La nonne sanglante (deutsch: Die blutige Nonne) ist eine Grand opéra in fünf Akten (sechs Bildern) von Charles Gounod (Musik). Das Libretto von Eugène Scribe und Germain Delavigne basiert aus einer Episode aus dem Roman The Monk (1796) von Matthew Gregory Lewis. Die Uraufführung fand am 18. Oktober 1854 in der Salle Le Peletier der Pariser Oper statt.

Handlung

Die Oper spielt im 11. Jahrhundert in der Umgebung von Prag.

Kurzfassung

Erster Akt. Der Eremit Pierre vermittelt einen Friedensschluss zwischen den verfeindeten Familien des Grafen von Luddorf und des Barons von Moldaw. Zur Besiegelung soll Luddorfs älterer Sohn Théobald Moldaws Tochter Agnès heiraten. Diese liebt jedoch Théobalds Bruder Rodolphe. Die beiden beschließen, zu fliehen. Da ein Gerücht über das Gespenst einer blutigen Nonne die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, soll sich Agnès als diese verkleiden.

Zweiter Akt. Als Rodolphe um Mitternacht zum vereinbarten Treffpunkt kommt, trifft er auf die echte Nonne und schwört ihr seine Treue, da er sie für Agnès hält. In einer Spukszene verwandeln sich die Ruinen des Schlosses von Rodolphes Vorfahren in ihre ursprüngliche prächtige Form. Dort haben sich seine Ahnen als Trauzeugen versammelt. Der von Rodolphes Knappen Arthur herbeigerufene Pierre bereitet dem Spuk ein Ende.

Dritter Akt. Bei einer Bauernhochzeit erfährt Rodolphe vom Tod seines Bruders. Seine Eltern sind nun einverstanden, dass er Agnès zur Frau nimmt. Doch die Nonne, die ihn jede Nacht an seinen Treueschwur erinnert, will ihn nur freigeben, wenn sie ihren Mörder tötet.

Vierter Akt. Beide Familien versammeln sich zur Hochzeitsfeier von Rodolphe und Agnès. Da erklärt ihm die Nonne, dass Rodolphes Vater ihr Mörder ist. Rodolphe, der nicht zum Vatermörder werden will, sagt die Hochzeit ohne Angabe von Gründen ab. Die alte Fehde zwischen den Familien bricht erneut aus.

Fünfter Akt. Die Moldaws stellen dem Verräter Rodolphe eine tödliche Falle. Dessen Vater erfährt davon und lässt sich von ihnen töten, um seinen Sohn zu schützen. Dadurch ist der Fluch der Nonne aufgehoben. Sie steigt mit Luddorf in den Himmel auf.

Erster Akt

Das Schloss des Barons von Moldaw

Der Graf von Luddorf und seine Ritter sind durch eine Bresche in der Mauer mit Schwertern und Fackeln eingedrungen. Der Baron hat mit seinen Vasallen soeben eine Gruppe der Belagerer zurückgeschlagen. Mit seinen Füßen fixiert er einen der Anführer, während der Graf von Luddorf seine Streitaxt gegen einen der Belagerten erhebt, den er zu Fall gebracht hat. Ein Teil des Schlosses steht in Flammen, während sich auf den oberen Galerien die Vasallen des Barons darauf vorbereiten, Eisen und Feuer auf ihre Feinde zu gießen. In diesem Moment erscheint ein Mönch mit weißer Robe und einem Kreuz in der Hand in der Bresche, mitten in den bereits auflodernden Flammen und zwischen den Kämpfenden: Es ist Pierre, der Eremit.

Szene 1. Durch seine göttliche Autorität gelingt es Pierre, den Kampf zu beenden (Nr. 1. Arie: „Dieu puissant, daigne m’entendre“). Zur Besiegelung des Friedens soll Moldaws Tochter Agnès den älteren Sohn Luddorfs, Théobald, heiraten. Anschließend sollen alle gemeinsam am bevorstehenden Kreuzzug teilnehmen. Erst jetzt trifft Théobalds Bruder Rodolphe mit weiteren Kämpfern ein. Nachdem sie vom Friedensschluss erfahren haben, legen die Soldaten freudig ihre Waffen nieder (Nr. 2. Chor: „Compagnons, bas les armes“).

Szene 2. Rodolphe ist erschüttert, als er von der bevorstehenden Hochzeit erfährt, denn er selbst liebt Agnès. Pierre fordert ihn auf, zugunsten des Vaterlandes auf sie zu verzichten (Nr. 3. Duett: „Dieu nous command l’espérance“).

Szene 3. Auch Agnès erscheint nun. In ihrer Verzweiflung beschließen sie und Rodolphe, noch diese Nacht gemeinsam zu fliehen (Nr. 4. Duett: „Mon père d’un ton inflexible“). Als Rodolphe vorschlägt, sie um Mitternacht an der Nordmauer zu erwarten, erschauert Agnès. Der Legende nach wandelt um diese Stunde seit Jahren der Geist einer blutigen Nonne mit einer Lampe und einem Dolch zwischen den Mauern umher. Rodolphe glaubt nicht an das Gespenst, will die Angst der Leute aber zum eigenen Vorteil nutzen: Agnès soll sich als diese Nonne zu verkleiden, um ungehindert fliehen zu können. Doch Agnès’ Angst ist zu groß, um dem Vorschlag zuzustimmen. Rodolphe fleht sie auf den Knien an, nachzugeben.

Szene 4. Luddorf ertappt Rodolphe und Agnès in dieser Lage und erkennt sofort, dass die beiden ein Paar sind (Nr. 5. Finale: „Que vois-je? Il est perdu“). Da sich Rodolphe weigert, seine Liebe aufzugeben, verflucht und verbannt ihn sein Vater.

Szene 5. Alle sind erschüttert über diese Wendung. Agnès flüstert Rodolphe zu dessen Freude zu, dass er sie um Mitternacht erwarten solle.

Zweiter Akt

Straße zum Haupthof des Schlosses

Im Hintergrund das Schloss mit einer großen Treppe. Die Straße führt durch ein großes offenes Tor in den Schlosshof.

Szene 1. Nach der Feier machen sich betrunkene Landleute von einer Taverne auf den Weg nach Hause (Nr. 6. Chor: „Assez rire et boire“). Rodolphes Page Arthur wartet auf seinen Herrn, um ihm bei der Flucht mit Agnès zu helfen. Er versucht, den Aufbruch der Trinker zu beschleunigen, indem er sich als Nachtwächter ausgibt.Laut Libretto im Booklet der CD cpo 777 388-2. Im Libretto von 1854 warnt er stattdessen vor dem bevorstehenden Erscheinen der blutenden Nonne.

Szene 2. Arthur beneidet Rodolphe um sein Liebesglück (Couplets: „L’espoir et l’amour“).

Szene 3. Als Rodolphe kommt, bestätigt ihm Arthur, dass alles vorbereitet ist (Nr. 7. Szene: „On approche… c’est lui!“). Arthur zieht sich zurück, um auf das vereinbarte Zeichen zu warten.

Szene 4. Rodolphe erwartet vor der Schlosstreppe die verkleidete Agnès (Nr. 8. Arie: „Voici l’heure“). Da erscheint der Geist der blutenden Nonne, exakt wie in der Legende beschrieben. Rodolphe glaubt, es sei Agnès. Die Nonne spricht zunächst nur wenige Worte: „Mein! … Immer mein!“ Als sie seine Hand ergreift, erschauert Rodolphe über deren Kälte. Dennoch steckt er ihr einen Ring an den Finger und schwört ihr Treue „beim Himmel und der Erde“. In diesem Moment taucht auf der Treppe, von Rodolphe ungesehen, die echte Agnès auf. Die Nonne zieht ihn mit sich fort.

Während eines „fantastischen Zwischenspiels“ (Nr. 9) erscheinen die überwucherten Ruinen eines gotischen Schlosses. In der Mitte ein zerbrochener Steintisch und mit Efeu und wilden Pflanzen überwachsene Steinsitze. Mondlicht beleuchtet eine Einsiedelei auf den Felsen im Hintergrund.

Szene 5. Rodolphe erkennt das alte verlassene Schloss seiner Vorfahren wieder (Nr. 10. Szene der Toten: „Effrayés par la foudre“). Die Nonne hat sich zum Gebet niedergekniet. Rodolphe schickt Arthur zur Einsiedelei Pierres, um diesen um Hilfe zu bitten.

Das Mondlicht weicht, und die Ruinen verwandeln sich in ihre ursprüngliche Form – ein prächtiges Schloss mit reich gedeckten Tischen. Der Bankettsaal ist von Fackeln und Kandelabern hell erleuchtet und mit glänzenden Waffenbündeln ausgeschmückt.

Szene 6. Rodolphe erinnert sich aus seiner Kindheit an die Gastmahle in diesen Saal. Jetzt erscheinen auch die Geister seiner Ahnen in Erwartung eines neuen Festes.

Szene 7. Die Nonne erklärt Rodolphe, dass die Geister ihre Trauzeugen seien. Überraschenderweise erkennt Rodolphe auch seinen Bruder Théobald unter ihnen. Die Nonne teilt ihm mit, dass dieser inzwischen gestorben sei. Sie gibt sich ihm als die „blutige Nonne“ Agnès zu erkennen und erinnert ihn an seinen namentlich an sie gerichteten Treueschwur.

Szene 8. Der Eremit Pierre bereitet dem Spuk ein Ende. Bevor die Nonne mit den Geistern in der Erde versinkt, weist sie Rodolphe darauf hin, dass er von nun an ihr gehöre. Rodolphe bricht zusammen.

Dritter Akt

Raum eines Bauernhauses in Böhmen

Links eine große Tür zum umgebenden Wald. Im Hintergrund zwei Kreuze, dazwischen ein Ruhebett. Rechts im Vordergrund ein Tisch und einige Stühle.

Szene 1. Der Pächter Fritz feiert seine Hochzeit mit Anna. Ihre Gäste, junge Bauern und Bäuerinnen, singen und tanzen fröhlich Walzer (Nr. 11. Chor: „Valsez sous l’ombrage“).

Szene 2. Auf der Suche nach seinem Herrn tritt Arthur ein. Er verspricht den Anwesenden dem Brauch gemäß eine gute Nachricht (Nr. 12. Couplets: „Un page de ma sorte“) – verschweigt sie dann aber. Da erkennt er unter den Gästen den völlig verstörten Rodolphe. Arthur teilt ihm mit, dass sein Bruder Théobald in einer Schlacht gefallen sei und seine Eltern nun seiner Hochzeit mit Agnès zustimmen. Rodolphe schickt die anderen Gäste hinaus.

Szene 3. Rodolphe erzählt Arthur, dass die blutige Nonne jede Nacht an sein Bett komme und ihn an seinen Schwur erinnere (Nr. 13. Szene: „Au milieu de l’orage“). Arthur macht ihm Mut. Sein Unglück werde bald weichen.

Szene 4. Rodolphe hofft auf eine Erneuerung seiner Liebe und die Vergebung seines Vaters (Nr. 14. Cavatine: „Un jour plus pur“).

Szene 5. Es schlägt Mitternacht. Die Wand an der rechten Seite öffnet sich, und die Nonne nähert sich Rodolphe (Nr. 15. Duett: „Me voici, moi ton supplice“). Sie erinnert ihn erneut an sein Versprechen und erzählt ihm ihre Geschichte: Einst habe ihr ein Mann die Ehe versprochen. Man habe ihr jedoch mitgeteilt, dass er im Krieg gefallen sei. Daraufhin sei sie in ein Kloster eingetreten. Wenig später habe sie erfahren, dass ihr Verlobter noch lebe und eine andere Frau heiraten wolle. Als sie ihn an sein Versprechen erinnert habe, habe er sie kaltblütig erstochen. Erschüttert verspricht Rodolphe der Nonne, dass er sie rächen wolle. Im Gegenzug will ihn die Nonne am Grab ihres Mörders, dessen Namen sie verschweigt, von seinem Treueschwur lösen.

Vierter Akt

Gärten des Grafen von Luddorf

Szene 1. Zur Hochzeitsfeier von Rodolphe und Agnès sind beide Familien eingetroffen. Luddorf eröffnet das Fest (Nr. 16. Couplets: „Bons chevaliers“).

Szene 2. Alle erheben sich und tanzen (Nr. 17. Hochzeitsmarsch – Nr. 18. Ballett: Walzer – Pas de trois – Böhmischer Tanz).

Szene 3. Pierre fordert dazu auf, die vorangegangenen Feindseligkeiten zu vergessen (Nr. 19. Finale: „Oublions tous les discordes“). Da erscheint, nur für Rodolphe sichtbar, die Nonne und deutet auf seinen Vater, ihren Mörder. Entsetzt erkennt Rodolphe, was er tun soll. Da er auf keinen Fall zum Vatermörder werden will, erklärt er, Agnès nicht mehr heiraten zu können. Alle sind empört. Die Moldaws schwören ihm den Tod, und der alte Hass zwischen den Familien bricht erneut aus. Agnès, die anderen Frauen und Pierre versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

Fünfter Akt

Wilde Gegend in der Nähe des Schlosses von Moldaw

Im Hintergrund auf einer Erhöhung das Grab der blutenden Nonne; weiter oben die Kapelle der Einsiedelei des Eremiten Pierre.

Szene 1. Luddorf ist nicht bereit, seinem Sohn zu vergeben (Nr. 20. Arie Luddorf: „Mon fils me fuit“). Gleichzeitig verspürt er Gewissensbisse wegen seines früheren Verbrechens. Er ist bereit, zur Sühne den Tod auf sich zu nehmen, sofern sein Sohn nichts davon erfährt. Dennoch wünscht er sich nichts mehr, als ihn ein letztes Mal wiederzusehen.

Szene 2. Unter der Führung von Moldaws Freunden Norberg und Arnold nähern sich Soldaten, um Rodolphe in der Kapelle einen Hinterhalt zu bereiten (Nr. 21. Chor: „Amis, avançons en silence“). Luddorf versteckt sich, um sie zu belauschen. So erfährt er von der drohenden Gefahr für seinen Sohn.