mini|Georg Tuxhorn, Selbstbildnis, um 1925, Kohle auf Papier, Privatbesitz mini|Georg Tuxhorn, Selbstbildnis, Dresden, 1921, Öl auf Leinwand, Peter-August-Böckstiegel-Stiftung mini|Georg Tuxhorn, Brackwede, um 1925, Öl auf Leinwand, Privatbesitz Georg Tuxhorn (* 8. Mai 1903 in Bielefeld; † 8. Oktober 1941 ebenda) war ein deutscher Kunstmaler; er wird der „Bielefelder Moderne“ (1907–1926) zugerechnet.
Leben Georg Tuxhorn war der jüngste Sohn des gelernten Drehers Adolf Tuxhorn (1869–1954) und seiner Frau Emma Tuxhorn (1873–1965), geborene Strunk, in der Wittekindstraße 2a in Bielefeld geboren. Sein Vater wurde im folgenden Jahr Teilhaber der 1901 von Heinrich Welland gegründeten Armaturen- und Maschinenfabrik in Bielefeld-Brackwede. Dort bezog die Familie 1904 ein Haus. Georgs Bruder Otto (1894–1944) gründete im Jahr 1919 mit seinem Bruder Paul (1894–1944) die „Gebr. Tuxhorn OHG“, die ebenfalls Armaturen herstellte. Ein weiterer Bruder, Adolf (1898–1902), starb bereits im Kindesalter.
Ab 1919 besuchte Georg Tuxhorn die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld und im Anschluss die Kunstakademien Dresden und Düsseldorf. 1923 kehrte er nach Bielefeld zurück. 1924 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Otto Fischer.
Ein Rezensent urteilt: „Tuxhorn ist ein Werdender, ein mit sich Ringender, der den zwar deutlich spürbaren Einflüssen seiner Lehrer und Vorbilder eine im Grund doch wenig schmiegsame, weil eigenwüchsige und bodenständige Natur von westfälischer Schwere und Festigkeit des Umrisses entgegenzustellen hat (...). Die Entwicklung des Künstlers wird am deutlichsten in seinen Selbstbildnissen. Eines von 1921 ist ganz in wildströmende Farbe getaucht, traumschwer aus dem Dunkel lodernd, überwältigt vom farbigen Erlebnis, wie es auch das hingegebene Gesicht mit geschlossenem Auge verrät. Ein zweites von 1922 (Holzschnitt) in sicherer, kräftiger Holzschnitt-Technik, zeigt gebändigtere Kraft. Ein drittes (Ölgemälde wie das erste) ist fast zu sachlich, klar und objektiv. Der Mensch dieses Bildes steht sich selbst kühl beobachtend und unromantisch gegenüber.“
Nach einem Studienaufenthalt in Düsseldorf ließ er sich 1928 als freischaffender Künstler in Bielefeld nieder.
Hier heiratete er Maria Plöger und ließ sich als freischaffender Künstler nieder. Seit dieser Zeit hinderte ihn eine Nierenerkrankung immer öfter an der künstlerischen Arbeit.
Im Auftrag der reformierten Gemeinde schuf Tuxhorn 1929 ein großes Glasmosaik im Chorraum der Süsterkirche, das zu seinen bedeutendsten – und wenigen erhaltenen – Werken im öffentlichen Raum zählt. Neben Landschaften, die auf Ausstellungen in verschiedenen westfälischen Städten gezeigt und für Museumssammlungen angekauft wurden, entstanden viele Porträts – auch im Stil der Neuen Sachlichkeit.
Nach Beginn der NS-Diktatur wurde auch Tuxhorn Mitglied der Reichskulturkammer. Seine Landschaftsbilder fanden auf Ausstellungen weiterhin Anklang, die „Sennelandschaft“ wurde noch 1935 für das Städtische Kunsthaus in Bielefeld (die heutige Kunsthalle Bielefeld) angekauft. Im selben Jahr wurde seine Tochter Agnes geboren. Sein schlechter Gesundheitszustand machte Tuxhorn künstlerische Arbeit in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre mehr und mehr unmöglich. 1941 verstarb er im Alter von nur 38 Jahren.
Im Oktober 2016 fand eine Ausstellung mit Werken des vor 75 Jahren verstorbenen Künstlers im Böckstiegel-Haus statt. Ein großer Teil des Nachlasses des Künstlers befindet sich seit dem Herbst 2022 im Museum Peter August Böckstiegel in Werther.
Es besteht keine engere Verwandtschaft zu dem ebenfalls zur Bielefelder Moderne gehörenden Künstler Victor Tuxhorn. mini|284x284px|Georg Tuxhorn, Porträt Helmut Stoltenberg und Kater Toni, 1930, Öl auf Sperrholz, Peter-August-Böckstiegel-Stiftung, Werther
Werke (Auswahl) 1919: Weiblicher Akt, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Bielefeld 1922: Selbstbildnis, Tusche auf Papier, Sammlung Frieder Gerlach, Konstanz 1924: Selbstbildnis. Öl auf Leinwand, Kunsthalle Bielefeld um 1925: Brackwede, Öl auf Leinwand, Privatbesitz 1927/1929: Baltin. Öl auf Leinwand, LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster um 1925: Selbstbildnis, Kohle auf Papier, Privatbesitz 1928: Sennelandschaft, Aquarell auf Papier, Osthaus Museum, Hagen 1929: Neue Ausmalung der Süsterkirche, Wandmosaik im Chorraum.Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bielefeld reformierte-gemeinde-bi.de 1933: Landschaft, Aquarell über Tusche auf Karton, Lehmbruck Museum, Schenkung aus der Duisburger Eisenindustrie
Ausstellungen
2026: Georg Tuxhorn und die "zweite Generation" der Bielefelder Moderne (Museum Peter August Böckstiegel, Werther, 13. September – 6. Dezember 2026; mit Werken von Gertrud Breyholz, Werner Hagemeister, Adolf Kranz, Alfred Wiese, Theo Ortmann, Florenz Robert Schabbon, Carl Strüwe und Carl Robert Pohl)
Literatur David Riedel: Georg Tuxhorn – auf den Spuren eines Künstlers der „Bielefelder Moderne“. In: Ravensberger Blätter. Nr. 2, 2016, S. 18–37. David Riedel: Stein an Stein. Das Mosaik von Georg Tuxhorn in der Süsterkirche. In: Bielefelder Edition. Nr. 10, 2018. Tanja Pirsig-Marshall: Georg Tuxhorn. Baltin. In: Das Kunstwerk des Monats. Herausgegeben vom LWL-Museum für Kunst und Kultur, September 2023. David Riedel u. a.: Georg Tuxhorn und die "zweite Generation" der Bielefelder Moderne (Ausstellungs-Katalog Museum Peter August Böckstiegel, Werther, 13. September – 6. Dezember 2026)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Maler des Expressionismus Kategorie:Bildender Künstler (Bielefeld) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Mann