mini|Menhir vom Champ-Dolent, etwa 9,5 m hoch (bei Dol-de-Bretagne, Ille-et-Vilaine) mini|hochkant=2|Der ursprünglich etwa 20 Meter hohe Grand Menhir bei Locmariaquer (Bretagne)

Menhir ist eine aus dem Bretonischen entlehnte BezeichnungSalomon Reinach: Terminologie des monuments mégalithiques. In: Revue archéologique. Troisième Série 22, 1893, S. 34–48, hier S. 41 (französisch; ). für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock, der auch als Hinkelstein bekannt ist. In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen Einzelstein (bretonisch maen „Stein“ und hir „lang“), der in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen aufrecht gestellt wurde.Michel Toussaint, Stéphane Pirson, Christian Frébutte, François Valotteau: Critères d’identification des menhirs dans la Préhistoire belgo-luxembourgeoise. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Jahrgang 102, Nr. 3, 2005, S. 599 (französisch). Die Bezeichnung stammt von Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne.

Terminologie Die Bezeichnung Menhir wurde durch die Publikation Origines gauloises (1796) von La Tour d’AuvergneCatherine Bertho-Lavenir: Pourquoi ces menhirs? Les métamorphoses du mythe celtique. In: Ethnologie française. nouvelle serie 28/3, Astérix. Un mythe et ses figures, S. 306. in die archäologische Fachliteratur Frankreichs und Kontinentaleuropas eingeführt. Der Name wurde schnell von dem Historiker Pierre Jean-Baptiste Legrand d’Aussy (1737–1800) weitergegeben. Nach Rowe ist das Wort auch in der kornischen Sprache gebräuchlich.Toni-Maree Rowe: Cornwall in Prehistory. Stroud, Tempus 2005, S. 155. Reinach verweist auf einen Aufsatz von Stephen Williams von 1704, der von meini-gwyr in Cornwall berichtet. Bereits Camden gebrauchte jedoch in seiner Britannia (1759) die Ausdrücke meinen-gwyr und maen-gwyr.Reinach: Terminologie des monuments mégalithiques; S. 36. Reinach spricht von einem „neo-keltischen Begriff“.De ce qui précède, il faut retenir que dolmen, comme menhir, est un terme demi-savant, dont la forme néo-celtique ne doit pas être alléguée comme un argument dans la controverse pendante sur l’ethnographie des constructeurs de dolmens. Salomon Reinach: Terminologie des monuments mégalithiques; S. 37. In der bretonischen Umgangssprache bezeichnet das Wort maen-hir jeden langen Stein, so heißen die beiden aufrecht stehenden Steine in Gourin (Morbihan) maen-hir ‚langer Stein‘ und er-maen-berr ‚kurzer Stein‘. Menhire werden im Bretonischen gewöhnlich als peulvan (wörtlich ‚Steinsäule‘) bezeichnet.

Es wurde versucht, den Namen der sächsischen Irminsul als Hir-min-sul von Menhir abzuleiten, dies ist jedoch sprachwissenschaftlich nicht haltbar. Carl Schuchhardt verwendet noch 1916 Irminsul als Synonym für Menhir.Menhir. In: Johannes Hoops (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 3: K–Ro. Verlag von Karl J. Trübner, Leipzig 1915–1916, S. 214.

„Hinkelstein“ Die im deutschen Sprachraum zu findende volkstümliche Bezeichnung Hinkelstein für einen Menhir bildete sich im Mittelalter aus. Irgendwann wurde das Wort Hünenstein („Riesenstein“) nicht mehr richtig verstanden und vermutlich über Hühnerstein mundartlich zu Hinkelstein abgewandelt (mittelhochdeutsch und teilweise heute noch in deutschen Dialekten: „Hinkel“ für Huhn).Duden-Redaktion: Hinkelstein. Abgerufen am 6. Juli 2019. Unter diesem Namen spielen Menhire auch in der deutschen Übersetzung der Comicserie Asterix eine Rolle (Obelix trägt und verkauft Hinkelsteine) und war Namensgeber eines Asterix-Filmes, wodurch die Beliebtheit der Bezeichnung anstieg.

Definition Marcel BaudoinMarcel Baudoin: De la signification des Menhirs: Rapport fait au nom de la Société Préhistorique de France. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Jahrgang 1, Nr. 4, 1904, S. 123 (französisch). definiert einen Menhir als länglichen, unbearbeiteten Einzelstein, der aufrecht gestellt wurde.meine Übersetzung, Sommerx2015; Orthostaten, also Steine, die einen Deckstein tragen, als Menhir zu bezeichnen, lehnt er als verwirrend ab. Nach Baudoin sind Menhire von Cromlechs, also Steinkreisen, und Steinreihen terminologisch zu trennen, auch wenn die Grenzen manchmal fließend sein können.Marcel Baudoin: De la signification des Menhirs. Rapport fait au nom de la Société Préhistorique de France. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Jahrgang 1, Nr. 4, 1904, S. 124. Auch die Satelliten von Ganggräbern will er nicht zu den eigentlichen Menhiren rechnen.Marcel Baudoin: De la signification des Menhirs. Rapport fait au nom de la Société Préhistorique de France. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Jahrgang 1, Nr. 4, 1904, S. 125. Im Concise Oxford dictionary of ArchaeologyTim Darvill (Hrsg.): Concise Oxford dictionary of Archaeology. Stichwort „Menhir“. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953404-3. wird der Ausdruck als umgangssprachlich bezeichnet; die Autoren ziehen den Ausdruck standing stone (‚aufrecht stehender Stein‘) vor. Michel Toussaint und seine Co-Autoren ordnen bearbeitete und unbearbeitete Steine als Menhire ein, fordern aber einen Beleg, dass sie in vorgeschichtlicher Zeit aufgerichtet wurden. Dazu zählen Steinritzungen und Fundamentierungen.Michel Toussaint, Stéphane Pirson, Christian Frébutte, François Valotteau: Critères d’identification des menhirs dans la Préhistoire belgo-luxembourgeoise. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Jahrgang 102, Nr. 3, 2005, S. 599–606.

Transport und Aufstellung mini|Menhiraufrichtung Menhire – wie auch die Steine für Steinreihen, Cromlechs oder Dolmen – wurden manchmal aus einer Entfernung von mehreren Kilometern zu ihrem Aufstellungsort transportiert. Hierbei kamen vermutlich etwa gleichdimensionierte Baumstammrollen sowie Hebelbäume zum Einsatz; in Falle von Stonehenge wird auch die Verwendung hölzerner Schlitten angedacht. Mittels größerer Äste und Stämme wurden die Megalithe aufgerichtet und in eine vorbereitete Vertiefung im Boden gesenkt; diese wurde dann mit Keilsteinen und Erdreich verfüllt und festgestampft. Ob beim Transport oder bei der Aufrichtung der Menhire bereits Seile oder Zugtiere zum Einsatz kamen, ist strittig. Erste Nachweise für Wagen und die Nutzung von Ochsen als Zugtiere stammen erst aus dem Badener Horizont (3500 bis 2800 v. Chr.),Mamoun Fansa, Stefan Burmeister (Hrsg.): Rad und Wagen: der Ursprung einer Innovation. Wagen im Vorderen Orient und Europa. Katalog-Handbuch zur Ausstellung, Oldenburg, Landesmuseum für Natur und Mensch 27.3.–11.7.2004 (= Beiheft der Archäologischen Mitteilungen aus Nordwestdeutschland. Nr. 40). Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3322-6, S. ??. während die ersten Megalithbauwerke bereits ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. errichtet wurden.

Im Unterschied dazu wird der Begriff Findling dann oft verwendet, wenn sich der Gesteinsbrocken an einer durch Gletscher-Verschub erreichten Stelle befindet.

Aussehen Die frühen Großmenhire sind meist Findlinge aus Granit, die während der Eiszeit durch Gletscher geformt und transportiert worden waren. Sie wurden teilweise von Menschenhand geglättet, absichtlich vertikal gestellt und in der Regel durch Keilsteine in der Erde verankert. Meist waren es Gesteine wie Quarzite, Granit, Gneis, Kalk- und Sandsteine, die in der Nähe des jeweiligen Aufstellungsortes vorhanden waren – so bestehen die Menhire der Bretagne meist aus Granit, im Süden Frankreichs aber auch oft aus arg verwittertem Kalkstein. Neben obeliskenartigen Steinsäulen finden sich auch gedrungene, pyramidenähnliche und stelenartige Gebilde. Die zeitliche Einordnung der kleineren, zumeist spitzen und unbearbeiteten Menhire ist weitgehend unklar.

Die meisten Menhire sind zwischen einem und drei Metern hoch. Die höchsten Exemplare außerhalb der Bretagne sind der Menhir von Rudston in Yorkshire England mit etwa 8,0 m Menhir von Bourg-Jardin in Avrillé im Vendée mit etwa 7,20 m Menhir von Punchestown im County Kildare Irland mit etwa 7,0 m.Punchestown – The Long Stone. The Megalithic Portal

Spezialformen Menhire können verziert sein, einige tragen Mondsicheln, Schlangen, Spiralen oder Gerätschaften in Symbolform. Statuenmenhire sind Steine mit anthropomorphen Darstellungen.

Menhire und Flurnamen Flurnamen dienten oder dienen vor allem dazu, Dorfbewohnern eine räumliche Orientierungshilfe zu geben. Da sie auch Besitzverhältnisse aufzeigen, ist ein Großteil der Namen in Urkunden, Archiven und Katastern dokumentiert und oft sehr alt. Ein schönes Beispiel für eine alte Flurnamenbezeichnung ist der „Lange Stein“ von Einselthum, Donnersbergkreis/Pfalz. Sie stammt aus dem Jahre 1071 und dürfte eine der ältesten urkundlich erwähnten Nennungen eines Menhirs sein. Flurnamen sind oft ein guter Indikator für vor- und frühgeschichtliche Fundstellen. Sie bilden eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion früh- und hochmittelalterlicher Besiedlungsvorgänge und sie liefern häufig den einzigen Hinweis auf ein ausgegangenes Kulturdenkmal. Namen wie „Hüner- oder Hinkelstein“, „Langer“ oder „Dicker Stein“ können die einstige Existenz dieser Steinmale bezeugen.

Zeitliche Einordnung Menhire sind oft nur schwer zu datieren, da sie nur selten mit datierbaren Funden oder Befunden vergesellschaftet sind. Für die westeuropäischen Menhire wird meist angenommen, dass sie aus der Zeit der Großsteingräber stammen, im Spätneolithikum von 3500 bis 2800 v. Chr.Sara Champion: Menhir. Grove Art Online. Oxford Art Online. Oxford University Press. Teilweise können Menhire durch eingemeißelte Darstellungen datiert werden, wie zum Beispiel der Menhir von Meerholz, auf dem eine Axt vom Typ Eschollbrücken dargestellt ist,Tim Kerig: Ein Statuenmenhir mit Darstellung einer Axt vom Eschollbrückener Typ? Zu einem enigmatischen Steindenkmal aus Gelnhausen-Meerholz (Mainz-Kinzig-Kreis). In: Prähistorische Zeitschrift, Band 85. 2010, S. 59–78. dies liefert aber nur ein spätestmögliches Datum.

In Madagaskar und in Indonesien werden Menhire auch heute aufgestellt.Gerhard Baer, Brigitta Hauser-Schäublin, Annemarie Seiler-Baldinger, Christian Kaufmann, Urs Ramseyer, Susanne Haas, Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff, Renée Boser-Sarivaxévanis, Theo Gantner: Kulturen Handwerk Kunst: Art, Artisanat et Société World Cultures, Arts and Crafts. Springer-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-0348-7716-1. S. 144. Auf Nias werden Steine anlässlich von Festen gesetzt und stehen vor den Häusern.Dominik Bonatz: Wandel einer Megalithkultur im 20. Jahrhundert (Nias/Indonesien). In: Anthropos. Nr. 96/1, 2001, S. 105–118. Nach Bonatz ist diese Tradition nicht älter als 300 Jahre.Dominik Bonatz: Wandel einer Megalithkultur im 20. Jahrhundert (Nias/Indonesien). In: Anthropos. Nr. 96/1, 2001, S. 109.

Mithilfe der neu entwickelten TCN-Datierung (Terrestrial Cosmogenic Nuklides) kann mittlerweile bestimmt werden, wie lange eine Steinoberfläche kosmischer Strahlung ausgesetzt war. Mit der Methode wird einerseits untersucht, ab wann eine Oberfläche freigelegt wurde (Nutzung der Produktion von kosmogenen Nukliden) oder ab wann eine Oberfläche verschüttet oder begraben wurde (Nutzung des Zerfalls von radioaktiven kosmogenen Nukliden). Die beprobten Objekte müssen aber irgendwann kosmischer Strahlung ausgesetzt gewesen sein. Mit der Methode können Zeiträume zwischen 100 und 5.000.000 Jahren bestimmt werden. Die Anwendung als Datierungsmethode auf archäologische Objekte wie bearbeitete Steine ist jedoch insofern problematisch, da bereits unbearbeitete Vormaterialien kosmischer Strahlung ausgesetzt gewesen sein könnten und Daten über die Entstehungsgeschichte des beprobten Objekts meist fehlen.O. Cichocky: Zur Datierung von Erdställen - Teil 2. In: Der Erdstall 44, 2018, S. 97.

Spätere Behandlung mini|Der christianisierte Menhir von Saint-Uzec mit den Arma Christi Marcel Baudoin unterscheidet zwischen aufrechtstehenden, begrabenen, zerschlagenen und zerstörten Megalithen.