mini|Rapsfelder nahe Reitzenstein

Reitzenstein ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Issigau im Landkreis Hof (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Reitzenstein hat eine Fläche von 5,492 km². Sie ist in 625 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 8787,67 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Griesbach und Sinterrasen.

Geografie Das Dorf liegt nahe der thüringischen Grenze im Issiggrund. Über dem Dorf erhebt sich Schloss Reitzenstein, der Stammsitz der Freiherren von Reitzenstein, unterhalb des Ortes fließt der Issigbach. Der Schlosspark ist als Naturdenkmal ausgezeichnet. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Issigau zur Staatsstraße 2198 (1,1 km westlich), nach Griesbach (2,2 km südwestlich) und zur St 2198 (0,9 km östlich). Ein Wirtschaftsweg führt nach Sinterrasen (1,2 km südlich).

Geschichte mini|Wappen der Freiherren von Reitzenstein Der Ort wurde im Jahre 1325 erstmals urkundlich erwähnt: Konrad von der Grun nannte sich seit diesem Jahr nach seinem Stammsitz, der Veste Reitzenstein, „Konrad von Reichzenstein“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der weibliche Personenname Richiza.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 186.

Der Stammsitz der Freiherren von Reitzenstein ging im Laufe der Zeit in andere Hände über. Die Schlosskapelle St. Wolfgang wurde später aufgelassen. Teile des Altars fanden einen neuen Platz in der Issigauer Kirche. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Reitzenstein Gerichtssitz. Ursprünglich hatte der Rittergutsbesitzer die Hohe Gerichtsbarkeit inne, der Flurname Galgenbühl erinnert noch daran. Zuletzt gab es nur noch ein Patrimonialgericht.

Nach der Eingliederung in Bayern gingen auch die Aufgaben des „koeniglich bayerischen adelich von Püttnerschen Partimonialgerichts Reitzenstein“ ans Landgericht Naila über. Auf dem Gebiet des ehemaligen Rittergutes Reitzenstein wurden durch die bayerische Gemeindeordnung die Gemeinden Reitzenstein, Issigau und Kemlas geschaffen. Rechte des Fürstenhauses Reuß im Reitzensteiner Gebiet wurden vom Königreich Bayern abgelöst. 1876 wurde die Freiwillige Feuerwehr Reitzenstein gegründet. 1889 kauften die Freiherren von Reitzenstein ihren Stammsitz zurück.

Verwaltungsgeschichte Zur Realgemeinde Reitzenstein gehörte Sinterrasen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Reitzenstein aus 40 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit hatten das Rittergut Issigau und das Rittergut Reitzenstein gemeinsam inne. Grundherren waren das Rittergut Issigau (1 Haus) und das Rittergut Reitzenstein (1 Wirtshaus, 1 Mühle, 15 Gütlein, 20 Tropfhäuser, 2 Häuser). Das Schloss war herrschaftlicher Besitz.M. Körner: Naila, S. 301f.

Von 1797 bis 1810 unterstand Reitzenstein dem Justiz- und Kammeramt Hof. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde Reitzenstein dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Issigau zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Reitzenstein mit den Orten Brand, Eichenstein, Einsiedel, Griesbach, Kupferbühl, Preußenbühl, Sinterrasen und Wolfstein. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Reitzenstein zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt). 1920 wurde die Einöde Preußenbühl an die Gemeinde Issigau abgetreten. 1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 10,551 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Reitzenstein am 30. April 1978 aufgelöst: Brand und Einsiedel kam an die Stadt Naila, der Rest wurde nach Issigau eingemeindet.

Baudenkmäler Haus Nr. 7: Gasthaus am Schloss Häuser Nr. 7, 7, 12: Schloss Reitzenstein

ehemalige Baudenkmäler Haus Nr. 8: Zweigeschossiges, verputzt massives Wohnstallhaus mit Krüppelwalmdach, Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert; zwei zu vier Achsen; Giebeltrapez verschiefert. Fenstergewände aus Granit, 19. Jahrhundert. Haus Nr. 24: Eingeschossiges, verputzt massives Kleinhaus, vermutlich spätes 18. Jahrhundert, mit steilem Satteldach, zwei zu vier Achsen; Giebeldreiecke verschiefert; im vorderen Teil noch originale hölzerne Fensterrahmungen.K.-L. Lippert: Landkreis Naila, S. 53f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Haus Nr. 32: Frackdachhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; Erdgeschoss verputzt massiv, hofseitiges Obergeschoss in verputztem Fachwerk, Giebel verschiefert (teilweise in Kunstschiefer erneuert). Haus Nr. 44: Ehemaliges Schlossgut. 1557 bei einer Besitzteilung für Sebastian Friedrich von Reitzenstein errichtet; später, so noch 1637, mehrfach als „Neubau“ bezeichnet. Der bestehende Bau im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert überarbeitet. – Langgestrecktes, zweigeschossiges Gebäude, verputzt massiv, zwei zu sieben Achsen, mit Halbwalmdach; Giebeltrapez verschiefert. Schlichte Fenster- und Türrahmungen in Granit; an der Wohnungstür über vermauertem Oberlicht waagrechte Gesimsverdachung.

Einwohnerentwicklung Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl in Reitzenstein enorm, von 1939 bis 1950 um insgesamt 81 Prozent. Der Grund waren die vielen Vertriebenen, die nach dem Krieg dort eine neue Heimat fanden.

Gemeinde Reitzenstein Jahr 1819 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 404 506 514 507 506 507 481 504 493 469 471 503 516 522 483 481 493 444 429 756 777 734 560 380HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 79 75 77 82 94 94 94 Quelle Für die Gemeinde inklusive Brand (S. 11), Eichenstein (S. 23) und Griesbach (S. 38).

Ort Reitzenstein Jahr 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 261 308 298 270 260 256 362 268 222 153Häuser 45 50 56 55 55 60Quelle

Religion Reitzenstein ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Simon und Judas (Issigau) gepfarrt.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Geographie (Issigau) Kategorie:Ort im Landkreis Hof Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Hof) Kategorie:Ersterwähnung 1325 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Reitzenstein (Adelsgeschlecht) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Hof