mini|Nikita, 1910, von Alexej von Jawlensky
Nikita ist der Titel eines Gemäldes des deutsch-russischen Malers Alexej Jawlensky. 1910 lautete der Titel noch Knabenbildnis. Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, S. 222, Anm. 65 Es handelt sich um den Neffen von Marianne von Werefkin. 1951 wurde es von dem damaligen Museumsdirektor Clemens Weiler für das Museum Wiesbaden erworben. Es trägt die Inventar-Nummer M 388.
Technik und Bildträger Bei dem Porträt „Nikita“ handelt es sich um ein Ölgemälde auf Karton im leichten Hochformat. Es ist im Bild oben links signiert „A. Jawlensky“ und datiert „1910“. Das Bild ist verzeichnet im „Katalog der Gemälde“ von Weiler von 1959,Bernd Fäthke: Marianne Werefkin: Clemens Weiler’s Legacy, in: Marianne Werefkin and the Women Artists in her Circle, (Tanja Malycheva und Isabel Wünsche Hrsg.), Leiden/Boston 2016 (englisch), S. 8–19, ISBN 978-9-0043-2897-6 im „Werkstattverzeichnis“ von 1970 bei Weiler, Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köpfe-Gesichte-Meditationen, Hanau 1970, S. 142 im „Catalogue Raisonné“ von 1991 des Jawlensky-Archivs, Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky (Hrsg.), Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the oil-paintings, Bd. 1, München 1991, Nr. 308, S. 257 f, Abb. S. 245 2014 im Ausstellungskatalog „Horizont Jawlensky“ 2014. Roman Zieglgänsberger (Hg.), Ausst. Kat.: Horizont Jawlensky 1900-1914, Alexej von Jawlensky im Spiegel seiner Begegnungen, Museum Wiesbaden 2014, Kat. Nr. 60, S. 299, Abb. S. 241
Ikonographie Bezüglich des Gemäldes „Nikita“ hieß es 2016: „Allein durch das eindrucksvolle Porträt wissen wir um die Existenz dieses Jungen.“ Roman Zieglgänsberger, Alexej Jawlensky, Köln 2016, S. 56 Doch schon vor 30 Jahren konnte die Öffentlichkeit vom Museum Wiesbaden dank der Erinnerungen des Neffen der Werefkin Alexander von Werefkin (1904–1982), dem Cousin von Nikita über das traurige Schicksal von Nikita unterrichtet werden. Bernd Fäthke, Nikita von Werefkin, Das besondere Bild, Museum Wiesbaden, M.S., August 1986, S. 1–4, ders.: Spurensicherung für die Blaue Reiterin in Litauen, 6. Mitteilung des Vereins der Berliner Künstlerinnen e. V., Berlin 1995, o. S. (S. 16), Abb. 13 und 14 Demnach ist Nikita (1899–1917) der erstgeborene Sohn von Werfkins jüngstem Bruder Wsewolod und seiner Frau Vera, die ebenfalls von Jawlensky gemalt wurde. Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky (Hrsg.), Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the oil-paintings, Bd. 1, München 1991, Nr. 325, S. 277 Nikita hatte eine jüngere Schwester Elisabeth und einen jüngeren Bruder Nikolaus. Nikita „diente standesgemäß am Hof des Zaren als Page. Später wurde er im Regiment Preobrajenski zum Offizier ausgebildet. Bei Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 wurde die Offiziersschule aufgelöst und Nikita trat in die Weiße Armee ein. Als man ihn als Kurier des Zaren mit einer wichtigen Botschaft auf der Krim einsetzte, wurde er von den Gegnern abgefangen und galt seitdem als verschollen.“ Bernd Fäthke, Spurensicherung für die Blaue Reiterin in Litauen, 6. Mitteilung des Vereins der Berliner Künstlerinnen e. V., Berlin 1995, o. S. (S. 19) Ein posthumes Bildnis von „Nikita“, das seine Mutter Vera Werefkin einer Schülerin von Ilja Jefimowitsch Repin nach einer Fotografie um 1917 malte, zeigt ihren 18-jährigen Sohn. Bernd Fäthke, Spurensicherung für die Blaue Reiterin in Litauen, 6. Mitteilung des Vereins der Berliner Künstlerinnen e. V., Berlin 1995, o. S. (S. 18), Abb. 17
Maltechnik und Stil Seit der Begegnung mit Władysław Ślewiński an Ostern 1908 Bernd Fäthke, Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, München 2004, S. 110 ff hat sich Jawlensky zum Expressionisten entwickelt. Im vorliegenden Fall praktiziert Jawlensky die Flächenmalerei in Konturen, den Cloisonismus. Die Malweise seiner Vorbilder, sowohl von van Gogh, Gauguin, Bernard, den Nabis, als auch den Japonismus Ausstellungskatalog: Jawlenskys japanische Holzschnittsammlung. Eine märchenhafte Entdeckung, Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, Bad Homburg v. d. H., Nr. 2, 1992 hatte er sich zwischenzeitlich anverwandelt. Die drei Grundfarben – Gelb, Rot und Blau bestimmen das Gemälde und wurden komplementär im Sinne von van Gogh Vincent van Gogh, Sämtliche Briefe, An die Familie, An Freunde und Bekannte, In d. Übers. von Eva Schumann, Hrsg. Fritz Erpel, Bornheim-Merten 1985, Bd. 4, S. 89 – mit Violett, Grün und Orange – ausgeglichen.
Gekleidet ist Nikita mit einem Matrosenanzug, der damals in Deutschland wie auch im Zarenreich ein typisches modisches Kleidungsstück für Knaben war. Das blau-weiß quergestreifte Unterhemd, die Telnjaschka, ist noch heute kennzeichnend für die Matrosen der russischen Marine. In dieser Bekleidung wurde Nikita auf der zweiten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München im September 1910 in München erstmals präsentiert: „Jawlensky zeigte das strenge Bild des Knaben Nikita. Dunkel und schwer kontrastiert die Gestalt gegen den leuchtend türkisgrünen Hintergrund. Die bewegte Schräge des Armes verleiht der Komposition einen klaren Rhythmus. Die großen, weit aufgerissenen Augen lassen Jawlenskys späteres Thema des menschlichen Antlitzes schon anklingen.“ Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, S. 74
Das Rückseitenbild Das Gemälde „Nikita“ war ehemals beidseitig bemalt. Auf seiner Rückseite trug es das „Stilleben mit gelber Decke“, ein leichtes Querformat. Es ist verzeichnet im Catalogue Raisonné, Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky (Hrsg.), Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the oil-paintings, Bd. 1, München 1991, S. 296, Nr. 371 mit s.w.-Abb. im Jawlensky-Bestandskatalog von 1997 Ingrid Koszinowski, Alexej von Jawlensky, Gemälde und graphische Arbeiten aus der Sammlung des Museums Wiesbaden 1997, Kat. Nr. 9, S. 22 und im Ausstellungskatalog Horizont Jawlensky. Roman Zieglgänsberger (Hg.), Ausst. Kat.: Horizont Jawlensky 1900-1914, Alexej von Jawlensky im Spiegel seiner Begegnungen, Museum Wiesbaden 2014, Kat. Nr. 62, S. 299 Dass der Bildträger 1966 im Museum gespalten wurde, darauf machte das Museum Wiesbaden in seinen Publikationen erstmals 1986 Bernd Fäthke, Nikita von Werefkin, Das besondere Bild, Museum Wiesbaden, M.S., August 1986, S. 4 , darauf 1991 Andrea Bohn, Astrid Peter-meier, Liste der ausgestellten Arbeiten, in: Ausst. Kat.: Alexej von Jawlensky zum 50. Todesjahr, Gemälde und graphische Arbeiten, Museum Wiesbaden 1991, Nr. 53, S. 317 und letztmals 1997 Ingrid Koszinowski, Alexej von Jawlensky, Gemälde und graphische Arbeiten aus der Sammlung des Museums Wiesbaden 1997, Kat. Nr. 9, S. 22 aufmerksam. Zu der Angelegenheit äußerte der Catalogue Raisonné 1991: „The painting has been split (probably in 1966, according to the Museum); on reverse was probably “, Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky (Hrsg.), Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the oil-paintings, Bd. 1, München 1991, S. 296 das Bildnis „Nikita“.
Zwei „Stilleben mit bunter Decke“, das frühere datiert „09“, das spätere „1910“, „on reverse signed, dated and titled by the artist’s son“ Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky and Angelica Jawlensky (Hrsg.), Alexej von Jawlensky, Catalogue Raisonné of the oil-paintings, Bd. 1, München 1991, S. 254, Nr. 297 und S. 296, Nr. 370 wurden zur Bestimmung einer Datierung herangezogen. Hierbei wurden folgende Übereinstimmungen festgestellt: „Die spätere Arbeit weist durch die Einbeziehung der Tisch-Aufsicht und die stärkere Angleichung von Tischdecken-Ornament und Gegenstand weitergehende Vergleichsmöglichkeiten auf.“ Ingrid Koszinowski, Alexej von Jawlensky, Gemälde und graphische Arbeiten aus der Sammlung des Museums Wiesbaden 1997, Kat. Nr. 9, S. 22 Demnach scheinen Vorder- und Rückseite des Gemäldes im gleichen Jahr entstanden zu sein.
Literatur Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1959 Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köpfe-Gesichte-Meditationen, Hanau 1970 Bernd Fäthke: Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, München 2004 Bernd Fäthke, Marianne Werefkin: Clemens Weiler’s Legacy, in: Marianne Werefkin and the Women Artists in her Circle, (Tanja Malycheva und Isabel Wünsche Hrsg.), Leiden/Boston 2016 (englisch), S. 8–19, ISBN 978-9-0043-2897-6
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Personendarstellung (Gemälde) Kategorie:Kunstwerk des Expressionismus Kategorie:Gemälde von Alexej von Jawlensky im Museum Wiesbaden