Die MNGIE-Syndrom, Akronym für Mitochondriale NeuroGastroIntestinale Enzephalopathie, ist eine sehr seltene angeborene Form des mitochondrialen DNA-Depletionssyndroms mit den Hauptmerkmalen fortschreitender Funktionsstörung des Verdauungstraktes und peripherer Neuropathie.

Synonyme sind: Enzephalomyopathie, mitochondriale neurogastrointestinale; (veraltete Bezeichnungen: POLIP-Syndrom; Polyneuropathie - Ophthalmoplegie - Leukenzephalopathie - Intestinale Pseudoobstruktion)C. Garone, S. Tadesse, M. Hirano: Clinical and genetic spectrum of mitochondrial neurogastrointestinal encephalomyopathy. In: Brain : a journal of neurology. Band 134, Pt 11November 2011, S. 3326–3332, doi:10.1093/brain/awr245, PMID 21933806, .

Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 1987 durch die Göttinger Neuropathologen A. Bardosi, W. Creutzfeldt und Mitarbeiter.A. Bardosi, W. Creutzfeldt, S. DiMauro, K. Felgenhauer, R. L. Friede, H. H. Goebel, A. Kohlschütter, G. Mayer, G. Rahlf, S. Servidei: Myo-, neuro-, gastrointestinal encephalopathy (MNGIE syndrome) due to partial deficiency of cytochrome-c-oxidase. A new mitochondrial multisystem disorder. In: Acta neuropathologica. Band 74, Nummer 3, 1987, S. 248–258, PMID 2823522.

Verbreitung Die Häufigkeit wird mit 1 – 9 zu 1.000.000 angegeben, jedoch wurden in der Literatur bislang über weniger als 100 Betroffene berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

Ursache Der Erkrankung liegen Mutationen im TYMP-Gen auf Chromosom 22 Genort q13.33 zugrunde, das für die Thymidin-Phosphorylase im Cytosol kodiert. Durch den Verlust der Enzymaktivität kommt es zur erhöhten Menge von Thymidin und Desoxyuridin in den Körperflüssigkeiten.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Manifestation meist vor dem 20. Lebensjahr Störung der Motilität des Darmes mit fortschreitender Pseudoobstruktion periphere sensorisch-motorische Neuropathie chronisch-progrediente externe Ophthalmoplegie Kleinwuchs und Gewichtsverlust bis zur Kachexie Hinzu können Schwerhörigkeit, Pigmentretinopathie und Kleinhirnsymptome treten.

Diagnose Zur Diagnose kann die Aktivität der Thymidin-Phosphorylase in Leukozyten gemessen werden. In der Muskelbiopsie sind Ragged-Red-Fibers, bildgebend eine Leukenzephalopathie nachweisbar.

Differentialdiagnose Abzugrenzen sind: MELAS-Syndrom, MERRF-Syndrom oder Erkrankungen mit Störung im POLG-Gen.

Therapie Die Behandlung erfolgt weitgehend symptomatisch.B. Röeben, J. Marquetand, B. Bender, H. Billing, T. B. Haack, I. Sanchez-Albisua, L. Schöls, H. J. Blom, M. Synofzik: Hemodialysis in MNGIE transiently reduces serum and urine levels of thymidine and deoxyuridine, but not CSF levels and neurological function. In: Orphanet Journal of Rare Diseases. Band 12, Nummer 1, 08 2017, S. 135, doi:10.1186/s13023-017-0687-0, PMID 28764801, .

Heilungsaussicht Die Prognose gilt wegen der notwendigen parenteralen Ernährung und Infektionsneigung als ungünstig.

Literatur J. Weiß: Das MNGIE – Syndrom. In: Zeitschrift für Gastroenterologie. Band 51, Nummer 7, Juli 2013, S. 610, PMID 24006514.

Einzelnachweise

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