mini|hochkant|Außenansicht 2018mini|hochkant|Außenansicht um 1830

Die Stadtkirche Radeberg Zum Heiligen Namen Gottes ist eine evangelisch-lutherische Kirche und befindet sich auf einer Anhöhe nahe dem Stadtzentrum Radeberg. Die Stadtkirche gehört zum Kirchspiel Radeberger Land im Kirchenbezirk Dresden Nord der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, zu dem neben Radeberg auch Liegau-Augustusbad, Großerkmannsdorf, Kleinwolmsdorf, Seifersdorf, Wachau und Schönborn gehören.

Geschichte Radeberg wurde erstmals 1219 urkundlich erwähnt. Um 1233 wird urkundlich ein Thimo miles de Radeberch genannt. Im Jahr 1289 ist die Burg Radeberg als castrum Radeberch infeudatum erstmals in den Urkunden aufgeführt, nachdem Heinrich III., der Erlauchte, Markgraf von Meißen, 1287 seinem jüngsten Sohn Friedrich dem Kleinen, auch Clemme genannt, neben Dresden auch Radeberg vermachte. Friedrich Clemme veräußerte dieses Erbe 1289 an König Wenzel III. von Böhmen als Lehen (infeudatum). 1303 kam Radeberg als Lehen an die Mark Brandenburg und schließlich auf Umwegen wieder an Friedrich Clemme zurück.

Markgraf Wilhelm von Meißen stiftete nach 1387 in der Burg einen Altar, der dem Heiligen Erasmus und Georg geweiht war. Die Burg wurde damit Sitz eines Erzpriesters bzw. Kaplans, denn das Städtchen Radeberg besaß noch keine Kirche.Dr. Gustav Sommerfeldt: Der Altar im Betsaal der ehemaligen Schloßkapelle zu Radeberg. Radeberger Zeitung vom 2. Mai 1931; Beilage Aus der Heimat

Verwaltungsmäßig gehörte die Stadt um 1378 zum Castrum Dresden.isgv.de/Radeberg Herrensitz Um 1400 wurde auch das Kirchengebäude durch Brand zerstört.Sachsen Kirchen-Galerie, Radeberg Im Jahr 1412 verlieh der Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, Friedrich IV., der Friedfertige, das Stadtrecht und Weichbild. 1430 stürmten die Hussiten unter ihrem Anführer Andreas Prokop die Stadt und richteten großen Schaden an. Weitere Stadtbrände in den Jahren 1521, 1714 und 1741 richteten schwere Zerstörungen und Verwüstungen an. Dabei gingen auch das Rats- und Kirchenarchiv sowie eine ansehnliche Bibliothek mit Manuskripten und Urkunden verloren. Die noch vorhandenen Akten, Schriftstücke und Urkunden beginnen mit dem Jahr 1741. In einer fürstlichen Commissariourkunde vom Jahr 1473 wird ein Pfarrer Jurge Kuchelern in einem Rechtsstreit genannt. In einer Verordnung des Bischofs von Meißen Johannes VII. von Schleinitz vom 27. Januar 1536 sind drei Altäre der Pfarrkirche benannt, der Altar der heiligen Katharina, des heiligen Wolfgang und der Kalandsbrüder, einer Bruderschaft wohlhabender Bürger.

Die 1539 von Herzog Heinrich im gesamten Herzogtum Sachsen eingeführte Reformation ist im Rahmen einer im Juli 1539 durchgeführten Kirchenvisitation auch in Radeberg, das damals zur Superintendentur Dresden gehörte, eingeführt worden. Die Visitatoren waren die Herren Caspar von Schönberg, Rudolf von Rechenberg, Justus Jonas, Georg Spalatin und Melchior von Creutzen. Eine weitere Visitation erfolgte in der Zeit vom 20. Dezember 1539 bis 7. Juli 1540. Aus den Visitationsakten Locatnummer 10599 im Staatsarchiv ist zu entnehmen, dass nunmehr das Archidiakonat zu Radeberg aufgehoben wurde und Radeberg bis zum Jahr 1822 zur Ephorie Dresden gehörte.Archiv der Kirchgemeinde Ab dem Jahr 1700 sind die Radeberger Pfarrer Adjunken (Assistenten) der Dresdner Ephorie. Am 13. September 1706 zogen mächtige schwedische Armeeverbände in Radeberg ein. Schwedenkönig Karl XII. nächtigte in der Stadtmühle an der heutigen Dresdner Straße, diese gehörte damals zum Vorwerk Rödershausen. Die Tributforderungen waren erheblich, auch wurde geplündert.

1486 bis 1900 mini|hochkant|Grabplatte der Familie Christoph Seydel von 1747 mini|hochkant|Außenansicht um 1900 mini|Grundriss um 1900 Im Jahr 1486 erfolgte die Grundsteinlegung für ein steinernes Gotteshaus, das bereits im Jahr 1498 vollendet wurde. Die hohe Turmspitze wurde im Jahr 1611 wegen Baufälligkeit abgebrochen und durch eine neue Turmbekrönung aus einer flachen, abgestumpften Haube mit Schieferdeckung ersetzt. Beim Stadtbrand am 13. Juli 1714 brannte das Innere der Kirche aus, und es erfolgte nur eine zögerliche Wiederinstandsetzung, es fehlten die finanziellen Mittel. Bei diesem Stadtbrand wurden 108 Wohnhäuser, 5 Malz- und Brauhäuser, 15 Scheunen, Schule, 2 Diakonatsgebäude, Rathaus und Kirche samt Turm zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte wegen fehlenden Baumaterials und Geldes schrittweise. Auf der Suche nach Baumaterial fand der damalige Radeberger Bürgermeister Christoph Seydel in den ehemaligen Bergwerksstollen des Tannengrunds nördlich von Radeberg kein Baumaterial, dafür aber ergiebige Quellen mit heilkräftigem Wasser, das die Basis für das Augustusbad wurde.

Die vom Pulsnitzer Orgelbaumeister Johann Gottlob Ziegler errichtete und bereits 1726 eingeweihte Orgel spendete der Radeberger Amtsschreiber Johann George Tretzsch. Den Taufstein (ebenfalls von Johann George Tretzsch mitfinanziert) und die Kanzel schuf der Dresdner Bildhauer Johann Christian Feige. Das aus Englischem Zinn gegossene Taufbecken hatte die Witwe des General-Accise-Inspektors Kauderbach finanziert. Am 10. Dezember 1730 erfolgte schließlich die Weihe der vollendeten Kirche Zum Heiligen Namen Gottes durch den Superintendenten der Dresdner Frauenkirche, Valentin Ernst Löscher.Dieter Auerbach: Die Superintendenten in Radeberg in der Zeit von 1822–1926. In: Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte, Band 7 (2009). (hrsg. durch die Stadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der AG Stadtgeschichte)

Im Jahr 1741 erlitt die Kirche erneut erhebliche Brandschäden, als große Teile der Stadt zu Asche wurden. Dabei wurden die Archivakten vernichtet. Erst im Jahr 1743 konnte ein Notdach die Kirche vor dem weiteren Verfall sichern. Wieder gab es finanzielle Schwierigkeiten beim Wiederaufbau. Durch Spenden und private Kostenübernahme gelang es, die Kirche zu erneuern. Die Orgel spendete der Amtsschreiber Tretzsch. Im Jahr 1770 wurde der etwas niedriger gehaltene Turm fertiggestellt. Die alte dunkle Butzenscheibenverglasung wurde im Jahr 1805 durch Tafelglas ersetzt. Somit erstrahlte das Innere der Kirche in einer neuen Helligkeit.Die Parochie Radeberg. In: Neue Sächsische Kirchengalerie.

Einen neuen Innen- und Außenputz erhielt die Kirche im Jahr 1808 durch ortsansässige Handwerker. Im Jahr 1850 wurde die Orgel durch ein neues Instrument ersetzt.

Der aus Radeberg stammende Maler Erhard Ludewig Winterstein fertigte 1885 ein neues Altarbild „Der Auferstandene“ an, das aus Spenden Radeberger Frauen finanziert wurde. Zum Oster-Gottesdienst am 5. April 1885 wurde dieses überlebensgroße Gemälde in den Altar integriert.

Ein Kirchturm-Bauverein wurde im Jahr 1866 gegründet. Nachdem genügend Gelder gesammelt worden waren, begann im Jahr 1886 der Turmneubau. Dazu wählte man denselben Standort wie beim alten Turm südlich vom Kirchenschiff und errichtete einen 61 Meter hohen repräsentativen Turm mit Glockenstube und Läutewerk, Uhrwerk und Aussichtsumgang in 27 Metern Höhe. Die Gesamthöhe bis zur Turmkreuz-Spitze beträgt 62,62 Meter. Alle Bauarbeiten wurden vom Radeberger Baumeister Alwin Würdig ausgeführt.

Neben dem Turmneubau wurden wiederholt Um- und Anbauten an der Kirche und eine grundlegende Erneuerung durchgeführt. Dabei wurde das Kirchenschiff um sieben Meter nach Westen hin verlängert. Die Pläne dazu stammten von den Leipziger Architekten Georg Weidenbach und Anton Käppler. 1887/1888 wurden nach Vorlagen des Dresdner Malers Christian W. Anemüller fünf neue Glasfenster mit Motiven der Evangelisten und einem schwebenden Engel angefertigt, gestiftet von vier Radeberger Unternehmer-Familien sowie ehemaligen Radeberger Bürgern und deshalb „Stifterfenster“ genannt. Anstelle des im Rahmen der Erneuerungsarbeiten abgebrochenen Barock-Altars wurde ein vom Leipziger Kunsttischler Arnemann angefertigter neuer Altar aufgestellt. Zusammen mit dem Altar-Gemälde von Winterstein bildete dieser neue Altar bis zur Instandsetzung und Modernisierung der gesamten Kirche ab 1970 den Mittelpunkt des Chors.

Nach der Fertigstellung der Erneuerungsarbeiten wurde das Kirchengebäude am 18. November 1888 geweiht. Es bot nun 814 Sitzplätze. Im Jahr 1889 war der Turmneubau vollzogen und am 16. Juni 1889 erfolgte die Weihe. Gleichzeitig wurden eine neue Heizungsanlage und eine Gasbeleuchtung installiert. Die Kosten für alle Arbeiten betrugen 79.000 Mark.

1907 bis 1945 In der Zeit vom 27. Mai bis 7. September 1907 erfolgte eine Innenrenovierung der Kirche. Dabei wurden die Malerei an der Decke, an der Kanzel, am Taufstein, im Altarraum, in der Sakristei und in der Vorhalle vom Dresdner Maler und Restaurator Paul Rößler ausgeführt. Die übrigen Malerarbeiten führten einheimische Handwerker aus, wie Baumeister Petrich und Malermeister Nympsch. Zum Erntedankfest am 8. September 1907 wurde mit einer besonders feierlichen Predigt vom Superintendenten Kaiser die gottesdienstliche Nutzung wieder aufgenommen. Gleichzeitig wurde die Orgel vom Dresdner Orgelbaumeister Jahn (junior) auf 34 Register erweitert. Im Kriegsjahr 1917 mussten drei der größeren Glocken als Metallspende abgegeben werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1942 wiederum die drei inzwischen ergänzten Glocken für Rüstungszwecke eingeschmolzen.

1946 bis 1989 Die neuen Machthaber nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wenig Interesse an der Kirche, und doch wurde im Jahr 1956 nach größeren Stürmen die dabei abgeknickte Turmspitze mit der Turmkugel und dem darauf befindlichen Kreuz erneuert. Neue Glocken wurden im Jahr 1956 installiert und im Jahr 1957 feierlich geweiht. Inzwischen machten sich weitere Bauschäden auf Grund mangelnder Instandhaltung und Bauwerkspflege bemerkbar. Im Jahr 1966 stellte der Baugutachter, der kirchliche Baupfleger Möller, erheblichen Schwammbefall und weitere gravierende Schäden fest. Im Jahr 1969 begannen einige Sicherungsmaßnahmen. Eindringende Nässe trug erheblich zur Hausschwammbildung bei, bedrohte das hölzerne Inventar und ließ den Einsturz der Kirche voraus ahnen. Im Jahr 1970 wurde mit der Schwammsanierung am Dachtragwerk und des dazugehörigen Mauerwerkes begonnen. Die Orgel musste komplett ausgebaut werden und die anderen Holzteile wurden geborgen und restauriert. Der Zustand war dermaßen schlecht, dass auf eine Wiederherstellung des historischen Gesamtvorbildes verzichtet wurde. Die sozialistische Mangelwirtschaft und das Fehlen staatlicher Unterstützung waren dabei ausschlaggebend. Zudem fehlten die Mittel, so dass der Kirchenvorstand sich für eine vereinfachte Form entschied. Somit entfielen auch die zweite Empore, die Fenster im Chorbereich und das Deckengemälde. Beim Rückbau des Altaraufbaues fiel dieser beim Abnehmen des Altarbildes in sich zusammen. Das Dachtragwerk und die Dacheindeckung wurden umfangreich erneuert. Die Kirche erhielt einen neuen Außenputz. Im Inneren wurde der Altar erneuert, der Altarraum erhielt neue farbige Fenster nach Entwürfen des Künstlers Werner Juza aus Wachau und die Kanzel und der Taufstein wurden restauriert. Mit großer Anteilnahme und aktiver Unterstützung der Gemeindemitglieder konnten diese Maßnahmen erfolgreich durchgeführt werden. Am 6. Juni 1971 fand die Weihe der instandgesetzten Kirche statt. In der Folgezeit verschlechterte sich der Zustand der Orgel. Eine neue Orgel aus der Kirche in Hohnstein wurde erweitert und von Hermann Eule Orgelbau Bautzen im Jahr 1975 installiert; die Orgelweihe erfolgte am 4. Oktober 1975. Da bei den Instandhaltungsmaßnahmen nur das Nötigste repariert werden konnte, machten sich um 1980 Bauschäden am Sandsteinmauerwerk an Gebäude und Turm bemerkbar. Im selben Jahr stellte ein Baugutachten erhebliche Schäden an der Turmbalustrade fest. Es erfolgten vorläufige Sicherungsmaßnahmen. Erst ein Jahr später konnte die Firma Irmisch aus Radeberg die Schäden beheben. Die verwitterten Sandsteine wurden durch Betonteile ersetzt.

Gegenwart mini|Innenansicht mini|Benefizkonzert im November 2022