Obernzenn (fränkisch: ÄibernzännE. Fuchshuber: Uffenheim, S. 158. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „eibeɘdsęn“.) ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern).
Geographie Lage Die Gemeinde liegt in der Nördlichen Frankenhöhe. Durch das Gemeindegebiet fließt die Zenn.
Gemeindegliederung Es gibt 17 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Der Schafhof und die Eisen-, Frickleins-, Hölzleins- und Veitsmühle sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Egenhausen, Oberaltenbernheim, Obernzenn, Unteraltenbernheim, Unternzenn und Urphertshofen. Die Gemarkung Obernzenn hat eine Fläche von 3,610 km². Sie ist in 1005 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3591,67 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Bad Windsheim, Trautskirchen, Flachslanden, Oberdachstetten, Illesheim.
Geschichte mini|Blaues und Rotes Schloss mini|Blaues Schloss Obernzenn wurde wahrscheinlich im 8. Jahrhundert gegründet. Es wurde als „Cenne“ im Urbar des Klosters Lorsch, das im Zeitraum von 830 bis 850 entstand, erstmals schriftlich erwähnt. Seit 1260 wurde es „Oberencenne“ genannt zur Unterscheidung von Unternzenn und Langenzenn. Der Ortsname leitet sich vom Flussnamen Zenn ab. Dieser kann auf die indogermanische Wurzel *(s)ten (donnern, rauschen) zurückgeführt werden.E. Fuchshuber: Uffenheim, S. 158 ff.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 169. Hiernach sei das Urbar um 900 entstanden.
Seit dem 12. Jahrhundert bis heute ist die Adelsfamilie der Seckendorff-Aberdar im Ort ansässig, unter der Obernzenn bis Ende des 18. Jahrhunderts ein souveräner Kleinstaat von etwa 40 Quadratkilometern war. Der Ort gehörte zum Ritterkanton Altmühl des Fränkischen Ritterkreis.
Obwohl die ortsansässige Herrschaft von SeckendorffDie weltliche Herrschaft über das Dorf war zwischen dem Deutschorden, den Seckendorffs strittig und das Kirchenpatronat oblag dem Stift Spalt. erst 1535 evangelisch wurde, nahm der Obernzenner Pfarrer Philipp Getreu bei der Visitation in Ansbach die neue Kirchenordnung der Reformation bereits 1528 an, wobei vor allem der Egenhausener Pfarrer Paul Leutermann sein Gegner bei der Umsetzung der Absichten des Markgrafen Georg war. Getreu wurde „Superattendens“ für die Zenndörfer und ließ sich 1533 nach Ipsheim versetzen.
Christoph Ludwig von Seckendorff-Aberdar begann mit dem Bau des barocken Blauen Schlosses, neben dem ab 1745 das Rote Schloss errichtet wurde. Ebenfalls im Besitz der Seckendorff befindet sich das 1445 erstmals erwähnte Schloss Unternzenn.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Obernzenn 117 Anwesen. Das Hochgericht übte das Rittergut Obernzenn aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Neustadt an der Aisch. Grundherren waren das Rittergut Obernzenn-Aberdar (41 Anwesen: Blaues Schloss mit Meierei, Brauhaus und Meierhof, Eigentumshof mit Amtshaus und Ökonomiegebäuden, 1 Wirtshaus, 2 Höfe, 1 Gut, 1 Erbschmiede, 2 Köblersgüter, 23 Häuser, 1 Judenschule, 1 Felsenkeller, 1 Mühle), das Rittergut Obernzenn-Gutend (54 Anwesen: Rotes Schloss, Eigentumshof, 1 Wirtshaus, 1 Amtshaus, 12 Güter, 1 Häckersgütlein, 37 Häuser), beide Rittergüter gemeinsam (19 Anwesen: Kirche, Schulhaus, Pfarrhaus, Spital, Badhaus, Hirtenhaus, Fronveste, Spritz- und Wachhäuslein, 12 Häuser), die Pfarrkirche Obernzenn (2 Häuser) und die Judengemeinde Obernzenn (Schäferhaus).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 119 f. Das Rittergut Obernzenn gehörte zu dieser Zeit den Freiherren von Seckendorff und war dem Ritterkanton Altmühl steuerbar. Es übte das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft auch über Ermetzhof, Straßenhof, Urphertshofen und Wessachhof aus. Über Sontheim hatte es nur die Dorf- und Gemeindeherrschaft inne. Das Rittergut Obernzenn-Gutend war noch Grundherr in Ermetzhof (15 Anwesen), Lenkersheim (2), Oberdachstetten (3), Sontheim (1), Straßenhof (1), Urphertshofen (18) und Wessachhof (1). Das Rittergut Obernzenn-Aberdar war noch Grundherr in Burgbernheim (5), Charlottenhof (eines), Kaubenheim (1), Marktbergel (1), Mitteldachstetten (1), Sontheim (2), Straßenhof (1), Urphertshofen (17) und Weimersheim (1). Beide Rittergüter gemeinsam waren Grundherren in Ergersheim (5), Ermetzhofen (5), Oberdachstetten (3), Sontheim (1) und Urphertshofen (4).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 69 f.
Im Jahre 1806 kam Obernzenn zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeediktes wurde 1808 der Steuerdistrikt und 1810 die Ruralgemeinde Obernzenn gebildet, der bzw. die keine weiteren Orte gab.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach Obernzenn war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Die freiwillige Gerichtsbarkeit über 78 Familien hatte das Patrimonialgericht Obernzenn-Aberdar und über 88 Familien das Patrimonialgericht Obernzenn-Gutend. Die Ortspolizei stellten beide Patrimonialgerichte gemeinsam. Diese Regelung galt bis 1848. Ab 1862 gehörte Obernzenn zum Bezirksamt Ansbach und zum Rentamt Ansbach. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen. Am 1. Januar 1880 kam Obernzenn zum Bezirksamt Uffenheim (1939 in Landkreis Uffenheim umbenannt) und zum Rentamt Windsheim (1919 in Finanzamt Windsheim umbenannt, seit 1932 Finanzamt Uffenheim).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 215. Die Gerichtsbarkeit hatte das Amtsgericht Windsheim inne, seit 1973 ist das Amtsgericht Neustadt an der Aisch zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 3,634 km².
Jüdische Gemeinde Ab dem 17. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde in Obernzenn. Aus wirtschaftlichen Gründen verließen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die meisten Juden die Dörfer. Die letzte jüdische Einwohnerin von Obernzenn starb 1911. Oberhalb des Obernzenner Sees und des Geländes des Sportvereins befindet sich der jüdische Friedhof.Gisela Naomi Blume: Der jüdische Friedhof Obernzenn 1613–2013. Mit einem Beitrag von Michael Schneeberger. Nürnberg 2013 (Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken, 24). ISBN 978-3-929865-62-2
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Oberaltenbernheim eingegliedert. Urphertshofen kam am 1. Januar 1974 hinzu. Egenhausen folgte am 1. Juli 1975. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Unternzenn am 1. Januar 1978 und Unteraltenbernheim am 1. Mai 1978 abgeschlossen.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2469 auf 2623 um 154 Einwohner bzw. um 6,2 %. Gemeinde Obernzenn Jahr 1987 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017Einwohner 2503 2716 2663 2638 2653 2635 2629 2714 2665 2660Häuser 640 760 767 773 775 776 780 782Quelle
Ort Obernzenn (= Gemeinde Obernzenn bis 1972) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2014Einwohner 751 929 929 901 836 901 888 877 891 882 773 752 780 886 925 899 849 887 937 1134 1188 1106 1058 1090 1121 1162HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 196 161 169 186 181 178 170 172 192 275 Quelle Obernzenn: 908 Einwohner, 159 Häuser; Eisenmühle: 10 E., 1 H.; Frickleinsmühle: 11 E., 1 H. Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 928 Einwohner. Obernzenn: 875 Einwohner; Eisenmühle: 12 E.; Frickleinsmühle: 5 E. Obernzenn: 868 Einwohner, 183 Wohngebäude; Eisenmühle: 5 E., 2 Wgb.; Frickleinsmühle: 9 E., 1 Wgb.
Politik Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014 und 2020 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: Partei / Liste Sitze 2002 Sitze 2008 Sitze 2014Website Obernzenn Sitze 2020 CSU 2 3 3 3 SPD Bayern / Freie Soziale Bürger 2 1 – – Liste Land 3 2 3 2 Freie Wählergemeinschaft 2 3 3 3 Freie Bürger 2 2 2 2 Wählergemeinschaft Egenhausen 2 2 2 2 Bürgerliste Urphertshofen 1 1 1 2 Gesamt 14 14 14 14
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2020 Reiner Hufnagel (FWG).https://okvote.osrz-akdb.de/OK.VOTE_MF/Wahl-2020-03-15/09575156/html5/Buergermeisterwahl_Bayern_108_Gemeinde_Markt_Obernzenn.html Dessen Vorgänger waren ab 2014 Markus Heindel (CSU – Liste Land) und davor ab 1996 Helmut Weiß (CSU), der anschließend bis 2024 als Landrat amtierte.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Gemeindepartnerschaften Seit 1991 pflegte der Markt Obernzenn eine Partnerschaft mit der Gemeinde Markersbach in Sachsen. Nach deren Fusion mit dem benachbarten Raschau wird die Gemeindepartnerschaft mit der neu entstandenen Gemeinde Raschau-Markersbach fortgeführt.
Raumordnung Die Gemeinde Obernzenn ist Mitglied der 2009 gegründeten Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, das ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept ist und mit den benachbarten Allianzen NorA und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau bildet.
Kultur Obernzenner See Von 1978 bis 1981 wurde der Obernzenner See angelegt. Er fasst 710.000 Kubikmeter und hat eine Fläche von 14 Hektar. Die gesamte Anlage mit Badestränden, Slipanlage, Uferwegen, Strandhaus, Wasserwacht etc. ist 34 Hektar groß.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Naturdenkmäler Als Fingalshöhle wird ein ehemaliger Schilfsandsteinbruch in der Nähe des Ortes bezeichnet, der in Kriegszeiten als Versteck bzw. Truppenquartier diente, in Friedenszeiten als romantisches Ausflugsziel geschätzt wurde und mit zahlreichen Inschriften in verschiedenen Sprachen verziert ist.
Sport Im Jahr 1922 wurde der Turn- und Sportverein (TSV) Obernzenn gegründet. Die ausgeübten Sportarten waren anfangs nur Fußball und Sportschießen in der später ausgegliederten Schützenabteilung, mittlerweile werden auch Gymnastik, Volleyball, Leichtathletik und Tischtennis ausgeübt. Der Verein hat mehr als 600 Mitglieder.
Verkehr Die Staatsstraße 2253 verläuft nach Egenhausen (1,9 km südlich) bzw. an Breitenau vorbei nach Ickelheim (3,5 km nordwestlich). Die Staatsstraße 2413 verläuft an Unternzenn vorbei nach Oberaltenbernheim (5,2 km östlich). Kreisstraße NEA 39 verläuft nach Sontheim (3 km nordwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Urphertshofen (1,9 km südwestlich) bzw. nach Brachbach (1,7 km südöstlich).
Persönlichkeiten Theresius von Seckendorf-Aberdar (1758–1825), Biograf, Romanist, Hispanist und Lexikograf Johann Michael Zeyher (1770–1843), badischer Gartendirektor Friedrich Karl Rupprecht (1779–1831), Maler Henriette von Seckendorff-Gutend (1819–1878), Pietistin Ernst Schneider (1846–1914), deutscher Reichsgerichtsrat Johann Appler (1892–1978), NSDAP-Politiker, SA- und SS-Mann, Reichstagsabgeordneter Christian Schmidt (* 1957), CSU-Politiker, Bundesminister Helmut Weiß (* 1957), Politiker (CSU), Bürgermeister Obernzenns und Landrat Thorsten Kirschbaum (* 1987), Fußballer
Bilder
Literatur
Weblinks
Gemeinde Obernzenn
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Markt in Mittelfranken Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Ort an der Zenn Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim