mini|Verwaltungsgebäude der Rothaus-Brauerei mit der dahinter stehenden Mälzerei mini|Kessel vor dem Brauereigelände Die Badische Staatsbrauerei Rothaus AG ist eine Brauerei mit Sitz in Rothaus, einem Ortsteil von Grafenhausen, der im Südschwarzwald in rund 1.000 Metern über NN unweit des Schluchsees liegt. Sie befindet sich im Eigentum der landeseigenen Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg. Die Brauerei Rothaus erlebte in den 1990er Jahren einen rasanten Aufschwung und setzt mittlerweile zehn Prozent ihrer Bierproduktion außerhalb von Baden-Württemberg ab.

Aufsichtsratsvorsitzende ist die Ministerin für ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg Marion Gentges (CDU).

Geschichte Das Rot in „Rothaus“ geht auf die Patrizierfamilie Roth aus dem Klettgau zurück, die sich um 1300 in Grafenhausen niedergelassen hatte und 1340 mit dem Bau des Rothen Hauses begann. Ein gewisser Michael Kaiser erwarb das Haus um das Jahr 1660, bekam vom Benediktinerkloster St. Blasien das Schankrecht verliehen und nutzte es fortan als Gasthaus. Das Kloster erwarb das Gasthaus über 100 Jahre später und ersetzte es durch einen Neubau mit derselben Funktion.Klaus Rütschlin: Wirtschaft: Badische Brauereien und ihre Gastwirtschaften: Das Aushängeschild, Badische Zeitung, 20. Oktober 2011, abgerufen am 23. September 2012

Unter Fürstabt Martin Gerbert beschloss der Mönchsrat zum Jahresende 1790, im Januar 1791 mit ersten Brauversuchen zu beginnen. Gerbert beabsichtigte damit, seine Reichsherrschaft Bonndorf gegenüber dem benachbarten Fürstentum Fürstenberg aufzuwerten, das bereits seit dem 13. Jahrhundert das Braurecht besaß, aus dem später die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei hervorgehen sollte. Zudem war die Brauerei eine Maßnahme der Wirtschaftsförderung, mit der das angeblich überteuerte Bier aus Donaueschingen abgewehrt und Arbeitsplätze geschaffen werden sollten. Glaubt man dem Volksmund, so wollten die Mönche jedoch den Schwarzwäldern das Schnapstrinken abgewöhnen.Thomas Mutter: Warum hat Fürstabt Martin die Brauerei Rothaus gegründet?, Badische Zeitung, 20. Juli 2012, abgerufen am 23. September 2012 mini|Ausstellung im Kreismuseum St. Blasien, seltene „Fürstabt Märzen“ Flasche

Bezogen auf die Herrschaftsgebiete St. Blasien und Bonndorf lag der Standort an einer verkehrsgünstigen Stelle inmitten großer Wälder und in der Nähe von ergiebigen Wasservorkommen, so dass man 1792 mit dem umfassenden Braubetrieb beginnen konnte. Das Brauwasser wird noch heute aus sieben betriebseigenen Quellen gewonnen. Durch die Säkularisation gingen das Kloster und sein Besitz 1806 an das Großherzogtum Baden über, ab diesem Zeitpunkt führte die Brauerei den Namen Großherzoglich Badische Staatsbrauerei Rothaus.

Der Name Badische Staatsbrauerei Rothaus, den die Brauerei seit der Abschaffung der Monarchie als Folge der Novemberrevolution von 1918 führt, blieb erhalten, als die Eigentumsrechte an das Land Baden-Württemberg, den Nachfolger des Landes Baden, übergingen. Seit 1922 hat das Unternehmen die Rechtsform einer Aktiengesellschaft, deren Anteile heute zu 100 Prozent von der Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg mbH gehalten werden.

Zwischen 1920 und 1933 war Max Jäger, der spätere Oberbürgermeister der Stadt Rastatt, Direktor der Rothaus-Brauerei.

Die Marke Tannenzäpfle kam 1956 auf den Markt. Ins Leben gerufen wurde sie durch den damaligen Brauereidirektor Edwin Nägele. In der traditionell männlich dominierten Bierwelt wirkte der Markenname zunächst ungewohnt. Statt des üblichen männlichen „Kenners“, wie man ihn häufig auf Spirituosenetiketten als Symbol von Kompetenz fand, prägte hier eine junge Frau in Schwarzwaldtracht das Erscheinungsbild. Auch die handliche Flaschengröße von 0,33 Litern stellte eine Besonderheit dar, da Bierflaschen zu jener Zeit meist ein Volumen von 0,75 Liter und einen Bügelverschluss aufwiesen. Gerade wegen dieser Merkmale gewann das Tannenzäpfle rasch an Popularität und entwickelte sich zum Aushängeschild der Brauerei.

Im Frühjahr 1965 wurde Hans Pfender (* 1926 in Neisse)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 944. zum Alleinvorstand der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG bestellt, nachdem Edwin Nägele nach 15 Jahren an der Spitze der Brauerei in den Ruhestand ging. 1966/1967 stieg der wachsende Preisdruck im Flaschenbierhandel. Die unmittelbaren Konkurrenzbrauereien senkten teilweise kräftig ihre Bierpreise. Hans Pfender notierte dazu im Geschäftsbericht des Jahres 1966/1967: „Im Hinblick auf die Erhaltung einer guten Rentabilität hat sich die Staatsbrauerei an dieser Hektoliterjagd nicht beteiligt.“ Diese Aussage spiegelt eine Strategie wider, die das Unternehmen bis heute nach eigener Aussage verfolgt, nämlich Rothaus lege Wert auf Qualität und moderne Brautechnologie.

Im Jahr 1972 entwarf der Grafiker Roland Jenne drei neue Varianten für das Flaschenetikett, von denen eines die Grundlage für das heutige Erscheinungsbild der Biermarke wurde. Seitdem präsentiert sich das Motiv klarer, reduzierter und konzentrierter. Charakteristisch sind die markante, breite Konturlinie sowie der bewusste Verzicht auf kleinteilige Binnenzeichnungen. Flaschengröße, Ausstattung und Markendesign blieben über die Jahrzehnte unverändert.

Unter Vorstandschef Norbert Nothhelfer, der zuvor Regierungspräsident in Freiburg war, verdoppelte Rothaus seinen Bierausstoß in einem insgesamt schrumpfenden Markt in den 1990er Jahren. Die Kapazität wurde auf eine Million Hektoliter pro Jahr ausgebaut. 1992 erwarb Rothaus vom Land Baden-Württemberg die Konstanzer Dominikanerinsel einschließlich des darauf befindlichen Inselhotels, welches an die Steigenberger Hotel Group verpachtet ist. Am 1. Oktober 2004 wurde Thomas Schäuble, vormaliger Innenminister von Baden-Württemberg, Vorstand der Brauerei.

Im Geschäftsjahr 2006 lag die Produktionsmenge bei 937.000 Hektolitern und der Umsatz bei 88,2 Millionen Euro. Etwa 90 Prozent des Bierausstoßes setzte das Unternehmen in Baden-Württemberg ab, Rothaus ist nach Eichbaum die zweitgrößte Brauerei im Bundesland.

Ende 2007 erwarb Rothaus das neben dem Brauereiareal gelegene Hotel und richtete dort einen Fanshop ein. Auf einem rund einen Hektar großen Areal entstand ein kleiner Erlebnispark mit dem 2008 eröffneten Zäpfleweg und einem Spielplatz.Wie die Rothaus-Brauerei ihre Fans umgarnt. Welt online vom 16. Oktober 2007 Zudem wurde die Landesstraße 170 verlegt und ein Kreisverkehr errichtet, um durch den so geschaffenen Abstand zur Straße als Ausflugsziel attraktiver zu werden.Konservativ und Kult zugleich Badische Zeitung vom 22. Oktober 2011Grafenhausen: Weitere Etappe zum Ziel ist geschafft, Badische Zeitung, 4. Oktober 2008, abgerufen am 23. September 2012 2020 waren in Rothaus und den zwei brauereieigenen Vertriebsniederlassungen insgesamt 229 Mitarbeiter beschäftigt.

Nachdem Thomas Schäuble schwer erkrankt war, übernahm Baden-Württembergs Ex-Finanzminister Gerhard Stratthaus am 5. September 2012 die Leitung der Brauerei.Brauerei: Stratthaus vertritt erkrankten Rothaus-Chef Schäuble, badische-zeitung.de, 6. September 2012

Seit dem 1. Juli 2013 wird das Unternehmen von Alleinvorstand Christian Rasch geführt. Rasch ist der erste Nichtpolitiker seit mehreren Jahrzehnten, der die Leitung der Staatsbrauerei innehat. , Econo, 3. Mai 2013 Als die gängige Praxis früherer CDU-geführter Landesregierungen (und auch noch der neuen grün-roten RegierungMarion Caspers-Merk bei der Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg), Führungspositionen bei Landesunternehmen mit ehemaligen Politikern zu besetzen, in der Öffentlichkeit zunehmend auf Kritik stieß, veranlasste der grüne Agrarminister Alexander Bonde für diesen Posten erstmals eine Stellenausschreibung, für die das Unternehmen den Schweizer Headhunter Egon Zehnder engagierte.Christian Rasch neuer Alleinvorstand der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, Pressemitteilung der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, nach about-drinks.com, 2. Mai 2013 Rasch war seit 2008 Vertriebs- und Marketingdirektor bei der Stuttgarter Hofbräu und ab 2010 zusätzlich Sprecher der Geschäftsleitung. , Pressemitteilung der Radeberger Gruppe, 4. Mai 2010 Die Stuttgarter Zeitung bezeichnete den Wechsel von Rasch von Hofbräu zu Rothaus aufgrund der Umstände als „spektakulär“.Vorstand der Badischen Staatsbrauerei: Rothaus findet Nachfolger für Schäuble, Stuttgarter Zeitung, 2. Mai 2013

Im Jubiläumsjahr 2016 (225 Jahre Rothaus, 60 Jahre Tannenzäpfle) entwarf der Künstler Stefan Strumbel im Auftrag der Brauerei zwei 15 Meter hohe Fichtenzapfen aus Cortenstahl, die neben dem Kreisverkehr vor der Brauerei aufgestellt wurden. Das Kunstwerk trägt den Namen: „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“.alternativtext=Ambiente vor der Badischen Staatsbrauerei Rothaus|mini|Kreisverkehr und Fichtenzapfen-Kunstwerk

Produkte (Auswahl) hochkant|mini|Flasche Tannenzäpfle

Die folgenden Sorten werden als Flaschenbier (0,33-Liter und teilweise 0,5-Liter) angeboten: Tannenzäpfle (Pils, auch alkoholfrei) Tannenzäpfle Tafelbier (Lager) Tannenzäpfle Heller Bock (Bock, Sonderedition zum 70-jährigen Jubiläum der Marke Tannenzäpfle) Tannenzäpfle Fürst-Abt Edel (Exportbier, Sonderedition zum 70-jährigen Jubiläum der Marke Tannenzäpfle) Tannenzäpfle Weizenbock (Weizenbock, Sonderedition zum 70-jährigen Jubiläum der Marke Tannenzäpfle) Weizenzäpfle (Hefeweizen, auch alkoholfrei) Eiszäpfle (Märzen Export) Schwarzwald Zäpfle (naturtrüb, früher: Schwarzwald Maidle) Radlerzäpfle (auch alkoholfrei)

Im Jubiläumsjahr 2016 wurde das naturtrübe unfiltrierte Bier Schwarzwald Maidle in der 0,33-Liter-Flasche angeboten. Außerdem trugen einige Pils-Flaschen (sowohl die 0,5-Liter-Flasche, als auch das Tannenzäpfle) zum Jubiläum ein traditionelles Etikett.

Pils und Hefeweizen gibt es außerdem in Fünf-Liter-Fässern mit integriertem Zapfhahn. Das erfolgreichste Produkt ist das in 0,33-Liter-Flaschen abgefüllte Rothaus Pils Tannenzäpfle, abgekürzt Zäpfle.

Seit 2009 produziert Rothaus in Zusammenarbeit mit der Destillerie Kammer-Kirsch aus Karlsruhe-Mühlburg kleine Mengen Single Malt Whisky,suedkurier.de: Landesbrauerei Rothaus produziert jetzt Whisky, 22. September 2009, Zugriff am 28. August 2011 der mittlerweile mit Sahne veredelt auch als Rothaus Whisky Cream angeboten wird.Heinz Siebold: Neues in der Bierwelt. Brauerei Rothaus will mit hochprozentigen Getränken auf sich aufmerksam machen, in: Der Sonntag, 6. Oktober 2013, S. 10

Etikett Auf allen Flaschen ist ein blondes Schwarzwaldmädel in typischer Tracht abgebildet, das in jeder Hand ein Glas Bier hält. Rothaustrinker haben ihr den fiktiven Namen Biergit Kraft gegeben; der Name entstand aus der alemannischen Aussprache der Phrase „Bier git (= gibt) Kraft“.Word of Mouth Fills German Brewer's Steins, Artikel in der New York Times vom 17. September 2008 Die Brauerei verwendet ihn inzwischen in der Werbung.

Das Etikett der Tannenzäpfle-Flaschen zeigt zusätzlich sieben Tannenzapfen. Hierbei ist auffallend, dass die namengebenden Tannenzapfen auf dem Etikett hängend abgebildet werden, während sie auf Zweigen der Gattung Abies (Tanne) aufrecht stehen. In der mündlichen Überlieferung wird dies damit begründet, dass die Flaschen beim Trinken wieder auf dem Kopf stehen. In Wirklichkeit ist auf dem Etikett wohl die im Schwarzwald heimische Rottanne abgebildet, die als Fichtengewächs von den Zweigen hängende Zapfen besitzt.