Polizeibataillone waren militärisch organisierte, bewaffnete Einheiten der Ordnungspolizei des nationalsozialistischen Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs.
Beschreibung Ein Bataillon ist eine taktische, militärische Einheit mit einem Führungsstab und zwei oder mehr Kompanien.George Usher: Dictionary of British Military History; 2. Auflage; Verlag A&C Black, London 2006; ISBN=9-780713-675078; S. 24 Die Ordnungspolizei (uniformierte Polizei) unter Kurt Daluege hatte im Jahr 1939 zur Unterstützung der Wehrmacht 21 Polizei-Bataillone mit je rund 500 Mann aufzustellen, die später ihre ausgebildeten Mannschaften zur Bildung weiterer Bataillone abgaben.
Hintergrund Vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war die Polizei im Deutschen Reich nicht zentral gesteuert, die einzelnen Länder verfügten über eigene Polizeikräfte. Der Beginn der Umformung der Polizeiorganisation im nationalsozialistischen Sinne begann mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 4. April 1933, das allen Beamten des Reichs vorschrieb, „jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat ein(zu)treten.“ Basierend auf diesem Gesetz, wurde die Grundlage für die Bildung der Geheimen Staatspolizei und eines grundsätzlich veränderten Aufbaus der Polizeiorganisation im Deutschen Reich, schon im gleichen Jahr durch Hermann Göring geschaffen. Mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 wurde durch die Reichsregierung die Voraussetzung für eine Zentralisierung der Polizei im Berliner Innenministerium geschaffen.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 37
Im Zuge des Juli-Programms 1935 zur Aufrüstung der Wehrmacht, wurden die Angehörigen ihrer Landespolizeieinheiten durch eine gesetzliche Regelung vom 3. Juli 1935 an die Wehrmacht überführt. Dies betraf alle Polizeikräfte der kasernierten Einheiten der Landespolizei. 1935 kamen damit 48.212 Angehörige der Landespolizei in die Wehrmacht.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 40 Ein vom Chef der Ordnungspolizei, Kurt Daluege, im Dezember 1938 verfasste Studie zu Organisation, Aufgaben und Personalbedarf der Ordnungspolizei, wies bereits in dieser Zeit Aufgabenbereiche auf, welche im nationalsozialistischen Staat vermehrt zur Aufgabe der Ordnungspolizei werden sollte. Dies waren die Begleitung von Gefangenentransporten und die Verstärkung von Wachmannschaften von Konzentrationslagern.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 40 Im Bereich der Gendarmerie entstanden durch die Aufrüstung und nationale Großbauprojekte, zusätzliche Aufgabengebiete, wie bei den Großbaustellen für Reichsautobahnen, neue Rüstungsbetriebe, neue Befestigungsanlagen.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 42
Ende des Jahres 1938 entstand ein neuer Aufgabenbereich. Der Ordnungspolizei wurde die Aufgabe „Rückführung von Flüchtlingen“ und Bildung einer „Auffangorganisation“ übertragen. Hierzu hatte die Ordnungspolizei 27.000 Mann zu stellen. Auch die Überwachung der wehrpflichtigen Bürger wurde eine Aufgabe, für die 3.500 Polizisten von der Organisation gestellt werden mussten.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 43
Der erste Einsatz von Polizeikräften zwecks „Rückführung“ erfolgte gemeinsam mit Wehrmachtstruppen beim „Anschluss“ Österreichs im März 1938 und der Eingliederung des „Sudetenlandes“ im Oktober 1938.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 43
Im Dezember 1938 bildete die Ordnungspolizei durch eine Abgabe von ca. 9.000 Mann das Feldgendarmerie-Korps.Müller: Polizisten oder Polizeisoldaten 2019 S. 45
Aufstellung von Polizeibataillonen im Krieg Die deutschen Polizeibataillone wurden ab Kriegsbeginn am 1. September 1939 in Polen eingesetzt und waren zum größten Teil der Wehrmacht unterstellt. Sie sollten im Hinterland der eroberten Gebiete die Sicherungstruppen der Wehrmacht entlasten. Kompanien und Züge der Polizeibataillone wurden aber auch Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD zugeteilt und für die Vertreibung und Ermordung von Juden und von Zivilisten in eroberten Gebieten eingesetzt. Im weiteren Kriegsverlauf kamen Polizeibataillone bzw. Polizeiregimenter vermehrt in Frontbereichen zum Einsatz (Rückzug) und waren direkt Wehrmachtsteilen unterstellt. mini|Polizeibataillon 9: Verabschiedung nach Norwegen
Als Kommandeure und Mannschaftsführer der Polizeibataillone setzte das Kommandoamt der Ordnungspolizei bevorzugt Polizeibeamte mit Vorpraxis ein, die entweder schon im Ersten Weltkrieg gedient oder bereits (ab 1935) den Wehrdienst absolviert oder in SS- und SA-Formationen ein Waffentraining erhalten hatten. Um alle auf die Kriegserfordernisse und auch auf die künftigen Führungsaufgaben in den Polizeitruppen vorzubereiten, organisierte das Kommandoamt der Ordnungspolizei in den ersten Monaten 1940 ein umfangreiches Lehrgangsangebot, an diesen konnten auch „geeignete“ Männer der Hilfspolizei/Polizeireserve teilnehmen.
Die Basis der Bataillone stellten entweder Hilfspolizisten (Polizeireserve) oder ungediente Wehrpflichtige, die die Schutzpolizei nach Kriegsbeginn anwerben konnte.
Reserve-Polizei-Bataillone Die einfache Mannschaft der Polizei-Reserve-Bataillone setzte sich durchgängig aus Männern der Hilfspolizei des Verstärkten Polizeischutzes/VPS zusammen, im Dezember 1939 wurden sie in Anerkennung ihres Einsatzes beim Überfall auf Polen in „Polizeireserve“ umbenanntVölkischer Beobachter, 5.12.1939, Seite 2 „Polizeireserve statt Hilfspolizei“ – daher dann die Bezeichnung Reserve-Polizeibataillone. Die Hilfspolizisten der VPS wurden ab 1937 im Zuge der Kriegsvorbereitung als Ersatz für Abgänge von Polizisten und Gendarmen im Krieg ausgehoben. Sie arbeiteten weiter in ihren Berufen und wurden nur an Wochenenden für ihre Polizeiarbeit ausgebildet und trainiert. Es handelte sich um bereits ältere Ungediente der Jg. 1901–1909, die von der Wehrmacht vom Wehrdienst freigestellt wurden.Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936 1945, Koblenz 1947, Teil 2: Georg Tessin, die Stäbe und Truppeneinheiten der Ordnungspolizei, Seite 12f. und 34f. Sie konnten je nach Bedarf über die NotdienstverordnungDritte Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung (Notdienstverordnung), RGBl. 1938, I, S. 1441. mobilisiert werden. Zu Kriegsbeginn war der VPS auf bereits über 90.000 Mann angewachsen, ab 1943 wurden auch Männer der Jg. 1900 und älter zur Reserve eingezogen. Nur ein Teil der Hilfspolizisten/Polizeireserve kam jedoch – und zumeist auch nur temporär – in Polizeibataillonen zum Einsatz. Reserve-Polizeibataillone wurden lokal aufgestellt, die Nummerierung verweist auf den jeweiligen Wehrkreis.
Wachtmeister- und Anwärterbataillone, Polizeidivision Kurz nach Kriegsbeginn genehmigte die Wehrmacht der Schutzpolizei die Anwerbung von 26.000 ungedienten Wehrpflichtigen der weißen Jahrgänge 1918–20 und 1909–1912.OKW Az12a AHA/Ag/E (Id) Nr. 9371/39 v. 5.10.1939 Mit diesen Neuzugängen konnten 1940/41 weitere 31 Polizei-Bataillone aufgestellt werden. Die Rekruten kamen nach Musterung und Überprüfung erst ab Ende Februar 1940 mit einem Einberufungsbefehl ihres Wehrbezirkes in eine vom Kommandoamt der Ordnungspolizei zugewiesene Polizeikaserne. Mit dem Tag des Kaserneneintritts wurden sie Polizeibeamte, aber sie blieben Ersatzreserve I, ihr Dienst im Polizeibataillon wurde als aktiver Wehrdienst anerkannt.Verordnung über die Einstellung von Wehrpflichtigen in die Schutzpolizei des Reichs, veröffentlicht am 6. November 1939, RGBl. S. 2137 Die einfache Mannschaft dieser Polizeibataillone war nicht nur jünger als jene der Reserve-Polizei-Bataillone, sondern auch militärisch besser auf ihre Einsätze vorbereitet. Erst nach einigen Monaten kaserniertem Training wurden die Ausbildungsbataillone in Anwärterbataillone Nr. 251–256 (jüngere Jahrgänge, v. a. Jg. 1920, ) und Wachtmeisterbataillone Nr. 301 – 325 (ältere Jahrgänge, v. a. Jg. 1909, 1911/12) umgewandelt. Die Rekruten hatten sich zum aktiven Polizeidienst zu verpflichten und sollten nach 12 Dienstjahren als Beamte auf Lebenszeit übernommen werden. Die jüngeren Jahrgänge 1918–1920 (9000 Mann) wurden als Polizeianwärter (ranggleich dem einfachen Schützen) eingestellt, die älteren Jahrgänge (17 000 Mann) als Polizeiwachtmeister mit (über) vier Dienstjahren (ab 1941 Rottwachtmeister, beide ranggleich dem Obergefreiten). Die Nummernbezeichnung dieser „neuen“ Bataillone richtete sich nach der Aufstellungsabfolge und hat keinen Bezug zum Aufstellungsort/Wehrkreis. Die ersten Bataillone waren bereits im Herbst 1940 einsatzbereit. Auch bei den „neuen“ Bataillonen gab es – wie bei den Reserve-Polizeibataillonen generell – Wechsel in den Führungsebenen, aber die Mannschaft der Wehrpflichtigen blieb mehrheitlich bis Kriegsende bei ihrem Bataillon.
Als Hitler nach dem Erfolg in Polen am 18. September 1939 die Aufstellung einer frontverwendungsfähigen Polizeidivision befahl, benötigte man dringend Rekruten. Daher kam weit mehr als die Hälfte der für die Schutzpolizei Aufgenommenen der 26.000-Mann-Quote nicht in ein Wachtmeister-/Anwärterbataillon, sondern wurde nach zumeist kurzer Verweildauer in Ausbildungsbataillone der Polizeidivision versetzt. Vorrangig wurden Wehrpflichtige der jüngeren Jahrgänge zugewiesen,Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936 1945, Koblenz 1947, Teil 2: Georg Tessin, die Stäbe und Truppeneinheiten der Ordnungspolizei, Seite 12,14 aber auch Jahrgänge 1909–1912.René Rohrkamp, Weltanschaulich gefestigte Kämpfer: Die Soldaten der Waffen-SS 1933 – 1945, Paderborn, 2010, Seite 323/324 Die Polizeidivision wurde bereits ab 8. März 1940 von der Wehrmacht als Teil der Waffen-SS eingestuft, die Angehörigen (Vorkriegspolizisten wie Rekruten) blieben aber weiter dienstrechtlich Teil der Ordnungspolizei,Derselbe, Seite 285 erst im Herbst 1942 wurden die noch in der Polizeidivision Verbliebenen auch mit Personalakten in den Administrativbereich der Waffen-SS übernommen.
Aufstellung von Polizei-Regimentern Im Juli 1942 wurden alle damals bestehenden Polizeibataillone in 28 motorisierte Polizei-Regimenter zusammengefasst.Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936 1945, Koblenz 1947, Teil 2: Georg Tessin, die Stäbe und Truppeneinheiten der Ordnungspolizei, Seite 30/31 Von den 75 Polizeibataillonen waren 47 Pol.Res.Bataillone, 10 weitere sollten lokal aufgestellt werden, von den neuen Bataillonen gab es nur mehr 28.Aufstellungserlass O.Kdo. I O (3) Nr. 184/42 v. 9. Juli 1942, Übersicht/Beilage Jedes Regiment bestand aus 3 Bataillonen, zudem sollte jedes Regiment auch über eine Nachrichten-, Panzerspäh- und Panzerjäger-Kompanie verfügen. Viele Bataillone verblieben dennoch weiter in ihrem Einsatzgebiet und Aufgabenbereich. Mit der Zusammenlegung in Regimentern konnten nicht nur neue Posten geschaffen und Belohnungen/Beförderungen verteilt werden. Ziel dieser Umstrukturierung war auch, die Bataillone von ihren Heimatdienstorten zu lösen und die Militarisierung der Polizeitruppen zu befördern. Die Bataillone wurden letztlich in ihren Heimatstandort belassen, aber ihre individuelle Bezeichnung wurde durch römischen Ziffern (I./II./III.Batl) ersetzt und die Kompanien durchlaufend mit 1.–12. nummeriert.
Mit Erlass O.Kdo. I O (3) 1 Nr. 105/43 vom 12. März 1943 wurde ein Befehl Himmlers (I 462/43 Adj. vom 24. Februar 1943) umgesetztPrimavesi Papers/File 5, Seite 260 und allen Polizeiregimentern nominell ein SS vorangestellt, sie blieben jedoch Einheiten der Ordnungspolizei. Die Umbenennung diente vor allem der Unterscheidung zu den kurz darauf (29. März 1943) aufgestellten Polizei-Schützen-Regimentern, die von deutschem Personal geführt, deren Mannschaft jedoch aus angeworbenen Männern besetzter Gebiete rekrutiert wurde. (Deren Nummerierung begann mit Nr. 31.)Tessin, Seite 30f.
Namensregimenter Zwischen Oktober 1943 und Oktober 1944 wurden aus Südtirolern zudem die vier zusätzlichen Polizeiregimenter „Bozen“, „Alpenvorland“, „Schlanders“ und „Brixen“ aufgestellt.
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