Franz Sigrist (* 23. Mai 1727 in Breisach; † 21. Oktober 1803Franz Sigrist: Taufregister, Erzbischöfliches Stadtpfarramt Breisach, Bd. 1727, S. 106. in WienFranz Sigrist: Totenprotokolle 1803, L – Z, fol. 130, Archiv der Stadt Wien (21. Oktober 1803).) war ein österreichischer Maler und Kupferstecher. mini|Der junge Tobias heilt seinen Vater mit der Fischgalle, Franz Sigrist, 1753, Öl auf Leinwand, 89,5 × 71,1 cm, Österreichische Galerie Belvedere. mini|Der Tod des heiligen Joseph, Franz Sigrist, um 1753, Öl auf Leinwand, 66 × 85 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
mini|Der Marianische Schutz, Franz Sigrist, 1758, Mittleres Deckenfresko in der Vorhalle des Münsters von Zwiefalten (Baden-Württemberg).
mini| Krönungszug zum Dom, Zeremonienbild zu den Feierlichkeiten der Krönung Erzherzogs Joseph zum römisch-deutschen König in Frankfurt, Martin van Meytens und renommierte Künstler der Akademie, zwischen 1764 und 1767, Öl auf Leinwand, 358 × 412 cm, Kaiserliche Schatzkammer, Wien. mini|Die Krönung im Dom, Zeremonienbild von der Krönung Erzherzogs Joseph zum römisch-deutschen König in der St. Bartholomäuskirche in Frankfurt, Martin van Meytens und renommierte Künstler der Akademie, zwischen 1764 und 1767, Öl auf Leinwand, 362 × 295 cm, Kaiserliche Schatzkammer, Wien.
mini|Pharisäer und Zöllner, Franz Sigrist, 1772/73, Fresko unter der Orgelempore der Lichtentaler Pfarrkirche Wien.
mini|Die Opferung Isaaks, Franz Sigrist, Öl/Lw., 90 cm × 98,5 cm, Lille, Palais des Beaux Arts. mini|Die Opferung der Tochter Jephtas, Franz Sigrist, Öl/Lw., 90 cm × 98,5 cm, Lille, Palais des Beaux Arts.
Breisach – Wien Franz Sigrist wurde in Breisach am Rhein, im damaligen Vorderösterreich, als sechstes von neun Kindern des Ehepaares Franziskus Sigrist, Bürger von Breisach (1665–1735), und Maria Magdalena geb. Sengelbach (1693–1737), geboren. Im Alter von 17 Jahren kam Franz Sigrist nach Wien, wurde 1744 an der Kaiserlich-königlichen freyen Hofacademie der Mahler, Bildhauer und Baukunst aufgenommenAkademie der bildenden Künste Wien, Archiv, Sign. 1a Aufnahmeprotokoll für die akademischen Schüler vom Jänner 1738 bis Juli 1765: 1744, S. 261. und studierte bei Paul Troger und anderen Malern wie Jacob van Schuppen.
1746 wurde die Akademie wegen der finanziell prekären Situation in Folge der beiden Schlesischen Kriege für drei Jahre geschlossen, in denen Sigrist in privaten Ateliers arbeitete. Nach Wiedereröffnung der Akademie wurde er 1749 in der Studentenmatrik als Schüler der Zeichenklasse geführt. Am 17. Februar desselben Jahres heiratete er in der Wiener St. Ulrichskirche Elisabeth AschenbergerFranz Sigrist – Elisabeth Aschenberger: Trauungsbuch Pfarre St. Ulrich/Wien, Bd. 1744–1749, (17. Februar 1749). (1725–1818). Nach drei weiteren Studienjahren an der Akademie unter der Leitung von Paul Troger und Michelangelo Unterberger beteiligte sich Sigrist 1752 an den jährlich abgehaltenen »Wettbewerben« der Malereiklasse (später wohl mit der Präsentation von »Diplomarbeiten« vergleichbar) und errang dabei mit seiner Interpretation des Themas »Job mit geschwären geschlagen, auf einem Misthaufen sitzend, zwischen seinem Weib und dreyen Freunden. Job 2. C. Vers 7 bis Ende« die zweithöchste Stimmenanzahl des Kollegiums nach dem neun Jahre älteren Johann Wenzel Bergl und somit die Silbermedaille. Über das Ereignis der feierlichen Preisverleihung durch Rektor Michelangelo Unterberger am 27. Oktober 1752 im Beisein Kaiserin Maria Theresias und zahlreicher in- und ausländischer Festgäste berichtete das Wienerische Diarium in Nr. 88 vom 1. November auf Seite 5 ausführlich. Mit dieser Auszeichnung war die begehrte kaiserliche Erlaubnis, „auf eigene Rechnung zu arbeiten“, verbunden. Bald danach entwickelte Sigrist in der Komposition und der Behandlung des Lichts den barocken Stil Paul Trogers weiter, entfernte sich damit von einer gewissen akademischen Schwere und erreichte eine individuelle Steigerung des Ausdrucks, der oft mit jenem von Franz Anton Maulbertsch und Josef Ignaz Mildorfer verglichen wird, sich jedoch nicht unwesentlich von diesem unterscheidet.
Augsburg Bald nach Beendigung des Studiums lebte Sigrist von 1754 bis 1762 mit Familie in Augsburg, wo er als vielbeschäftigter Hofmaler des Fürstbischofs von Augsburg, Joseph Ignaz Philipp von Hessen-Darmstadt, fungierte. Daneben schuf er zwischen 1754 und 1760 für den Kupferstecher und Verleger Johann Georg Hertel über 100 Vorlagen für verschiedene StichserienHertel-Stichproduktion in 20 Bänden, Staatsgalerie Stuttgart, Kupferstichkabinett.
Bereits 1754 Mitglied der neu gegründeten „Kaiserlich Franciscischen Akademie der Freien Künste und Wissenschaften“ in Augsburg, wurde Sigrist 1755 zum Professor für Malerei ernannt.
In dieser Zeit (1758) betraute ihn der Reichsabt des Benediktiner-Münsters in Zwiefalten, Benedikt Mauz (1690–1765), mit der Schaffung von drei illusionistischen Deckenfresken in der Vorhalle des neu errichteten Münsters rund um das Thema „Der Marianische Schutz“. Kurz danach malte Sigrist das Chorfresko Immaculata in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Seekirch (1760).
Rückkehr nach Wien In der zweiten Jahreshälfte von 1762 kehrte Sigrist mit Familie zurück nach Wien, wo ihn 1764 – neben anderen Kollegen – der neue Direktor der Akademie der bildenden Künste, der Hofmaler Martin van Meytens, dessen Bekanntschaft er bereits an der Franciscischen Akademie in Augsburg gemacht hatte, für einen Großauftrag des kaiserlichen Hofes – Schaffung von sechs Zeremonienbildern von der Krönung Erzherzogs Joseph, dem späteren Kaiser Josef II. zum römisch-deutschen König, im Kaiserdom St. Bartholomäus von Frankfurt am Main – engagierte. Über die öffentliche Präsentation von fünf Zeremonienbildern im Belvedere berichtete das Wienerische Diarium in seiner Nummer 100 vom 16. Dezember 1767 ausführlich. 1772 wurde Sigrist mit der Schaffung von Deckenfresken oberhalb der Chorfenster, der wandumspannenden Architekturmalerei (beide nicht mehr erhalten) und des Freskos Pharisäer und Zöllner unter dem Orgelchor der Lichtentaler Pfarrkirche in Wien beauftragt. (Bedauerlicherweise ist bei einer späteren Restaurierung manches – wie die Architekturelemente dieses Freskos perspektivisch – „verunglückt“). Aus dem Jahr 1773 stammt Sigrists großes Gemälde Neun Chöre der Engel für den hinteren rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Langegg.
Drei von Sigrists Söhnen – Johann Baptist (1755–1807), Franz Anton (1758–1836) studierten in den 1770er Jahren und Ignaz Franz (1766−?) ab 1782 − ebenfalls Malerei an der Wiener Akademie.
mini|Der Abschied des verlorenen Sohnes, Franz Sigrist, um 1780, Öl auf Leinwand, 97 × 73 cm, links oben bez. FS, Zeppelin-Museum Friedrichshafen. mini|Jesus teilt seinen Jüngern die Kommunion aus, Franz Sigrist, spätestens 1803, Öl auf Leinwand, 57 × 47 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
Großauftrag Eger (Erlau) Abgesehen von Sigrists zahlreichen Stichen und Gemälden religiöser Thematik sowie seinen Allegorien (so etwa für die „Hertel-Stiche“) ist vor allem in Sigrists späterer Schaffensperiode das von Bischof Karl Eszterházy in Auftrag gegebene monumentale Deckenfresko im Festsaal des 1773 neuerrichteten damaligen „Lyceum“ (der heutigen Universität) in Eger (deutsch: Erlau) im nördlichen Ungarn, (Architekt Josef Gerl) – das größte von Sigrists erhaltenen Werken – sowie die von ihm gestaltete wandumspannende Scheinarchitektur in Grisaille-Technik hervorzuheben. Das Deckengemälde, bei dem Sigrist sich deutlich vom barocken Illusionismus zu Gunsten eines aufklärerischen Weltbildes abwandte, stellt die „Vier Fakultäten“ (Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und die damals noch zu gründende Medizin) dar und gehört stilistisch bereits zu einem der frühesten Werke des „Klassizismus“ (1781).
Späte Schaffensphase und Tod Zu den späten Arbeiten des Siebzigjährigen zählen u. a. das Hauptaltarfresko Die Heilige Dreifaltigkeit in der katholischen Pfarrkirche Rust am See (das 1881 bei einer Restaurierung durch teilweise Übermalungen stark verändert wurde) sowie die beiden Seitenaltargemälde (rechts Der heilige Joseph mit dem Jesusknaben, links Der heilige Stephan vor der Muttergottes) aus dem Jahr 1798. Aus 1800 stammt Sigrists Hauptaltarbild Himmelfahrt Mariens für die Pfarrkirche von Unterfrauenhaid (das im Zuge einer Umgestaltung der Kirchenausstattung in eine Seitenkapelle transferiert wurde), in der übrigens Franz Liszt am 23. Oktober 1811 getauft wurde.
Franz Sigrist starb am 21. Oktober 1803 im 77. Lebensjahr in Wien, seine Witwe Elisabeth überlebte Sigrist um 15 Jahre und verstirbt in Wien 1818 im 93. Lebensjahr.Elisabeth Sigrist: Sterbebuch Pfarre St. Ulrich/Wien, Bd. 1814–1820, (3. Juni 1818).
Sigrists Geburtsstadt Breisach am Rhein hat zu seinen Ehren eine Straße nach ihm benannt.
Der Arzt, Zoologe und Komponist Peter Kempny (1862–1906) war ein Ururenkel Franz Sigrists.
Literatur
Franz Sigrist (1727–1803), Ein Maler des 18. Jahrhunderts, Betka Matsche – von Wicht, Anton H. Konrad Verlag 1977, ISBN 3 87437 122 0 Die Abkehr von der Illusion ... Franz Sigrist (1727–1803), Aufbruch vom Barock in die Welt des Klassizismus, Heinz P. Adamek in: Zwischenräume – Zwischentöne, De Gruyter 2018, ISBN 978-3-11-059195-8
Weblinks
Franz Sigrist im Schloss Belvedere
Einzelnachweise
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