mini|hochkant|Jeanine Pirro (2026)
Jeanine Ferris Pirro (* 2. Juni 1951 in Elmira, New York) ist eine amerikanische TV-Persönlichkeit, ehemalige Richterin, Staatsanwältin und republikanische Politikerin im US-Bundesstaat New York.
Sie war die erste Richterin am Gericht des Westchester County nahe New York City. Anschließend wurde sie auch als erste Frau zur Bezirksstaatsanwältin (District Attorney) des Westchester County gewählt. Sie erlangte dabei vor allem Aufsehen für ihren Einsatz gegen häusliche Gewalt und Kriminalität gegenüber älteren Menschen. 2006 wollte Pirro erst bei der Wahl zum US-Senat für die Republikanische Partei gegen die Demokratin Hillary Clinton antreten, kandidierte dann aber erfolglos als Attorney General im Bundesstaat New York. Sie bestreitet seither eine Medienkarriere als Moderatorin bei Fox News. Seit dem 2. August 2025 ist sie Bundesstaatsanwältin für den District of Columbia.
Jugend und Ausbildung Pirro wurde im Juni 1951 einziges Kind in Elmira im Chemung County geboren. Ihre Eltern Esther und Nasser Ferris sind in erster Generation in den USA geborene Libanesen. Ihre Mutter arbeitete als Kaufhausmodel und ihr Vater als Verkäufer. Pirro behauptet, dass sie bereits im Alter von sechs Jahren Juristin werden wollte.
Pirro schloss die Notre Dame High School in Elmira ab und machte zunächst ihren Bachelor in Rechtswissenschaften an der University at Buffalo und anschließend ihren J.D. an der Albany Law School der Union University. Während ihres Studiums war sie Herausgeberin von Gesetzesüberprüfungen. Pirro ist praktizierende Katholikin.
Laufbahn in der Justiz
Assistant District Attorney 1975 ernannte Carl Vergari, damals District Attorney des Westchester County, Pirro zu seiner Assistentin. Dabei schrieb sie Berufungen und Einsprüche und behandelte selbst kleinere Fälle. 1977 setzte sie sich dafür ein, dass häusliche Gewalt nun nicht mehr vor dem Familiengericht, sondern vor einem Strafgericht verhandelt wird. Sie überzeugte Vergari und im selben Jahr wurde dieses Vorhaben durch ein neues Gesetz im Staat New York geregelt. 1978 nominierte Vergari Pirro für die Leitung des Amtes für häusliche Gewalt und Kindesmisshandlung. Sie war während dieser Zeit bekannt für ihr aggressives Auftreten. Aufgrund von häufiger Nötigung der Täter gegenüber Opfern verfolgte Pirro die konsequente Politik, niemals Anklagen auf Wunsch eines Opfers fallen zu lassen.
Sie wurde vielerseits für ihre Leidenschaftlichkeit gelobt, musste jedoch seitens vieler Kollegen Kritik einstecken, da sie mit vielen üblichen Traditionen und Verhaltensnormen gebrochen habe. Ihr wurde unter anderem auch Aufmerksamkeit erregendes Verhalten vorgeworfen. Daraufhin sprach auch ihr damaliger Chef Vergari mit ihr über ihre Verletzung der üblichen Büropolitik eines District Attorney. Unter anderem gab Pirro zur damaligen Zeit offizielle Pressemitteilungen nur mit ihrem eigenen und ohne Vergaris Namen heraus. Ihr Verhältnis zu Vergari zerbrach in den späten 1980er Jahren endgültig, denn Pirro übernahm die alleinige Verantwortung für die Einrichtung des Amtes für häusliche Gewalt und Kindesmisshandlung.
Am 1. Juni 1990, nur fünf Monate vor Pirros Kandidatur als Richterin für den Westchester County Court, erlangte sie weit verbreitete Aufmerksamkeit und auch einige Kritik für die Beschleunigung einer Anklageerhebung gegen Maria Amaya, während diese auf einer Intensivstation lag. Amaya wurde wegen Mordes an ihren vier Kindern angeklagt. Sie war eine 36-Jährige Einwanderin aus El Salvador und wurde zuvor bereits in einer Psychiatrie behandelt. Sie lag nach dem Mord an ihren Kindern auf der Intensivstation, weil sie nach der Tat versuchte Suizid zu begehen. Amaya dachte, es sei rechtmäßig, ihre Kinder umzubringen, da diese durch Drogen und Sex verdorben gewesen seien.
Während ihrer kompletten Zeit als Assistant District Attorney war Vergari ihr Vorgesetzter. Er lobte sie 1999 als „intelligent und kompetent“, kritisierte sie jedoch auch als „sehr egozentrisch, in Allem, was sie tut“.
Richterin Im November 1990 wurde sie als Richterin in den Westchester County Court (Gericht) gewählt. Sie trat bei der Wahl für die Republikanische Partei sowie die Conservative Party an und setzte sich gegen den Demokraten Lawrence D. Lenihan durch. Bei ihrer Amtseinführung am 1. Januar 1991 wurde sie zu ersten Richterin am Gericht des Westchester County im Bundesstaat New York.
District Attorney Im November 1993 wurde Pirro als Nachfolgerin von Carl Vergari zum District Attorney des Westchester County gewählt, ebenfalls als erste Frau in ihrem County. Sie wurde 1997 und 2001 in ihrem Amt bestätigt und wollte 2005 nicht mehr für eine vierte Amtszeit kandidieren.
Am 31. Dezember 1993, während Pirros Mitternachtsinauguration, wurde die Erbin der E. W. Scripps Company, Anne Scripps Douglas, nach einem Streit mit ihrem Ehemann Scott Douglas von diesem mit einem brutalen Hammerschlag am Schädel erschlagen. Der Ehemann beging die Tat, während seine Frau in ihrem gemeinsamen Zuhause in Bronxville schlief. Bei Ankunft der Polizei war der Täter verschwunden, nach einigen Stunden wurde sein BMW auf der Tappan Zee Brücke gefunden. Seine Ehefrau verstarb sechs Tage darauf im Krankenhaus in Folge ihrer Schädelverletzung. Jeanine Pirro, die für ihre Passion in Fällen häuslicher Gewalt bekannt war, genoss häufige Anwesenheit in den Medien aufgrund dieser Tat, welche den Beginn ihrer Amtszeit überschattete. Erst drei Monate später wurde die Leiche des Täters im Hudson River gefunden und identifiziert. In dieser Zeit erlangte Pirro nationale Bekanntheit und wurde zu einem regelmäßigen Gast im amerikanischen Fernsehen, so z. B. während der Verhaftung von OJ Simpson für den mutmaßlichen Mord an seiner Ex-Frau. Sie trat in dieser Zeit in den Sendungen Nightline, Larry King Live und Geraldo auf.
Schon während der ersten Monate ihrer Amtszeit nahm Pirro eine kostspielige Renovierung ihres Büros vor und erweiterte das Gerichtsgebäude um eine zusätzliche Etage, mit einer neuen Kochnische und einem Medienraum für 20.000 $. Ihr persönliches Büro ließ sie mit Mahagoniholz einrichten. Pirro war die erste Frau als Vorsitzende der New Yorker District Attorney Association. Zudem wurde sie vom damaligen Gouverneur George Pataki als Chairwoman der New Yorker Kommission für Häusliche Gewalt in den Ausschuss berufen. Die Arbeit der Kommission und seine Empfehlungen führten dazu, dass die Judikative einen verbesserten Schutz für die Opfer von häuslicher Gewalt gewährleisten konnte. Während ihrer gesamten Amtszeit weigerte sich Pirro wiederholt, das Mordverfahren gegen Jeffrey Deskovic wieder aufzunehmen. 1990 wurde Deskovic – wie sich später herausstellte – zu Unrecht für den Mord an einem 15-Jährigen Mädchen verurteilt. Er verbrachte 16 Jahre im Gefängnis, bis sein Verfahren wieder aufgenommen wurde und seine Unschuld mit Hilfe eines DNA-Testes bewiesen werden konnte. Deskovic sieht Pirro als Schuldige für seine lange, unschuldig verbrachte Zeit im Gefängnis.
Politische Tätigkeit
Vize-Gouverneurs-Kandidatur 1986 Am 26. Mai 1986 gab Pirro – damals Assistant District Attorney – bekannt, als Running Mate des republikanischen Kandidaten für die Gouverneurswahl von New York 1986 – Andrew O’Rourke – anzutreten. Sie wurde von O’Rourke ausgewählt, nachdem fast ein Dutzend anderer Personen ihm abgesagt hatten. Sie war aufgrund ihres durch Heirat erworbenen italienischen Namens, ihres Daseins als Frau sowie geringer Erfahrung nicht die erste Wahl.
Viele New Yorker Republikaner zeigten sich enorm unzufrieden mit dieser Wahl. Der damalige Minority Leader des Senats von New York hielt dazu fest, dass Pirro keinerlei politische Erfahrung sowie keine landesweite Statur vorzuweisen habe. Außerdem wurde kritisiert, dass beide Kandidaten aus dem Westchester County stammen und so keine breite Masse angesprochen werde, da Republikaner im Bundesstaat New York es traditionell schon schwer haben.
Am 28. Mai 1986, nur einen Tag vor der Vorwahl des Running Mate von Andrew O’Rourke, gab Pirro beim Parteitag der Republikaner in New York bekannt, nicht mehr kandidieren zu wollen; sie begründete dies mit Geschäften ihres Mannes, der viele Geschäfte im Staat New York machte und dabei oft in Verbindung mit der Mafia gebracht wurde. Diese Gegebenheiten machten es ihr schlichtweg unmöglich, als Vizegouverneurin zu dienen. Pirro informierte die anderen Kandidaten bereits am Vorabend des 27. Mai 1986. Nur sechs Stunden nach Bekanntgabe ihres Ausstiegs wurde Pirro durch Michael Kavanagh ersetzt, den damaligen District Attorney des Ulster County.
Senatswahl und New York State Attorney Wahl 2006 Am 10. August 2005 gab Jeanine Pirro bekannt, bei der US-Senatswahl im Staat New York als Republikanerin zunächst in den Vorwahlen und anschließend gegen die amtierende demokratische Senatorin in erster Amtszeit, Hillary Clinton, anzutreten. Andere Republikaner, die bei den Vorwahlen antraten, waren John Spencer, ehemaliger Bürgermeister von Yonkers, William Brenner, ein Anwalt aus dem Sullivan County, sowie Staatsanwalt Edward Cox, Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Während ihrer Antrittsrede leistete sich Pirro einen Fauxpas, weil sie, während sie die zehnte Seite ihrer vorbereiteten Rede nicht finden konnte, eine Sprechpause von 32 Sekunden einlegen musste. Dies schadete ihrer Kampagne, noch bevor sie richtig begonnen hatte.
Während einer Rede im Crime Victims Resource Center beschrieb sich Pirro selbst folgendermaßen: „Ich bin rot (Farbe der Republikanischen Partei) im Bezug auf Steuerpolitik. Ich bin konservativ und unterstütze den Bush Tax Cut“, sie fügte hinzu: „Ich habe breite blaue Streifen (Farbe der Demokratischen Partei) im Bezug auf soziale Fragen…. Ich bin eine moderate Frau aus New York.“ Der damalige, republikanische Gouverneur unterstützte Pirro, nachdem Cox aus dem Rennen ausgeschieden war, er sah Pirro von nun an als die am besten geeignete Kandidatin. Spender für Pirros Senatskampagne waren unter anderem der Designer Tommy Hilfiger, der Milliardär und Immobilienmogul sowie spätere US-Präsident Donald Trump und einige Geschäftspartner ihres Ehemannes. Am 21. Dezember 2005 gab Pirro ihre Kandidatur auf. Dies geschah in Folge von hohem Druck der Parteichefs. Die Entscheidung wurde getroffen, da es kaum noch Spenden für ihre Kampagne gab und zahlreiche Umfragen zeigten, dass Clinton Pirro problemlos besiegen würde (62 % zu 30 %). John Spencer wurde zum endgültigen Kandidaten der Partei. Spencer unterlag Amtsinhaberin Clinton eindeutig mit 31 % zu 67 %.
Am 31. Mai 2006 wurde Pirro zur republikanischen Kandidatin für das Amt des State Attorney für New York nominiert. Pirro verlor die Wahl gegen ihren demokratischen Kontrahenten Andrew Cuomo, den späteren Gouverneur des Staates, mit 39:58 %.
US-Staatsanwältin in Washington 2025 US-Präsident Donald Trump hat am 8. Mai 2025 Jeanine Pirro zur vorläufigen US-Staatsanwältin für Washington D.C. ernannt. Die Ankündigung erfolgte, nachdem Trump seine erste Wahl, den ehemaligen konservativen Podcaster Ed Martin, für den Posten zurückgezogen hatte, nachdem er wichtige Unterstützung der Republikaner im Senat verloren hatte, der solche Positionen bestätigen muss. In einem Social-Media-Beitrag, in dem er die Nominierung Pirros bekannt gab, bezeichnete Trump Pirro als „eine mächtige Kämpferin für Opfer von Straftaten.“ Im August 2025 wurde sie in dem Amt bestätigt.