Ein Auftrag des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) ist die Risikokommunikation mit dem Ziel die Bürger nach den drei Prinzipien Transparenz, Verlässlichkeit und Offenheit u. a. mit Informationen über Lebensmittelsicherheit und Produktsicherheit zu versorgen.
Definition Abgrenzung zum allgemeinen Begriff Im allgemeinen Sinn umfasst Risikokommunikation jede Kommunikation, die die Identifikation, die Abschätzung, die Bewertung und das Management von Risiken betrifft.
Risikokommunikation wird von der Europäischen Union (EU) in Bezug auf Lebensmittel folgendermaßen definiert:
„Risikokommunikation bezeichnet im Rahmen der Risikoanalyse den interaktiven Austausch von Informationen und Meinungen über Gefahren und Risiken, risikobezogene Faktoren und Risikowahrnehmung zwischen Risikobewertern, Risikomanagern, Verbrauchern, Lebensmittel- und Futtermittelunternehmen, Wissenschaftlern und anderen interessierten Kreisen einschließlich der Erläuterung von Ergebnissen der Risikobewertung und der Grundlage für Risikomanagemententscheidungen.“
Die Risikokommunikation im Sinne des BfR ist als kontinuierlicher und interaktiver Prozess definiert und durch einen partizipativen Dialog mit verschiedenen Zielgruppen charakterisiert. Die frühzeitige Information der Öffentlichkeit über mögliche Risiken gesundheitlicher Art sowie gewonnene Erkenntnisse und Ergebnisse des BfR im Bereich Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit bildet die Basis für diesen Dialog.
Prinzipien und Ziele Die Risikokommunikation des BfR soll den Prinzipien Transparenz, Verlässlichkeit und größtmögliche Offenheit folgen, um das Vertrauen aller Beteiligten in den Prozess der Risikobewertung zu stärken. Das Ziel der Risikokommunikation besteht laut BfR darin, festzustellen, ob bei den verschiedenen Ziel- und Interessengruppen Unterschiede in der Wahrnehmung, in der Bewertung und im Umgang mit Risiken bestehen. Am Ende eines solchen Dialogs kann sowohl Konsens über Bewertungen und Handlungsoptionen stehen, als auch Dissens. Das Ergebnis soll wichtige Hinweise für Risikomanager und deren Entscheidungen geben.
Struktur der Abteilung Risikokommunikation Die Abteilung Risikokommunikation gliedert sich in vier Fachgruppen:
Risikoforschung: Wahrnehmung, Früherkennung, Folgenabschätzung, Krisenprävention und -koordination, Presse-/ Öffentlichkeitsarbeit, BfR-Akademie.
Zur Aufgabe der Fachgruppe Krisenprävention und -koordination im Kontext von Krisenprävention gehört der Kontakt zu relevanten Stakeholdern, wie Industrieverbänden, NGOs und politischen Akteuren. Die Fachgruppe ist Schnittstelle zwischen BfR und durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) involvierten Einrichtungen. Zu den Aufgaben gehört die Einrichtung des BfR-Lagezentrums, die Krisen-Koordination, Koordination des Kommissionswesens (Expertennetzwerk) sowie die Beratung der Kommission bei Grundsatzfragen.
Die Fachgruppe Risikoforschung, Risikowahrnehmung, Risikofrüherkennung und Risikofolgenabschätzung forscht zu Fragen der Risikowahrnehmung, der Risikofrüherkennung und der Risikofolgenabschätzung. Dazu gehört u. a. die unterschiedliche Risikowahrnehmung einzelner Gruppen. Ziel ist, Zielgruppen so zu informieren, dass diese entsprechende Entscheidungen treffen können. Außerdem steht diese Fachgruppe mit den relevanten Stakeholdern im Dialog, um Probleme u. a. in Konferenzen oder Fachgesprächen zu eruieren.
Die Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erfüllt den gesetzlichen Auftrag der Information der Öffentlichkeit (§ 2 Abs. 1, Nr. 12 BfRG). Dabei werden nicht nur die Ergebnisse allgemeinverständlich publiziert, sondern auch der Weg bzw. Prozess, der zu diesen geführt hat. Für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, Fachöffentlichkeit und den Medien verwendet die Fachgruppe verschiedene Kommunikationswege, wie z. B. Pressemitteilungen und Broschüren (siehe unter „Dialog mit allen Zielgruppen“ für weitere Informationen).
Die Durchführung von Veranstaltungen in Bezug auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz ist Aufgabe der Fachgruppe BfR-Akademie. Dazu gehören die Veranstaltungskonzeption, organisatorisch-technische Durchführung, Dokumentation, Evaluation sowie Koordination der BfR-Kommissionen. Durch die Veranstaltungen soll auch der interaktive Austausch zwischen den Anspruchsgruppen ermöglicht werden.
Die Abteilung Risikokommunikation wird als Bestandteil des BfR auch im Organigramm abgebildet.
Rechtlicher Rahmen Das Bundesinstitut für Risikobewertung arbeitet im Geschäftsbereich des BMEL zu wissenschaftlichen Themen rund um den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Das BfR ist nationaler Partner der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Das BfR hat den gesetzlichen Auftrag zur Risikokommunikation. Gemäß dem Auftrag muss die Öffentlichkeit über eventuelle, identifizierte und abgeschätzte Risiken gesundheitlicher Art durch das BfR informiert werden. Die Forschungsergebnisse müssen dabei für alle Bürger nachvollziehbar, vollständig und transparent dargestellt werden.
In seiner Forschung, seinen Bewertungen, seinen Empfehlungen und seiner Kommunikation soll das BfR gesetzlich unabhängig von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen sein.
Schwerpunkte in der Arbeit der Risikokommunikation des BfR
Überblick Zu den Aufgaben der Abteilung Risikokommunikation des BfR gehören: Durchführung und Koordination der Forschungsprojekte zur Wahrnehmung von Risiken, der Risikofrüherkennung und der Abschätzung ihrer Folgen, Wissenschaftliche Risikobewertung von Lebens- und Futtermitteln sowie von Stoffen und Produkten mittels des Dialogs des BfR mit gesellschaftlichen Gruppen, Anwendung der Ergebnisse der Risikobewertung als Grundlage für den gesundheitlichen Verbraucherschutz der Bundesregierung, Lösung von Problemen bei der Findung der richtigen Empfehlungen zur Risikobegrenzung im Dialog, weil sich unterschiedliche Einschätzungen und Risikowahrnehmungen aus wissenschaftlich widersprüchlichen Daten oder aus Problemen ihrer normativen Bewertung ergeben, Priorisierung von Risiken durch verschiedene gesellschaftliche Interessengruppen. Hierbei werden Repräsentativbefragungen, Verbraucherkonferenzen, Delphi-Befragungen und Fokusgruppen als Instrumente eingesetzt, Informierung der Öffentlichkeit in verständlicher Form über mögliche gesundheitliche Risiken sowie die ihnen zugrundeliegenden Forschungsergebnisse im Bereich Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit, Untersuchung der Änderungen im Ernährungsverhalten von Verbrauchern nach erfolgter Risikokommunikation, Gezielter Ausbau der nationalen und internationalen Vernetzung der für den gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständigen Institutionen in Politik und Wissenschaft.
Forschungs- und Drittmittelprojekte Forschungsvorhaben des BfR werden durch den Forschungsplan des übergeordneten BMEL vorgegeben. 2016 beteiligte es sich an 20 EU- und 30 nationalen Projekten, für welche 3,7 Mio. € an Drittmitteln eingeworben worden. Darüber hinaus erfolgt die Finanzierung aus Geldern des Bundes, um die Unabhängigkeit des Instituts zu gewährleisten. Eine Aufgliederung der Fördermittel für die einzelnen Schwerpunkte erfolgt nicht.
Die Forschung zur Risikokommunikation als ein Schwerpunkt umfasst die Erforschung der Wahrnehmung, der Früherkennung sowie der Folgenabschätzung von Risiken. Damit sollen die wissenschaftlichen Grundlagen der Risikokommunikation erarbeitet und die Kommunikation insbesondere mit den Verbrauchern verbessert werden. Die Projekte zielen weiterhin darauf ab, sich aus der Einführung neuer Technologien ergebende Risiken zu identifizieren, das Verhalten nach erfolgter Kommunikation der Risiken zu analysieren und die Risiken entsprechend der Interessen der Stakeholder zu priorisieren. Für die Umsetzung der Forschungsprojekte ist die entsprechende Fachgruppe verantwortlich. Eine Erweiterung um Forschungsprojekte der Fachgruppe Krisenprävention und -koordination ist geplant.
Wichtigster Forschungsbereich ist die Arbeit zur öffentlichen Risikowahrnehmung. Mithilfe von repräsentativen Umfragen, Analysen wissenschaftlicher Studien und der Berichterstattung sowie Experteninterviews wird untersucht, wie verschiedene Interessengruppen, Verbraucher und Medien Risiken subjektiv perzipieren, in welchem Ausmaß sie diese akzeptieren und durch welche Faktoren dies beeinflusst wird. Dazu zählen
Eigenschaften des Risikos, Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit eines möglichen Schadens, Wahlfreiheit des Menschen einem Risiko gegenüber, Nutzen-Risiko-Erwägungen und Wissen über bestimmte Risiken, Vertrauen in Institutionen und Organisationen, Art der Risikokommunikation.
Die Arbeit des BfR fokussiert sich auf Themen, in denen das subjektiv wahrgenommene Risiko vom objektiv bewerteten abweicht, oder auf solche, die erst kürzlich in den öffentlichen Diskurs aufgenommen worden und zu denen sich noch keine gesellschaftliche Meinung gebildet hat. Dies ist erforderlich, weil bei ersterem die Gefahr besteht, dass durch die Interessengruppen entweder ein objektiv schwerwiegendes Risiko unterschätzt oder ein subjektiv schwerwiegendes überschätzt wird. Bei letzterem hingegen können unausgewogene Berichterstattung und intransparente Risikokommunikation die Risikowahrnehmung negativ beeinflussen und zu Vertrauensverlust führen. Da es sich hierbei oft um neue Technologien oder Konzepte wie Nanotechnologie oder Veganismus handelt, spielen die Medien eine entscheidende Rolle. Auf Grundlage der Forschung zur Risikowahrnehmung lassen sich Instrumente der Risikokommunikation entwickeln und verbessern. Während sich die Forschungsprojekte allgemein mit der Risikowahrnehmung beschäftigen, werden Drittmittelprojekte aus diesem Bereich dem Schwerpunkt „Nanotechnologieforschung: Nachweis, Toxikologie, Risikobewertung und Risikowahrnehmung“ zugeordnet.
Einen weiteren Schwerpunkt innerhalb der Risikokommunikation bildet die Risikofrüherkennung, worunter das frühzeitige Erkennen, Beschreiben und Quantifizieren möglicher Risiken verstanden wird. Da es neben der Risikokommunikation noch einen eigenen Forschungsschwerpunkt „Risikoerkennung, -früherkennung und -minimierung“ gibt, wird bei diesem Forschungsfeld zusätzlich der Fokus auf den Aspekt der Kommunikation mit den Stakeholdern gelegt. Zu den Zielen der hier angesiedelten Forschungsprojekte zählen Identifikation neuer Risikofelder und die Ableitung von Maßnahmen des Risikomanagements. Des Weiteren wird die Entwicklung und Umsetzung von Methoden vorangetrieben wie zum Beispiel Screening von Datenströmen, Delphi-Verfahren, Szenarioanalyse sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung vergangener Krisen. Dabei arbeitet das BfR eng mit dem Emerging Risks Exchange Network (EREN) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zusammen.
Den dritten Schwerpunkt stellt die Risikofolgenabschätzung dar, die die Folgen eines Risikos bzw. der Risikokommunikation untersucht. Auf Grundlage der Kommunikation von Risiken können sich Verhaltensänderungen seitens der Verbraucher oder anderer Stakeholder ergeben. Daraus können neue Risiken resultieren, da die Zielgruppe das Risiko unterschätzt oder meidet und stattdessen auf andere riskante Verhaltensweisen zurückgreift.
Aktuelle und abgeschlossene Projekte (Abschluss in Klammern) sind:
"Safer food through changed consumer behavior: Effective tools and products, information strategies, education and a food safety policy reducing health burden from foodborne illnesses" (04/2022), “Analytical and Characterisation Excellence in nanomaterial risk assessment: A tiered approach” (12/2020), “Developing and Enabling Nanotechnology Awareness-Building through the Creation and Exchange of enhanced Communication and Visualisation Tools and Guidance for ‘Seeing at the Nanoscale’” (11/2016), “Auswertung internationaler Bevölkerungsumfragen sowie eine repräsentative Umfrage in Deutschland zur Wahrnehmung der Nanotechnologie” (09/2012),