mini|500x500px|Die Grafik zeigt die Wassermenge, die vom 30. Juni 2013 bis 31. März 2018 in dem größten Wasserreservoir des Westkaps vorhanden war. Man sieht, wie sich die Wassermenge ständig verringert, während sich die Wasserkrise von Kapstadt verschärft. Außerdem sieht man, dass der Wasserverbrauch seit Anfang 2018 sinkt. Die Berechnungen und Vorhersagen zeigten an, dass im Mai 2018 nur noch 12 % der ursprünglichen Reserven vorhanden sein würden. Diese Berechnungen stützen sich auf Daten vor der Wasserkrise. Daten sind der Climate Systems Analysis Group (CSAG) (Klimasystemanalysegruppe) entnommen.

Zur Wasserkrise von Kapstadt kam es ab 2015 in der südafrikanischen Provinz Westkap aufgrund von Dürre und einer schweren Wasserknappheit, von der die Großstadt Kapstadt schwer betroffen war.

Die Stadt berechnete voraus, dass es aufgrund schwindender Wasserreserven im April 2018 zum Aussetzen der kommunalen Wasserversorgung kommen werde und veröffentlichte zu Anfang 2018 einen Plan für den „Tag Null“ („Day Zero“). Kapstadt wäre die erste Großstadt gewesen, die ihren Wasserbedarf nicht mehr hätte selbst decken können.

Durch gezielte Sparmaßnahmen und die gleichzeitige Erhöhung des Wasserangebotes konnte bereits im März 2018 der tägliche Wasserbedarf auf 500 Millionen Liter gesenkt werden. Diese Maßnahmen sowie eine hohe Niederschlagsmenge erhöhten im Juni 2018 das Wasserlevel in den Talsperren auf 43 % ihrer Gesamtspeicherkapazität. Obwohl die Stadt mitteilte, dass die Wahrscheinlichkeit gering sei, dass die „Stunde Null“ 2019 eintreten wird, blieben die Wassereinsparungsmaßnahmen und die Nutzungsobergrenzen weiter aktiv. Ziel war es, die Wasserreservoirs auf 85 % ihrer Gesamtspeicherkapazität zu füllen, am 16. Juli 2018 wurde ein Füllungsgrad von 55,1 % erreicht.

Hintergrund Die Region um Kapstadt liegt in einem mediterranen Klima mit warmen und trockenen Sommern und Regenfällen im Winter. Das Wasser wird hauptsächlich über sechs große Talsperren und Speicher des Wasserversorgungssystems von Westkap bereitgestellt. Diese befinden sich in den Gebirgsregionen um die Stadt herum. Die Talsperren füllen sich über Regenfälle vor allem in den Wintermonaten der Südhalbkugel von Mai bis August. In den Sommermonaten von November bis April steigt der Wasserverbrauch. Der allgemeine Wasserbedarf steigt und zusätzliches Wasser wird für die künstliche Bewässerung benötigt.

Seit 1995 ist die Bevölkerung von Kapstadt von 2,4 Millionen auf 4,3 Millionen Menschen im Jahr 2018 gestiegen. Dies entspricht einem Bevölkerungswachstum von 79 % innerhalb von 23 Jahren. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das Wasserspeichervolumen nur um 15 %.

Von 1950 bis 1999 stieg der Frischwasserverbrauch in Kapstadt entsprechend dem Bevölkerungswachstum um 4 % pro Jahr. 1999 bestand der höchste Wasserverbrauch mit 335 Millionen Kubikmetern. Bereits in den 1990er Jahren wurden Pläne für die Deckung des steigenden Wasserbedarfs ausgearbeitet. Bedingt durch die geringen Niederschlagsmengen in den Wintern 2000/2001 und 2003/2004 wurden 2007 erstmals Obergrenzen für den Wasserverbrauch durchgesetzt. Im Jahr 2000 begannen die Bauarbeiten des Berg River Dam, den die Stadt zusammen mit dem damaligen Ministerium für Wasserangelegenheiten initiierte. Zudem wurde ein Wassermanagement eingeführt. So konnte bis 2009 die Wasserspeicherkapazität in Kapstadt von 768 Millionen Kubikmeter um 17 % auf 898 Millionen Kubikmeter erhöht werden.

2007 gab das Ministerium für Wasserangelegenheiten und Forstwirtschaft bekannt, dass die Wassernachfrage von Kapstadt das Wasserangebot übersteigen würde, falls nicht ernsthafte Maßnahmen zur Wassereinsparung und zum Nachfragemanagement eingeführt würden. Trotz der resultierenden Erfolge konnte die schwere Dürre von 2015 bis 2017 nicht kompensiert werden. Dies führte zu der beschriebenen Regulierung des Wasserverbrauches.

Ursachen Die Hauptursache der Kapstadter Wasserkrise war die extreme Dürre 2015 bis 2017, welche alle Planungen des Ministeriums für Wasser und Abwasser zunichtemachte. Hinzu kamen der starke Bevölkerungszuwachs (50 % in einem Jahrzehnt), die nötige künstliche Bewässerung in der Landwirtschaft, Neozoen und die schlechte Einhaltung der verhängten Verbrauchsrestriktionen. Höhere Abgaben für den Wasserbrauch, Optimierungen des Wasserdruckmanagement im System, verringerter Wasserverlust durch reparierte Schäden in den Leitungen sowie die Information der Bevölkerung über Wassereinsparungsmöglichkeiten entschärften die Situation.

Eine Studie der Universität Kapstadt zeigte, dass die Regenfälle in Kapstadt von 2015 bis 2017 im statistischen Vergleich zu anderen Perioden außergewöhnlich niedrig waren.

Einige Wissenschaftler nahmen an, dass die Wasserkrise durch den weltweiten Klimawandel verstärkt wurde. Innerhalb des letzten Jahrhunderts ist die globale Temperatur um 1 Grad gestiegen. Modellierungen für das Klima von Kapstadt zeigen, dass in den nächsten zehn Jahren die Temperatur um weitere 0,25 Grad steigen wird, welches die Dürren weiter verschlimmern würde. Nach den Berechnungen wird es in Folge auch weniger Niederschlag geben. Außerdem könnte sich die Krise von Kapstadt auf weitere Städte ausweiten.

Das Wassersystem von Westkap baut weiterhin auf den hydrologischen Parametern der Vergangenheit auf. Die Klimaveränderung wird die Niederschlagsergiebikeit der Region sowie die Verdunstung beeinflussen. Dies wird voraussichtlich zu einer Übernutzung und Reduktion der Wasserressourcen führen. 29 % des Wasserverbrauchs in Westkap gehen auf die Landwirtschaft zurück. Auch der Verbrauch dieses Sektors unterlag starken Einschränkungen während der Dürreperiode.

Zeitliche Abfolge Wasserlevel als Prozent der maximalen Dammkapazität nach JahrenHauptdämme16. Juli 201814. Mai 201815. Mai 201715. Mai 201615. Mai 201515. Mai 2014Berg Fluss Damm84.739.232.427.254.090.5Steenbras Lower55.935.426.537.647.939.6Steenbras Upper97.059.656.756.957.879.1Theewaterskloof Dam40.712.015.031.351.374.5Voelvlei Dam54.614.517.221.342.559.5Wemmershoek Dam84.948.436.048.550.558.8Absolute gespeicherte Menge (in Megalitern)494 589191 843190 300279 954450 429646 137% der gesamten Speicherkapazität55.121.421.231.250.171.9

2015–2016 Nach reichlichen Regenfällen in den Jahren 2013 und 2014 begann in Kapstadt 2015 eine dreijährige Dürreperiode. Sie wurde verstärkt durch Großwetterlagen wie El Nino sowie den globalen Klimawandel. Die Wassermenge in den Speichern der Stadt fiel innerhalb eines Jahres von 71,9 % auf 50,1 % (2015). Ab Januar 2016 wurden Verbrauchsobergrenzen auf das Level 2 gesenkt, im November 2016 trat die Verschärfung der Obergrenzen auf Level 3 in Kraft.

Die starken Regenfälle und Fluten in anderen Teilen Südafrikas beendeten im August 2016 die Dürreperiode in Kapstadt, während Westkap weiterhin betroffen war.

2017 Ab Februar 2017 wurden die Verbrauchsobergrenzen zum Level 3B herabgesetzt.

Im Mai 2017 wurde die Dürre zur schlimmsten in der Geschichte der Stadt des Jahrhunderts erklärt. Die Talsperren enthielten nur noch weniger als 10 % ihrer gesamten Speicherkapazität. Im Juni 2017 wurde die Verbrauchsobergrenze auf Level 4 weiter verringert, was einem Maximalverbrauch von 100 Litern pro Person pro Tag festlegte.

Der im Juni 2017 in Kapstadt auftretende Sturm beendete trotz der Niederschlagsmenge von 50 mm Regen pro Quadratmeter die Dürre nicht. 2017 wurde der niedrigste Gesamtniederschlag seit 1933 registriert. mini|300x300px|Die Karte zeigt die Hauptwasserspeicher von Kapstadt und Talsperren Aufgrund der weiter anhaltenden Dürre wurden die Verbrauchsobergrenzen weiter reduziert. Im Juli trat Level 4B und am 3. September Level 5 in Kraft. Damit war der Wasserverbrauch für die nicht essentielle Nutzung wie Gartenbewässerung verboten. Zudem wurde die Verwendung von Grauwasser, u. a. für die Toilettenspülung angeordnet. Der tägliche Gesamtwassergebrauch sollte auf 500 Millionen Litern pro Tag sinken, was einen Verbrauch von 87 Liter pro Tag und Person festlegte.

Im Oktober 2017 wurde gemutmaßt, dass Kapstadt noch Wasserreserven für fünf Monate habe. Im selben Monat veröffentlichte die Stadt einen Notfallplan, der in Kraft treten würde, falls sich die Wasserkrise weiter verschärfen würde. Der Plan sah verschiedene Phasen vor:

Phase 1 Durch einen verringerten Wasserdruck in den Leitungen wird eine geringere Wasserentnahme erreicht. Dabei wurde zeitweise die Versorgung abgestellt und Wasserentnahmemenge rationiert. Phase 1 wurde sofort in einigen Vierteln durch eingeschränkte Liefermengen umgesetzt.

Phase 2 Weitläufige Einstellung der Wasserbelieferung und Einrichtung zentraler Wasserabnahmestellen.

Phase 3 Der Stadt steht kein Wasser aus dem Versorgungssystem Westkaps zur Verfügung. Nach kurzer Zeit würde das Kapstadter Wassersystem kollabieren.

Mitte Oktober 2017 kritisierten die Wasserentsalzungsunternehmen die Stadt, dass die Verträge nur zögerlich mit zu hohem bürokratischen Aufwand und viel zu niedrigem Gesamtvolumen abgeschlossen wurden. Es bestünde der Eindruck, dass die Ernsthaftigkeit der Lage nicht erkannt werde. Am 26. Oktober veröffentlichte die Stadt, dass der Oberstadtdirektor spezielle Notfallrechte im Zusammenhang mit der Dürre bekommen würde, um den Entscheidungsprozess zu beschleunigen.

2018 mini|Der Stauraum des Theewaterskloof-Damm, geschrumpft auf ungefähr 12 % der ursprünglichen Speicherkapazität am 12. Februar 2018 Am 24. Januar 2018 verlautbarte das Kabinett von Westkap, dass es in der Verantwortung des Landesregierung von Südafrika stünde, den Ausbau des Wassersystems von Kapstadt zu finanzieren, da „die zeitgerechte und mengengerechte Wasserbereitstellung Aufgabe des Landes sei“. Außerdem deklarierte das Kabinett der Provinz, dass es Einsatzpläne für die Südafrikanische Polizei ausarbeitete, um die Wasserverteilung nach der Stunde Null zu gewährleisten.

Mitte Januar 2018 verkündete Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille, dass die Stadt gezwungen sein werde, die kommunale Wasserversorgung abzustellen, wenn sich die Umstände nicht ändern. Sobald das Füllstand aller Talsperren unter 13,5 % sinkt, würde „Die Stunde Null“ ausgerufen werden und Level 7 in Kraft treten. Infolgedessen würde die kommunale Wasserversorgung weitgehend abgestellt werden und die Bewohner müssten ihre Wasserrationen von 25 Litern pro Tag an 149 zentralen Punkten in der Stadt abholen. Die wirtschaftliche Lage von Kapstadt würde sich verschlechtern, da Menschen anstatt ihrer Arbeit nachzugehen, sich täglich um die Besorgung ihrer Wasserrationen sorgen müssten. Die Wasserversorgung der Innenstadt aufrechterhalten, der informalen Siedlungen, deren Wasserverteilung von zentralen Punkten aus organisiert wird und wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser würde weiter versorgt werden. Bei der Vorstellung dieses Planes wurde angenommen, dass die „Stunde Null“ am 22. April 2018 erreicht werden würde. Dabei wurde angenommen, dass zwischen den vierzehntägigen Messzeiträumen die Verbrauchsrate weiterhin konstant bleibt und die Wassermenge in den Dämmen sowie die Regen- und Zulaufsmenge sich nicht verändern. mini|Steenbras Damm in den Hottentots-Holland Bergen Im Februar 2018 ließ die Groenland Wasserverbraucher Vereinigung (eine Vereinigung von Farmern in Elgin, Grabouw und Kapstadt) zehn Milliarden Liter Wasser in den Steenbras Damm laufen. mini|Kapstadts größtes Wasserreservoir, Theewaterskloof, war auf einem Level von 11 % seiner Speicherkapazität im März 2018 Dank eines verringerten Wasserverbrauchs der Haushalte fiel am 12. März 2018 die entnommene Tagesmenge auf 450 Millionen Liter und deutlich unter der Obergrenze von Level 6Bm, die 511 Millionen Litern pro Tag vorsah. Zudem sank der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft ebenfalls stark. Zusammen mit den zusätzlichen Kapazitäten der Groenland Wassernutzer Vereinigung konnte das Eintreten der „Stunde Null“ auf August 2018 und dann auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Die schwere Dürre