mini|Kardinal Ercole Gonzaga von Mantua Ercole Gonzaga (* 22. November 1505 in Mantua; † 2. März 1563 in Trient) war seit 1521 Bischof von Mantua, seit 1527 Kardinal und in der Zeit von 1540 bis 1559 Regent des Herzogtums Mantua.
Biografie Die Familie und deren Einfluss Ercole war der zweitgeborene Sohn des Markgrafen Francesco II. Gonzaga von Mantua. Seine Mutter war Isabella d’Este, die älteste Tochter von Herzog Ercole I. d’Este von Ferrara.
Er studierte von 1521 bis 1525 Philosophie und Literatur unter Pietro Pomponazzi an der Universität von Bologna. Neben Latein und Griechisch, erlernte er auch die Ansätze des Arabischen. In dieser Zeit entwickelte sich seine Leidenschaft für Bibliophilie, die später zu einem charakteristischen Merkmal seiner kulturellen Interessen wurde. abgerufen am 11. Juli 2018 Am 10. Mai 1521 wurde er zum Bischof von Mantua gewählt, erhielt die bischöfliche Weihe aber erst 1561.
Am Ende des Jahres 1521 begleitete er seinen Onkel, den Kardinal Sigismondo Gonzaga, zu dem Konklave, das Papst Hadrian VI. wählte. Nachdem Kardinal Sigismondo Anfang Oktober 1525 gestorben war, begab sich Ercoles Mutter nach Rom mit der Absicht, beim Papst die Kardinalswürde für ihren Sohn zu erwirken. Nach langwierigen Verhandlungen und mehrmaligen Vorsprachen beim Papst, erreichte Isabella d’Este durch ihre Beharrlichkeit ihr Ziel, wobei in die päpstliche Schatulle 20.000 Dukaten flossen, nach einigen Angaben sogar das Doppelte. Am 3. Mai 1527 erhielt Ercole Gonzaga von Papst Clemens VII. den Kardinalshut und wurde am 5. Mai 1527 zum Kardinaldiakon mit der Titelkirche Santa Maria Nuova ernannt. Überschattet wurde dieser familiäre Triumph durch den Sacco di Roma, die Plünderung Roms, die nur einen Tag später begann.
Kardinal in Rom mini|Kardinalswappen von Ercole Gonzaga, moderne Nachzeichnung Zwischen 1529 und 1532 verwaltete Kardinal Ercole Gonzaga die Diözese Soana und wurde 1534 zum Gouverneur von Tivoli ernannt. Am 21. Oktober 1529 war er beim feierlichen Einzug von Papst Clemens VII. in Bologna anwesend und nahm am 24. Februar 1530 an den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Karls V. teil. Im folgenden März war er am Hof von Mantua, als seinem Neffen Federico II. Gonzaga durch den Kaiser in einer feierlichen Zeremonie die herzogliche Würde verliehen wurde. In den ersten Monaten des Jahres 1533 weilte er als päpstlicher Legat beim Kaiser in Genua. Er kehrte im September 1534 nach Rom zurück, als Gerüchte über die Krankheit von Clemens VII. laut wurden. Nach dessen Tod trat er in das Konklave ein. Er entschied sich, mit den spanischen, deutschen und italienischen Anhängern Karls V. zu stimmen, sah jedoch die Wahl eines neutralen Kandidaten voraus, was durch die Wahl Alessandro Farneses der den Namen Paul III. annahm, am 13. Oktober 1534 Wahrheit wurde. Die politische Aktivität von Kardinal Gonzaga konzentrierte sich auf die Vertretung habsburgischer Interessen. So veranlasste er, als Karl V. eingriff um Kardinal Benedetto Accolti zu beschützen, der im April 1535 inhaftiert worden war, dass das verhängte Todesurteil aufgehoben wurde. Er unterhielt enge Beziehungen zum Kaiser und lieferte ihm wichtige Informationen über die Strategien von Paul III. und die Manöver der italienischen Fürsten.
Kardinal Gonzaga zeigte auch Neigungen das geistige und religiöse Leben zu pflegen und seinen Horizont zu erweitern. Seit einem Treffen in Mantua im Jahr 1532 war er in Kontakt mit Juan de Valdés, dessen radikale Spiritualität für ihn eine neue Erfahrung darstellte. Er korrespondierte auch mit Vittoria Colonna und im Frühjahr 1535 hörte er, gemeinsam mit anderen Kardinälen, die Predigten von Bernardino Ochino in der Basilika San Lorenzo in Damaso. Er wusste trotz allem, wie man sich im Kontext religiöser Einstellungen dieser Epoche geschickt bewegte. Während sein Haus in Rom für die Freiheit bekannt war, mit der hier die unterschiedlichen Anschauungen diskutiert wurden, gelang es ihm, bei den Vertretern der engsten Gruppe der Kurie in hohem Ansehen zu stehen, wie die öffentlichen Lobpreisungen von Gian Pietro Carafa, dem späteren Papst Paul IV., zeigen.
In derselben Zeit enthüllten die ersten pastoralen Besuche, die in der Diözese Mantua angeordnet worden waren, Fälle von Ignoranz und verwerflichem Verhalten unter den Ordensleuten. Kardinal Gonzaga gab Anweisungen zur Behebung der Missstände und zögerte nicht, Herzog Federico um Unterstützung zu bitten. Gleichzeitig förderte er die Gründung der Società del Corpo di Cristo (Gesellschaft des Leibes Christi), eine Laienvereinigung, die sich mildtätigen Aufgaben widmete. In Rom wurde seine Position zunehmend schwieriger. Er beklagte sich, dass er „ohne einen gesegneten Quattrino“ sei (kleinste Münze dieser Zeit) und auch die Hoffnung auf die Abtei Lucedio musste er begraben; mit ihr wurde Alessandro Farnese, der Enkel des Papstes, bedacht. Er hoffte auf kaiserliche Unterstützung für seine Leistungen, musste sich aber mit gelegentlichen Aufträgen und der spanischen Diözese Tarazona begnügen, die er im Juni 1537 erhielt. Der entscheidende Faktor seiner Abreise aus Rom war jedoch die Ankündigung, ein Konzil nach Mantua zu berufen.WebHistoriker: 1537: Konzil von Mantua
Rückkehr nach Mantua Im Frühjahr 1537 nahm Ercole Gonzaga den schlechten Gesundheitszustand der Mutter als Vorwand, um Karl V. um die Erlaubnis zu bitten, nach Mantua zurückzukehren und dort seinen ständigen Wohnsitz zu nehmen. Zeitgleich kursierten in Rom Gerüchte, dass der Papst seine Abwesenheit mit der Exkommunikation bestrafen würde. Unter der Leitung von Pietro Bertano, seit 1537 Bischof von Fano, vertiefte er sich in theologische Studien, wobei er sich auf Schriftstücke konzentrierte, die damals umstritten waren, wie die Paulusbriefe, und auf die Grundlagen der thomistischen Philosophie. In seiner Diözese setzte Ercole Gonzaga neue Impulse, indem er die scuola dei chierici della cattedrale (Schule der Kleriker der Kathedrale) für die Bildung des Klerus gründete. Es gelang ihm, disziplinäre Verstöße zu verringern und allmählich eine strengere Lebensregel im kirchlichen Alltag durchzusetzen. Er gehörte zu den Prälaten, die für Akzente religiöser Erneuerung am sensibelsten waren, und unterhielt Kontakte zu wichtigen Mitgliedern der Gruppe der Spirituali, zu der unter anderem Gasparo Contarini, Reginald Pole, Federigo Fregoso und Gian Matteo Giberti, der Bischof von Verona, gehörten und die eine Reform der Kirche anstrebten. Bernardino Ochino folgte seiner Einladung in Mantua zu predigen im Advent 1538 und Frühjahr 1539.
Erste Regentschaft für Francesco III. von Mantua mini|hochkant|Francesco III. von Mantua mini|hochkant|Katharina von Österreich Politische Verpflichtungen sollten ihn von der Debatte über die Reform der Kirche abhalten. Im Juni 1540 starb sein Bruder Herzog Federico II. und dessen siebenjähriger Sohn Francesco III. folgte ihm. Ercole Gonzaga übernahm die Regentschaft des Herzogtums, nominell mit seinem Bruder Ferrante und der Schwägerin Margherita Palaiologa, de facto aber trug er die Verantwortung fast vollständig allein. Zu seinen ersten Maßnahmen zählten die Senkung der Gerichtskosten, die Verfolgung der Korruption, die Aufhebung unpopulärer Steuern und die Förderung des Handels. Danach wurde durch ihn eine Verwaltungsreform verabschiedet. Im sozialpolitischen Bereich förderte er die Einrichtung von Hilfswerken und die Erweiterung des Krankenhauses. In der Außenpolitik schloss er Abkommen mit Nachbarstaaten, die darauf hinaus liefen, das Herzogtum in der Neutralität zu bewahren und gleichzeitig die privilegierten Beziehungen zum Kaiser aufrechtzuerhalten. Das im Juni 1543 mit Kaiser Karl V. vereinbarte Ehebündnis zwischen dessen Nichte Katharina von Österreich und Ercole Gonzagas Neffen Francesco III., die beide zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt waren, war dabei ein weiterer Baustein.
Ab dem Jahr 1542 verschärfte Papst Paul III., nachdem beim Reichstag zu Regensburg 1541 keine Übereinkunft zwischen katholischen und protestantischen Ansichten erzielt werden konnte, seine Gangart gegenüber den Spirituali. Bereits 1541 hatte er Gasparo Contarini als päpstlichen Legaten nach Bologna beordert und Reginald Pole nach Viterbo versetzen lassen, und damit beide aus Rom entfernt. Gegenüber Pole, mit seinen lutherischen Ideen und Ansichten und seinem Kreis (die Ecclesia Viterbiensis), fand die päpstliche Nachsicht nun ein Ende. Er wurde im Sommer 1542 Gegenstand von inquisitorischen Untersuchungen mit dem schweren Vorwurf der Häresie, die durch Juan Álvarez de Toledo geleitet wurden, der für seine restriktive Haltung bei Glaubensfragen bekannt war. Der zunehmenden Verschärfung von Rom und dem beginnenden Zerfall der religiösen Erneuerungsbewegung versuchte sich Ercole Gonzaga vorsichtig zu widersetzen. Bernardino Ochino der im Sommer 1542 seine Flucht vor den päpstlichen Häschern antrat, ließ er Mantua ungehindert verlassen und behauptete später ihn nicht erkannt zu haben, da dieser als ein Soldat verkleidet gewesen sei. Danach setzte er sich umgehend für Vergerius, den Bischof von Capodistria ein, als er erfuhr, dass dieser ebenfalls als verdächtig gemeldet worden war und in Rom vorgeladen wurde. Andererseits brach er aber alle Beziehungen zu ihm ab und forderte ihn Mitte August 1546 sogar auf, in Mantua keinem Ordensmann mehr zu schreiben.
Der gegenwärtigen Lage passte sich Ercole Gonzaga schnell an. Während er in seinem Kreis im Wesentlichen einen vorsichtigen Gedankenaustausch geduldet hatte und die Tätigkeit von Predigern, die nicht zögerten, heikle Themen vorzuschlagen, nie benachteiligte, wollte er den religiösen Dissens nicht in die Praxis umgesetzt haben. So folgte seiner Besorgnis über die ersten Zeichen der Anwesenheit von Lutheranern auf mantuanischem Gebiet, besonders in Viadana, Gonzaga und Castel Goffredo, in den vierziger Jahren ein offener Kampf gegen die Häresie im eigenen Land. In einem Aufruf stellte er am 4. Dezember 1543 für die Verbreitung des neuen Glaubens Strafen bis zum Scheiterhaufen in Aussicht, und am 10. Januar 1545 erließ er einen weiteren gegen den Besitz ketzerischer Bücher. 1545/46 ließ er mehrere Prozesse gegen Angeklagte, die der Verbreitung der lutherischen Lehre beschuldigt wurden, führen. Seinen Eifer lobte der Papst dafür öffentlich mit einer Bulle vom 7. Februar 1545. Gonzagas Abneigung gegen Paul III. wurde dadurch nicht geändert; als der Papst-Sohn Pier Luigi Farnese 1545 Parma erhielt, kommentierte er das mit wütenden Beschimpfungen. Er half sogar heimlich dem Herzog von Florenz, Cosimo I. de’ Medici, in einem Gerichtskonflikt mit Rom.
Am 22. Oktober 1549 fand in Mantua die seit 1543 geplante Heirat zwischen Francesco III. und Katharina von Österreich statt. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten noch an, als die Nachricht vom Tod von Papst Paul III. Mantua erreichte. Kardinal Gonzaga brach umgehend nach Rom auf und trat Ende November 1549 in das Konklave, das bis 7. Februar 1550 andauerte und aus dem Julius III. als neuer Papst hervorging. Gonzaga hatte sich im Konklave zugunsten von Kardinal Giovanni Salviati eingesetzt und war somit einer der Letzten, die sich der Wahl von Del Monte ergaben. Der neue Papst zeigte keinen Groll, sondern schenkte ihm einen kostbaren antiken Smaragd. Kardinal Gonzaga war noch in Rom, als er die Nachricht erhielt, dass der siebzehnjährige Herzog am 22. Februar 1550 auf tragische Weise gestorben war. Dessen zwölfjähriger Bruder Guglielmo kam als sein Nachfolger ebenfalls unter die Regentschaft Ercoles (wieder nominell gemeinsam mit dessen Bruder Ferrante). Ercole Gonzaga kam Anfang März nach Mantua zurück und ließ die Trauerfeierlichkeiten für den Herzog ausrichten.
Zweite Regentschaft für Guglielmo von Mantua