Als RBDe 4/4 wurden die Triebwagen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) bezeichnet, die ab 1984 für die als Neuer Pendelzug (NPZ) bezeichneten Regionalzugskompositionen angeschafft wurden. Sie tragen seit 1990 die Baureihenbezeichnung RBDe 560 sowie, im Fall der daraus hervorgegangenen Unterbauarten, RBDe 561 und RBDe 562. Sie werden von den Schweizerischen Bundesbahnen im Regionalverkehr eingesetzt. Die an Privatbahnen gelieferten Triebwagen wurden ursprünglich als RBDe 566 bzw. RBDe 568 bezeichnet.

Die meisten von 1987 bis 1996 gebauten Fahrzeuge RBDe 560, 561 und 568 durchliefen 2008 bis 2013 ein Komplett-Modernisierungsprogramm. Aus aufgearbeiteten Trieb- und Steuerwagen sowie neu beschafften Zwischenwagen entstanden Regionalverkehrs-Kompositionen mit der Bezeichnung «Domino». Die Triebwagen werden dabei einheitlich als RBDe 560 (94 85 7 560 XXX-X) bezeichnet. Nicht umgebaut wurden die technisch abweichenden Fahrzeuge, dazu zählen die vier Prototypen, die durch die Mittelthurgaubahn (MThB) beschafften Züge und die Zweifrequenzfahrzeuge (RBDe 562).

Gemeinsame Merkmale mini|links|NPZ als REV S1 bei Yverdon 1984 wurden vier Prototypen dieses Triebwagens zusammen mit den passenden Steuerwagen (Bt), welche 1981 bestellt worden sind, damals noch unter der ursprünglichen Bezeichnung RBDe 4/4 mit den Nummern 2100–2103, ausgeliefert. Anschliessend wurden 80 Serienfahrzeuge (Triebwagen und Steuerwagen) bestellt, denen wenige Jahre später eine Nachbestellung über weitere 42 Fahrzeuge folgte. Hinzu kamen sechs über die SBB bestellte Fahrzeuge (PBr 568, MThB 566) und sechs Anschlussbestellungen (SOB 566, Montafonerbahn), wodurch insgesamt 134 Seriengarnituren gebaut wurden – die letzte lief 1996 vom Band.

Die Kompositionen mit den RBDe 560-Triebwagen und den dazugehörenden Steuerwagen wurden unter dem Projektnamen «Neuer Pendelzug» beschafft, was ihnen schliesslich das Akronym NPZ als Übernamen einbrachte. Aus Kostengründen wurde auf die Beschaffung neuer Zwischenwagen verzichtet, verwendet werden stattdessen umgebaute Einheitswagen (EW I und EW II), die zunächst nur farblich angepasst wurden, später erhielten sie wie die Trieb- und Steuerwagen Aussenschwingtüren, als Voraussetzung für den kondukteurlosen Betrieb (klB).

Die Triebwagen haben eine Leistung von 1650 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h, ein Gewicht von 70 t und sind 25 m lang. Sie können in Vielfachsteuerung verkehren. Die NPZ (560 000–083 und 560 100–141) bilden mit 126 Fahrzeugen die bisher grösste Serie an Regionalverkehrstriebwagen der SBB.

Fast alle RBDe 560 haben einen Namen. Sie bekamen meistens die Namen wie auch die Wappen von kleineren Ortschaften entlang der Strecken, an denen die NPZ verkehren.

Farbgebung Alle vier Prototyp-Kompositionen wurden in unterschiedlichen Farbschemata abgeliefert, darunter auch die bei den Serienfahrzeugen angewandte Farbgebung (Wagenkasten weiss und blau, Türen gelb und Stirnseiten in roter Warnfarbe). Diese im Vergleich zur bisherigen grünen Farbgebung auffallende Buntheit führte zum Spitznamen «Kolibri».

Dieses Farbschema war bis zur «Domino»-Modernisierung in Gebrauch. Bei der letzten Nachbau-Serie (RBDe 560 100 ff.) wurde das bisher kurz vor dem Führerstand endende blaue Fensterband bis ganz zum Führerstand hin verlängert. Zudem wurden zahlreiche Fahrzeuge mit Aufklebern von S-Bahn-Systemen ergänzt (S-Bahn Basel, S-Bahn Bern, Ostwind, Réseau express vaudois etc.). Die Kleber werden jeweils an der Seitenwand beim Führerstand angebracht.

Bei den im Tessin als TILO («Ferrovia Ticino–Lombardia») verkehrenden Triebwagen wurden die üblichen SBB-Logos entfernt und die Aufschrift «TILO» oberhalb der Fenster angebracht. Die Logos von SBB und Trenitalia – den Besitzern der TILO – sind dagegen nur im Kleinformat angebracht.

Für den Glarner Sprinter wurden die zwei Triebwagen 560 120 und 560 123 mit passenden Aufklebern neben dem SBB-Logo und einer Sonderbemalung im Führerstandsbereich ergänzt.

16 NPZ-Garnituren sind inzwischen an Regionalps verkauft worden.

mini|links|Train des Vignes in Vevey, 6. Mai 2005 Der RBDe 560 131 und der zugehörige Bt 29-35 931 erhielten einen Spezialanstrich «Train des Vignes» und Haltanforderungstasten für Halte auf Verlangen. Der Zug wird seit Ablieferung zwischen Vevey und Puidoux-Chexbres eingesetzt. Bei Revisionen kann er durch RBDe 560 132 und Bt 29-35 932 ersetzt werden, die ebenfalls mit Haltanforderung ausgerüstet sind, aber im normalen «Kolibrianstrich» verkehren.

mini|links|NPZ in CJ-Farbgebung, hier vermietet an die Travys auf der Strecke der PBr Für die vier NPZ-Prototypen, die nicht in das Modernisierungsprogramm einbezogen werden, fanden die SBB 2007/2008 verschiedene Abnehmer: zwei gingen an die Montafonerbahn (MBS), die Prototyp-Garnitur 560 000 ging mit Steuerwagen und einem EW-I-Mittelwagen an die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) und wurde mit deren Logo versehen. Die letzte Garnitur ging Ende 2008 an die Chemins de fer du Jura (CJ), die sie nach dem eigenen Farbschema umlackierte.

Baureihen RBDe 561

Im Jahre 2003 wurden kurzfristig sechs RBDe 560 (105, 127–128, 133–135) zu deutschlandtauglichen RBDe 561 (000–005) umgebaut, so dass sie von der SBB GmbH auf der Wiesentalbahn genutzt werden konnten. Ebenfalls angepasst wurden sechs zugehörige NPZ-Steuerwagen Bt 29-35 960–965 sowie zwölf Personenwagen (sechs AB, sechs B), woraus sechs vierteilige Garnituren gebildet wurden. Bt 29-35 960–965 Steuerwagen AB 30-35 660–665 Zwischenwagen B 20-35 660–665 Zwischenwagen

Abgeändert wurden an den Trieb- und Steuerwagen die Einstiegstüren, die analog zu den RBDe 562 im unteren Bereich eingezogen wurden. Neu eingebaut wurden unter anderem das deutsche Zugfunkgerät ZF 90 und die Zugsicherung Indusi, zudem wurde der Stromabnehmer gegen ein Modell mit breiter, «deutscher» Wippe (1950 mm) ausgewechselt.

Mit Ablieferung der deutschlandtauglichen RABe 521 (Stadler Flirt) – von denen zehn Stück für den Betrieb der Wiesentalbahn und der Gartenbahn bestimmt sind – wurden die sechs NPZ-Garnituren per Mai 2006 wieder zur Schweizer Seite der Regio-S-Bahn Basel abgezogen. Die Triebwagen haben wieder Stromabnehmer mit 1450-mm-Wippe erhalten und verkehren unter Beibehaltung ihrer Umbaunummern wieder als konventionelle RBDe 560.

Die sechs «Wiesental-NPZ» (Trieb- und Steuerwagen) wurden ins Modernisierungsprogramm «Domino» einbezogen; dabei behielten sie die markanten, abgeänderten Türen. Sie tragen die höchsten Nummern der beiden Serien (RBDe 298–303, ABt 895–900).

RBDe 562

Sechs RBDe 560 (136–141) wurden bereits ein knappes Jahr nach Ablieferung, Anfang 1997, für den grenzüberschreitenden Verkehr auf der «Grünen Line» der Regio-S-Bahn Basel, zwischen Basel SBB und Mülhausen zu Zweifrequenzfahrzeugen umgebaut. Diese frankreichtauglichen Fahrzeuge erhielten die Bezeichnung RBDe 562 (000–005) und können ausser unter 15'000 V / 16,7 Hz (SBB) auch unter 25'000 V / 50 Hz (SNCF) betrieben werden. Des Weiteren sind aus Profilgründen die Einstiegstüren den französischen Perronhöhen angepasst worden.

Angepasst wurden zudem sechs zugehörige NPZ-Steuerwagen Bt 29-35 950–955 sowie 21 Personenwagen (sieben AB, zwölf B), woraus abzüglich eines AB-Reservewagens sechs fünfteilige Garnituren gebildet wurden. Bt 29-35 950–955 Steuerwagen AB 30-35 600–606 Zwischenwagen B 20-35 600–613 Zwischenwagen

Die sechs «Mulhouse-NPZ» (Trieb- und Steuerwagen) wurden nicht modernisiert, da der Umbau zu «Domino»-Zügen eine komplette Neuzulassung erforderlich gemacht hätte.

Zwischenzeitlich wurden der Steuerwagen 29-35 950 und der Triebwagen 562 002 abgebrochen. Sie waren in die Kollision zwischen zwei Zügen in Granges-près-Marnand am 29. Juli 2013 verwickelt. Dabei wurde ein Lokführer getötet.

mini|links|Der RBDe 562 001 mit dem führenden Bt 955 bei Les Verrières. Die Züge verkehrten seit dem Fahrplanwechsel 2012 unter anderem als Regio Express-Züge von Neuchâtel nach Frasne (Funktion als TGV-Zubringer), Zeitweise auf der Linie Neuchâtel – Biel/Bienne als Regio sowie auf der Linie Genf – La Plaine als Zusatz S-Bahnen sowie als Ersatzzug. Am 24. Dezember 2019 verkehrte letztmals eine Komposition als RE Neuchâtel – Frasne. Grund dafür ist, dass die Züge per 31. Dezember 2019 ihre Zulassung verloren haben, da sie nach dem Umbau nie nachgerüstet wurden und ihnen eine zweikanalige Rückstellung der Sicherheitssteuerung fehlt. Alle Trieb- und Steuerwagen wurden in mehreren Tranchen nach Zürich Altstetten und Olten überführt, wo sie als Ersatzteilspender für die Domino-Flotte dienten. Im November und Dezember 2020 wurden die letzten drei Triebwagen nach Kaiseraugst zum Abbruch überführt.

MThB RBDe 566, später SBB RBDe 561 mini|MThB RBDe 566 631-8 der Thurbo als Seehas im Bahnhof Singen (Hohentwiel) Bt 29-35 971–976 Steuerwagen AB 30-35 671–674 Zwischenwagen Für den Betrieb des Seehas-Nahverkehrs konnte sich die Mittelthurgaubahn (MThB) 1993 kurzfristig mit der SBB auf die Übernahme von vier NPZ-Garnituren (Triebwagen und Steuerwagen) verständigen, die bereits für die SBB im Bau waren. Aus der Nachbau-Serie (1994–1996) erhielt die MThB 1994 die Fahrzeuge RBDe 566 631–634, die als neunter bis zwölfter Triebwagen an die SBB gegangen wären, während letztere bei der Industrie ihre Bestellung um vier Stück erhöhte.

Die vier Garnituren der MThB erhielten 1995, im Gegensatz zu den Zügen der SBB, auch je einen Neubau-Mittelwagen. Für den Verkehr nach Deutschland wurden die Fahrzeuge mit der Zugsicherung Indusi und einem Stromabnehmer mit breiter, «deutscher» Wippe (1950 mm) ausgestattet; praktisch dieselben Anpassungen sollten 2003 dann auch sechs SBB-NPZ-Garnituren für das Wiesental (RBDe 561) durchlaufen.

Die MThB-NPZ wurden bei der Liquidation der MThB an die Nachfolgegesellschaft Thurbo übertragen und weiter in ihren angestammten Diensten eingesetzt. Ab Anfang 2006 wurden neun bestellte Stadler Flirt (RABe 526 651–659) für den Seehas abgeliefert, womit die NPZ nicht mehr benötigt wurden. Nach Inbetriebnahme aller neun Flirt ab Juli 2006 sind die vier NPZ-Garnituren inklusive der beiden zusätzlichen Bt an die SBB übergegangen.

Die Triebwagen erhielten bei den SBB wieder Stromabnehmer mit «Schweizer» Wippe (1450 mm). Mit dem SBB-Design angepasster Front und SBB-Signet gelangten die Züge nach der Umzeichnung als RBDe 561 171–174/AB 30-35 671–674/Bt 29-35 971–976 auf der S-Bahn Luzern in den Einsatz, wo die Haltanforderungstasten beim Einsatz über die BLS-Strecke Langenthal–Wolhusen von Nutzen waren.

Die ehemaligen MThB-NPZ werden entgegen ersten Planungen nicht ins Modernisierungsprogramm «Domino» einbezogen. Zwei Triebwagen wurden nach weniger als 20 Betriebsjahren bereits abgebrochen. Einer davon (561 171) war zusammen mit einem Steuerwagen (Bt 29-35 976) am 6. Oktober 2011 in Olten in eine Kollision verwickelt gewesen, worauf beide Fahrzeuge abgebrochen wurden. Zwei Steuerwagen (971 und 972) wurden an die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn verkauft, welche sie für den Betrieb mit Re 456 anpassen will. Triebwagen 174 wurde 2015 an die SOB verkauft, wo er auf der Linie des Voralpen-Express eingesetzt wurde. Der Steuerwagen 975 wurde zusammen mit dem Zwischenwagen AB 673 im Jahre 2021 an den Verein MThB-NPZ verkauft. Die verbleibenden zwei Steuerwagen (Bt 973 und 974) sowie die vier Neubau-Zwischenwagen (AB 671, 672 und 674) wurden dem Alteisen zugestellt. Nach der Einführung der Traverso Zügen auf dem Voralpen-Express, wurde der Triebwagen 174 bei der Südostbahn überflüssig und er konnte im November des Jahres 2024 vom Verein MThB-NPZ übernommen werden, so dass eben genannter Verein im Besitz eines dreiteiligen MThB Pendelzuges ist.

SOB RBDe 566, heute RBDe 561 mini|SOB RBDe 566 im Farbschema nach der Fusion