Dietersheim ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern).

Geografie Dietersheim, Kirche in der Hauptstraße|mini|hochkant mini|hochkant|Pfarrkirche St. Markus im Gemeindeteil Dottenheim Lage Durch das Gemeindegebiet fließt die Aisch. Dietersheim, Altheim und Dottenheim liegen im Aischgrund, der hauptsächlich aus Acker- und Grünland besteht, die übrigen Gemeindeteile liegen südlich davon auf einer teils bewaldeten Anhöhe.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Neustadt an der Aisch, Markt Erlbach, Ipsheim.

Gemeindegliederung Es gibt elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Kein amtlich benannter Gemeindeteil ist Feldhäusel, das in den Ortsverzeichnissen nach 1875 nicht mehr aufgelistet wird.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Altheim, Beerbach, Dietersheim, Dottenheim, Oberroßbach und Walddachsbach. Die Gemarkung Dietersheim hat eine Fläche von 4,754 km². Sie ist in 917 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5183,88 m² haben.

Geschichte Bis 19. Jahrhundert Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag Dietersheim im Herzogtum Franken. 1317/18 wurde der Ort als „Dittrichsheim“ erstmals urkundlich erwähnt, als der Würzburger Bischof Gottfried III. von Hohenlohe Berthold und Conrad Hagen von Dottenheim eine Wiese im Ort verlieh. Auch Gottfrieds Bruder Heinrich von Hohenlohe verfügte über den Ort. 1338 erhielten die Hohenzollern die Hoheitsrechte über Dietersheim. Weitere Schreibweisen des 1361 bereits wohlhabenden Ortes waren 1370 „Dytrichsheim“ und 1706 „Dietmersheim“.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 113. Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Dietrich, dessen Träger als Gründer des Ortes angesehen werden kann.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 54. Kirchlich gehörte Dietersheim zu Dottenheim. Im Ort war auch das Kloster Birkenfeld mit einem Hof begütert, der 1544 säkularisiert dem markgräflichen Klosteramt Birkenfeld zugewiesen wurde und 1562 an das Spital in Ansbach fiel.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 113. Daneben war die Burggrafschaft Nürnberg und in deren Rechtsnachfolge ab 1427 das Markgraftum Brandenburg-Kulmbach dort begütert. Im Jahr 1513 ist auch ein Untertan der Reichsstadt Rothenburg bezeugt.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 89. Im bis 1648 andauernden Dreißigjährigen Krieg kam es zur Verödung und Verwüstung der Dietersheimer Klostergüter. Bereits 1639 waren sie teilweise abgebrannt und zugrunde gegangen.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 265.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Dietersheim 28 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Neustadt an der Aisch aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Ipsheim. Alle Anwesen hatten das Fürstentum Bayreuth als Grundherrn (Kastenamt Neustadt an der Aisch: 1 Mühle, 2 Huben, 1 Halbhof, 3 Sölden, 1 Häckersgut; Klosteramt Birkenfeld: 2 Höfe, 2 Höflein, 1 Gütlein, 9 Häckersgüter, 1 Sölde, 2 Häuser, 2 Halbhäuser, 1 Tropfhäuslein).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 89. Dort fälschlicherweise 27 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Dachsbach und Kammeramt Neustadt. 1810 kam Dietersheim zum jungen Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde es dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Schauerheim und 1813 der Ruralgemeinde Birkenfeld zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Dietersheim.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 222. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1919 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt, seit 1972 Finanzamt Uffenheim).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 185. Ab 1862 gehörte Dietersheim zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Neustadt an der Aisch (1879 in das Amtsgericht Neustadt an der Aisch umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,776 km².

Junglandbund Eine Ende Mai 1931 veranstaltete Kundgebung des Junglandbundes wurde von etwa 2500 Menschen besucht. Organisator war im Wesentlichen der Dietersheimer Dorfringführer Philipp Winnerlein. Bei der dabei erfolgten Fahnenweihe des Junglandbundes im festlich geschmückten Dorf trat neben den Dorfring-Rednern auch der Neustädter Pfarrer Georg Düll auf. Die auf die grüne Fahne eingeschworene Bauernjugend bildete seinerzeit einen gewissen Gegenpol zu den Aktivitäten der in Neustadt und Umgebung propagierten NSDAP-Ideologie.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 110 f.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1970 wurden Teile der aufgelösten Gemeinde Oberroßbach eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Beerbach hinzu. Altheim, Dottenheim und Walddachsbach, die aus dem aufgelösten Landkreis Uffenheim stammten, kamen am 1. Juli 1972 hinzu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1850 auf 2208 um 358 Einwohner bzw. um 19,4 %. Gemeinde Dietersheim Jahr 1987 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016Einwohner 1807 2109 2133 2157 2164 2159 2137 2143 2138 2218 2203Häuser 485 624 632 633 641Quelle

Ort Dietersheim (=Gemeinde Dietersheim bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2014Einwohner 200 227 244 248 247 229 219 216 232 243 217 224 194 189 183 179 168 169 172 286 266 249 333 629 739 912HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 37 36 36 36 37 36 32 37 57 188 Quelle Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 224 Einwohner.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahlen seit 2014 führten zu folgender Sitzverteilung: +20142020CSU1411Die Grünen –2Die Linke –1

Bürgermeister Seit dem 2. Februar 2010 war Robert Christensen (* 1965) der Bürgermeister. Er wurde am 15. März 2020 mit 87,6 % der Stimmen wiedergewählt.

Nach dem Rücktritt von Robert Christensen zum 31. März 2023 wurde Jürgen Meyer am 7. Mai 2023 zum ersten Bürgermeister gewählt.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Altheimer Zauberkeller, eine Kleinkunstbühne

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Verkehr Dietersheim liegt an der Bahnstrecke Neustadt (Aisch)–Steinach bei Rothenburg. Die Bundesstraße 470 führt über Birkenfeld nach Neustadt an der Aisch (5,5 km nordöstlich) bzw. über Dottenheim nach Ipsheim (5 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Hasenlohe (1,7 km nördlich), nach Beerbach (2,5 km südöstlich) und zur Kreisstraße NEA 6 (2 km südöstlich).

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Viktor von Holleben (1737–1808), geboren in Beerbach, preußischer Generalmajor Karl Hagen oder Carl Heinrich Wilhelm Hagen (1810–1868), Historiker und Abgeordneter der Nationalversammlung in der Paulskirche Friedrich Wilhelm Hagen junior (1814–1888), Vertreter der humanen Psychiatrie und einer der Verantwortlichen für die Entmündigung des bayerischen Königs Ludwig II. Johann Georg Hufnagel (1869–1951), Heimatdichter

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen Günter Schwanhäußer (1928–2014), Unternehmer („Schwan-Stabilo“), lebte lange Zeit im Ortsteil Altheim

Sonstiges Durch den Spuk von Dietersheim wurde das Dorf 1921 überregional bekannt.Paul Fried, Carl Moser: Der Spuk von Dietersheim: Ergebnisse einer kritischen Untersuchung der Dietersheimer Phänomene. Faust-Verlag, München 1921.

In Hausenhof gibt es eine Camphill-Gemeinschaft.

Der Kamin des EKA-Möbelwerks ist 42 Meter hoch.

Literatur

Weblinks

Gemeinde Dietersheim

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Weinort in Franken Kategorie:Ort an der Aisch Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Ersterwähnung 1317

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim