Gerhard von Sabbioneta (auch Gerardus de Sabioneta, Gerardo da Sabbioneta, Sabbionetta und andere Formen) war ein italienischer Astronom und Astrologe des 13. Jahrhunderts.

Leben und Werk Gerhard von Sabbioneta stammte aus Sabbioneta bei Cremona und wurde häufig mit Gerhard von Cremona verwechselt. Er ist in der Zeit um 1255 belegt und hatte einen Ruf als bedeutender Astrologe.Boncampagni (Atti Acad. Pontificia, Band 4, 1851/52, S 458ff) gibt an, dass eine Liste seiner Konsultationen zwischen 1256 und 1260 existiert, zitiert nach Haskins, Studies in the history of mediaeval science, Harvard UP 1924, S. 257 Er wurde auch als Arzt bezeichnet.

Ihm wurde unter anderem von Ferdinand Wüstenfeld, Girolamo Tiraboschi und Baldassare BoncompagniLemay, Artikel Gerard of Cremona, Dict. Sci. Biogr., S. 189 die Theorica planetarum zugeschrieben, eine beliebte Einführung in die Planetentheorie im Mittelalter, die aus dem 13. Jahrhundert stammt. Olaf Pedersen vertritt dagegen die Ansicht, sie wäre von einem anonymen Autor in der Mitte des 13. Jahrhunderts verfasst.Pedersen, A survey of the Almagest, Springer 2011, S. 18 mit Verweis auf Pedersen, The Theorica Planetarum-Literature of the Middle Ages, Classica et Mediaevalia, Band 23, 1962, S. 225–232 Dieses Werk hatte zwar eine Reihe von Fehlern, stellte aber die Hauptzüge der ptolemäischen Theorie kurz und prägnant dar und war deshalb über 300 Jahre das Hauptlehrbuch dazu an den Universitäten mit über 200 bekannten Handschriften. Richard Lemay hält eine Zuschreibung an Gerhard von Cremona für möglich, zum Beispiel aufgrund einer Handschrift in Sankt Petersburg, in der das Werk mit Handschriften aus dem 12. Jahrhundert von Gerhard von Cremona und Johannes Hispalensis enthalten ist.Lemay, Dict. Sci. Biogr., Band 15, S. 189

Gerhard von Sabbioneta wurde auch ein sonst häufig Gerhard von Cremona zugeschriebenes Liber Geomantie zugeschrieben (bzw. Geomantia astronomica), aber mit schwachen Argumenten und wie bei der Theorica planetarum ohne Unterstützung aus mittelalterlichen Handschriften.Lemay, Artikel Gerard of Cremona, Dict. Sci. Biogr., Band 15, S. 186

Möglicherweise war Gerhard von Sabbioneta mit dem Hof Friedrichs II. verbunden und möglicherweise um 1220 Professor in Bologna.Giancarlo Petrella, L'officina del geografo: la "Descrittione di tutta Italia" di Leandro Alberti., Mailand 2004, Fußnote 273, S. 269

Literatur Baldassare Boncompagni: Della vita e delle opere di Gherardo Cremonese, traduttore del secolo duodecimo, e di Gherardo da Sabbionetta, astronomo del secolo decimoterzo, Rom 1851, Digitalisat R. Lemay, Gerard of Cremona, Dictionary of Scientific Biography, Band 15

Weblinks Alcuin, Infothek der Scholastik

Einzelnachweise

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