mini|Sugenheim von Norden
Sugenheim (fränkisch: SuhngaW. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 195. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „sūŋɒ“.) ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde befindet sich mittig zwischen Nürnberg und Würzburg im südlichen Steigerwald im Ehegrund, einer vom Ehebach geschaffenen Flurlandschaft. Die größeren Gemeindeteile liegen alle am Ufer des Ehebachs oder an der ihm zufließenden Kleinen Ehe.
Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Buchhof ist in den 1970er Jahren zur Wüstung geworden.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Deutenheim, Ezelheim, Ingolstadt, Krassolzheim, Krautostheim, Neundorf, Sugenheim und Ullstadt. Die Gemarkung Sugenheim hat eine Fläche von 13,212 km². Sie ist in 1444 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9148,66 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hürfeld und Rüdern.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Markt Bibart, Scheinfeld, Langenfeld, Neustadt an der Aisch, Ipsheim, Bad Windsheim, Markt Nordheim, Weigenheim, Ippesheim, Willanzheim und Iphofen.
Geschichte Die Gründung Sugenheims erfolgte auf fränkischem Lehnsgebiet im 9. Jahrhundert. Im Jahr 1298 wurde der Ort als „Subenheim“ erstmals urkundlich erwähnt, seit 1366 ist die heutige Form „Sugenheim“ bezeugt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Subo, der als Gründer des Ortes angesehen werden kann.W. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 195 ff.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 216.
Von den Lehnsherren Castell und Hohenlohe erwarben die Freiherrn von Seckendorff nach und nach einen geschlossenen Herrschaftskomplex und errichteten ein Schloss. Ab 1528 erfolgte in der Region die Reformation. Bereits 1524 hatte Florian von Seckendorff evangelische Geistliche in Sugenheim angestellt (1533 führte er dann die Verpflichtung auf die Augsburger Konfession und somit offiziell die Reformation durch). (Für Krautostheim, wo 1446 bereits der hussitische Wanderprediger Friedrich Müller auf offene Ohren gestoßen war, ist jedoch erst 1570 oder – mit Michael Veit Treuer 1597 – ein evangelischer Pfarrer belegt.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 190 und 192.). Die um 1600 neu gebaute, drei Flügel umfassende Schlossanlage mit dem von einer Galerie geschmückten kleinen Innenhof und vier massiven Ecktürmen lässt noch etwas von dem Charakter der ausgedehnten reichsunmittelbaren Adelsherrschaft spüren, die zum Fränkischen Ritterkreis gehörte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließen sich dort zahlreiche protestantische Glaubensvertriebene aus Österreich nieder und trugen maßgeblich zum Wiederaufbau bei.Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Neustadt an der Aisch. Nürnberg 2012 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 27), passim. ISBN 978-3-929865-32-5
Im Jahr 1596 wurden in Sugenheim sieben Frauen und ein Mann (aus Sugenheim, Ezelheim und Deutenheim) wegen Hexerei verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Von vier weiteren Frauen, die aus demselben Grund inhaftiert wurden, starb eine im Gefängnis und drei wurden 1597 des Landes verwiesen.Traudl Kleefeld: Wider das Vergessen: Hexenverfolgung in Franken - Stätten des Gedenkens. J. H. Röll, Dettelbach 2016, S. 11 ff.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 213.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Sugenheim 116 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte die Herrschaft Sugenheim aus. Grundherren waren die Herrschaft Sugenheim (2 Schlösser, Amtsgebäude, Meierei, Gärtnerei, Kirche, Pfarrhaus, Judenschule, Schäferei, 6 Höfe, 37 Güter, 11 Gütlein, 38 Häuser, 2 Wirtshäuser, 2 Mühlen, Schmiede, Hirtenhaus; 1 Häfnerei mit Brennofen, 2 Feuerhäuser, 2 Torhäuser) und die Pfarrei Sugenheim (5 Güter).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 133.
Im Jahr 1796 wurde Sugenheim von preußischen Truppen eingenommen und an das Königreich Preußen angegliedert. 1810 kam Sugenheim an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Sugenheim gebildet, zu dem Deutenheim, Dutzenthal, Ezelheim, Hürfeld und Rüdern gehörten. 1813 entstand die Ruralgemeinde Sugenheim, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurden drei Ruralgemeinde gebildet: Deutenheim mit Dutzenthal; Ezelheim; Sugenheim mit Hürfeld und Rüdern.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 227. Die Ruralgemeinde Sugenheim war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Windsheim zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim. Die freiwillige Gerichtsbarkeit und Ortspolizei hatte jedoch bis 1848 das Patrimonialgericht Sugenheim inne, über drei Anwesen das Patrimonialgericht Ullstadt. Am 3. Juli 1838 wurde die Gemeinde an das Landgericht Markt Bibart und dem Rentamt Iphofen abgegeben.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 220. Ab 1862 gehörte Sugenheim zum Bezirksamt Scheinfeld (1939 in Landkreis Scheinfeld umbenannt) und ab 1879 zum Rentamt Markt Bibart (1919–1929: Finanzamt Markt Bibart, von 1929 bis 1972: Finanzamt Neustadt an der Aisch, seit 1972: Finanzamt Uffenheim). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt Bibart, von 1880 bis 1973 war das Amtsgericht Scheinfeld zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 13,240 km².
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Deutenheim, Ezelheim, Ingolstadt, Krassolzheim, Krautostheim und Neundorf mit ihren jeweiligen Gemeindeteilen eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kam Ullstadt hinzu.
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2012 2016 Gemeinde Sugenheim Einwohner 754 785 764 808 814 832 795 814 829 807 804 772 726 690 665 638 642 596 1114 1044 768 939 2333 2325 2312 2251 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 141 141 147 148 152 148 141 145 167 665 753Quelle Für die Gemeinde Sugenheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hürfeld (S. 44) und Rüdern (S. 79). Ort Sugenheim Einwohner 668 707 720 724 737 698 569 914 691 874 942 Häuser 122 124 135 133 129 129 152 262 Quelle
Politik Seit 1. Mai 2024 ist Anton Schiefer (SPD) berufsmäßiger Erster Bürgermeister. Er wurde am 28. April 2024 bei einer Wahlbeteiligung von 76,6 % mit einer Mehrheit von 67,1 % gewählt. Sein Vorgänger war Reinhold Klein (FWOE).
Marktgemeinderat
Die Gemeinderatswahlen seit 2008 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/ListeSitze202020142008CSU122SPD232Freie Wählergemeinschaft Ullstadt (FWU)222Freie Wähler Oberer Ehegrund (FWOE)655Unabhängige Wähler Sugenheim (UWS)323
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.
Gemeindepartnerschaften Bikal, Ungarn
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Altes Schloss Sugenheim (Spielzeugmuseum) Spielzeugmuseum im alten Schloss Heimatmuseum in der ehemaligen Schafsscheune: Es zeigt landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsgegenstände, einen Postschalter, eine Schusterei, Werkzeug aus alter Zeit und vieles mehr. Die Sammlung betreut der örtliche Heimat- und Gartenbauverein. Die Öffnung erfolgt immer am Tag des Offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September und auf Anfrage.
Bauwerke Ehegrundschule Sugenheim Haus der Vereine
Bau- und Bodendenkmäler
evangelische Markgrafenkirche St. Erhard Johanneskirche (Krautostheim) Kirche Neundorf (Sugenheim) Altes und Neues Schloss
Parks Schlossgarten im englischen Stil
Sport RSV Sugenheim 1947 e. V. Der RSV Sugenheim bietet die Sportarten Fußball (Aufstieg bis in die 1. Kreisklasse), Gymnastik, Karate und Tennis.
Infrastruktur und Wirtschaft Verkehr Die Staatsstraße 2256 führt nach Deutenheim (2,3 km südwestlich) bzw. nach Ullstadt (3,2 km nordöstlich). Die Staatsstraße 2253 führt an Hürfeld und Fuchsau vorbei nach Markt Bibart zur Bundesstraße 8 (4,4 km nördlich). Die Kreisstraße NEA 31 führt nach Ezelheim (2,8 km westlich).
Ansässige Unternehmen Fa. Staedtler Maler und Lackiermeister Herbolsheimer Busunternehmen HÖHN Metzgerei Kachler-Hoferer Audiosus
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Marktes Ludwig Daniel Büttner (1712–1786), Seckendorfscher Gerichtsverwalter, herzoglicher Beamter in Weimar unter Goethe Georg Friedrich Rebmann (1768–1824), Jurist und Reformer Karl-Ludwig Kelber (1932–2018), Journalist und ADFC-Funktionär
Weitere Persönlichkeiten, die mit dem Markt in Verbindung stehen Johann Albrecht Marx (* um 1719; † 1773), Urvater der Linie Zastrow-Marcks des Adelsgeschlechts von Zastrow Fritz Schöller (* 29. Juli 1909 in Neustadt an der Aisch; † 3. Mai 1973 in Löffingen), Lehrer und Politiker (NSDAP), in Ingolstadt ab 1. Oktober 1957 Lehrer in Ingolstadt (damals Landkreis Scheinfeld) und ab 1. Februar 1967 bis 1971 Rektor der Verbandsschule Ingolstadt-Oberer EhegrundWolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 233–239 (Schöller, Fritz („Schwarzer“).), hier: S. 238 f. Jan K. Kube (* 1949), Militariahändler und Auktionator
Literatur
Gerhard Rechter: Sugenheim. In: Jesko zu Dohna und Robert Schuh (Hrsg.): Auf den Spuren der Fürsten zu Schwarzenberg. Scheinfeld 2006, S. 58–61.
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Markt in Mittelfranken Kategorie:Ort am Ehebach (Aisch) Kategorie:Ersterwähnung 1298 Kategorie:Gemeindegründung 1813
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim