Der Verein für Landschaftspflege, Artenschutz & Biodiversität e.V. (VLAB) (bis 2021 Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V.) hat rund 8.000 Mitglieder.Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 19. Die Mitgliederzahl „9.000“ ist auch belegt bei: Thomas Pfeuffer: Ein Kampf gegen Windmühlen? In: Main-Post, 30. September 2017, S. 28. Der Verband wurde von Gegnern der Energiewende gegründet. Ein Hauptziel ist, das Aufstellen von Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen auf Freiflächen zu verhindern.
Finanziert wird der ehrenamtlich geleitete VLAB durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Seit 2015 ist Johannes Bradtka Vorsitzender. Der Verband ist bayernweit und in einigen Kreisgruppen sowie seit 2018 bundesweit in einigen Landesverbänden organisiert.VLAB: § 10b der Satzung: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Satzung-Stand-13.-Oktober-2018.pdf 2019 erhielt der VLAB vom Umweltbundesamt die bundesweite Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzvereinigung.
Geschichte Der VLAB ging hervor aus einem lokalen Verein mit dem Namen Unser Hessenreuther Wald e. V., der zu einem Verein mit dem Namen Unser Hessenreuther Wald – Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V. wurde.Kleine Anfrage beim Bayerischen Landtag Das Waldgebiet liegt an der Grenze zwischen den oberpfälzischen Landkreisen Neustadt a.d.Waldnaab und Tirschenreuth. Vorsitzender des Vereins war Johannes Bradtka (Forstbeamter, Aktivist und ehemaliges Mitglied des Bundes Naturschutz in Bayern). Ziel war es, den Bau einer Autoteststrecke durch den Wald und WindkraftanlagenWebseite des damaligen Vereins zu verhindern. Nach dem Projekt zum Hessenreuther Wald lag der Schwerpunkt der Vereinsarbeit auf den vom VLAB behaupteten „Gefahren der Energiewende für Landschaft und Biodiversität.“Neuer Umweltverband will Bund Naturschutz Konkurrenz machen. In: Augsburger Allgemeine, 2. August 2015.
Aus den Vorläuferorganisationen entstand der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V. (VLAB) 2015 gemeinsam mit weiteren Energiewendegegnern.
Die Gründungsmitglieder gaben an, dass die traditionellen und großen Umweltschutzverbände die ursprünglichen Ziele des Natur-, Landschafts- und Artenschutzes zugunsten der Energiewende und des Klimaschutzes hintangestellt hätten. Als Stichwortgeber fungierte Enoch zu Guttenberg für den VLAB. Er hatte 1975 den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mitbegründet und war 2012 wegen oben genannten Eindruckes wieder ausgetreten. Die Entwicklungen, die zur Gründung des VLAB führten, gingen somit nicht ohne persönliche Konflikte vonstatten. Enoch zu Guttenberg stellte fest, dass „frühere Mitstreiter“ aus dem Bereich des Naturschutzes inzwischen zu „erbitterten Gegnern“ geworden seien.Enoch zu Guttenberg: Stählerne Monster. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. München 2016, S. 27. Von der Vereinsgründung bis zu seinem Tod 2018 war zu Guttenberg einer der beiden Ehrenpräsidenten des VLAB. Der andere ist Hubert Weinzierl, der von 1983 bis 1998 als Vorsitzender des BUND gewirkt hatte. Als Nachfolger zu Guttenbergs wurde im Oktober 2018 der Biologe Josef H. Reichholf zum neuen Ehrenpräsidenten des VLAB ernannt.VLAB: Pressemitteilung vom 14. Oktober 2018: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Pressemeldung-VLAB-w%C3%A4hlt-Josef-H.-Reichholf-zum-Ehrenpr%C3%A4sidenten.pdf
Der VLAB ist Mitglied der Bundesinitiative Vernunftkraft e. V.,, vernunftkraft.de hinter der nach Aussage des Landesgeschäftsführers des BUND Brandenburg, Axel Kruschat, oft eine unverhohlene Leugnung des menschengemachten Klimawandels steht. Auch die Grüne Liga Brandenburg ordnet Vernunftkraft und VLAB als Organisationen von Klimawandelleugnern ein.Susanne Götze: Rechte Verbindungen in der Umweltbewegung: Naturschützer streiten über Tesla-Werk. In: spiegel.de, 18. Februar 2020.
Mit der Satzungsänderung vom 13. Oktober 2018 eröffnete der VLAB sein deutschlandweites Engagement, ohne den Namenszusatz „Bayern“ zu ändern.VLAB: § 10b der Satzung: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Satzung-Stand-13.-Oktober-2018.pdf Faktisch übernimmt der VLAB damit gleichermaßen die Aufgaben eines Landes- wie eines Dachverbands. Die Gründung eines echten Dachverbands wird erwogen. Mit der Ausweitung des Wirkungskreises geht einher, dass zum VLAB zwei Landesverbände aus anderen Bundesländern gehören: der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW)VLABW: der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Mecklenburg-Vorpommern (VLA-MV)VLA-MV: http://www.vla-mv.de/startseite.html
Im Januar 2019 erhielt der VLAB durch das Umweltbundesamt die bundesweite Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzvereinigung:Umweltbundesamt: Anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigungen, Stand 5. Februar 2019, S. 10 (PDF; 217 kB). Siehe auch Bericht des Bayerischen Rundfunks vom 25. März 2019, abgerufen am 31. Juli 2019. Diese Anerkennung ermöglicht unter anderem das Recht zur Verbandsklage. „Durch die Anerkennung kann sich der VLAB bundesweit bei Bau- und Infrastrukturprojekten einbringen, wenn er Belange von Natur- und Umweltschutz betroffen sieht. So kann der Verein vor Verwaltungsgerichten gegen Genehmigungsbescheide klagen – sonst ist dies nur direkt Beteiligten wie Anwohnern möglich.“Wolfgang Würth: Im Naturschutz erste Liga. In: O-Netz, 13. Februar 2019, abgerufen am 14. März 2019.
Anfang 2020 klagte der Verein erfolglos gegen die Rodung eines Kiefernforstes für die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg.Tesla darf für Werk in Grünheide weiter den Wald roden. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 20. Februar 2020. Abgerufen am 21. Februar 2020. Bei der öffentlichen Anhörung im Rahmen des weiteren Genehmigungsverfahrens der Fabrik wurde der VLAB im September 2020 von dem Vereinsmitglied Julia Neigel vertreten. Zuvor war er gemäß Nau.ch „vor allem durch Aktionen gegen Windkraft und als Gegner der Energiewende“ aufgefallen.Naturschützer im Streit um Tesla-Rodungsstopp weiter in Defensive. In: Nau.ch, 19. Februar 2020. Abgerufen am 21. Februar 2020.
Im November 2021 benannte sich der Verein um, um „die bundesweite Tätigkeit [der] Vereinigung aus[zu]drücken und [ihr] Engagement für die biologische Vielfalt [zu] bekräftigen“.
Ziele Hauptziele der Organisation sind laut Website „der Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft“ und der Kampf „gegen die Auswüchse der Energiewende“.Wir über uns. Internetseite des VLAB. Abgerufen am 18. Februar 2020. Gemäß Spiegel Online lehnt der VLAB „die Energiewende vehement ab, klagt gegen Windanlagen […] protestiert gegen den Bau von Stromtrassen“ und ist „aus Prinzip“ gegen den Elektroautohersteller Tesla.Rechte Verbindungen in der Umweltbewegung. Naturschützer streiten über Tesla-Werk. In: Spiegel Online, 18. Februar 2020. Abgerufen am 18. Februar 2020.
Laut eigener Auskunft klagte der Verein im Sommer 2020 gegen 16 Windkraftprojekte. Seit der Gründung 2015 bis 2020 habe der VLAB nach Recherche einer Fernsehjournalistin allein in Bayern gegen 51 Windkraftanlagen in Bayern geklagtGegen den Wind - Windkraft in der Diskussion. Film von Susanne Roser, ARD alpha, Montag, 5. Oktober 2020, 20:15 bis 21:00 Uhr. und so allein in Bayern 17 bereits genehmigte Projekte bis Juni 2021 wieder gestoppt.
Nach eigenen Angaben sieht der VLAB im derzeitigen Klimawandel ein „großes, global drängendes Problem“ und spricht sich generell für „einen nachhaltigen und ökologisch verträglichen Ausbau der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien“ aus. Gleichzeitig fordert er einen Baustopp weiterer „Windräder und großer Fotovoltaik-Freiflächenanlagen in den Kulturlandschaften und Wäldern“. Stattdessen sollen fossile Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke ergänzt durch Biogasanlagen die Energieversorgung tragen, „bis neue Formen der nachhaltigen, umweltfreundlichen Energieerzeugung entwickelt werden“.VLAB: https://www.landschaft-artenschutz.de/wp-content/uploads/Kernanliegen.pdf Die Energiewende hält die Organisation für ungeeignet „zur Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes“.
Insbesondere spricht sich der VLAB strikt gegen die Nutzung der Windenergie ausVerein aus Bayern gegen Tesla-Projekt. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, 4. Februar 2020. Abgerufen am 17. Februar 2020. und plädiert vehement für eine Beibehaltung der bayerischen 10-H-Abstandsregelung.https://www.landschaft-artenschutz.de/vlab-fuer-den-uneingeschraenkten-erhalt-der-10-h-abstandsregelung/„Bayerisches Gericht gibt Windkraftgegnern Recht“, in: Spiegel Online vom 9. Mai 2016. Anstelle vom Neubau von Windkraftanlagen will der VLAB die Laufzeit von Kernkraftwerken verlängern.Auch Vogelschützer für Windkraft und gegen Abstandsregel. In: Bayerischer Rundfunk, 30. Januar 2020. Abgerufen am 18. Februar 2020.
Ein weiteres Engagement des Verbands ist die Prüfung von Bauvorhaben hinsichtlich der Flächenversiegelung und des Natur- und Artenschutzes. So reichte der VLAB im Sommer 2019 seine Einwendungen gegen eine Ortsumfahrung im oberfränkischen Dormitz bei der zuständigen Bezirksregierung Oberfranken ein.Einwendung des VLAB gegen die Ortsumgehung Dormitz im Landkreis Forchheim, (Pressemitteilung des VLB), „Wiesentbote“ vom 17. Juni 2019 (Aufruf am 31. Juli 2019).
Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt Seit 2017 läuft ein Habichtskauz-Wiederansiedelungsprojekt des Vereins im Naturpark Steinwald, im Hessenreuther Wald und im südlichen Fichtelgebirge. Es werden gezüchtete Habichtskäuze aus Zoos und Wildparks nach einer vierwöchigen Übergangszeit in einer Voliere in der Natur freigelassen. Bis 2024 kam es zur Auswilderung von 106 gezüchteten Habichtskäuzen. 2024 gab es die ersten zwei Habichtskauz-Brutpaare. Es waren die ersten Bruten in Deutschland außerhalb des Nationalparks Bayerischer Wald und seines Umfeldes in neuerer Zeit. Vgl. Habichtskauz-Projekt++ (Aufruf am 1. August 2019), in: Main-Post vom 22. Juni 2019, Rubrik Franken, S. 10.
Kritik Die Journalistin Aline Pabst beurteilte den VLAB 2024 als Greenscamming-Organisation, also als vermeintliche Naturschutzorganisation, die ihr Engagement nur vorschieben würde, "um die Energiewende auszubremsen, während im Hintergrund Unternehmen die Fäden ziehen".Aline Pabst: Windkraft, einfach Nein? – Von Abrissbirnen und Vogelflüsterern im Saarland. In: Saarbrücker Hefte, 31. Dezember 2024. Abgerufen am 1. April 2025.
Das Magazin t3n wies darauf hin, dass Vertreter des VLAB in Interviews den menschengemachten Klimawandel bestritten haben.Tesla-Fabrik in Grünheide: Wertvoller Wald oder nutzlose Monokultur?. In: t3n, 19. Februar 2020. Abgerufen am 19. Februar 2020.
Jürgen Holl, der Geschäftsführer der Kreisgruppe Neustadt/Waldnaab des Bund Naturschutz in Bayern, und Ali Daniel Zant von der Weidener Greenpeace-Ortsgruppe sehen die Anerkennung des VLAB als Umwelt- und Naturschutzverein kritisch. Der Verein sei in erster Linie gegründet worden, um Windkraftanlagen zu verhindern:
Auch die Grüne Liga Brandenburg distanzierte sich im Februar 2020 vom VLAB und erklärte, sie hätten keine Gemeinsamkeiten mit „Verbände[n], die den menschengemachten Klimawandel leugnen oder sich für Kohle- oder Atomstrom aussprechen“.