Michael Hofstetter (* 10. Februar 1961 in Stuttgart) ist ein deutscher Künstler, Kunsttheoretiker, Grafiker, Dozent und Kurator.

Werdegang Michael Hofstetter wuchs in Langenargen am Bodensee auf. 1983–1985 studierte er in Tübingen Grundlehre bildnerisches Gestalten bei Martin Schmid am Zeicheninstitut der Eberhard Karls Universität sowie Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte (u. a. bei Dieter Jähnig und Paul Hoffmann). 1985–1990 folgte das Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München (u. a. bei Gerd Winner (Meisterschüler), Franz Erhard Walther, Bernhard Johannes Blume, Raimund Kummer), 1991–1992 an der School of Visual Arts New York (u. a. bei Sandy Skoglund, Dennis Adams, Timothy Druckrey). 1992–1995 war er Lehrbeauftragter (Technologie als Ideologie – Über das Verhältnis von Medium und Bild), dann 2009–2015 künstlerischer Mitarbeiter am Münchener Lehrstuhl für Fotografie (Dieter Rehm). 2017/2018 lehrte er im Rahmen einer Vertretungsprofessur Bildhauerei (Nachfolge Gregor Schneider) an der Akademie der Bildenden Künste München.

Werk „Die Fotografie war eine Erfindung der katholischen Kirche“, behauptet Hofstetters frühe, mit dem Förderpreis des 1. Deutschen Photopreises ausgezeichnete gleichnamige Installation von 1988 (sie zeigt u. a. Camera-obscura-Aufnahmen der beiden Reliquienschreine in der Langenargener Barockkirche St. Martin). Das Fotografische ist in Hofstetters Werk zentral – aber nicht als bildästhetisches Verfahren, sondern in existentiellem Sinn, leben wir doch in einer Welt, „die sich selbst – wie Kracauer feststellte – ein Fotografiergesicht zugelegt hat und zwischen Realität und Fiktion […] keinen Unterschied mehr macht“, so Hubertus Gaßner und Bernhart Schwenk. Hofstetter arbeitet an dieser Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion: „Die Großbildkamera bildet in ihrer technischen Beschaffenheit ein apparatives Modell der […] Verschränkung von Rezeption und Referenz, auf der Schwelle zwischen Produktion/Rezeption, Repräsentation/Verführung, Privatheit/Öffentlichkeit, Erinnern/Vergessen, Potentialität/Sackgasse, Entstehen/Vergehen.“ Dabei greift er „auf konzeptuelle Verfahren zurück, die die Selbstverortung des Beobachters in einer Installation problematisieren“, und untersucht den Kopf als Kamera (so der Titel einer Vortragsreihe im Rahmen der Offenen Akademie an der Münchner Volkshochschule 2003) auch als Theoretiker.

Der black box der Kamera steht der white cube des Ausstellungsraums gegenüber. Hofstetters Auseinandersetzung mit dem Betriebssystem Kunst ist eine „von innen geführte und deshalb vielleicht um so subversivere“, die „den Kunstbetrieb zum Kunstwerk“ erklärt, „indem sie formale, soziale und ideologische Aspekte seiner Funktionsmechanismen“ offenlegt. Eine „kontextbezogene und kontextreflexive Kunst im Kontext“, die der Dialektik von aufgeklärter Moderne und Barbarei nicht ausweicht: „Mit Eintritt in die Moderne, mit dem Zeitalter der Aufklärung, richtete sich der Mensch immer mehr in dieser Welt ein. Dieses Einrichten ging einher mit dem Ausblenden von Welt. Der Begriff des ‚white cube‘, des neutralisierten Ausstellungsraumes, in dem sich ALLES ausstellen läßt, ist vergleichbar mit der Wohnung des 20. Jahrhunderts in der westlichen Hälfte dieser Erde. Dem gereinigten Innenraum, dem Daheim, entspricht der gereinigte Innenraum Museum. Als ‚reiner Raum‘ tritt er in ein dialektisches Verhältnis zum Schmutz des Draußen. Auf diese Weise erstellt und sanktioniert er die Barbarei des Außen.“

Eingedenk dessen ist es Aufgabe der Kunst, „der Welt wieder eine Zukunft [zu] weisen“.Michael Hofstetter im Interview mit Ella Tiemann. In: cult: Kulturzeitung der Theaterakademie August Everding Nr. 56, Februar/März 2018, S. 14–15 Denn, wie die Philosophin Karin Hutflötz in ihrer Reflexion zu Hofstetters Neoninstallation upcycling von 2013 ausführt: „Die Wirklichkeit der Kunstwerke ist […] nicht ihr Marktpreis, sondern ihre Kraft als Möglichkeit, die Dinge im gesetzten Kontext zu verrücken und damit ihre Nicht-Identifizierbarkeit und Deutungsfülle je neu in den Blick zu rücken.“

Einzelausstellungen 2021: trans – ein malerischer Dialog (mit Stephan Conrady), Galerie Alte Brennerei Kunstverein Ebersberg e. V. 2020: gefühle, abgründe, zufälle, unglücke, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg 2018: Malerei, Neue Galerie Landshut (reaktives Environment mit Stephan Conrady)Programm 2018 der neuen Galerie Landshut, abgerufen am 11. August 2018 2012: Loser On The Secondary Market, Galerie Royal, MünchenLoser On The Secondary Market, Galerie Royal, München, abgerufen am 11. August 2018 2012: verspielen, Kunstpavillon, München (reaktives Environment mit Kay Winkler)verspielen, Kunstpavillon München, abgerufen am 11. August 2018 2009: Bicepteur, Galerie Ruzicska///Weiss, Düsseldorf (reaktives Environment mit Niklas Nitschke) 2009: jetzt bereiten, STATION FOE 156, München 2008: war nicht so gemeint, Maxim Kino 9. Mai 2008, München (Screening) 2007: Designfalle (UMUMUM), Kunst im Aquamarin (kuratiert von Andreas Stetka), München (reaktives Environment mit Jo Melf) 2005: woran arbeiten sie gerade?, Galerie Ruzicska///Weiss, Düsseldorf 2005: booster (edited version), Nusser & Baumgart Contemporary, München 2004: Spring, Galerie Ruwitt///Weiss, Düsseldorf 2002: Mobbing & Mode, Projektraum Mathias Kampl, Berlin 2002: sowohl als auch, Galerie Nusser & Baumgart, München 2001: Mobbing & Mode, Galerie Mathias Kampl, München 2000: Was soll ich tun?, Raum Schessl, München 1998: Kino Kino, Galerie Otto Schweins, Köln 1998: Abstellkammer ausgeräumt (viele welten, viele ichs, viele götter), Kunststiftung Stuttgart (reaktives Environment mit Olaf Probst) 1997: Die Schwelle, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1995: an – Stelle – von, Galerie Otto Schweins, Köln 1995: Hamletmaschine, Multimedia-Installation, Podewiltheater, Berlin 1994: vom hörensagen, Kunst-Bureau Freilassing 1993: Das Versprechen, Otto Schweins Galerie, Köln 1993: über-setzen, Galerie Binder & Rid, München 1990: ORAM LITTORIS PRIMI LEGO, Büro Orange, Siemens, MünchenORAM LITTORIS PRIMI LEGO, Büro Orange, Siemens, München, abgerufen am 11. August 2018 1990: Spiegelung, Akademiegalerie München

Gruppenausstellungen 2021: Eisenhüttenstadt – Zwischen Modell und Museum II, Symposion 2021, kuratiert von Niklas Nitzschke und Armin Hartenstein, Eisenhüttenstadt / Kunstverein im Kloster Neuzelle 2020: Amish Quilts meet Modern Art, Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) 2019: Utopie Passion. Eine temporäre Installation auf dem Stiftsplatz des Klosters Neuzelle mit Projekten von Alexandra Hopf, Tamara KE, Armin Hartenstein und Michael Hofstetter, Ausstellungsarchitektur und Kuration Niklas Nitschke, Kunstverein Kloster Neuzelle 2018: Klaus von Gaffron gegen den Rest der Welt, KUNST BLOCK BALVE, München 2015: Rhythm Section, IV Odessa Biennale of Contemporary Art, Museum of Odessa Modern Art, Odessa, UkraineRhythm Section, IV Odessa Biennale of Contemporary Art, Museum of Odessa Modern Art, Odessa, abgerufen am 11. August 2018. 2015: Rhythm & Method, Galerie der Künstler, München 2015: [kunst|stoff], Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)Pressemappe, Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg, abgerufen am 11. August 2018. 2014: Rhythm Section, Center of Contemporary Art, Tiflis, Georgien 2014/2015: Daily Memories, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg (Installation upcycling) 2014: Beyond Beyond the Brillo Box. 50 Jahre Ende Kunst, Galerie Royal, München 2013: 0:1, Koktebel, Ukraine 2013: Heribert Heindl – Michael Hofstetter – Valio Tchenkov, KunstHausQuelle, Wackersberg (Installation upcycling) 2013: Vanity Flair, Haus der Kunst München (Installation upcycling) 2011: Form und Fassung, Galerie Zanderkasten, Dresden 2011: Kunstherberge Birkenau, München (Installation Sehnsuchtslampe) 2010: 5 x 3 2010, Kunstraum Düsseldorf 2009: Zeichnung heute, Galerie Royal, München 2008: SHIFT, Galerie Ruzicska///Weiss, Düsseldorf 2008: Vom Gehen in viele Richtungen, KIT – Kunst im Tunnel, Kunsthalle Düsseldorf (kuratiert von Gabriele Orsech und Bernd Ruzicska) 2008: GOLD, Nusser & Baumgart Contemporary, München 2008: 2858, Galerie der Künstler, München 2007: Odds and Ends, Galerie Ruzicska///Weiss, Düsseldorf 2007: auch und nicht nur das ……, Artothek, München 2006: Castellón Painting Prize 2006, Museo de Bellas Artes, Castellón, Spanien 2006: SNAFU. Medien, Mythen, Mind Control, Hamburger Kunsthalle 2006: „À Rebours“ – Escapism and the Terror of the Sublime, Projektraum General Public, Berlin (zusammengestellt von Michael Schultze) 2003: telling a work of art, Public Art Gallery, Dunedin, Neuseeland (kuratiert von Karin Sander) 2003: Situationen, Galerie der Künstler, München 2002: Reconstructions, Biennial of Centinje IV, Montenegro 2002: ZIPP, Kasseler Kunstverein (THE WAR® mit Rudolf Herz) 2002: Rethinking: Space, Time & Architecture, Projektraum Kampl, Berlin (inverted paradise mit Ulrich Königs) 2002: QUIVID I – im öffentlichen Auftrag, Halle Technisches Rathaus, München 2001: UNUSUAL PORTRAITS, Galerie Mathias Kampl, München 2001: mentalscape [eine Bibliothek], FOE 156, München (kuratiert von Christopher Kramatschek) 2001: unterwegs, Akademie der Schönen Künste, München 2001: cool cuts [movie passion], space KITCHEN, Seoul, Korea 2000: Offene Räume, Leere, Limit, Landschaft, Kulturregion Stuttgart 1999: The Xmas Projekt, Kent Gallery, New York 1998: 18. Wanderausstellung der Kunststiftung Baden-Württemberg (Stipendiaten 1996) 1997: „Irgendetwas folgt immer auf etwas anderes“, Galerie Szuper, Kunstpark Forum im Kunstpark Ost, München 1997: Mediale Welten, Galerie Stadt Sindelfingen 1997: URBAN CAMERA, Dominikanerkloster St. Albertus Magnus, BraunschweigURBAN CAMERA, Dominikanerkloster St. Albertus Magnus, abgerufen am 11. August 2018 1996: Lichtbilder – Leuchtkästen, Galerie Wittenbrink, München 1996: Radikale Bilder. 2. Österreichische Triennale zur Fotografie 1996, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz 1996: 1,2,3,4, Galerie Binder, München 1995: Trick or Treat!, Otto Schweins zu Gast bei Galerie Wiensowski + Harbord, Berlin 1995: Palast der Künste, Kölnischer Kunstverein 1995: Bayerische Staatsförderpreisträger 1994, interimsgalerie 2, Galerie der Künstler, München 1994: URBAN CAMERA, Neuer Kunstverein Aschaffenburg 1994: Scharf im Schauen, Haus der Kunst, München 1993: URBAN CAMERA, Kunstverein Augsburg 1992: MODELL, Ritterwerke Pasing, München 1992: 2. Internationale Litfass-Kunst-Biennale, München 1991: Szenarien der Wirklichkeit, Galerie der Künstler, München 1991: Im Lärm der Stadt, Sprengel Museum, Hannover 1990: Branchen, Akademie der Bildenden Künste München 1989: 5 Jahre Fotomuseum Braunschweig, Braunschweig 1989: 1. Deutscher Photopreis ’89, Stuttgart 1988: Irritation, Lothringer Straße 13, München

Ausstellungskuratierung

2021: Nena Čermák, EUDAIMONIA COSMILUS, Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke, München 2016: Notel Prinzregent, Hotel Prinzregent, München; Kokuratoren: Jonathan Drews, Kim Nobel, Janina Totzauer 2012: eyeeye, Lothringerstraße 13, München; Kokurator: Robert Voith 2011: Sieben Sterne für Bad Reichenhall, ortspezifische Interventionen in Bad Reichenhall der Klasse Prof. Rehm 2005: Wir arbeiten immer noch daran, nicht mehr zu arbeiten, Galerie der Künstler, München; Kokuratoren: Olaf Probst, Stefan Schessl 2003: Fishing in the Pool, Raum Bus/Bachhofer, München; Kokurator: Joss Bachhofer 2001: Mach Dir Dein Geppo, Galerie Mathias Kampl, München 2000: ne travaillez jamais, Internationale Künstler in Münchener Ateliers; Kokuratoren: Olaf Probst, Stefan Schessl, Michael Schultze 1995: Der zweite Blick, Haus der Kunst München; Kokurator: Dieter Rehm 1994: Anvisiert, Deutsches Museum, Flugwerft Schleißheim; Kokurator: Dieter Rehm

Texte