Stadler  Westschweizer Meterspurzüge (und AB ABe 4/12)Bauartbezeichnung: MBCBe 4/4+B+​Be 4/4 TravysBe 4/4+AB+​Be 4/4 TPF, ABABe 2/4+B+Be 2/4  NStCMABe 2/4+Be 2/4  MOBABe 4/4+Be 4/4  CJBe 4/4 Nummerierung: 31–38 3001–3006 101–110 1001–1005 401/402–419/420 9001–9004Be 4/4 9201–9204, ABe 4/4 9301–9304 651–655Anzahl: 4 3 10 5 10 4 5Inbetriebsetzung: 2015–2016 2015–2016 2015–2016, 2023–2024 2018 2015, 2021–2022 2016 2016Achsformel: Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’ Bo’2’+2’2’+2’Bo’ Bo’2’+2’Bo’ Bo’Bo’+Bo’Bo’ Bo’Bo’Spurweite: 1000 mmLänge über Kupplung: 60,11 m 55,21 m 58,81 m 35,41 m 40,52 m 20,26 m  Breite: 2,65 mLängsdruckkraft: 800 kNAchsstand Triebdrehgestelle:                  Laufdrehgestelle: 2000 mm1800 mm 2000 mm1700 mm 2000 mm1800 mmDienstmasse (tara): 117 t 92,5 t 88,5 t 63,5 t 95,7 t Bruttomasse: 143,1 t 117,0 t 114,57 t. In: Bahnonline.ch. 21. Juni 2018. 79,4 t 108,8 t Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h 80 km/h 70 km/h100 km/h100 km/hKurzzeitleistung: 2 × 1400 kW 1400 kW 2 × 1400 kW 1400 kWDauerleistung: 2 × 1136 kW 1136 kW 2 × 1136 kW 1136 kWAnfahrzugkraft 2 × 150 kN 150 kN 140 kN 150 kN 2 × 150 kN 150 kNDurchmesser Triebrad (neu):                       Laufrad (neu): 810 mm770 mm 770 mm750 mm 810 mm770 mmStromsystem: 15 kV, 16,7 Hz 900 V = 1500 V = 850 V = 1500 V =Sitzplätze 1. Klasse:                  2. Kl. inkl. Klappsitze   –164   10154   15145   15161   982 1863  –40Kupplungstyp: GFN Schwab GFN →Text Schwab →TextBesonderheiten: behindertenzugängliches WC Die Westschweizer Meterspurzüge aus den Jahren 2015/16 sind elektrische Niederflur-Triebzüge und ‑Triebwagen des Herstellers Stadler Rail, die bei sechs Westschweizer Privatbahnen mit unterschiedlichen Achsfolgen unter verschiedenen Stromsystemen im Einsatz stehen. Das Konzept der Meterspur­züge weist einige Gemeinsamkeiten mit den normalspurigen Stadler Flirt auf.

2018 erhielten die Appenzeller Bahnen AB fünf ABe 4/12, die weitgehend den Meterspurzügen der TPF entsprechen.

Ausgangslage mini|links|Be 4/4 der MBC aus dem Jahr 1981 mit neuem Niederflurzwischenwagen Für die vorhandenen Pendelzüge Be 4/4 11–13 + Bt 51–53 der Linie Bière/L’Isle–Apples–Morges (BAM) aus dem Jahr 1981 beschafften die Transports de la région Morges–Bière–Cossonay (MBC) bereits 2010 drei zu den vorhandenen Pendelzügen passende Niederflurzwischenwagen B 2065–2067. Schon bei der Bestellung war vorgesehen, sie später mit passenden Endwagen zu ergänzen, um komplett neue Züge zu erhalten.Matthias Rellstab: Neues Rollmaterial für die Meterspurbahnen am Genfer See. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9, 2010, S. 384–385.

mini|Die finanziellen Mittel der CJ reich­ten nur für Einzeltriebwagen. Sie ver­kehren gemischt mit modernisierten Altfahrzeugen. 2009 bestellte die Nyon-Saint-Cergue-Morez-Bahn (NStCM) bei Stadler vier zweiteilige Triebzüge ABe 4/8.Jürg Lüthard, Urs Wieser: Neue Triebzüge für Westschweizer Meterspurbahnen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 6, 2016, S. 301–307. Die NStCM hatte zunächst Interesse an Zügen in der Bauart der RBe 4/8 der Lausanne–Echallens–Bercher-Bahn. Der Kanton Waadt verweigerte jedoch die Finanzierung der Kleinserie und forderte aus Kostengründen eine gemeinsame Bestellung mit anderen Bahnen. Bei den Deutschschweizer Meterspurbahnen wusste man nichts von der Bestellung.Jürg D. Lüthard: Railplus-Meterspur-Tagung. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1, 2013, S. 46. Indessen verzeichneten mehrere Meterspurbahnen in der Romandie starke Nachfragesteigerungen, sodass der Kanton Waadt eine Kapazitätssteigerung und Erneuerung der auf seinem Gebiet verkehrenden Privatbahnen beschloss.Mathias Rellstab: Investitionsprogramm für Waadtländer Privatbahnen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9, 2013, S. 392. Daraufhin schrieben die drei Waadtländer Meterspurbahnen MBC, Travys und Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB) zusammen mit den Transports publics fribourgeois (TPF) die Lieferung von 17 zwei- und dreiteiligen Triebzügen aus. Trotz der Konkurrenz des Bombardier-Konzerns, der im waadtländischen Villeneuve ein Werk betreibt, erhielt Stadler Bussnang den Auftrag im Wert von 151 Millionen Franken.Mathias Rellstab: 17 Stadler-Züge für vier Westschweizer Meterspurbahnen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4, 2013, S. 168. Damit drängte der Thurgauer Hersteller bei den Schweizer Meterspurfahrzeugen seinen Konkurrenten aus dem Markt, was ihm gute Preise bringen wird.Walter von Andrian: Wachstum im Ausland. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9, 2018, S. 424. Mit der gemeinsamen Bestellung liessen sich 28 Millionen Franken einsparen. Die NStCM schloss sich der Bestellung mit vier zweiteiligen Zügen im Wert von 66 Millionen an.Matthias Rellstab: NStCM mit Ausbauplänen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4, 2012, S. 176. Nachträglich bestellten die Chemins de fer du Jura (CJ) fünf Einteiler. Ursprünglich wollten die CJ komplette Triebzüge beschaffen, die bereitgestandenen Mittel hätten aber nur für drei Züge ausgereicht.Matthias Rellstab: CJ kaufen fünf Stadler-Triebwagen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10, 2014, S. 490.

Die Anforderungen der Kunden sind unterschiedlich. MBC und Travys fahren mit 15'000 Volt Wechselspannung, die anderen Bahnen mit Gleichspannung. Die Strecken von MBC, Travys und MOB sind mit ihren starken Steigungen anspruchsvoll.Mathias Rellstab: Details zur Westschweizer Meterspur-Bestellung. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5, 2013, S. 259. Die MBC bestellten einen dreiteiligen und drei zweiteilige Züge, wobei die Zweiteiler mit den bereits vorhandenen Niederflurzwischenwagen zu Dreiteilern ergänzt wurden. Die Zugkraft ist so ausgelegt, dass sie für den Militärverkehr bis zu vier zusätzliche Personenwagen nach Bière befördern können. Mit den drei dreiteiligen Zügen steht Travys zusammen mit den beiden GTW ABe 2/6 modernes Rollmaterial für die Strecke Yverdon–Ste-Croix (YSteC) zur Verfügung. Die vier leistungsstarken Zweiteiler der MOB werden wie die Allegra der Rhätischen Bahn (RhB) zur Traktion von längeren Zügen mit bis zu neun Reisezugwagen eingesetzt, wobei die Triebwagen einzeln betriebsfähig sind und in der Regel Pendelzüge bespannen. Die TPF nutzen die neuen Fahrzeuge, um auf ihrem Meterspurnetz die erste Wagenklasse einzuführen. Die als Dreiteiler abgelieferten Züge können zur Anpassung an die Verkehrsnachfrage auch als zwei- und vierteilige Kompositionen formiert werden. Sie lösten die BDe 4/4 und Be 4/4 aus den 1970er Jahren ab, die nun den ausgeprägten Schülerverkehr abdecken.Mathias Rellstab: Neue Züge für drei Westschweizer Meterspurbahnen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11, 2015, S. 572–573. Mit ihren Be 4/4 651–655 sowie fünf modernisierten Steuerwagen ABt 711–715 aus den Jahren 1985/86 und drei Mittelwagen können die CJ den Regelverkehr seit 2016 mit behindertengerechten Kompositionen abdecken. Sie verkehren vorerst auf der Strecke Tavannes–Le Noirmont.U. Jossi: Neue CJ-Triebwagen im Einsatz. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7, 2017, S. 325. Die MBC und MOB vereinbarten Optionen über je eine zusätzliche Komposition, die TPF über vier und die NStCM über fünf, wobei die Bestellung der NStCM für das Jahr 2018 geplant war. Im Dezember 2019 bestellte die NStCM sechs weitere Züge, die voraussichtlich im Jahre 2022 abgeliefert werden sollten. Wie erst im Dezember 2022 bekannt wurde, bestellte die TPF im Jahr 2020 drei weitere Züge und im Juni 2021 noch einen zusätzlichen Zug, bestehend aus ABe 2/4 – B – Be 2/4 mit den Nummern 107–110 bei Stadler. Die Lieferung der ersten drei Züge sollte im November 2023 erfolgen, der vierte Zug im Februar 2024.

Technik mini|Die Niederflurzwischenwagen B 2065–2067 der MBC bildeten den Ausgangspunkt der Konstruktion Die Meterspurzüge weisen einige Gemeinsamkeiten mit den normalspurigen Stadler Flirt auf. So sind die angetriebenen Drehgestelle an den äussersten Enden der Züge und die elektrische, stark redundante Ausrüstung auf dem Dach angeordnet. Auf Jakobsdrehgestelle wie bei den Flirt wurde aber verzichtet, weil damit bei Meterspurfahrzeugen keine niederflurigen Durchgänge realisierbar sind. Die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h kann nicht bei allen Bahnen ausgefahren werden.

Bei der Konstruktion der ABDeh 8/8 der Berner-Oberland-Bahn wurden die Wagenkästen mit den Führerkabinen und die Stromrichter von den Westschweizer Meterspurzügen übernommen.

Mechanischer Teil mini|Be 4/4 651 der Jurabahnen CJ. Der Führerstand erfüllt die Crashnorm EN 15227. Die Wagenkästen bestehen aus einer vollständig geschweissten Aluminiumkonstruktion. Das Grundkonzept der Triebwagen stammt von den Zahnradtriebzügen Adler und Fink der Zentralbahn. Bei den Gleichstrombahnen TPF und NStCM bestimmte die Infrastruktur der NStCM die Länge der Wagenkästen. Sie sind kürzer als bei den ähnlich konzipierten RBe 4/8 der Chemin de fer Lausanne–Echallens–Bercher (LEB). Die Frontpartien entsprechen den verschärften Crashnormen. Ein zusätzlicher Querträger im Führertisch-Brüstungsbereich trägt den Kollisionsrisiken der Bahnen mit Rollbock­verkehr Rechnung. Die Konstruktion der Führerkabinen und die Anordnung der Bedienelemente lehnen sich stark an jene der Adler- und Finkzüge an. Die Verkleidung der Führerkabinen besteht aus einer GFK-Sandwichkonstruktion. Die ersten Schmalspurfahrzeuge von Stadler mit einer solchen Frontpartie sind die Schmalspur-Flirt ABe 4/8 „Diamant“ der BDWM.Theo Weiss: Stadler – Von der Stollenlokomotive zum Doppelstockzug. Minirex, Luzern 2010, ISBN 978-3-907014-33-2, S. 114. Die Bauweise der Niederflurzwischenwagen wurde von den 2011 an die MBC gelieferten B 2065–2067 übernommen. Alle Seitenwände sind mit C-Profilen zur Aufnahme der Cantilever-Bestuhlung versehen.

Die Triebdrehgestelle sind eine Weiterentwicklung jener der Allegra-Züge der RhB, die Achsantriebe stammen von den Adler- und Fink-Zügen. Ein kurzer Radstand von 2000 Millimetern und ein Drehkranz ermöglichen einen optimalen Lauf in den Kurven. Die Laufdrehgestelle entsprechen jenen der Zwischenwagen MBC B 2065–2067. Die Drehgestelle können mit Magnetschienenbremsen ausgestattet werden, wovon die einzelnen Bahnen je nach Bedarf Gebrauch machen.

mini|Die ABe 4/8 der NStCM verkehren mit 1500 V Gleichspannung und verfügten anfänglich über halbautomatische +GF+-Kupp­lungen Obwohl bei den TPF und der MOB Vakuumbremsen verwendet werden, sind die Triebzüge aller Bahnen mit Druckluftbremsen mit 5 bar Hauptleitungsdruck ausgestattet. Ältere Fahrzeuge, die mit den (A)Be 4/4 beziehungsweise (A)Be 2/4 verkehren, mussten entsprechend angepasst werden. Als Betriebsbremse dient die leistungsfähige Rekuperationsbremse, die bei den Triebwagen der Gleichstrombahnen mit Bremswiderständen ergänzt ist, falls das Fahrleitungsnetz nicht aufnahmefähig sein sollte. Als Ergänzung dient die ep-Bremse, die bei Trieb- und Laufdrehgestellen unabhängig voneinander angesteuert wird. Die indirekte Bremse wird ohne elektronische Unterstützung bedient und nur als Sicherheitsbremse verwendet.

Bei den (A)Be 4/4 der MOB und den (A)Be 2/4 und TPF sowie der NStCM sind vollautomatische Schwab-Kupplungen vorhanden, die anderen Züge verkehren mit GFN-Kupplungen. Die Züge der NStCM hatten anfänglich ebenfalls GFN-Kupplungen, um mit den bisherigen Zügen in Vielfachsteuerung fahren zu können. Die Nachlieferung ersetzte diese älteren Pendelzüge und wurde mit Schwab-Kupplung abgeliefert, die vorher gelieferten Züge wurden danach umgerüstetFoto auf der offiziellen Homepage der Bahn. Die Pendelzüge Be 4/4 und ABt der CJ weisen an den Führerstandsenden Schwab-Kupplungen und innerhalb der Komposition die bisher üblichen +GF+-Kupplungen auf. Die Schwab-Kupplungen der MOB-Triebwagen sind unter Last höhenverstellbar, um das Befahren der Umspuranlage in Zweisimmen zu ermöglichen. Die spurwechselfähigen Wagen des Golden-Pass-Express liegen in Regelspurstellung wegen der Perronhöhen etwa 20 cm höher als in Meterspurstellung.

mini|Wechselstromzug der MBC mit klassischer +GF+-Kupplung