mini|Anzeige von 1884 der Fa. Johannes Fischer, gegründet 1796, Braunschweiger Hoflieferant für Honigkuchen und andere Backwaren. Braunschweiger Honigkuchen ist ein seit dem 16. Jahrhundert nachweisbarer besonderer Honigkuchen aus Braunschweig mit einem Honiganteil von 50 %.Jörn Stachura: Nie war die Versuchung süßer. Traditionsbäcker bieten nun auch Braunschweiger Honigkuchen an. In: Braunschweiger Zeitung vom 23. November 2011.
Geschichte Die Braunschweiger Honigkuchenbäcker bildeten seit mindestens dem 16. Jahrhundert eine eigene, von den anderen Bäckern (Zucker-, Pfefferkuchen-, Los- oder Weiß-, Fast- oder Schwarzbäcker) getrennte Gilde. 1671 gab es in der Stadt sechs Honigkuchenbäcker-Meister. Der Honig wurde überwiegend aus Lüneburg bezogen.Werner Spieß: Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter Band 1, S. 256. Einige Zeit lang war es den Honigkuchenbäckern untersagt, ihre Waren, „Zeug“ genannt, selbst zu backen. Stattdessen waren sie gezwungen, ihr „Zeug“ (darunter neben Honigkuchen auch Pfeffernüsse, in Braunschweig KnapnüsseWilhelm Jesse: Das Braunschweiger Bäckerhandwerk. S. 10. genannt und Aniskuchen) bei einem Weißbäcker gegen eine Gebühr backen lassen. Eine eigene Gildeordnung erhielten die Braunschweiger Honigbäcker erst 1703, sie wurde allerdings nicht bestätigt und einen eigenen Ofen durften sie zunächst ebenfalls nicht nutzen. Seit 1704 führten die Honigkuchenbäcker der Stadt ein eigenes Siegel. Obwohl es im Laufe des 18. Jahrhunderts mehrfach zu Verbindungen zwischen Weiß- und Honigkuchenbäckern gekommen war, dauerte es noch bis 1799, dass die alten Backprivilegien durchbrochen wurden und die Honigkuchenbäcker der Stadt ein mit Backgerechtigkeit versehenes Haus mit Ofen erstehen durften, ja sogar mussten. Wurde zunächst noch zwischen den verschiedenen Bäckern unterschieden, so verschmolzen ihre Innungen schließlich nach 1822 doch miteinander. mini|hochkant=2.0|Werbung der Fa. Emil Wasmus aus dem Jahre 1914. Wie die Braunschweiger Mumme seit dem Spätmittelalter und die Braunschweiger Wurst seit der frühen Neuzeit, war auch der örtlich hergestellte Honigkuchen über die Grenzen von Stadt und Herzogtum bekanntNorbert Jonscher: Eine Tradition seit 508 Jahren. In: Braunschweiger Zeitung vom 23. November 2013., sodass die heimische Produktion im 18. und 19. Jahrhundert wohl überwiegend für den Export bestimmt war.Werner Spieß: Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter Band 1, S. 257. Erst die großflächigen Zerstörungen in Braunschweig durch alliierte Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges, sowie der damit einhergehende dramatische demografische Wandel (z. B. durch Flucht und Vertreibung) in der Stadt, führten in der Nachkriegszeit zu einem Niedergang der ortsansässigen Honigkuchenbäckerei. So gab es 1945 nur noch drei Honigkuchenbäcker in der Stadt, darunter die Firmen Emil Wasmus in der Cammanstraße 6 und Hans Mahn, der seine Fabrik in der Eulenstraße, der früheren Uhlentwete, hatte.Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten. Band 2: Okergraben und Stadtring. Elm-Verlag, Cremlingen 1996, ISBN 3-927060-12-7, S. 75. Heute wird Braunschweiger Honigkuchen wieder in geringem Umfang unter anderem nach dem Originalrezept von Hans Mahn produziert.
Öffentliche Wahrnehmung
In Braunschweiger Museen befinden sich heute zahlreiche Holzmodeln, mit denen die Honigkuchen geformt, bzw. verziert wurden. Sie zeigen Wappen, Personen, Tiere oder Ornamente.
Siehe auch Weitere Lebensmittel aus Braunschweig sind oder waren: Braunschweiger Wurst Braunschweiger Mumme, eine Biersorte Braunschweiger Gemüsekonserven Knackwurst Zichorienkaffee der Zichorienfabrik Ludwig Otto Bleibtreu
Literatur Peter Anders: Spezialitäten. In: Heinrich Leippe (Hrsg.): Merian: Braunschweig. 3. Jahrgang, Heft 3, Hoffmann & Campe, Hamburg 1950, S. 46–48. Wilhelm Jesse: Das Braunschweiger Bäckerhandwerk. Appelhans, Braunschweig 1940. Werner Spieß: Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter Band 1, Waisenhausdruckerei, Braunschweig 1966, S. 256–257. Mechthild Wiswe: Honigkuchenbäcker. In
Einzelnachweise
Kategorie:Lebkuchen Kategorie:Niedersächsische Küche Honigkuchen Honigkuchen Kategorie:Essen und Trinken (Weihnachten)