Risikokommunikation ist im Risikomanagement die Kommunikation der Risikoergebnisse in transparenter und nachvollziehbarer Weise – für die Entscheidungsfindung über die Vertretbarkeit des Risikos durch den Betreiber, der Behörde unter Einbeziehung von Sachverständigen sowie für die durch das Risiko betroffenen Personen in der Anlage und in der Anlagenumgebung.Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Risikomanagement im Rahmen der Störfall-Verordnung, SFK-GS-41.

Definitionen Der Begriff „Anspruchsgruppen“ (auch: Stakeholder) umfasst alle Personengruppen (interne und externe), die durch die unternehmerische Tätigkeit direkt oder indirekt gegenwärtig oder in Zukunft betroffen sind.Anspruchsgruppen, Gabler Wirtschaftslexikon, abgerufen am 19. Juli 2018. Der Begriff „Risikokommunikation“ ist aufgrund seiner Komplexität nicht eindeutig eingrenzbar. In Theorie und Praxis sind verschiedene Definitionen gängig: „Risikokommunikation beinhaltet, mögliche Risiken zu antizipieren, sensibel auf Risikoängste zu reagieren und Maßnahmen zu ergreifen, die bei einem Schadenseintritt zu befolgen sind.“Jan Lies: Praxis des PR Managements: Strategien – Instrumente – Anwendung. 2015, S. 276. „Risikokommunikation umfasst jeden zielgerichteten Austausch von Informationen über […] Risiken zwischen Individuen und zwischen interessierten Gruppen. Die Informationen beziehen sich dabei vor allem auf: die Höhe des Risikos, die Signifikanz und Bedeutung des Risikos und Entscheidungen, Handlungen und politische Maßnahmen, die darauf abzielen, die Risiken […] zu begrenzen und zu regeln.“Ortwin Renn: Risikokommunikation – Bedingungen und Probleme eines rationalen Diskurses über die Akzeptabilität von Risiken. In: Jörg Schneider (Hrsg.): Risiko und Sicherheit technischer Systeme. Birkhäuser, Basel 1991, S. 193. „Risikokommunikation dient der Erörterung von Risiken, der sachorientierten und fairen Auseinandersetzung über die Differenzen bei der Risikobewertung sowie der Findung von Lösungen bei Konflikten über Risiken.“Wiedemann, Carius u. a.: Risikokommunikation für Unternehmen. 2000, S. 24. „Der interaktive Austausch von Informationen und Meinungen über Gefahren, Risiken, risikorelevante Faktoren und Risikowahrnehmung zwischen Risikomanagern, Nutzern, Sachverständigen, Risikoverantwortlichen und weiteren Betroffenen. Aus dem Kommunikationsprozess resultieren einerseits Einzellösungen und andererseits lässt sich im Bottom-Up-Verfahren die Gesamtrisikolage zusammenführen. Die Risikokommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil eines Risikomanagement-Systems. Die Kommunikationswege sollten eine zeitnahe Information der Entscheidungsträger sicherstellen, um jederzeit Transparenz über Art und Ausmaß der Risiken zu gewährleisten.“Risikokommunikation, RiskNET Glossar & Definitionen, abgerufen am 19. Juli 2018.

Ziel der Risikokommunikation Das Ziel der Risikokommunikation ist es, eine Vertrauensposition aufzubauen und zur Reputation bei relevanten Anspruchsgruppen beizutragen.Jan Lies: Praxis des PR Managements: Strategien – Instrumente – Anwendung. 2015, S. 279.

Ein weiteres Ziel ist der Abbau von – aus der Prinzipal-Agent-Beziehung entstehenden – Informationsasymmetrie zwischen Unternehmen (Agent) und Stakeholdern (Prinzipal) durch wahrheitsgemäße und entscheidungsrelevante Informationen über Unternehmensrisiken. Eine detaillierte und transparente Risikokommunikation soll die hohe Transparenzerwartung und -forderung von Stakeholdern erfüllen.Reinhard Altenburger, Roman H. Mesicek: CSR und Stakeholdermanagement: Strategische Herausforderungen und Chancen der Stakeholderbindung. 2016, S. 13.

Einordnung und Funktion im Risikomanagement Die Risikokommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil innerhalb des Risikomanagements. Das Risikomanagement besteht laut ISO 31000 aus dem Risikomanagementprozess und dem Risikomanagementsystem, welches nach dem Prinzip eines PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) aufgebaut ist.

Die Risikokommunikation übernimmt zum einen eine prozessbegleitende Funktion innerhalb des Risikomanagementprozesses und bildet zum anderen die Grundlage für den Austausch zwischen dem Risikomanagementsystem und Risikomanagementprozess.Andrea Kampmann: Interne Risikokommunikation. 2016, S. 753. Innerhalb des Risikomanagementprozesses bestimmt die Risikokommunikation die Art und Weise des Erfassens und Austausches der Information über die festgestellten Risiken innerhalb des Unternehmens.Werner Gleißner: Grundlagen des Riskmanagements – Mit fundierten Informationen zu besseren Entscheidungen. Vahlen, München 2016, S. 25. Eine kontinuierliche Risikokommunikation stellt sicher, dass die Maßnahmen des Risikomanagements im Sinne der Risikostrategie durchgeführt werden.

Somit erfüllt die Risikokommunikation im Risikomanagement die wichtigen Funktionen der Dokumentation, Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit sowie der Sicherungsfunktion des Risikomanagements.Christian Glaser: Risikomanagement im Leasing – Grundlagen, rechtliche Rahmen und praktische Umsetzung. 2015, S. 255 f.

Wege der Risikokommunikation Das Kommunikationsprinzip „intern vor extern“ wird im Zusammenhang mit anspruchsgruppenorientierter Kommunikation für Unternehmen empfohlen. Mitarbeiter eines Unternehmens sind die wesentliche Stakeholdergruppe eines Unternehmens im Wandel.Interne Kommunikation im Change Management, Ulrike Buchholz: Interne Kommunikation im Change Management. In: Bernd-Jürgen Martini (Hrsg.): Handbuch PR. Öffentlichkeitsarbeit in Wirtschaft, Verbänden, Behörden. Grundlagen & Adressen. Luchterhand 2000. Mitarbeiter sollten als erste Informationen erhalten, bevor sie an die Öffentlichkeit gegeben werden. Gründe für diese Empfehlung sind neben Wertschätzung der Belegschaft auch betriebswirtschaftliche Gründe. Streiks und Ankündigungen zum Streik können Auswirkungen auf externe Stakeholder haben, sie können z. B. Kreditgeber verunsichern.Gerhild Deutinger: Kommunikation im Change – Erfolgreich kommunizieren in Veränderungsprozessen. 2013, S. 80. mini|Wege der Risikokommunikation Innerhalb eines Unternehmens findet die Risikokommunikation sowohl von den Geschäftsbereichen zum Risikomanagement (Bottom-Up) als auch vom Management zu den Geschäftsbereichen (Top-Down) statt. Typische Themen, die von den Geschäftsbereichen zum Risikomanagement kommuniziert werden, sind die Identifikation und Bewertung von Risiken, Informationen über das Risikobewusstsein und ggf. Ad-hoc-Mitteilungen. Informationen vom Risikomanagement zu den Geschäftsbereichen umfassen Themen bezüglich der Ziele und Strategien im Risikomanagement. Dabei können Kompetenzen und Verantwortlichkeiten zugeordnet und festgelegt werden. Ebenso erfolgt die Überwachung und Kontrolle der Prozesse von oben nach unten.

Für eine transparente und effektive Risikokommunikation ist es notwendig, dass ebenfalls innerhalb der Geschäftsbereiche über Risiken gesprochen wird, um Wechselbeziehungen und Wirkungen von Risiken festzustellen.Andrea Kampmann: Interne Risikokommunikation. 2016, S. 753.

Grundproblem der Risikokommunikation Das grundlegende Problem von Verständnisasymmetrie und damit die differenzierte Wahrnehmung des Risikos betrifft alle Stakeholdergruppen. Während Experten Risiken als Ursache-Wirkungs-Prinzip verstehen, betrachten Laien Risiken eher im Opfer-Täter-Zusammenhang und beurteilen Risiken aufgrund ihrer subjektiven Wahrnehmung und Alltagserfahrungen.´Peter M. Wiedemann/Rainer Carius u. a.: Risikokommunikation für Unternehmen. 2000, S. 8 f.Jan Lies: Praxis des PR Managements: Strategien – Instrumente – Anwendung. 2015, S. 276. Daraus ergibt sich das Aufgabenfeld der Risikokommunikation. Diese muss die Differenz zwischen dem von Experten definierten Risikoproblem und der Risikosicht der Laien mindern. Dies erfolgt, indem ein anspruchsgruppenorientiertes Instrument der Risikokommunikation gewählt wird. Ein passendes Instrument kann das Verständnis und die Wahrnehmung der Informationen vom Empfänger fördern, so dass optimale Entscheidungen getroffen werden können.Glaser: Risikomanagement im Leasing – Grundlagen, rechtliche Rahmen und praktische Umsetzung. 2015, S. 255.Wiedemann, Carius u. a.: Risikokommunikation für Unternehmen. 2000, S. 18.

Phasen der Risikokommunikation mini|Phasen der Risikokommunikation Die Risikokommunikation kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden. Betrifft diese Krisen- und Störanfälle, findet sie einmalig statt, wohingegen eine kontinuierliche Risikokommunikation in Unternehmen stattfindet, um zur Aufklärung und Prävention beizutragen.Kampmann: Interne Risikokommunikation. 2016, S. 751 ff.

Potentielle und latente Krisenphase – Prävention, Erkennung und Vermeidung Die präventive Risikokommunikation als Teil des Konfliktmanagements ist eng mit dem Begriff Issue Management verwandt. Dieses greift, wenn ein Thema extern an das Unternehmen herangetragen wird und das Potenzial besitzt das Unternehmen negativ zu beeinflussen.Deutinger: Kommunikation im Change – Erfolgreich kommunizieren in Veränderungsprozessen. 2013, S. 6. Es hat die Funktion, Umweltveränderungen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Reaktionsstrategien zu entwickeln, um Krisen zu verhindern. Eine erfolgreiche präventive Risikokommunikation erfordert die Kenntnis der zu adressierenden Medien und Akteure, als auch eine detaillierte Planung des Informationsflusses.Herausforderungen an die interne und externe Kommunikation in der Krise, Johannes Mißlbeck: Herausforderungen an die interne und externe Kommunikation in der Krise. Vortrag an der ISB, Berlin 2009, abgerufen am 19. Juli 2018. Erkennt das Frühwarnsystem eine entstehende Krise, liegt eine interne Krisenphase vor. Hierbei wird die Unternehmensumwelt nicht über bestehende Risiken informiert, sondern ausschließlich die internen Stakeholder. In diesem Fall kann die unternehmerische Risikokommunikation, mit dem Ziel der Krisen- und Konfliktvermeidung, eine präventive Funktion einnehmen.Rota, Fuchs: Lexikon Public Relations – 500 Begriffe zu Öffentlichkeitsarbeit, Markt- und Unternehmenskommunikation. 2007, S. 393.

Treten erwartete und kommunizierte Risiken nicht ein, läuft das Unternehmen trotzdem Gefahr Imageschäden zu riskieren. Somit stellt die präventive Risikokommunikation selbst einen Risikofaktor dar, so dass z. B. Produktrisiken und politische Entscheidungen verschwiegen werden. Treten prognostizierte Risiken ein und wurden keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen, drohen noch größere Reputationsschäden.Lies: Praxis des PR Managements: Strategien – Instrumente – Anwendung. 2015, S. 286. Werden entstehende Risikoprobleme in der latenten Krisenphase von externen Stakeholdern wahrgenommen, ist die Risikokommunikation fundamental, um das Risikothema zu lenken und die Krise abzumildern.

Akute Krisenphase – Krisenbewältigung Misslingt die unternehmensinterne Krisenvermeidung, liegt eine akute Krisenphase vor. Eine Krise kann ebenfalls überraschend, ohne vorgegangene Indizien, auftreten.Roselieb: Frühwarnsysteme in der Unternehmenskommunikation. 1999, S. 5. Vor der akuten Krisensituation sollten die zu adressierenden Anspruchsgruppen klar definiert sein, um eine reibungslose, bedürfnisspezifische Krisenkommunikation zu ermöglichen. Dies hilft dem Unternehmen, zukünftiges Verhalten der Akteure im Vorfeld zu antizipieren, maßgeschneiderte Nachrichten zu verfassen und somit agieren, statt nur reagieren zu können.Herausforderungen an die interne und externe Kommunikation in der Krise, Dr. Johannes Mißlbeck: Herausforderungen an die interne und externe Kommunikation in der Krise. Vortrag an der ISB, Berlin 2009, abgerufen am 19. Juli 2018.