mini|hochkant=1.4|Blick aus dem Garten auf den Südflügel des Schlosses mini|hochkant=1.4|Blick über den Mühlenteich zum Südflügel Schloss Reinbek ist ein Schloss in Reinbek im südlichen Schleswig-Holstein. Es wurde im 16. Jahrhundert als eine der Nebenresidenzen des herzoglichen Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf errichtet. Es gehört zu den frühesten Bauten aus der Herrschaftszeit Herzog Adolfs I. und gilt als eines der besten Beispiele der Renaissance in Schleswig-Holstein.J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein, S. 216–219 Das Schloss wurde nach Umbauten des 19. Jahrhunderts von 1977 bis 1987 restauriert und dient heute als Kunst- und Kulturzentrum der Stadt Reinbek.
Geschichte Vorgeschichte des Schlossgeländes Auf dem Gelände des heutigen Schlosses befand sich seit 1250 das Reinbeker Kloster, ein Konvent der Zisterzienserinnen. Es wurde 1528 im Laufe der Reformation aufgelöst und die Gebäude und Ländereien für 12.000 lübische Mark an den dänischen König Friedrich I. veräußert.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 9 Die Klosteranlage geriet 1534 in die Wirren der sogenannten Grafenfehde und wurde während dieses Konflikts, wie viele dänische Besitzungen, von Lübecker Truppen geplündert und in Brand gesetzt.
1544 trat ein Erbfolgevertrag in Kraft, infolge dessen der nunmehrige dänische König Christian III. einen Teil seines Besitzes seinen jüngeren Halbbrüdern Johann und Adolf zukommen ließ. Aus dieser Gebietsteilung gingen zwei neue Herzogtümer hervor: das nur wenige Jahre bestehende Herzogtum Schleswig-Holstein-Hadersleben und das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf. Der erste Herzog des Gottorfschen Anteils wurde der jüngste Bruder, Adolf, dem auch die Ländereien um Reinbek zugeschlagen wurden. Reinbek bildete so eine Exklave seines zersplitterten Territoriums, das sich zu großen Teilen im weiter nördlich gelegenen Schleswig befand.
In den Anfangsjahren seiner Regierungszeit – er bekam die Herzogswürde im Alter von achtzehn Jahren verliehen – befand sich Adolf nur selten an seinem neuen Hof im Gottorfer Schloss. Er stand unter anderem in Diensten des Kaisers Karl V., nahm als Kriegsherr am Schmalkaldischen Krieg teil und zog für England gegen die Niederlande.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 11 Nachdem er unter anderem erfolglos um die Hand der englischen Königin Elisabeth I. angehalten hatte, heiratete er im Alter von 38 Jahren Christine von Hessen und begründete eine zahlreiche Nachkommenschaft. Erst in der Folgezeit entwickelte sich Herzog Adolf zum größten Bauherren in Schleswig und Holstein; dicht gefolgt nur von Heinrich Rantzau, mit dem er diesbezüglich beinah in einem freundschaftlichen Wettstreit stand.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 12 Nachdem Herzog Adolf zuerst das Gottorfer Schloss hatte modernisieren lassen, beauftragte er auch den Bau der Schlösser von Reinbek, Husum, Tönning und Trittau.
Zeit der Gottorfer Herzöge mini|hochkant|Der Bauherr des Schlosses, Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf Das Reinbeker Schloss wurde für Herzog Adolf von 1572 bis 1576 errichtet. Es sollte als Nebenresidenz bei Reisen in die Ämter Reinbek und Trittau dienen. Im benachbarten Sachsenwald fanden zudem alljährlich große Parforcejagden statt, sodass Reinbek auch als Jagdschloss genutzt wurde.Antje Wendt: Schloss Gottorf, S. 46. Schnell + Steiner, Regensburg 2000 Eine weitere Funktion war der Empfang und die Beherbergung von Gästen aus Regionen südlich Schleswig-Holsteins, denen so eine Reise nach Gottorf erspart wurde.Helga de Cuveland: Der Reinbeker Schloßgarten, S. 22 Im Schloss fand zwar keine dauerhafte Hofhaltung statt, doch wurde es bei Abwesenheit des Herzogs durch einen Kastellan verwaltet und durch Bedienstete bewirtschaftet. Zu den Nebengebäuden des Schlossareals gehörten eine Kornbrennerei, eine Brauerei, Scheunen und Stallungen, außerdem verfügte das Schloss über einen Küchengarten und Fischteiche.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 47 Die eigentliche Verwaltung der Gottorfer Exklave wurde weitgehend den sogenannten Amtmännern überlassen, die ab 1646 ihren Sitz im Reinbeker Schloss hatten und zugleich die Aufgaben des Kastellans übernahmen.Zeittafel Schloss Reinbek, 1647–1867. Auch Curt Davids berichtet von den Amtmännern bereits im 17. Jahrhundert. Der Dehio-Kunstführer nennt dagegen erst das Jahr 1746.
Nach dem Tode Herzog Adolfs erhielt das Schloss den Status eines Leibgedinges und diente den herzoglichen Witwen als Wohnstatt. Es wurde von Christine von Hessen genutzt und nach dem Tode Johann Adolfs diente es Augusta von Dänemark als gelegentliche Residenz. Die Herzogin nahm am Schloss um 1620 auch einige Erweiterungen vor, wie die 1901 zerstörte Schlosskapelle. Nach ihrem Tode diente das Schloss als Jagdsitz, in dem auch größere Feste abgehalten wurden.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 20, 21 Zu den Gästen des Hauses zählten in dieser Zeit unter anderem Moritz von Sachsen, Johann VI. von Anhalt-Zerbst und Johann Georg II. von Anhalt-Dessau. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss zuerst durch schwedische und später durch kaiserliche Truppen besetzt, entging jedoch Plünderung und Zerstörung.
Infolge des Großen Nordischen Krieges erlitt das Haus Schleswig-Holstein-Gottorf 1713 eine Niederlage und die Besitzungen im Herzogtum Schleswig wurden vollständig durch das dänische Königshaus annektiert. In Gottorfer Besitz verblieben nur die Gebiete im Herzogtum Holstein. Die herzogliche Familie, die vorerst im Kieler Schloss residierte, verlor an Einfluss und die Herzogswürde ging einige Jahre später durch Peter III. in Personalunion im russischen Zarenhaus auf. Johanna Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf, die Mutter Katharinas der Großen, reiste noch als Gräfin von Reinbek nach RusslandHubertus Neuschäffer: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein, S. 267. Weidlich, 1984 und beabsichtigte, ihren Lebensabend auf dem Schloss zu verbringen, das Schloss spielte jedoch keine bedeutende Rolle mehr als höfische Residenz. Zwar wurden entstandene Schäden am Sitz der Amtmänner noch immer regelmäßig ausgebessert,Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 22–26 doch eine Modernisierung des zwischenzeitlich veralteten Baus erfolgte nicht mehr.
Königlich-dänische Herrschaft 1773 ging das Schloss infolge des Vertrags von Zarskoje Selo in dänischen Besitz über. Das Schloss diente weiter als Amtssitz, nur dass die vormals herzoglichen Beamten in russischen Diensten nun zu königlich-dänischen Angestellten wurden. Besuche des Königshauses waren selten und die einstige Gottorfer Nebenresidenz diente fast ausschließlich als Verwaltungsbau.
Das Schloss befand sich im zunehmend schlechteren Zustand und wurde um 1776 durch J. A. Richter instand gesetzt. Da die laufenden Reparaturen und Betriebskosten für das Schloss jedoch als unangemessen für einen Verwaltungssitz erschienen, wurde vom Ende des 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mehrfach über einen Abriss nachgedacht. Die dänische Rentekammer, die für das Schloss zuständige Finanzbehörde, empfahl, einen Neubau aus dem Abbruchmaterial zu errichten.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 26, 27 Derartige Abbrisspläne betrafen nicht allein das Schloss in Reinbek. Im Zuge der Vollendung des Dänischen Gesamtstaats gingen etliche der schleswig-holsteinischen Schlösser in den Besitz des dänischen Königshauses über und wurden daraufhin sowohl aus politischen, wie auch aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochen. Zu den zerstörten Bauten dieser Zeit gehörten unter anderem die Schlösser in Reinfeld, Trittau und Ahrensbök. Der drohende Abbruch des Reinbeker Schlosses wurde 1818 durch ein Gutachten des Regierungsbaumeisters Christian Frederik Hansen verhindert.Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 27, 28 Pläne für einen Umbau durch Friedrich Christian Heylmann, die eine Verkürzung und optische Angleichung der Seitenflügel zum Ziel hatten, wurden jedoch nicht weiter verfolgt und das Schloss in seinem alten Zustand belassen.
Von der preußischen Zeit bis ins 20. Jahrhundert mini|Die Arkaden wurden im 19. Jahrhundert vermauert und im 20. Jahrhundert rekonstruiert.
Infolge des Deutsch-Dänischen- und des anschließenden Deutschen Krieges ging das Herzogtum Holstein 1866 an Preußen über. Das Amt Reinbek ging im preußischen Landkreis Stormarn auf und das Schloss diente kurzzeitig als Sitz des Landrats. 1873 wurde das Landratsamt nach Wandsbek verlegt und das Schloss wurde durch die preußische Finanzbehörde übernommen, die es 1874 versteigerte. Der neue Besitzer, der das Anwesen für 25.000 Taler erwarb,Curt Davids: Das Schloß in Reinbek, S. 32 veräußerte es schon kurz darauf an die Familie Specht. Das Schloss wurde in der Folgezeit durch die neuen Inhaber – ungeachtet seiner historischen Bausubstanz – umgestaltet und zum Hotel ausgebaut. Diese Funktion behielt es bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.
1919 verkaufte die Familie Specht das Schloss an Margarete von Patow, die in dem Gebäude das christlich geprägte Erholungsheim Pniel einrichtete. Die Freifrau verkaufte das Gebäude zwanzig Jahre später wieder, neuer Eigentümer wurde die Stadt Hamburg, die hier ab 1939 das Reichsinstitut für Forstwirtschaft, die spätere Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft unterbrachte. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges überstand das Schloss ohne Schäden und nahm in der Nachkriegszeit vorübergehend Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten auf. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Institut nach und nach aus Reinbek ausgelagert und das Schloss wieder zum Verkauf angeboten. 1972 kauften der Kreis Stormarn und die Stadt Reinbek das Gebäude und ließen es unter der Leitung von Horst von Bassewitz in einer umfassenden Restaurierung von 1977 bis 1987 in den Zustand der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts versetzen. Es steht seitdem für die öffentliche Nutzung zur Verfügung.
Das Schloss in der Gegenwart Als Kulturzentrum ist das Reinbeker Schloss durch zahlreiche Veranstaltungen das ganze Jahr hindurch zugänglich. Außerdem kann es mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden.
Die Räumlichkeiten des Schlosses können zu einem großen Teil besichtigt werden. Sie sind durch die moderne Nutzung jedoch nur teilweise museal ausgestattet.Homepage Schloss Reinbek Zu den ausgestellten Stücken gehören unter anderem Möbel, Gemälde und Gobelins der Renaissancezeit. Die einstigen Küchenräume ebenso wie der große Dachboden, der „Krummspanner“, dienen als Rahmen für wechselnde Ausstellungen. In einem Raum des Krummspanners ist eine stadtgeschichtliche Ausstellung untergebracht. Jährlich ist das Gebäude ein Veranstaltungsort des Schleswig-Holstein Musik Festivals; jeden Sommer findet im angrenzenden Schlosspark die Kunsthandwerksmesse Kunstwerk – Werkkunst statt. Die Schlossverwaltung vermietet die Räume des Hauses z. B. für Tagungen, Empfänge und Feiern. Freitags besteht die Möglichkeit zu Eheschließungen im Gottorf-Zimmer. 1977 hat sich der Verein Freunde des Schlosses Reinbek e. V. gegründet. Der gemeinnützige Verein hat sich dem Ziel verschrieben, eine intensive Nutzung des Schlosses und des Schlossparks als ein Kultur- und Kommunikationszentrum zu fördern.
Von 2009 bis 2013 fand hier jährlich die Reinbeker Wirtschaftskonferenz Afghanistan statt, eine internationale Konferenz zum wirtschaftlichen Wiederaufbau in Afghanistan. Das Schloss diente auch als Drehort für die Sendung Lieb & Teuer.
Das Schloss wird auch immer wieder als Filmlocation genutzt.
Schlossgebäude