Die Stettin-Rostocker Operation () vom 20. April bis 5. Mai 1945 war im Zweiten Weltkrieg eine der letzten Operationen der sowjetischen Truppen im Raum Mecklenburg und Vorpommern sowie Teil der Berliner Operation. Im Verlauf dieser Kämpfe wurde die deutsche 3. Panzerarmee an der nördlichen Oderfront durch mehrere sowjetische Armeen der 2. Weißrussischen Front geschlagen und verfolgt. Beim Abschluss der Kämpfe wurde der sowjetische Vormarsch in Vorpommern an der Linie Stralsund–Rostock, in Mecklenburg vor Schwerin und im nördlichen Brandenburg an der Linie Wittstock–Wittenberge an der Demarkationslinie gestoppt und die Verbindung mit den verbündeten Truppen der alliierten 21. Armeegruppe hergestellt.
Vorgeschichte Nach der Schlacht um Ostpommern wurden die Truppen der 2. Weißrussischen Front unter Marschall K. K. Rokossowski nach Westen an die nördliche Oder-Front verschoben, um die Truppen der 1. Weißrussischen Front bei der Berliner Operation zu unterstützen. Rokossowskis Front verlief auf etwa 170 Kilometer von der Mündung der Oder, weiter entlang des östlichen Ufers bis südlich nach Schwedt und Oderberg, wo der Anschluss an die 61. Armee der 1. Weißrussischen Front erfolgte. Die Hauptmacht der Front (65., 70. und 49. Armee) wurde zwischen Altdamm und Schwedt konzentriert.
Am 10. April führte Marschall Rokossowski die Erkundung des künftigen Angriffsraumes durch. Es stellte sich heraus, dass die Flussaue zwischen den beiden Armen der Oder überflutet war, es hatte sich ein durchgehender Wasserraum von bis 3 km Breite gebildet, der wegen des flachen Wassers durch Boote schwer passierbar war. Um die überflutete Oder-Aue besser zu überwinden, sollten die Überreste der baufälligen Staudämme genutzt werden. In Folge wurde beschlossen, den Fluss auf der ganzen Strecke gleichzeitig zu überschreiten, und an der Stelle, wo sich der Erfolg zeigte, sofort alle Reserven zum Nachstoßen nachzuführen. Am 13. April begannen sich die Truppen der 2. Weißrussischen Front auf die Offensive vorzubereiten, die 65. Armee besetzte die Ausgangsposition am Brückenkopf von Altdamm bei Ferdinandstein. Südlich davon kamen ab 16. April die Truppen der 70. Armee an der Oder an. Zwischen Kranzfelde bis Nipperwiese etablierte sich die sowjetische 49. Armee, einen Tag früher rückte als südlicher Nachbar die 61. Armee der 1. Weißrussischen Front in ihre Ausgangsstellungen. Die Truppen der 2. Stoßarmee lösten ab 15. April früh die nördlich der 65. Armee zwischen Kammin und Greifenberg stehenden Teile der polnischen 1. Armee ab. Am selben Tag bezog ein Teil der 19. Armee (W. S. Romanowski) die Ostsee-Küste und löste das 3. Garde-Kavallerie-Korps ab, das einen Übergang nach Schwedt führen sollte.
Aufmarsch mini|hochkant|Hasso von Manteuffel Im Rahmen der Heeresgruppe Weichsel stand die 3. Panzerarmee der sowjetischen Übermacht mit etwa 11 Divisionen und etwa 220 Panzern gegenüber: Von Nord nach Süd standen folgende Formationen unter General der Panzertruppe Hasso von Manteuffel und dessen Stabschef Generalmajor Burkhart Müller-Hillebrand an der Oderfront:
Verteidigungsbereich Swinemünde (Generalleutnant John Ansat) mit der Ausbildungs-Division 402 (Generalleutnant Siegmund von Schleinitz) am Peene-Abschnitt als Reserve bei Mellenthin, Festung Swinemünde und die 3. Marine-Division (Oberst Henning von Witzleben, später Oberst Fritz Fullriede) zunächst am Ostufer der Halbinsel Wollin. Seekommandant Pommern, zu dessen Gebiet Swinemünde zählte, war Kapitän zur See Johannes Rieve. XXXII. Armeekorps (General der Infanterie Friedrich-August Schack) hielt mit der Kampfgruppe Ledebur die Küste am Haff von Neuwarp abwärts, die 549. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Karl Jank) südlich davon zwischen Ziegenort bis Pölitz im Raum nördlich von Stettin. Als Reserve fungierte dahinter die Divisionsgruppe „von Ledebur“ (Oberst Hans-Jürgen von Ledebur) und die 281. Infanterie-Division (Generalleutnant Bruno Ortner) beidseitig der Festung Stettin, deren Garnison unter Generalmajor Ferdinand Brühl stand. Erste Teile der 7. Panzerdivision (Oberst Hans Christern) wurden bereits über See aus Danzig herangeführt. Das Korps Oder (SS-Obergruppenführer und General der Polizei und Waffen-SS Erich von dem Bach-Zelewski) im Hauptangriffsfeld liegend mit der 610. Infanterie-Division (Oberst Fritz Fullriede) südlich von Stettin bei Kurow beiderseits der Autobahn, mit der Division „Wellmann“ folgend nördlich von Pargow bis südlich Gartz, als Reserve bei Hohenleihe fungierte die Infanterie-Brigade „Klossek“. XXXXVI. Panzerkorps (General der Infanterie Martin Gareis) mit der 547. Volksgrenadier-Division (Generalmajor Erich Fronhöfer) beiderseits von Schwedt und südlich davon mit der 1. Marine-Division (Generalmajor Wilhelm Bleckwenn) bis Hohensaaten, wo an der Naht zur 9. Armee die 5. Jäger-Division des CI. Armeekorps (General der Artillerie Wilhelm Berlin) anschloss. Als Reserve war im Raum Passow und Löcknitz das III. SS-Panzerkorps (SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Felix Steiner) mit den Resten der 27. SS-Division „Langemarck“ (SS-Standartenführer Thomas Müller) und der 28. SS-Division „Wallonien“ (SS-Standartenführer Léon Degrelle) verfügbar. 18. Panzer-Grenadier-Division (Generalmajor Josef Rauch) im Raum Joachimsthal 15. Waffen-Grenadier-Division der SS (lettische Nr. 1) (SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Karl Burk)
In der Nacht zum 16. April haben einzelne sowjetische Einheiten die Dämme in der Oderaue besetzt. Der erkannte Aufmarsch der sowjetischen Truppen wurde durch die Artillerie der Festung Stettin behindert. In den folgenden Tagen wurde die Masse der Angriffstruppen nach vorne verlegt. Bis zum 17. April war der Aufmarsch der gepanzerten Reserve, bestehend aus dem 1., 3. und 8. Garde-Panzer- und dem 8. Mechanisierten Korps abgeschlossen. Die ganze Nacht vom 19. auf den 20. April hindurch, bombardierte die sowjetische Luftwaffe die deutschen Verteidigungsanlagen. Um den Feind in die Irre zu führen, wurden Vorbereitungen getroffen, um den Fluss auch nördlich von Stettin mit Truppen der 2. Stoßarmee zu überschreiten.
Der Angriff über die Oder am 20. April Die 2. Weißrussische Front zählte 33 Schützendivisionen, drei Artilleriedivisionen und mehrere Artillerie- und Raketenwerferbrigaden. Rokossowskis Front besaß 951 Panzer und Selbstfahrgeschütze sowie 8320 Artilleriegeschütze (davon 2770 Minenwerfer). Am Morgen des 20. April begann der Angriff der 49., 70. und 65. Armee zwischen Schwedt und Stettin über die Oder, als Reserve wurde die 2. Stoßarmee bereitgestellt. Zu Beginn der Operation wurde die 4. Luftarmee unter General K. A. Werschinin eingesetzt. Die Trennlinie mit der 1. Weißrussischen Front war beim Vormarsch nach Westen an der Linie Arnswalde, Schwedt, Angermünde, Gransee, Wittenberge festgesetzt.
2. Weißrussische Front 19. Armee (Generalleutnant Wladimir Sacharowitsch Romanowski) 40. Garde-Schützenkorps – Generalleutnant Semjon Petrowitsch Mikulski 134. Schützenkorps – Generalmajor Andrei G. Frolenkow
2. Stoßarmee (Generalleutnant Iwan Iwanowitsch Fedjuninski) 108. Schützenkorps – Generalleutnant Vitali Polenow 98. Schützenkorps – Generalleutnant Georgi Iwanowitsch Anisimow 116. Schützenkorps – Generalmajor Fjodor Kusmitsch Fetisow
65. Armee (Generaloberst Pawel Batow) 37. Garde-Schützendivision 105. Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Alexejew 46. Schützenkorps – Generalleutnant Konstantin Maximowitsch Erastow 18. Schützenkorps – Generalleutnant Nikita Jemeljanowitsch Tschuwakow ab 22. April 1. Garde-Panzerkorps, Generalmajor Michail Fedorowitsch Panow mit 15., 16. und 17. Garde-Panzerbrigade sowie 30. Panzerbrigade
70. Armee (Generaloberst Wassili Stepanowitsch Popow) 96. Schützenkorps – Generalleutnant Jakub Jangirowitsch Tschanyshew 47. Schützenkorps – Generalleutnant Michail Iwanowitsch Dratwin 114. Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Iwanowitsch Rjabyschew 3. Garde-Panzer Korps, Generalleutnant Alexei Pawlowitsch Panfilow mit 3., 18. und 19. Panzerbrigade sowie 2. Garde-Schützen-Brigade 3. Garde-Kavalleriekorps, Generalleutnant Nikolai Sergejewitsch Oslikowski mit 5. und 6. Garde- sowie 32. Kavallerie-Division
49. Armee (Generalleutnant Iwan Tichonowitsch Grischin) 70. Schützenkorps – Generalleutnant Wassili Terentjew 121. Schützenkorps – Generalleutnant Dmitri Iwanowitsch Smirnow 8. Garde-mechanisches Korps, Generalmajor Alexander Firsowitsch mit 58., 59. und 60. Garde-mechanisierte Brigade sowie 116. Panzerbrigade
Die 65. Armee, war die erste, die einen Brückenkopf am Westufer des Flusses bilden konnte, wo mit Fähren sofort weitere Truppen nachgeführt wurden. Von 9 Uhr morgens an verbesserte sich das Wetter, die sowjetische Luftwaffe konnte Unterstützung leisten. Bis 13.00 Uhr hatten die Pioniere der 65. Armee im Raum Pritzlow zwei 16 Tonnen schwere Brücken fertiggestellt. Am ersten Tag der Schlacht errichteten Batows Truppen einen Brückenkopf von über 6 Kilometern Breite und 1,5 Kilometer Tiefe. Dorthin wurden zunächst vier Schützendivisionen des 46. und 18. Schützenkorps unter Generalleutnant K. M. Erastow und N. J. Tschuwakow übergesetzt. Nach dem Durchbruch der Verteidigung des Feindes wurde jede Armee durch ein Panzer-Korps verstärkt. Das 3. Garde-Kavallerie-Korps verblieb vorerst hinter der linken Flanke der 49. Armee in Reserve. Die Truppen der 70. Armee die im Raum Greifenhagen konzentriert waren, gelang es im Raum Gartz ebenfalls, am westlichen Ufer Fuß zu fassen. Südlich davon hatte auch die 49. Armee erste Erfolge. Ihre Pioniere konnten über den Kanälen im leeren Kampfraum Übergänge errichten, nachdem dieser Raum von der deutschen Verteidigung verlassen worden war. Nach Einschätzung der neuen Situation entschied Rokossowski, eine der Übergangsbrücken zur Übersetzung der 2. Stoßarmee einzusetzen. Die Festung Stettin sollte aus dem Süden umgangen werden.
General Manteuffel warf alle deutschen Reserven in den Durchbruchsraum der 65. Armee. Mit Unterstützung der Artillerie der Festung Stettin (Generalmajor Ferdinand Brühl) wurden die Truppen der sowjetischen 65. Armee auch an der nördlichen Flanke bedroht. Dem separat im Norden Berlins an der Frontlinie Spandau–Oranienburg–Finow-Kanal mit Front nach Süden eingesetzten III. SS-Panzerkorps wurde zur Verstärkung die 4. SS-Polizeidivision (General Walter Harzer) zugeteilt, um die sowjetische Umfassung Berlins aus dem Westen aufzuhalten. Gleichzeitig hatte sich das an der Oder geschlagene CI. Armeekorps (Generalleutnant Sixt) auf den Brückenkopf von Eberswalde zurückgezogen.
Am folgenden Tag rangen die Truppen Rokossowskis um den Ausbau der errichteten Brückenköpfe. Die sowjetische 49. Armee schaffte es, bei Fiddichow Gelände am Westufer der Oder zu sichern, der Ausbruch über Hohenleide zum Randow-Bruch konnte aber noch nicht erreicht werden. Es wurde beschlossen, hier möglichst viele deutsche Truppen zu binden, den nächsten Hauptschlag rechts davon, aus dem Brückenkopf der 65. Armee zu führen. Am 22. April gelang der sowjetischen 70. Armee im Raum Gartz ein begrenzter Durchbruch in Richtung auf Petershagen, wo schwache Gegenstöße der 27. SS-Grenadier-Division abgeschlagen wurden. Am 23. April war es möglich, über die Kanäle eine Brücke mit einer Nutzlast von 60 Tonnen zu errichten, die sofort durch deutsches Artilleriefeuer eingedeckt wurde. Obwohl einige Pontons beschädigt wurden, wurde die Brücke repariert und die deutschen Batterien zerstört. Sowjetische Panzer begannen danach sofort, die Oder zu überqueren. Die letzten 300 bis 400 Verteidiger von Schwedt hatten sich bereits am 24. April auf Fahrrädern in Richtung auf Parchim abgesetzt.