mini|hochkant=1.2|Dorfkirche Altgolßen Die evangelische Dorfkirche Altgolßen ist eine Feldsteinkirche aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts in Altgolßen, einem Gemeindeteil der Stadt Golßen im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Niederlausitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das Bauwerk steht auf einem ehemaligen slawischen Burgwall; auf dem umgebenden Kirchfriedhof befinden sich mehrere bedeutende Grabmäler aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Lage Die Dorfstraße führt von Westen kommend in nordöstlicher Richtung durch den Ort. Im südöstlichen Bereich der Gemarkung zweigt eine Stichstraße (ebenfalls als Dorfstraße) in östlicher Richtung ab. Die Kirche liegt am Ende dieser Straße auf einem Grundstück, das mit einer Mauer aus unbehauenen und nicht lagig geschichteten Feldsteinen eingefriedet ist.

Geschichte Der Sakralbau wurde Anfang des 14. Jahrhunderts auf den Überresten eines slawischen Burgwalls außermittig auf einer vertieften Plateauscheibe errichtet. Mathias Koch bezeichnet in seiner Ausarbeitung Restaurierung von fünfzehn Sandsteingrabmalen auf dem Kirchhof Altgolßen die Wahl des Standortes als „mutig“ oder „sogar als fahrlässig“: Nachdem die organischen Wallbestandteile verfaulten, gab der Untergrund nach. Im Laufe der Jahrhunderte war es daher notwendig, an der Westseite der Kirche drei mächtige Strebepfeiler zu installieren, um den Bau zu stabilisieren. Im 18. Jahrhundert errichteten Handwerker einige Meter weiter westlich einen freistehenden Glockenturm. Dieser wurde in den 1980er Jahren restauriert.

Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine Patronatsloge. In den Jahren 1899 bis 1902 vergrößerte die Kirchengemeinde die Fenster in neobarocken Formen und ließ zu dieser Zeit eine Vorhalle anbauen.

Baubeschreibung Bei der Errichtung des ursprünglichen Baukörpers kam im Wesentlichen unbehauener Feldstein zum Einsatz. Dieser wurde nur in wenigen Bereichen lagig geschichtet. Der Chor ist nicht eingezogen und an seiner Ostwand gerade ausgeführt. Dort sind drei Fenster: Das Mittlere ist hochgesetzt und rundbogenförmig und könnte in seiner Ausführung aus der Bauzeit stammen. Die beiden seitlich angeordneten Fenster sind deutlich vergrößert und mit verputzten Gewänden versehen. An den Rändern sind Ausbesserungsarbeiten mit Gesteinssplittern und rötlichem Mauerstein erkennbar. Im nördlichen Bereich der Chorostwand ist eine zugesetzte, große Rundbogenpforte erkennbar. Die Gewände wurden dabei mit rötlichem Mauerstein erstellt und die Öffnung mit Gesteinssplittern und Feldsteinen verschlossen. Der Ostgiebel ist massiv und hat keine Öffnung.

Daran schließt sich das Kirchenschiff mit einem rechteckigen Grundriss an. An der Nordseite sind vier große Rundbogenfenster, deren Gewände aus unbehauenen Feldsteinen errichtet wurden. An der Südseite ist nach Osten hin zunächst eine schmale Rundbogenpforte. Es folgt eine anderthalbgeschossige Patronatsloge, die aus verputztem Mauerstein errichtet wurde. Ihre Ostwand ist geschlossen; der Zugang erfolgt über ein gedrückt-segmentbogenförmiges, rechtsausmittiges Portal von Süden her. Darüber ist mittig ein gedrückt-segmentbogenförmiges Fenster, das in eine spitzbogenförmige Blende eingelassen ist. Deren Form wird durch einen gemauerten Spitzbogen nochmals betont. Darüber ist im Giebel eine schmale und hochrechteckige Öffnung. An den Anbau schließt sich nach Westen hin eine gemauerte Vorhalle an. Die kann durch eine spitzbogenförmige Öffnung betreten werden. Der westliche Bereich wurde dabei aus Feldsteinen und Gesteinssplittern errichtet. Den Abschluss an der Langhauswand macht ein kleines Spitzbogenfenster, das aus der Bauzeit stammen könnte.

Die Westseite des Kirchenschiffs wird von mehreren Strebepfeilern dominiert. An der nördlichen und südlichen Seite ist je ein massiver Pfeiler, der durch einen breiteren, zweifach getreppten Pfeiler ergänzt wird, der bis in den geschlossenen Giebel reicht. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg vermutet, dass die Kirche bereits zur Bauzeit ein statisches Problem aufwies: Durch ihre Lage auf dem aufgeschütteten Burgwall ist es denkbar, dass sich der Untergrund nach und nach absenkte. Die Stützpfeiler wurden aber nicht im Mauerwerk verankert; in den Zwischenräumen bildete sich im Laufe der Jahrzehnte eine Fuge, in die Wasser eindrang.Die Dorfkirche von Altgolßen (Dahme-Spreewald), Webseite des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., abgerufen am 1. Juli 2018.

Einige Meter weiter westlich vom Bauwerk entfernt steht der rechteckige Kirchturm auf dem westlichen Wallkronenabschnitt. Er ist verbrettert und kann von einer Pforte von Osten aus betreten werden. Im ansonsten fensterlosen Baukörper befinden sich im Glockengeschoss an der West- und Ostseite zwei große, an der Nord- und Südseite zwei kleinere Klangarkaden. Der Turm schließt mit einem Pyramidendach ab.

Ausstattung mini|Blick ins Kirchenschiff Die Kirchenausstattung ist vom Umbau in den Jahren 1899 bis 1901 geprägt und wurde um 1965 restauriert. Der Kanzelaltar wird im Dehio-Handbuch als „schlicht“ beschrieben und entstand im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Er trägt einen gerundeten Kanzelkorb auf vier toskanischen Säulen. An der Nordwand brachte die Kirchengemeinde ein unterlebensgroßes Kruzifix an, das ein unbekannter Künstler im 17. Jahrhundert schuf. Auf einer Empore im Westen des Bauwerks steht eine neogotische Orgel.

Im östlichen Innenraum der Vorhalle steht ein barockes Epitaph, das an die 1725 verstorbene Margaretha Ehrentruth von Langen erinnert. An der westlichen Außenseite der Vorhalle erinnert ein weiteres Epitaph an die 1725 verstorbene Eleonora Sophie von Stutterheim. Westlich davon steht an der südlichen Langhauswand der Grabstein der 1743 verstorbenen Hyppolite Sophie von Lietzau.

An der Einfahrt zur Kirche steht ein Denkmal für die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg.

Friedhof mini|Friedhof mini|Grabmal von Johanna Carolina Christina Schneider Der slawische Ringwall diente seit der Errichtung der Kirche als Friedhof. Im nordöstlichen Teil sowie auf der Südseite der Kirche stehen insgesamt 15 historische Grabdenkmäler aus Sandstein. Dort liegen Angehörige der Patronatsfamilien des Rittergutes Altgolßen aus den Jahren 1725 bis 1803 begraben. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bezeichnet diese Anordnung als „ein für das südliche Brandenburg(s) nahezu einmaliges Ensemble“. Der Förderkreis lobt es als ein „beeindruckendes Zeugnis der Grabmalkunst zwischen Barock, Rokoko und Klassizismus“. Von den acht älteren Grabplatten sind drei an den Kirchenwänden aufgestellt; fünf auf der Wallkrone abgelegt. Auffällig sind jedoch insbesondere die sieben jüngeren, vollplastisch gestalteten Grabsteine. Dabei handelt es sich um zwei plastisch-figürliche Stelen, drei Schausarkophage sowie zwei Stelen mit einem Urnenaufsatz. Sie wurden 1985 und damit sechs Jahre später als die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. In den folgenden zwei Jahrzehnten verfielen die Grabmäler jedoch zusehends. Einige Platten waren zerschlagen, Stelen umgestürzt oder gar von der Vegetation überwachsen. 2002 weckte der Friedhof jedoch das Interesse von zwei Landschaftsarchitektinnen der TU Berlin. Sie entwickelten im Rahmen einer Abschlussarbeit in den Jahren 2002 und 2003 in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) ein Sanierungskonzept. Es überzeugte den Gemeindekirchenrat Altgolßen, neben der dringend erforderlichen Sanierung des Turms die Sandsteingrabmale zu bergen. Allerdings wurde just zu dieser Zeit ein Förderprogramm eingestellt, so dass zunächst die erforderlichen Mittel fehlten. Einige Mitglieder des Gemeindekirchenrates konnten dennoch erreichen, dass der Landkreis Dahme-Spreewald die Fördermittel für eine Sanierung, wenn auch im geringeren Umfang, bereitstellte. Damit entschied sich der Gemeindekirchenrat dafür, die Eigenmittel nicht in die ebenfalls dringend notwendige Reparatur des Kirchturms, sondern in die Sanierung der Grabmäler zu investieren. Unter der Leitung eines Restaurators begannen 2005 erste Arbeiten auf dem Gelände. Experten stellten dabei fest, dass bis auf einen Urnenaufsatz alle Einzelteile noch vorhanden waren., Pressemeldung vom 9. Mai 2009 auf der Webseite des Landkreises Dahme-Spreewald, abgerufen am 1. Juli 2018. Die Oberflächen wurden gereinigt; Salzablagerungen verringert. Auf eine umfassende Wiederherstellung verlorengegangener Details verzichteten die Experten. 2006 erfolgte die Wiederaufstellung der Grabmale.

Sandsteinplatte Margaretha Ehrentruth von Langenn mini|Epitaph für von Langenn Das Epitaph der 1725 verstorbenen Dame steht an der westlichen Innenwand der Kirchenvorhalle. Dort steht ein Hochrelief mit einem zentral angeordneten Schriftfeld, das mit Akanthus verziert ist. Oberhalb ist eine Lebenskrone, die von zwei Putten mit einem Familienwappen getragen wird. Unterhalb des Schriftfeldes hält ein Junge mit einem Wappen den Leichentext. Es gibt Vermutungen, dass es sich bei dem Epitaph um eine Nachbildung des Golßener Steinmetzes Peter Landes handelt. Koch geht jedoch auf Grund der feinen Details von einem Original aus.

Sandsteinplatte Eleonora Sophia von Stutterheim

Der Grabstein der 1730 verstorbenen von Stutterheim (geborene Lietzau) befindet sich an der westlichen Außenwand der Vorhalle. Er ähnelt dem Epitaph derer von Langenn, jedoch ist es dieses Mal ein geflügelter Engel, der einen Zettel mit dem Leichentext hält. Die Ellipse ist wellenförmig und ebenfalls mit Akanthus verziert. Der untere Bereich konnte nicht mehr entziffert werden. Es ist denkbar, dass er mit allegorischen Darstellungen verziert war.

Sandsteinplatte Hippolyta Sophie von Lietzau

Dieser Grabstein befindet sich an der südlichen Außenwand des Langhauses. Die geborene von Stutterheim verstarb im Jahr 1743; die Platte ist ähnlich den beiden vorangegangenen. Das Schriftfeld ist in einem deutlich kleineren Oval eingefasst, der Leichentext dafür ausführlicher und in einer zweiten Kartusche aufgeführt. Im oberen Bereich ist das große Allianzwappen zu sehen, daneben zwei geflügelte Putten mit Lebenskrone. Der Akanthus ist deutlich dezenter dargestellt, die Details nicht mehr streng symmetrisch angeordnet. Dafür erscheinen erstmals kleine Muschelmotive auf dem Grabstein.

Sandsteinplatte Otto Friedrich von Lietzau

Die Inschrift auf dem Grabstein war zwar verwittert, konnte aber durch eine Recherche in einem Nachschlagewerk der Houwalds herausgefunden werden. Otto Friedrich starb im Jahr 1743 nur wenige Monate nach seiner Mutter Hippolyte Sophie. Koch beschreibt eher „subtile“ Unterschiede wie das „etwas robuster wirkende Blattwerk“, weist aber auch auf das Ohrmuschelwerk aus dem 18. Jahrhundert hin.

Sandsteinplatte unbekannt 1 von Lietzau

Diese Platte befindet sich auf der östlichen Wallkrone und ist dort als zweite von Süden her abgelegt. Die Inschrift ist derart verwittert, dass bislang nur bekannt ist, dass es sich um einen derer von Lietzau handelt. Da weder das Sterbejahr, noch der Vorname entziffert werden konnte, gab es bislang keine Hinweise, um welche Person es sich handelt. Auch dieses Epitaph besitzt ein Textfeld mit zwei Putten und Lebenskrone. Ein Allianzwappen fehlt, dafür wurden zwei Wappenschilde in den beiden unteren Ecken platziert. Trotz weniger Rocailleformen weist Koch das Werk auf Grund seines Gesamteindrucks eindeutig dem Rokoko zu. Er weist auch darauf hin, dass die Platte auf Grund ihrer Ausfertigung ursprünglich in der Kirche aufgestellt gewesen sein muss. Liegend sammelt sich Regenwasser in ihr, das zu einer potenziellen Beschädigung der Platte führen kann.

Sandsteinplatte Beate Tugendreich von Lietzau