Die Sojuzpushnina (, Transkription Sojuspuschnina) ist ein russisches Pelzhandelsunternehmen. Lange Zeit mussten alle Pelzfelle, die von der Sowjetunion ausgeführt wurden, über die Sojuzpushnina laufen.Ohne Autorenangabe: Fiat, Turin - V/O Sojuspushnina. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 114, 7. Januar 1972, S. 5. Als Einzige veranstaltet sie in Russland Pelzfellauktionen, über viele Jahre war sie der größte Felllieferant der Welt. Sie wurde 1931 als Außenhandelsunternehmen der Sowjetunion gegründet und war bis 2003 ein Staatshandelsunternehmen. Ihr weit überwiegendes Kerngeschäft ist der Handel und der Export von Pelzfellen. Die Hauptstelle des Unternehmens befindet sich in Moskau, das Auktionshaus Pelzpalast, heute eine Nebenstelle, in St. Petersburg.

Geschichte Der Osten Russland bis nach Sibirien ist besonders reich an Pelztieren. Für das dritte bis zweite Jahrhundert vor Christus bis ins dritte Jahrhundert nach Christus wird berichtet, dass Zobelfelle als „Skythischer Marder“ aus dem Skythenreich über das Schwarze Meer ausgeführt wurden. Die Eroberung Sibiriens ist nicht zuletzt auf den Wunsch nach dem Besitz der wertvollen Zobelfelle zurückzuführen.Wladimir Pawlinin: Der Zobel. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg 1966. Für einige Pelzarten war oder ist Russland der einzige Lieferant, wie Zobel, russisches Feh oder weißen Iltis. Bis zur Schaffung der Sowjetunion fand der russische Welthandel mit Fellen im Wesentlichen derart statt, dass die ausländischen Pelzhändler die verschiedenen russischen Handelsplätze, wie den Pelzhandel auf der Irbit-Messe oder die Pelzmesse in Nischni Nowgorod, besuchten, oder sogar bis zu den Fangplätzen vordrangen, um dort möglichst günstig einzukaufen.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte der Fellexport völlig. Mit der Verstaatlichung der russischen Wirtschaft fand dieser Privathandel ein Ende. Ab 1921 begann die russische Regierung die Fellausfuhr zu forcieren, eine der wenigen damaligen Möglichkeiten des Landes, sich Devisen zu verschaffen. Am 28. Januar 1922 wurde von der Nachrichtenagentur ROSTA mitgeteilt, dass der Rat der Volkskommissare angeordnet hat, dass nur das Volkskommissariat für Außenhandel und der Oberste Volkswirtschaftsrat Pelzwerk aufkaufen dürfe. Der Verkauf von Pelzwerk an Personen und Organisationen, die nicht in Beziehung zum Volkskommissariat für Außenhandel standen, wurde verboten.Pelzmonopol in Rußland. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 40, Berlin, 21. Februar 1922, S. 2.

Am Exporthandel waren in den ersten Jahren der Sowjetunion Genossenschaften und Aktiengesellschaften beteiligt, die ihre Tätigkeit jedoch nicht koordinierten. Die Gesellschaft „Sowpoltorg“ exportierte im Juli 1928 für 62.300 Rubel Rohhäute und für 125.146 Rubel Rauchwaren. In Deutschland beklagte man unter den Einkäufern die damit verbundene „vollständige Anarchie im Sortiment“ der russischen Rauchwaren. Als man 1926 die Schaffung einer einzigen Auktionsgesellschaft diskutierte, wurde in den Publikationen neben Leningrad (heute wieder Sankt Petersburg) auch Wladiwostok und Archangelsk erwogen.

Seit 1924 erfolgte der Rauchwarenexport durch Puschnogostorg, seit 1929 durch das Puschnosyndikat. Zur Regulierung und Zentralisierung der Neugründung wurde vom Staat im Januar 1930 das All-Union Furs Syndicate geschaffen, am 24. Oktober 1931 dann die Außenwirtschaftsvereinigung EEA (External Economic Association) „Sojuzpushnina“. Mit ihrer Gründung übergab man im Jahr 1931 den Fellexport an ein einziges, neu gegründetes Unternehmen (1937 auch als Sojujawodpuschnina, Vereinigung der Pelzhändler bezeichnetRobert Ehrmann: Russische Felle. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 27, Leipzig, 8. Juli 1937, S. 2. ).

mini|hochkant=1.2|Teilfront des „Pelzpalasts“, des ehemaligen Auktionsgebäudes der Sojuzpushnina (2018) Die ersten Versteigerungen wurden, in Ermangelung eigener Räume, an historischen Stätten Leningrads abgehalten, unter anderem in der Petersburger Eremitage, im Russischen Museum, im Hotel Astoria, in dem später noch die Festbankette der Gesellschaft stattfanden, und anderen Sälen der Stadt, seit 1939 im neu erbauten Pelzpalast. Die Auktionssprache war anfangs Deutsch, ab der 12. Auktion Englisch. Zum ersten Mal waren auf der 12. Auktion nicht nur die wichtigsten Großhändler, Broker und Rauchwaren-Kommissionäre vertreten, sondern auch Produzenten und Inhaber von Pelzgeschäften, denen bisher der Zugang verwehrt war. Für die Fellsortimente wurden feste Standards geschaffen, deren Einhaltung seitdem als zuverlässig angesehen wird. Der bedeutende Pelzhändler Bernhard Mayer, der bereits die erste Auktion 1931 besucht hatte, war sofort so von der Promptheit der Abwicklung der Auktionen beeindruckt, die weit die in London und Amerika übertraf, so dass er einen Artikel darüber für die von Otto Pohl redigierte Moskauer Rundschau verfasste. In seinen Memoiren berichtete er seine Erfahrungen: „Es bestand die Möglichkeit, Ware, die man am Vormittag kaufte, noch am gleichen Tag per Flugzeug weiter zu expedieren, während man in London für die gleiche Prozedur fünf bis sechs Tage benötigte, also eine Rekordleistung allerersten Ranges. Es kam hinzu, daß niemals, auch später nicht, eine Verwechslung oder sonstige Unregelmäßigkeiten vorkamen.“Bernhard Mayer: Interessante Zeitgenossen. Lebenserinnerungen eines jüdischen Kaufmanns und Weltbürgers 1866-1946. Erhard Roy Wiehn (Hrsg.), Hartung-Gorre Verlag, Konstanz, 2026, S. 83, ISBN 3-86628-858-1

Eine nennenswerte Ausfuhr von Pelzkonfektion fand nicht statt. Das zum Teil hochentwickelte Pelzgewerbe des zaristischen Russlands war in der Kriegs- und Nachkriegszeit weitgehend zugrunde gegangen. Lediglich die Menge der zugerichteten Felle nahm beständig zu, so dass die Pelzveredlungsbetriebe um Leipzig im Jahr 1931 darin eine der wesentlichen Ursachen für ihren erheblichen Umsatzrückgang und die damit einhergehende Arbeitslosigkeit der Branche sahen. In Leipzig schätzte man, dass inzwischen über einhundert Fachkräfte nach Russland abgewandert waren, um dort weitere Pelzzurichter und Färber auszubilden.Hermann Groß: Russische Rauchwaren und Leipzig. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 67, Leipzig 6. Juni 1931, S. 1. Wie bereits vor dem Ersten Weltkrieg war schon bald nach Kriegsende das Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl wieder der wichtigste Stapel- und Umschlagplatz für russische Rauchwaren. Allein auf der Märzauktion des Jahres 1929 wurde dort für 3,6 Millionen Mark Ware umgesetzt, hinzu kamen „gewaltige Umsätze“ der Leipziger Handelsvertretung im freihändigen Verkauf. Leipzig hatte gegenüber dem zweiten großen europäischen Rauchwarenmarkt Garlick Hill in London den Vorteil, dass durch die hier vorhandene bedeutende Pelzveredlungsindustrie auch die geringwertigeren Pelzsorten günstig abgesetzt wurden.Wolfgang Bohne: Entwicklungstendenzen der Pelzwirtschaft. Inaugural-Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, 1930, S. 56 (→ Inhaltsverzeichnis). Die in Leipzig stattgefundenen, sogenannten „Russenauktionen“ hatten maßgebenden Einfluss auf die Preisbewegung und -gestaltung der gesamten Ware. Die Etablierung der Leningrader Auktionen wurde von den beiden Rauchwarenmärkten Leipzig und London als Bedrohung empfunden, diesbezügliche Boykottaufrufe waren jedoch erfolglos.Hermann Groß: Russische Rauchwaren und Leipzig. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 66, Leipzig 4. Juni 1931, S. 3. Im Jahr 1936 wurde der Verkauf der Sojuzpushnina außerhalb Russlands hauptsächlich über Auktionen in London abgewickelt. Der Anteil von in Russland selbst verkauften Fellen hatte sich von 27,5 Prozent im Jahr 1933 auf 86 Prozent im Jahr 1936 erhöht.

Seit 1932 wurde in Leningrad zweimal jährlich eine Auktion veranstaltet, im März und im August, seit 1935 die zweite, bedarfsgerechter, bereits im Juni. Die letzte Versteigerung vor dem Zweiten Weltkrieg, mit einhundert Käufern aus neun Ländern, war im Jahr 1939. Die erste Auktion nach dem Krieg fand im Juli 1947 statt; 90 Teilnehmer aus zehn Ländern waren angereist. Die Teilnehmerzahlen steigerten sich von Jahr zu Jahr. Der Höhepunkt „der Leningrader Auktionsgeschichte und wohl auch ein Höhepunkt des Pelzhandels“ war die Versteigerung im Januar 1966, zu der 336 Teilnehmer aus 24 Ländern kamen. Fast zwei Jahrzehnte lang gab es nur eine Auktion im Jahr, später waren drei bis vier Auktionen üblich.

Der damals hektische Pelzmarkt beruhigte sich wieder, zur 50. Jubiläumsauktion im Oktober 1986 kamen noch 146 Besucher aus 17 Ländern. Den größten Anteil stellte die Bundesrepublik Deutschland mit 34 Teilnehmern, gefolgt von England mit 31, Finnland und die Schweiz mit je 14 und die USA mit 12 Personen. Weitere Interessenten kamen aus Australien, Belgien, der CSSR, Dänemark, der DDR, Frankreich, den Niederlanden, Japan, Kanada, Österreich und Schweden. Auf der Jubiläumsauktion ehrte man Jury Fränkel, der die Festrede hielt, als einen der beiden Rauchwarenhändler, die sämtliche Leningrader Auktionen von Anfang an besucht haben. Auf der 200. Jubiläumsauktion der Sojuzpushnina im April 2016 wurde posthum noch einmal an Fränkel gedacht: „Seine Käufernummer 99 war so legendär wie er selbst“.Redaktion: Sojuzpushnina 200. Internationale Pelzauktion in St. Petersburg 27. bis 29. April 2016. In: Pelzmarkt Newsletter 06/16, Deutscher Pelzverband Frankfurt am Main, Juni 2016, S. 3 (aus der Ansprache von Klaus-Dieter Ribak). Das erste Gebot der Persianerauktion ging an den Frankfurter Rauchwarenkaufmann Nachman Daitsch, „einen der wichtigsten und größten Käufer der Leningrader Versteigerungen“. Anlässlich des Jubiläums im Jahr 1986 wurde auch eine Pelzmodenschau gezeigt. Die Fachpresse erwähnte bei dieser Gelegenheit, dass bis dahin noch keine Pelzkonfektion aus russischer Produktion exportiert wurde.

Im Mai 1941 war die Sojuzpushnina EEA als erweiterte Pelzorganisation etabliert worden, die nun Empfangs-, Sortier- und Kühlräume in Moskau umfasste („Pushnoexport“), Astrachan-Zuchten in Buchara und Türkmenabat und Pelzlager in Ljuberzy, Wologda, Charkow, Rostow, Omsk, Nowosibirsk, Krasnojarsk sowie Wladiwostok. Mit dem Näherkommen des Deutsch-Sowjetischen Krieges wurde die Zentrale von Leningrad nach Nowosibirsk verlegt. Selbst während des Krieges trug die Sojuzpushnina noch mit 40 Prozent zu den Deviseneinnahmen der Sowjetunion bei, Abnehmer der Felle waren die USA.

Üblicherweise haben die pelzausführenden Länder auch einen hohen Pelzbedarf im eigenen Land, insbesondere sind häufig gerade die Felle gefragt, die nicht im Inland anfallen. Davon war Russland nicht ausgenommen. Vor dem Ersten Weltkrieg waren russische Händler ganz bedeutende Einkäufer, auch auf den Leipziger Messen. Die Sojuzpushnina war in der Zeit der Sowjetunion nicht nur für den Export, sondern auch für die Einfuhr von Rauchwaren zuständig. Wegen der Devisenknappheit dürfte das aber nur noch einen Bruchteil des früheren Umfangs betragen haben. Folgt man den russischen Angaben, dann waren es vor 1981 nur zehn Prozent der anfallenden Felle, die in den Export gingen, der Rest wurde im Land verbraucht. Für Persianer wurde an anderer Stelle angegeben, dass von den jährlich annähernd 6,5 Millionen anfallenden Karakulfellen 2 Millionen in den internationalen Verkauf gelangten.Bukhara Karakul USSR. V/O Sojuzpushnina, Moskau, Leningrad, UdSSR. Undatierter deutschsprachiger Prospekt, mit Modellen, u. a. von Dieter Zoern.