mini|hochkant|Otto von Voß-Buch, Geh. Staatsminister, Königlicher Commissarius, Präsident der Ritterschaftlichen Credit-Associationen, um 1796
Das Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Kreditinstitut, auch Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Kreditassoziation, war eine Pfandbriefbank, die seit 1777 in Brandenburg bestand. Sie hatte ihren Sitz in Berlin.
Geschichte Gründung mini|hochkant|Ritterschaftsrat (Direktor der Mittelmark) Friedrich Eberhard von Rochow-Reckahn mini|hochkant|Porträt Ritterschaftsrat Alexander von Pfuel (1870) von Oskar Begas
Nach dem Vorbild der seit 1770 bestehenden Schlesischen Landschaft wurde am 14. Juni 1777 von den vereinigten Landesdeputierten der Kur- und Neumark Brandenburg das Ritterschaftliche Kreditwesen gestiftet. Es wurde jedoch nicht Landschaft genannt, da es sich nicht um einen Zwangsverband handelte. Dem Institut gehörten nur Rittergüter an, die tatsächlich einen Pfandbriefkredit erhalten hatten. Sobald ein Kredit getilgt war, schieden die Güter aus der Vereinigung und aus der mit der Mitgliedschaft verbundenen Haftung wieder aus.Leopold-Michael Marzi: Das Recht der Pfandbriefe und Hypothekenbanken in Vergangenheit und Gegenwart. Dissertation, Wien 2000, S. 13; plattform-ev.de (PDF). Mit der vorgesehenen freiwilligen und individuellen Mitgliedschaft einzelner Rittergutsbesitzer statt der Mitgliedschaft aller Kreiskorporationen, war die Absicht gescheitert, einen Bürgerschaftsverband der märkischen Ritterschaft zu gründen. Dirk H. Müller: Adliges Eigentumsrecht und Landesverfassung. Akademie Verlag, Berlin 2011, S. 67; books.google.de Friedrich II. bestätigte das Chur- und Neumärkische Ritterschaftliche Credit-Reglement. Die ritterschaftliche Kreditassoziation versammelte sich unter dem Namen Kur- und Neumärkische Haupt-Ritterschafts Direktion in Berlin. Unter der Hauptdirektion in Berlin standen in den Hauptstädten jeder Provinz die Provinzialritterschaftsdirektionen. Die Hauptdirektion hatte einen Minister als Königlichen Kommissar zum Präsidenten der Versammlungen.Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 1. Berlin 1804, S. 214; books.google.de Zum ersten Kommissar des Haupt-Ritterschafts-Direktionskollegiums wurde von Friedrich II. der Staatsminister Friedrich Christoph von Görne ernannt.
Zum Ritterschaftlichen Kreditwesen wurden gerechnet: die Kur- und Neumärkische Ritterschafts-Assoziation und deren Haupt- und Provinzial-Direktion, die Kur- und Neumärkische Haupt-Ritterschafts Direktion in Berlin, die Altmärkische-Ritterschafts-Direktion, die sich in Stendal versammelte, die Priegnitzsche Ritterschafts-Direktion, die sich in Perleberg versammelte, die Mittelmärkische Ritterschafts-Direktion, die sich in Berlin im Kollegienhaus versammelte, die Mittelmärkische Ritterschafts-Registratur in Berlin, die Uckermärkische Ritterschafts-Direktion, die sich in Prenzlau versammelte, die Neumärkische Ritterschafts-Direktion, die sich in Küstrin versammelte.
Das von diesen verschiedenen Kreditinstituten betriebene Kur- und Neumärkische Kreditwesen bestand darin, dass auf jedes Rittergut der halbe Wert desselben, oder etwas mehr, von dem Besitzer Schulden gemacht werden konnten und ein ganzer Verein der Ritterschaft haftete. Es wurden für die Schuld Pfandbriefe ausgegeben, für die 4 % Zinsen gezahlt wurden. Die Pfandbriefe konnten ungehindert gehandelt werden.Johann Christian Gädicke: Lexicon von Berlin. Selbstverlag der Gebrüder Gädicke, Berlin 1806, S. 524 f.; .
Funktionsträger der Einrichtung mit verschiedenen territorialen Aufgaben und Zuständigkeiten, sowohl als Ritterschaftsdirektor oder als Ritterschaftsrat, waren u. a.: Friedrich Eberhard von Rochow-Reckahn, Alexander Friedrich Georg von der Schulenburg, Thomas Philipp von der Hagen, Alexander von Kamecke-Prötzel, Heinrich Julius von Goldbeck, Carl Friedrich Gotthilf von Winterfeld-Menkin, Wolff Otto von Pannwitz-Schönfließ (1752–1802),Wol(f)f Otto von Pannwitz. Herr auf Schönfließ, Hauptritterschaftsdirektor, Domherr von Brandenburg. In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922, Jg. 23, Justus Perthes, Gotha 1921 S. 652; . Alexander von der Schulenburg-Trampe (1773–1850),Johann Friedrich Danneil: Das Geschlecht von der Schulenburg, 2. Bd., J. D. Schmidt, Salzwedel 1847, S. 571 f. Wilhelm von Knobelsdorff-Brenkenhoff, Heinrich von der Schulenburg-Beetzendorf-Apenburg (1766–1830),Hauptritterschaftsdirektor, Wirklicher Geheimer Rat, Domherr und dann Domdechant zu Brandenburg. Erster Kurator der Ritterakademie. In: Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913, Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Selbstverlag, Druck P. Riemann, Belzig / Ludwigslust 1913, S. 119; staatsbibliothek-berlin.de Friedrich von Calbo auf Grabow in der Prignitz,Aus dem Nachlaß des verstorbenen Ritterschafts-Direktors von Calbo, zu Grabow in der Prignitz. In: Extra-Blatt zum 19sten Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 11. Mai 1838, Potsdam 1838, S. 160; . Heinrich Wilhelm George von Schlabrendorff-Waßmannsdorf, Christoph August von Bredow-Schwanebeck, der spätere Domherr Karl (Carl) Otto Friedrich Graf von Voß-Buch, Karl Detlof von Winterfeld-Kutzerow (1794–1867),Karl Detlof von Winterfeld. 1828 berief ihn das Vertrauen der Associi[e]rten der U[c]kermark des Chur-und Neumärkischen Credit-Institut zum Ritterschaftsrath. ff. Landrat. 1837 erneut Wahl auf sechs Jahre. Rücktritt nach 18 Jahre März 1855. In: Ludwig Gustav von Winterfeld-Damerow: Geschichte des Geschlechts von Winterfeld. Band 2. 2. V. Capitel, V., § 92, Selbstverlag. Gedruckt bei F. W. Kalbersberg’s Buchdruckerei Prenzlau, Damerow 1863, S. 1221–1223; ub.uni-duesseldorf.de Friedrich Digeon Baron von Monteton, Hermann Karl Julius von Rohr-Holzhausen (1799–1849), Eduard Hermann Scipio Graf von Haeseler-Blankenfelde (1799–1879),Kammerherr, Vize-Ober-Schloßhauptmann, Hauptritterschaftsdirektor. In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräfliche Häuser 1881, Jg. 54. Justus Perthes, Gotha 1880, S. 360; . August Freiherr von Rheinbaben-Fritzschendorf (1785–1859) und sein Sohn Wilhelm Freiherr von Rheinbaben (1813–1891), Otto August Alexander von Rohr, genannt von Wahlen-Jürgaß (1810–1892),Nachruf: Otto August Alexander von Rohr, genannt von Wahlen-Jürgaß. (1810–1892). Ritterschafts-Director. In: C. Herrlich: Wochen-Blatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg, 18. Mai 1892, Jg. 33, Nr. 20, S. 117; Carl Heymanns Verlag; google.de/books Jordan von Kröcher, Ludwig Gustav von Winterfeld-Damerow, Otto von Schuckmann-Rohrbeck (1824–1902),Otto von Schuckmann-Rohrbeck. Dir. des kur-und neumärk. ritterschaftl. Kreditinst.- Amts. In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1909, GGT, Jg. 3. Justus Perthes, Gotha 1908, S. 714; ub.uni-duesseldorf.de Alexander von Pfuel, Karl von Risselmann-Crussow, Gustav von Pfuel, Leopold von Buchvon Buch, Oberpräsidial-R. a. D. u. Haupt-Ritterschafts-Direktor. Berlin W., Mohrenstr. 66. In: Albert Johannesson (Hrsg.): Deutsches Millionär-Adressbuch. Druck Alb. Johannesson (Inh. Paul Grund), Selbstverlag des Ersten Berliner Reclame-Bureau, Centralstelle für die Verbreitung von Drucksachen, Berlin 1894, S. 31; ub.uni-duesseldorf.de Bernd von Arnim-Criewen, Friedrich Ludwig VII. von Rochow-Plessow, Ernst Wichard von Schuckmann-Raakow (1863–1926), Friedrich von Winterfeld-Neuendorf. Besonders einflussreich am Ende des 19. Jahrhunderts war Hermann von Klützow-Dedelow (1813–1902). Teilweise vertraten die Direktoren und Räte die Ritterschaft ihres Heimatkreises im Landtag.Die Kurmark Brandenburg im Zusammenhang mit dem Schicksalen des Gesammtstaats Preußen. Zweiter Band, Fünfter Abschnitt, Abtheilung A. F. A. Brockhaus, Leipzig 1852, S. 176 f.; google.de/books
In weiteren Fällen ist die Übernahme der Amtsgeschäfte eines Ritterschaftsrates vom Vater auf den Sohn dokumentiert, so bei Max Lucas von Cranach auf Kraazen, in Ostbrandenburg.Cranach, Max Lucas von. Neumärkischer Ritterschaftsrat. Craazen, Kreis Soldin. deutsche-digitale-bibliothek.de Der Kommunalpolitiker Friedrich Wilke war auch einige Jahre für das Kreditinstitut tätig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte als Rat für Nordbrandenburg der Gutsbesitzer Günther von Freier-Hoppenrade (1852–1921), später als Direktor,Ritterschaftsrat Günther v. Freier-Hoppenrade., in: Illustrirte Zeitung, Nr. 3493, 134 Band, Leipzig, 16. Juni 1910, S. 1140. und dann parallel Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Haupt-Ritterschaftsdirektoren waren damals Karl von Arnim-Züsedom, Adolf von Kriegsheim-Barsikow und Joachim von Bredow-Pessin. In Ostbrandenburg wirkte für das Institut Bruno von Schuckmann. Im Kreis Ober-Barnim war Wilhelm Christiani sen. Ritterschaftsrat.Wilhelm Christiani sen. Kgl. Ritterschaftsrat. Kerstenbruch. Kreis Ober-Barnim. In: Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg. 1907. Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band VII. 1. Auflage. Hrsg. Paul Niekammer, Selbstverlag, Stettin 1907, S. 39; martin-opitz-bibliothek.de Für die Region Uckermark zeichnete als Direktor der Gutsbesitzer Georg von Arnim-Suckow (1870–1945) zuständig. Rat für den Landkreis Lebus wurde nach 1918 Karl von Stünzner-Karbe. Im Landkreis Teltow ansässig war der Ritterschaftsrat Karl Koreuber-Fahlhorst.Karl Koreuber Ritterschaftsrat. In: Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht (Hrsg.): Niekammer’s Landwirtschaftliches Adressbuch der Rittergüter. Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Band VII der Gesamtreihe GAB. 4. Auflage. Paul Niekammer Nachfolger, Leipzig 1929, S. 111. martin-opitz-bibliothek.de Letzter amtlicher Direktor war bis 1934 der Politiker Hans-Henning von Quast.
Beziehungen zu anderen Institutionen mini|hochkant=0.85|Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Darlehns-Kasse – Siegelmarke
Um auch den Eigentümern bäuerlicher Grundstücke Möglichkeiten zur Kreditaufnahme zu verschaffen, wurde neben dem Kur- und Neumärkischen Ritterschaftlichen Kreditinstitut 1869 das Neue Brandenburgische Kreditinstitut gegründet, das unter Verwaltung der Kur- und Neumärkische Haupt-Ritterschafts Direktion stand.Amts-Blatt der Königl. Regierung zu Frankfurt a. O., 1869, Nr. 41, Außerordentliche Beilage, S. 1 ff. 1873 wurde vom Kur- und Neumärkischen Ritterschaftlichen Kreditinstitut die Tochtergesellschaft Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Darlehnskasse gegründet.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Cöslin, Nr. 7, 1873, S. 27; books.google.de Im selben Jahr vereinigte sich das Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Kreditinstitut, zusammen mit sieben weiteren Landschaften (der Westpreußischen, der Neuen Westpreußischen, der Neuen Brandenburgischen, der Pommerschen, dem Pommerschen Land- und Kreditverband, der für die Ober- und Niederlausitz und der für die Provinz Sachsen) zu einer Zentrallandschaft. Der 1818 gegründete Mecklenburgische Ritterschaftliche Kreditverein hatte ähnliche Aufgaben, in vereinter Zuständigkeit für Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, war aber nicht Teil dieses Gesamtverbandes.