Dieser Artikel hat den FC Winterthur in der Saison 2018/19 zum Thema. Der FC Winterthur spielte in dieser Saison in der Challenge League. Im Unterschied zu den Vorsaisons lieferte der Verein bis zur Winterpause eine gute Saison und überwinterte auf dem 2. Platz, der in dieser Saison erstmals wieder für die Teilnahme an Barragespielen gegen den Neuntplatzierten der Super League berechtigt hätte. Den zweiten Platz konnte die Mannschaft jedoch nicht halten und verlor insbesondere im letzten Viertel der Meisterschaft den Anschluss an den Barrageplatz. Im Schweizer Cup schied man im Achtelfinal zum vierten Mal innerhalb von sechs Saisons gegen den FC Basel aus. Wie bereits in der letzten Saison stand der Verein auch in dieser Saison ohne Präsident da.

Saisonverlauf Vorbereitung Auf die neue Saison 2018/19 hin musste der FC Winterthur einige Abgänge kompensieren. Bereits im April wurden mit den beiden Rückkehrern Davide Callà (Mittelfeldspieler) vom FC Basel und Sead Hajrović (Verteidiger) vom FC Wohlen zwei gewichtige Neuzuzüge für die neue Saison verpflichtet, wobei vor allem auch Callà als Führungsspieler geholt wurde. Pünktlich zum letzten Spieltag der alten Saison wurde auch die Verpflichtung des neuen Trainers Ralf Loose als Nachfolger von Livio Bordoli bekannt gegeben. Loose wirkte zuletzt bis 2015 als Trainer des deutschen Drittligisten Preussen Münster. Als Ersatz für den zu Neuchâtel Xamax abwandernden Matthias Minder wurde Raphael Spiegel verpflichtet, der zuletzt als Ersatztorhüter beim portugiesischen Erstligisten Boavista Porto unter Vertrag stand. Als Rückkehrer kam der ehemalige Junior und Innenverteidiger Granit Lekaj vom FC Wil zurück auf die Schützenwiese. Weiter hatten die beiden Nachwuchsspieler Enrique Wild (Linker Verteidiger) und Bojan Milosavljevic als dritter Goalie Zweijahresverträge unterschrieben. Das Mittelfeld wurde leihweise durch den offensiv ausgerichteten Roberto Alves von GC und den eher defensiv tätigen Remo Arnold vom FC Luzern verstärkt. In der Offensive, wo der Abgang des bisherigen Topscorers Silvio zum FC Wil zu kompensieren war, wurden einerseits Jordan Gele aus dem B-Kader des FC Nantes und anderseits Taulant Seferi verpflichtet, der leihweise von den Young Boys kam. Die Transferpolitik wurde vom Landboten dahingehend beurteilt, dass vorwiegend Spieler geholt wurden, die die Mannschaft «stabiler, konstanter und mental stärker» machen sollen.

Die Vorbereitungsspiele begann der FCW mit einer 1:3-Niederlage gegen den FC Luzern und konnte danach den Freiämtercup mit Siegen gegen den FC Wohlen (5:0) und den FC Aarau (4:3) gewinnen. Am 9. Juli sahen 3'500 Zuschauer einen 3:2-Heimieg der Winterthurer gegen den Premier-League-Verein West Ham United, der jedoch nicht in Bestbesetzung und mit Trainingsrückstand auf der Schützenwiese erschien. Danach flog die Mannschaft nach Manchester, um nach zwei Spielen auf der Schützenwiese dem FC United of Manchester einen Revanchebesuch abzustatten, wobei das aus einem kampfbetonten Spiel resultierende 1:1 gegen die sechstklassige Amateurmannschaft weniger zufriedenstellend war als das Resultat gegen West Ham wenige Tage zuvor. Das Spiel war das erste Spiel der Vereinsgeschichte auf den Britischen Inseln, das komplett gespielt wurde – 1959 musste ein Spiel in Sunderland wegen Nebels abgebrochen werden.

Hinrunde Vor dem Saisonstart setzte Loose den Massstab mit Blick auf die vergangene Saison bei Vereinen wie Kriens, Chiasso oder Rapperswil-Jona an, die tendenziell eher zu den Abstiegskandidaten zählten. Laut Loose bestand die Mannschaft auch aus Spielern, die in der vergangenen Saison eher schlecht gespielt hatten, und müsse zuerst zusammenwachsen. Seitens des Vereins forderten der Sportliche Leiter Oliver Kaiser sowie auch Geschäftsführer Andreas Mösli, dass der FCW diese Saison nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben dürfe. Laut Kaiser war das Ziel ein Platz im gesicherten Mittelfeld. Der Landbote forderte in seinem Artikel zum Saisonstart eine Saison, «die einfach besser sein muss», und attestierte der Mannschaft in der neuen Saison mehr Persönlichkeit und eine Defensive, die stabiler sein dürfte.

Das Startspiel gegen Wil verlor der FCW zwar mit 0:2, jedoch zeigte er bereits in den kommenden Spielen mit Siegen gegen den FC Aarau (3:1) und Rapperswil-Jona (4:0), dass die Mannschaft besser aufgestellt war als in der vorhergehenden Saison. Nach einem guten ersten Meisterschaftsviertel konnte der FCW nach neun Spielen als Viertplatzierter 14 Punkte vorweisen. In der relativ ausgeglichenen Liga lag er damit vier Punkte hinter dem Leader FC Wil. Es war das sechstbeste Meisterschaftsviertel des FCW seit der Einführung der Zehnerliga 2010. Im Schweizer Cup hingegen musste sich Winterthur, nach Siegen gegen Greifensee und die AC Bellinzona, am 31. Oktober trotz zufriedenstellender Leistung zum wiederholten Mal gegen den FC Basel mit 0:1 geschlagen geben. Vor dem Cupspiel gab es ein Freundschaftsspiel des «FC Winterthur Brühlgut», eines fünf Monate zuvor in Zusammenarbeit mit der Stiftung Brühlgut gegründeten, offiziellen FCW-Teams für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, gegen das «FC Basel Dreamteam».

In der Liga lief es dem FCW auch im zweiten Meisterschaftsviertel weiterhin gut, und er klassierte sich in den Runden 12 und 13 punktgleich mit Leader Servette Genf auf dem dritten respektive zweiten Platz. In den nachfolgenden zwei Direktduellen gegen die beiden Aufstiegsfavoriten vom Lac Léman, Lausanne und Genf, konnten die Winterthurer ihre Leistungen bei zwei klaren Niederlagen jedoch nicht bestätigen und mussten insbesondere Leader Genf an der Tabellenspitze wieder ziehen lassen. Danach konnte sich Winterthur jedoch wieder fangen und schloss die Hinrunde mit zwei Siegen nach Rückstand gegen die beiden Abstiegskandidaten Kriens und Chiasso sowie einem 0:0-Unentschieden gegen den damaligen Tabellenzweiten Wil ab.

Durch diese Resultate konnte Winterthur die Hinrunde als Anführer einer Dreier-Verfolgergruppe sechs Punkte hinter Leader Servette FC auf Platz 2 beenden, der diese Saison erstmals für die Teilnahme an zwei Barragespielen berechtigte. Mit 31 Punkten und einem Torverhältnis von 29:26 konnte Winterthur in seinem ersten Halbjahr unter Trainer Ralf Loose sein bestes Hinrundeergebnis seit Einführung der 10er-Liga verbuchen. In der vorhergehenden Saison hatte der Verein in der ganzen Saison nur einen Punkt mehr erspielt.

Rückrunde Obwohl Sportchef Kaiser eigentlich keine Kadermutationen vornehmen wollte, musste der FCW bereits kurz nach Rückrundenende den Abgang Manuel Sutters zum FC Vaduz vermelden, der seinen Vertrag in Winterthur auflösen liess. Mit Jordan Gelé verliess auch ein zweiter Stürmer die Eulachstadt, der jedoch in der Hinrunde bereits nach der 6. Runde verletzungsbedingt ausfiel. Als Dritter verliess Nikola Milosavljevic den Verein. Den Verlust an Offensivkräften kompensierte der Verein mit den Leihen des Mittelfeldspielers Liridon Mulaj aus Neuenburg sowie mit Mark Anders Lepik von Flora Tallinn. Letzterer war jedoch immer wieder verletzt und verliess Winterthur Ende Saison wieder ohne einen Einsatz – weder in der Eins noch in der U21. Weitere Verpflichtungen waren der Defensivspieler Marin Cavar aus der U21 des FC Zürich, der in der zweiten Hälfte der Rückrunde vermehrt zu Einsätzen kam, sowie die Leihe von Eris Abedini vom FC Lugano. In der Vorbereitung konnte Winterthur das erste Testspiel gegen den FC Luzern gewinnen. Im Trainingslager an der Costa del Sol verlor Winterthur gegen den Karlsruher SC und konnte gegen eine chinesische U25-Auswahl sowie gegen den rumänischen Erstligisten Concordia Chiajna je einen Sieg verbuchen. Zurück in der Schweiz, spielte man noch Unentschieden gegen den estnischen Rekordmeister Flora Tallinn und konnte gegen die unterklassigen YF Juventus Zürich nochmals gewinnen. Zum Ende der Vorbereitung verlängerte der FCW zudem noch den Vertrag mit Trainer Ralf Loose.

Als Ziel wurde zu Beginn der Rückrunde vom Verein die Bestätigung der Leistungen der Vorrunde bekannt gegeben und explizit nicht der sportliche Aufstieg, obwohl der Verein auf dem Barrageplatz überwinterte. Ein realistisches Ziel sollte demnach ein Platz in den Top 4 sein. Die Rückrunde der Winterthurer begann mit einer 0:2-Niederlage beim Tabellenletzten, der Verein konnte sich jedoch darauf mit zwei Siegen zuhause gegen Rapperswil-Jona und Vaduz fangen. Im vierten Spiel musste Winterthur mit einem 1:1 gegen Chiasso gegen einen weiteren Abstiegskandidaten einen unnötigen Punktverlust hinnehmen, das darauffolgende 1:1 im Verfolgerduell gegen Lausanne-Sport durfte jedoch als zufriedenstellende Leistung verbucht werden. Danach verlor der FCW jedoch mit knappen Niederlagen gegen die Mittelfeldclubs Wil (trotz Überzahl) und Aarau langsam den Anschluss an die Spitze und konnte auch im Spiel gegen den Tabellenleader Genf seine Bilanz nicht aufpolieren.

Da jedoch auch Lausanne nicht überragend spielte, blieb der Kampf um die Barrage nach einem Sieg in Schaffhauen auch neun Spiele vor Meisterschaftsende weiterhin spannend – der Rückstand auf die Waadtländer betrug Anfang April lediglich zwei Punkte. Um den Anschluss auch im letzten Viertel zu wahren, brauchte es durchaus eine leistungsmässige Wende. Dies konnte Winterthur jedoch resultatemässig in den folgenden Spielen nicht vorweisen. Nach Unentschieden gegen die inzwischen drittbeste Mannschaft der Rückrunde, den SC Kriens, sowie den Tabellennachbarn FC Aarau musste man nicht nur Lausanne punktemässig ziehen lassen, sondern auch den 3. Platz an die Aargauer abgeben. Um sich trotzdem noch eine Chance zu wahren, wären danach Siege gegen die Erst- respektive Zweitplatzierten Genf und Lausanne nötig gewesen – der FCW konnte jedoch keine Punkte aus den beiden Spielen gewinnen, wodurch die Eulachstädter Ende April stabil auf dem 4. Platz standen. Im letzten Monat der Meisterschaft konnte der FCW jedoch leistungsmässig reüssieren und aus fünf Spielen vier Siege verbuchen, was jedoch keinen Einfluss mehr auf die Tabelle hatte – aber immerhin die Bilanz der Rückrunde noch aufpolierte.

Die Saison 2018/19 konnte daher am Ende, trotz einer teilweise durchzogenen Rückrunde, als Erfolg verbucht werden. Der FCW lieferte seine punktemässig beste Saison seit sechs Jahren ab und schloss die Saison auf Platz 4 mit acht Punkten Rückstand auf den Barrageplatz ab. Der Landbote bilanzierte, dass der FCW «sehr vieles gut gemacht» hatte und attestierte auch Sportchef Oliver Kaiser sowie Trainer Ralf Loose eine gute Arbeit – jedoch brachten die Wintertransfers nicht die erwünschte Verstärkung. Bei der Spielerbenotung vergab der Landbote drei Spielern mit einer 5,5 eine sehr gute Schulnote, nämlich den Mittelfeldspielern Remo Arnold – dessen Abgang zu Saisonende bereits feststand – und Roberto Alves, der am Ende der Rückrunde zum Stammspieler avancierte, sowie Luka Sliskovic, der wie Alves diese Saison zur Stammkraft wurde. Mit einer 5 ebenfalls gut benotet wurden Sead Hajrović, Ousmane Doumbia, Davide Callà und Roberto Alves.

Kader Kader, basierend auf Angaben der Website der Swiss Football League (SFL), abgerufen am 15. April 2019.