Der Yakima-Krieg (1855–1858; engl. „Yakima war“) war ein militärischer Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und den Yakama, einem Sahaptian sprechenden Volk des Nordwest-Plateaus, damals Teil des Washington Territory, sowie den mit ihnen jeweils verbündeten Stämmen. Er fand vorrangig im südlichen Zentrum des heutigen US-Bundesstaates Washington statt. Darüber hinaus gab es isolierte Schlachten in West-Washington und dem nördlichen Inland Empire, die gelegentlich separat als Puget-Sound-Krieg bzw. Coeur-d’Alene-Krieg (oder Palouse-Krieg) betrachtet werden. Dieser Konflikt wird auch als Yakima-Indianerkrieg von 1855 (engl. „Yakima Native American War of 1855“) bezeichnet.

Auf US-amerikanischer Seite nahmen das 9. Infanterie-Regiment, das 3. Regiment of Artillery, das 6. Infanterie-Regiment, das 4. Infanterie-Regiment, Krieger der Snoqualmie und Milizen aus Oregon teil. Auf indianischer Seite kämpften Krieger der Yakama, der Walla Walla, der Umatilla, der Nisqually und der Cayuse.

Hintergrund Die zwischen den Vereinigten Staaten und verschiedenen Indianerstämmen im Washington Territory abgeschlossenen Verträge mündeten in einer widerstrebenden Anerkennung der Hoheit der US-Regierung über eine gewaltige Fläche durch die Stämme. Diese erhielten im Gegenzug für diese Anerkennung auf Dauer die Hälfte der Fischereirechte im Territorium, Geld- und Nahrungsmittelzuwendungen und für sie reservierte Ländereien, auf denen weiße Siedlungen verboten sein würden.

Während Gouverneur Isaac Stevens die Unverletzlichkeit des indianischen Territoriums nach dem Beitritt der Stämme zu den Verträgen garantierte, fehlte ihm die rechtliche Autorität, die ausstehende Ratifizierung im US-Senat voranzutreiben. Inzwischen führte ein der breiten Öffentlichkeit bekannt gemachter Goldfund im Yakama-Territorium zu einem ungeregelten Zustrom von Prospektoren, die unkontrolliert quer durch die neu definierten Indianerterritorien reisten und von den indianischen Führern mit wachsender Fassungslosigkeit beobachtet wurden. 1855 wurden zwei dieser Proseptoren von Qualchin, einem Neffen von Chief Kamiakin getötet, nachdem ihre Vergewaltigung einer Indianerin entdeckt worden war.

Ausbruch von Feindseligkeiten Tod von Andrew Bolon mini|Der Mord am BIA-Agenten Andrew Bolon wird als unmittelbarer Auslöser des Krieges angesehen

Am 20. September 1855 reiste der Agent des Bureau of Indian Affairs Andrew Bolon zu Pferd ab, um nach Kenntnis des Todes der Prospektoren durch die Hände Qualchins den Schauplatz zu untersuchen. Er wurde jedoch vom Yakama-Chief Shumaway abgefangen, der ihn warnte, Qualchin zu begegnen sei zu gefährlich. Shumaways Warnung beachtend kehrte Bolon um und trat den Heimweg an. Auf diesem Heimweg begegnete er einer Gruppe Yakama, die südwärts ritten und schloss sich ihnen an. Einer aus der Gruppe war Mosheel, Shumaways Sohn. Mosheel entschied sich aus nicht vollständig bekannten Gründen, Bolon zu töten. Obwohl eine Reihe der mitreisenden Yakama protestierte, wurden ihre Widersprüche von Mosheel, der seinen Status ins Feld führte, überstimmt. Diskussionen über Bolons Schicksal fanden den ganzen Tag über statt. Bolon, der kein Yakama sprach, bemerkte nichts von dem unter seinen Mitreisenden aufkommenden Komplott. Während einer Rast, als Bolon und die Yakama einen Lunch einnahmen, stürzten sich Mosheel und mindestens drei weitere Yakama mit Messern auf Bolon. Dieser schrie in einem Chinook-Dialekt „Ich kam nicht, um euch zu bekämpfen!“, bevor ihm die Kehle durchgeschnitten wurde. Bolons Pferd wurde daraufhin erschossen, seine Leiche und seine persönlichen Sachen verbrannt.

Schlacht am Toppenish Creek Als Shumaway von Bolons Tod hörte, sandte er umgehend einen Botschafter in die Garnison der U.S. Army in Fort Dalles, bevor er die Ergreifung seines Sohnes Mosheel befahl, den er an die örtlichen Behörden ausliefern wollte, um der von ihm befürchteten Vergeltung durch die Amerikaner zuvorzukommen. Ein Rat der Yakama überstimmte den Häuptling jedoch und ergriff Partei für Shumaways älteren Bruder Kamiakin, der zur Kriegsvorbereitung aufrief. Inzwischen empfing der District Commander Gabriel Rains Shumaways Botschafter und ordnete als Reaktion auf Bolons Tod die Aussendung einer Expeditionsabteilung aus Fort Dalles unter Major Granville O. Haller an. Hallers Streitmacht wurde an der Grenze des Yakama-Territoriums von Kriegern empfangen und zurückgedrängt. Als Haller sich zurückzog, wurde seine Gruppe von den Yakama angegriffen und in der „Schlacht am Toppenish Creek“ in die Flucht geschlagen.

Ausbreitung des Krieges Der Tod von Bolon und die Niederlage der US-Truppen am Toppenish Creek verursachten im ganzen Territorium Panik und schürten Ängste, dass ein Indianeraufstand bevorstehe. Dieselben Neuigkeiten jedoch ermutigten die Yakama, und ungebundene Stämme versammelten sich um Kamiakin.

Rains, der nur 350 Soldaten des Bundes unter seinem unmittelbaren Kommando hatte, ersuchte dringend den Amtierenden Gouverneur Charles Mason (Isaac Stevens befand sich noch auf der Rückreise aus Washington, D.C., wohin er gereist war, um dem Senat die Verträge zur Ratifizierung vorzulegen) um militärische Hilfe. Er schrieb, dass

„… alle verfügbaren Kräfte im District gleichzeitig das Feld übernehmen müssen. Ich habe die Ehre, Sie um die Aufstellung zweier Kompanien von Freiwilligen zu ersuchen, um zum frühestmöglichen Zeitpunkt das Feld zu übernehmen. Die Zusammensetzung dieser Kompanien sollte wie folgt sein: ein Captain, ein First Lieutenant und ein Second Lieutenant, zwei Musiker, vier Sergeants, vier Corporals und vierundsiebzig Soldaten. Die größten Anstrengungen sollten unternommen werden, um diese Kompanien gleichzeitig aufzustellen und auszurüsten.“

Inzwischen mobilisierte der Gouverneur von Oregon, George Law Curry, ein Kavallerie-Regiment von 800 Mann, eine Abordnung, die im Washington Territory Anfang November eintraf. Mit mittlerweile 700 Militärs unter seinem Kommando war Rains auf einen Marsch gegen Kamiakin vorbereitet, welcher sein Lager mit 300 Kriegern bei Union Gap aufgeschlagen hatte.

Angriff auf die Siedlungen am White River mini|Denkmal am Ort des Überfalls auf McAllister und Connell (Foto von 2005)

Als Rains seine Truppen im Pierce County musterte, suchte Chief Leschi, ein Nisqually-Häuptling und halber Yakama, eine Allianz unter den Stämmen am Puget Sound zu schmieden, um den Krieg vor die Haustüren der Territorialregierung zu tragen. Er begann mit nur 31 Kriegern unter seiner Führung, doch er zog mehr als 150 Muckleshoot, Puyallup und Klickitat an, obwohl andere Stämme Leschis Angebot zurückwiesen. In Reaktion auf die Nachrichten von Leschis wachsender Armee wurde eine Freiwilligentruppe aus 18 Dragonern, auch als Eaton’s Rangers bekannt, ausgesandt, um den Nisqually-Häuptling gefangenzunehmen.

Am 27. Oktober wurden der Ranger James McAllister und der Farmer Michael Connell von Leschis Männern überfallen und getötet, als sie ein Gebiet am White River erkundeten. Der Rest von Eaton’s Rangers wurde in einer verlassenen Hütte belagert, wo sie für die nächsten vier Tage verbleiben sollten, bevor ihnen die Flucht gelang. Am nächsten Morgen griffen Krieger der Muckleshoot und Klickitat drei Siedlerhütten am White River an und töteten neun Männer und Frauen. Viele Siedler hatten das Gebiet in Erwartung des Überfalls verlassen, nachdem sie von Chief Kitsap von den neutralen Suquamish vor der Gefahr gewarnt worden waren. Details des Angriffs auf die Siedlungen am White River wurden von John King berichtet, einem der vier Überlebenden, der zu der Zeit sieben Jahre alt war und – zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern – von den Angreifern freigelassen und nach Westen geschickt worden war. Die King-Kinder kamen schließlich zu einem Indianer, den sie als Tom kannten.

„Ich erzählte ihm von dem Massaker. Er sagte, er hätte etwas in der Art befürchtet, als er das Feuer aus dieser Richtung hörte. Er sagte mir, ich solle die Kleinen nehmen und zu seinem Wigwam gehen und fügte hinzu ‚wenn der Mond am Himmel stände‘ würde er uns in seinem Kanu nach Seattle bringen. Seine Squaw war so gut und freundlich sie konnte und tat alles in ihrer Macht stehende, um es uns angenehm zu machen, aber die Kleinen waren sehr scheu. Sie holte getrockneten Fisch und Heidelbeeren für unser Mahl, aber nichts, was sie tun konnte, konnte die Kleinen bewegen, zu ihr zu gehen. Unser Hunger war so groß, dass die verschiedenen und durchdringenden Gerüche von dem Essen, das sie uns brachte, keine Schranke für unseren Genuss war, soweit ich mich erinnere.“

Leschi sollte später sein Bedauern über den Angriff auf die Siedlungen am White River ausdrücken, und Berichte der Nisqually bestätigten nach dem Krieg, dass der Häuptling seine Befehlshaber, die die Überfälle organisiert hatten, wegen der Angriffe getadelt hätte.

Die Schlacht am White River mini|Tyee Dick, hier eine spätere Aufnahme, war einer von Leschis Kämpfern in der Schlacht am White River. Nach dem Krieg sollte er zum Häuptling der Puyallup aufsteigen.

Der Army Captain Maurice Maloney, Kommandeur einer auf 243 verstärkten Kompanie, wurde zuvor nach Osten gesandt, um den Naches Pass zu überqueren und das Yakama-Territorium von hinten zu erreichen. Er fand den Pass von Schnee blockiert und begann in den dem Angriff am White River folgenden Tagen nach Westen zurückzukehren. Am 2. November 1855 wurden Leschis Männer von Maloneys Vorhut entdeckt und zogen sich auf das rechte Ufer des White River zurück.

Am 3. November beorderte Maloney eine Einheit von 100 Männern unter Lt. William Slaughter über den White River, um Leschis Krieger anzugreifen. Versuche, den Fluss an einer Furt zu queren, wurden durch die indianischen Scharfschützen vereitelt. Ein amerikanischer Soldat wurde im Kreuzfeuer getötet. Berichte über die indianischen Verluste schwanken zwischen einem (nach dem Krieg von dem Puyallup Tyee Dick berichtet) und 30 (in Slaughters offiziellem Bericht beansprucht), obwohl die kleinere Zahl glaubhafter erscheint. (Ein Veteran der Schlacht, Daniel Mounts, sollte später zum Indianeragenten für die Nisqually ernannt werden und hörte von Tyee Dicks Opferzahlen, die von den Nisqually bestätigt wurden.) Um vier Uhr, als es zu dunkel für die Flussquerung geworden war, zogen sich Leschis Männer in ihr Lager, drei Meilen (ca. 5 km) entfernt am Green River gelegen, zurück. Sie jubelten über die erfolgreiche Verhinderung der amerikanischen Flussquerung. (Tyee Dick sollte die Schlacht später als hi-ue he-he, hi-ue he-he – „einen Riesenspaß“ – beschreiben.)

Am nächsten Morgen setzte Maloney mit 150 Männern über den White River und versuchte, Leschi in seinem Lager am Green River anzugreifen, aber das schlechte Gelände machte den Angriff unmöglich, den er unverzüglich abblies. Ein weiteres Geplänkel am 5. November endete mit fünf amerikanischen Verlusten, aber ohne tote Indianer. Unfähig, irgendeinen Fortschritt zu erzielen, begann Maloney seinen Rückzug aus dem Gebiet am 7. November und erreichte Fort Steilacoom zwei Tage später.

Die Schlacht von Union Gap mini|Cutmouth John, ein indianischer Scout der U.S. Army, gilt als derjenige, der den Yakama bei Union Gap den einzigen Verlust zufügte.