum zunächst selbst. Der Lieutenant Renno stürzte sich auf ein russisches Infanteriekarree und öffnete dadurch eine Lücke, in die die Mameluken sofort eindrangen und hier 120 Gefangene machten. Der Schwung trieb die Mameluken weiter, sie eroberten eine russische Batterie und verfolgten die flüchtende russische Gardekavallerie. Als Folge dieses Sieges konnten zwei Mameluken je eine erbeutete Standarte dem Kaiser übergeben.Pawly 2006, S. 22 Einer von ihnen, Mustapha, stand zu Fuß vor dem Kaiser und bemerkte:

Die Verluste der Kompanie lagen bei einem Gefallenen und fünf Verwundeten.

In der Schlacht bei Jena und Auerstedt waren die Mameluken nicht eingesetzt, zogen jedoch am 27. Oktober 1806 mit in Berlin ein. In der Schlacht bei Pułtusk attackierten sie die russische Kavallerie und hatten dabei 20 Verwundete zu verzeichnen.

In der Schlacht bei Eylau attackierten die Mameluken unter dem Kommando von Capitaine Renno an der Seite der Grenadiers à cheval und der Chasseurs à cheval in der Gardekavallerie von Maréchal Bessières. Bei dieser Aktion wurden vier Offiziere und fünf Mameluken verwundet. Im April 1807 wurde der Chef d’escadron Delaitre zum MajorMajor war kein Dienstgrad, sondern die Bezeichnung für den Chef der Regimentsverwaltung. der Chevau-légers polonais de la Garde ernannt, und der Capitaine Renno wurde Kommandant ad interim.Pawly 2006, S. 24

Auf der Iberischen Halbinsel