Bruno Wolff (* 26. März 1870 in Berlin; † 10. November 1918 in Rostock) war ein deutscher Gynäkologe und Pathologe. Als Kriegsteilnehmer und jüdischer Monarchist starb er am Tag nach der Ausrufung der deutschen Republik.
Leben Am Friedrichswerderschen Gymnasium bestand Bruno Wolff 1889 das Abitur. Anschließend studierte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Medizin. Er bestand 1894 in Berlin das medizinische Staatsexamen und wurde dort zum Dr. med. promoviert.Dissertation: Über den Markschwamm der Netzhaut. Nach der Approbation war er Assistent am pathologisch-anatomischen Institut von Frankfurt am Main.
Gynäkologie in Berlin Nach zwei Jahren als Volontärassistent an der Charité und in Leipzig durchlief er ab 1897 bei Adolf Gusserow an der Charité die Fachausbildung in Gynäkologie. Trotz mangelhafter Ausbildung und versagter Habilitation dort geblieben zu sein, hielt er im Rückblick für einen Fehler aus eigener Schwäche. In Berlin und Charlottenburg war er von 1902 bis 1911 Spezialarzt für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten. Er leitete die gynäkologische Poliklinik der jüdischen Gemeinde und wurde 1910 zum dirigierenden Arzt der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung vom Krankenhaus der jüdischen Gemeinde gewählt.
Pathologie in Rostock Wohl durch Ernst Schwalbe vermittelt, wagte er 1911 – mit immerhin 41 Jahren – einen Fachwechsel und Neuanfang. In der Rostocker Pathologie war er zunächst Hilfsassistent und ab 1912 Assistent. 1913 habilitierte er sich für Pathologie.Habilitationsschrift: Über fetale Hormone. Nach zwei Jahren als Privatdozent wurde er am 28. Februar 1915 zum Professor ernannt. Er starb infolge einer Sepsis, die er sich wegen eines defekten Gummihandschuhs bei einer Obduktion zugezogen hatte. Sein Chef Schwalbe schrieb einen Nachruf, der 50 Publikationen Wolffs aufführt.Schwabes Nachruf auf Wolff Seine postum erschienene Arbeit über die biologische Bedeutung der Schwangerschaft ist eine Referenz an Die Metamorphose der Pflanzen von Goethe.
Familie Wolffs Vater war Julius Wolff, ein Pionier der orthopädischen Chirurgie. Seine Mutter Anna geb. Weigert war eine Schwester des Pathologen Carl Weigert und eine Cousine des Bakteriologen Paul Ehrlich.Katherina Pinner Wolff (2015)
Verheiratet war Bruno Wolff mit Katherina Pinner Wolff, einer Tochter des Chemikers Adolf Pinner. Am 3. Juni 1877 in Berlin zur Welt gekommen, überlebte sie ihren Mann um 42 Jahre. Sie starb am 16. Juni 1960 in Freiburg. Aus der Ehe ging der Rechtshistoriker Hans Julius Wolff hervor.
Deutsch sein Wolff verehrte Wilhelm II. In sechs Tagebüchern schildert er seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg. Nachträglich stellte er 1917 den Prolog voran:Die 6 Kriegstagebücher von Prof. Dr. Bruno Wolff (Jüdisches Museum Frankfurt)
Werke Die biologische Bedeutung der Schwangerschaft in der Phylogenese und ihre entwicklungsmechanische Bedeutung in der Ontogenese. Anatomische Hefte. 171/173 Heft, S. 356–401. Digitalisat
Literatur Ernst Schwalbe: Prof. Dr. Bruno Wolff †, in: Zentralblatt für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie 30 (1919/20), S. 57–60 (mit Schriftenverzeichnis, Digitalisat) Gustav Willgeroth: Die mecklenburgischen Aerzte von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Schwerin: Verlag der Landesgeschäftsstelle des Mecklenburgischen Ärzteverbunds 1929 (Digitalisat), S. 312.
Weblinks
Nachlass von Bruno Wolffs Sohn Hans Julius Wolff (1902–1983) mit zahlreichen Quellen zur Familiengeschichte.
Namensgleicher Kollege Von 1874 bis 1941 lebte der ebenfalls aus Berlin stammende Frauenarzt Bruno Wolff.Wir waren Nachbarn
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Pathologe Kategorie:Hochschullehrer (Universität Rostock) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1918 Kategorie:Mann Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Person des Judentums (Berlin) Kategorie:Absolvent der Humboldt-Universität zu Berlin