mini|Ortskern von Burghaslach: zentral die Kirche St. Ägidius, links das Rathaus, im Vordergrund die Haslachbrücke mini|Ortskern von Burghaslach aus der Luft
Burghaslach (fränkisch: HoslaW. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 68. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „hōsla“.) ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Steigerwald zwischen Würzburg und Nürnberg am Treffpunkt der drei fränkischen Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberfranken und Unterfranken (siehe Dreifrankenstein). Durch den Ort fließt die Haslach.
Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöden Neue Mühle und Ziegelhütte sind mittlerweile im Gemeindeteil Burghaslach aufgegangen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Breitenlohe, Burghaslach, Burghöchstadt, Freihaslach, Fürstenforst, Gleißenberg, Niederndorf und Seitenbuch. Die Gemarkung Burghaslach hat eine Fläche von 8,201 km². Sie ist in 1832 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4476,43 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Buchbach und Buchmühle.
Nachbargemeinden
Schutzgebiete mini|Feuchtgebiet bei Freihaslach In der Gemeinde befinden sich diverse rechtlich geschützte Biotope und einige geschützte Landschaftsbestandteile. Außerdem befindet sich in der Nähe des Gemeindeteiles Freihaslach mit dem gleichnamigen Feuchtgebiet das einzige Moorgebiet des südlichen Steigerwaldes.
Geschichte mini|Burghaslach 1872, Gemälde von C. Ph. Schoppelrey. Zu sehen sind ein pflügender Bauer und vermutlich ein jüdisches Paar; vorne rechts der jüdische Friedhof mit Taharahaus, dahinter die Synagoge.Alemannia Judaica – Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum: Markt Burghaslach – Jüdische Geschichte (abgerufen am 2. April 2022). Der Ort wird als „Haselaha“ neben weiteren Orten in einer Urkunde des Klosters Fulda aus dem 12. Jahrhundert erwähnt, in der bestätigt wird, dass Karl der Große diese Orte dem Kloster um 800 geschenkt habe. Der Ort gehörte also ursprünglich zu einem Königsgut. Auch das Grundwort des Ortsnamens -aha (für Wasser, Bach) deutet auf eine Gründung in dieser Zeit hin, denn ab dem 10. Jahrhundert wurde anstelle dessen -bach verwendet. 1136 wurde der Ort in einer Urkunde erwähnt, in der Bischof Embricho von Würzburg die Abtrennung der Kirche in „Ashcebach“ von der Pfarrei „Haselaha“ bestätigt. Im Würzburger Lehenbuch, das 1323 oder 1324 entstanden sein muss, wird der Ort erstmals als „Burchasela“ erwähnt. Der Ortsname Burghaslachs leitet sich vom Fluss Haslach ab, der am Schloss (früher vermutlich eine Burg) vorbeifließt; das ist auch auf dem Wappen ersichtlich. Zudem unterschied der Zusatz Burg- den Ort vom heutigen Gemeindeteil Freihaslach.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 44 f.; W. D. Ortmann: Landkreis Scheinfeld, S. 68 ff.
Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag Burghaslach im Herzogtum Franken. Das Zentgericht Burghaslach sprach Recht über 70 Siedlungen im Umkreis. Es wird 1344 erstmals erwähnt. 1785 wurde am örtlichen Galgenberg die letzte Hinrichtung vollstreckt.Burghaslach in Vergangenheit und Gegenwart. In: Der Steigerwald 1981/3, S. 70–72, via steigerwaldklub.de (Abruf am 3. April 2022). Ab 1814 erhielt das Gericht nach der Säkularisation die Kompetenzen eines Landgerichts im Königreich Bayern. Seit 1848 gibt es kein Gericht mehr in Burghaslach.Kommunale Allianz Drei-Franken-Eck: Bürgerbroschüre Burghaslach – Geiselwind – Schlüsselfeld 2021/2022 (Schlüsselfeld 2021), S. 6. Abgerufen am 3. April 2022.
Im Jahr 1806 kam Burghaslach zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Burghaslach gebildet, zu dem Buchbach, Buchmühle, Dorfmühle, Freihaslach, Fürstenforst, Harthof, Neue Mühle, Niederndorf, Unterrimbach, Ziegelhütte und Ziegelhütte gehörten. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Burghaslach, zu der Dorfmühle, Neue Mühle und Ziegelhütte gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Burghaslach und in der Finanzverwaltung zunächst dem Rentamt Scheinfeld, nach dessen Auflösung im Jahr 1818 dem Rentamt Iphofen. Vor 1837 wurde Buchbach mit Buchmühle eingemeindet. 1852 kam Burghaslach an das Landgericht Scheinfeld. Für die Verwaltung war ab 1862 das Bezirksamt Scheinfeld (1939 in Landkreis Scheinfeld umbenannt) und für die Finanzverwaltung ab 1879 das Rentamt Markt Bibart zuständig (1919–1929: Finanzamt Markt Bibart, 1929–1972: Finanzamt Neustadt an der Aisch, seit 1972: Finanzamt Uffenheim). Die Gerichtsbarkeit kam mit der Auflösung des Landgerichts Scheinfeld im Jahr 1879 an das Amtsgericht Scheinfeld. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,151 km².
Ab dem 18. April 1945 waren für rund sechs Wochen amerikanische Besatzungstruppen im Ort.Aufzeichnungen von Burghaslach ab 1945. In: Der Steigerwald 1988/4, S. 630 f., via steigerwaldklub.de (Abruf am 28. April 2022).
Am 1. Juli 1972 ging Burghaslach vom aufgelösten Landkreis Scheinfeld in den Landkreis Neustadt an der Aisch über, ab 1973 Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Breitenlohe, Fürstenforst, Kirchrimbach, Niederndorf und Oberrimbach sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinde Freihaslach eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kam Gleißenberg aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt hinzu.
Demographie Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2089 auf 2570 um 481 Einwohner bzw. um 23 %. Gemeinde Burghaslach Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2014 2021Einwohner 877 1032 960 962 965 963 988 1016 1035 987 965 949 916 894 879 843 820 758 1316 1213 927 977 2072 2505 2511 2611HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2021 als Wohngebäude. 178 137 155 158 162 162 158 177 201 587 792 845Quelle Für die Gemeinde Burghaslach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Dorfmühl (s. 19) Neumühle (S. 63) und Ziegelhütte (S. 106). Im Historischen Gemeindeverzeichnis werden hiervon abweichend 1019 Einwohner für die Gemeinde angegeben.
Ort Burghaslach Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2014Einwohner 865 939 900 892 968 884 803 1174 905 940 906 1233Häuser 175 124 149 153 150 172 195 249 Quelle
Religion Christentum Spätestens 1474 beherbergte Burghaslach ein Dekanat. 1969 wurde die Kirchengemeinde dem Dekanat Markt Einersheim angegliedert.
Judentum mini|Jüdischer Friedhof Burghaslach
Seit dem 16. Jahrhundert ist jüdische Bevölkerung in Burghaslach nachgewiesen, eine eigene Gemeinde seit dem 17. Jahrhundert. In den 1760er Jahren wurde die bereits bestehende Synagoge durch einen Neubau ersetzt, ein weiterer Neubau erfolgte 1870. 1775 bekam Burghaslach einen jüdischen Friedhof. Von 1859 bis in die 1920er Jahre gab es eine jüdische Elementarschule im Ort.
Von den zehn bis zwölf zu Beginn der NS-Zeit in Burghaslach lebenden Familien verließen die ersten bereits wegen der zunehmenden Diskriminierung den Ort. 1936 und 1937 wurde der jüdische Friedhof geschändet. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde dann die Synagoge restlos niedergebrannt, die verbliebenen jüdischen Familien in der Folge zur Aufgabe ihres Besitzes und zum Wegzug genötigt. Die letzten verließen Burghaslach 1940. Die Synagoge wurde als Werkstatt wiedererrichtet und dient heute als Wohnhaus.Klaus-Dieter Alicke: Jüdische-Gemeinden.de: Burghaslach (Mittelfranken/Bayern) (abgerufen am 2. April 2022).
Etwa 50 Juden mit Verbindungen zu Burghaslach fielen dem Holocaust zum Opfer.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 (abgerufen am 19. Mai 2011).
Eine kleine jüdische Gemeinde existierte im 18. und 19. Jahrhundert auch in Fürstenforst. Auch dort gab es eine Synagoge und eine Schule sowie eine Mikwe.
Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Armin Luther (CSU); dieser wurde über die Liste CSU-FWG Burghaslach gewählt.
Marktgemeinderat Seit 2002 hatte der Burghaslacher Gemeinderat folgende Zusammensetzungen: +Partei/Liste2020201420082002%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeCSU/Freie Wählergemeinschaft40,37639,58640,03633,135Freie Gemeindeliste22,15325,96426,07433,045Neue Bürgerliste29,21423,793SPD/Freie Bürger20,83324,563Wählergemeinschaft Gleißenberg8,27110,6718,7919,271Bündnis 90/Die Grünen4,280Gesamt14141414Wahlbeteiligung72,89 %70,87 %73,67 %71,73 %
Wappen
Eine Gemeindeflagge gibt es nicht.
Partnergemeinde Seit 2000 existiert eine Regionalpartnerschaft des Bezirks Mittelfranken mit der polnischen Woiwodschaft Pommern. 2007 wurde in diesem Rahmen eine Gemeindepartnerschaft Burghaslachs mit Przywidz begründet.Bezirk Mittelfranken: Regionalpartnerschaft Mittelfranken–Pommern (Abruf am 3. April 2022). Vom 5. bis 8. September 2013 besuchte eine 33-köpfige Burghaslacher Delegation aus Politik und Gesellschaft die dortige Gemeinde, angeführt vom damaligen Ersten Bürgermeister Hermann Wehr. Besuche kleinerer Delegationen aus Burghaslach in Przywidz gab es 2010, 2011Besuch der Partnergemeinde Przywidz vom 25.–29. November 2011, in: Drei-Franken-Aktuell 24/2011 (16. Dezember 2011), S. 10. und 2016. Der Austausch thematisiert u. a. ökologische Themen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler
Schlösser Die Geschichte des Fürstlich Castellschen Schlosses Burghaslach reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück: Das „Castrum Haselach“ (die Burg Haselach) gab Gottfried III. von Hohenlohe, Bischof von Würzburg von 1314 bis 1322, als Lehen den Grafen von Castell. Das Schloss wurde nach vielen Besitzerwechseln und zahlreichen Umbauten in den Jahren 1822 bis 1826 im klassizistischen Stil neu erbaut. Das Schloss Fürstenforst wurde seit dem Mittelalter diverse Male zerstört und wiederaufgebaut. Seit 1735 besitzt es seine heutige Gestalt. Das Wasserschloss Breitenlohe wird 1340 erstmals erwähnt und besitzt seine heutige Form seit etwa 1569.
Kirchen Die evangelische St.-Ägidius-Kirche wurde in ihrer heutigen Gestalt ab 1718 erbaut. Weitere evangelische Kirchen sind St. Jakobus in Gleißenberg sowie die Mauritius- und die Christuskirche in Kirchrimbach. In Breitenlohe steht in ihrer aktuellen Form seit 1595 die katholische Kirche Kreuzerhöhung.
Brauchtum Kirchweihen mini|Der Umzug zur Burghaslacher Kirchweih, der „Hosler Kerwa“, mit Traktoren und Motivwagen (2022) In der Marktgemeinde Burghaslach finden jedes Jahr Kirchweihen im Hauptort sowie in zehn weiteren Orten statt.Markt Burghaslach – Kultur, abgerufen am 5. April 2022. Sie verteilen sich auf einen Zeitraum von Juli bis November. Traditionell werden Schlachtspezialitäten angeboten, es finden Unterhaltungsabende, Festgottesdienste, Jahrmarktbetrieb und Umzüge statt.Drei-Franken-Aktuell. Ausgabe 16/2011, S. 10.
Die Kirchweih im Hauptort Burghaslach, die „Hosler Kerwa“, findet am Sonntag nach bzw. am Ägidiustag (1. September) statt, dem Namenstag des Kirchenpatrons. Die erste Kirchweih ist in Burghaslach für das Jahr 1690 nachweisbar, wird allerdings bereits zu dieser Zeit als alter Brauch bezeichnet.Sven Schultheiß: Gerichtsverfassung und Verfahren. Das Zentgericht Burghaslach in Franken (14.–19. Jahrhundert). Köln/Weimar/Wien 2007, S. 238.
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