Traugott Vogel (* 27. Februar 1894 in Zürich; † 31. Januar 1975 ebenda) war ein Schweizer Schriftsteller und Pädagoge.

Leben und Werk Traugott Vogel wurde in Zürich-Wiedikon als Sohn eines Gemüsegärtners geboren. Er studierte nach der Matura an den Universitäten Zürich, Genf und Berlin Germanistik. Dann besuchte er die Lehramtsschule in Zürich und war in der Folge vierzig Jahre – mit Urlaubsunterbrüchen – Volksschullehrer, zuletzt in Zürich-Letten. Dieser Tätigkeit verdankten vielgelesene Jugendbücher ihr Entstehen, wie z. B. Die Spiegelknöpfler, Der Engelkrieg oder Der rote Findling, aber auch eine ganze Reihe Theater- und Puppenspiele, die ihn zu einem Pionier des Schultheaters machten, das er als wichtige pädagogische Bereicherung des Unterrichts propagierte.

«Die fast tragische Lust am Erzählen» liess ihn nie los und so entstand neben der Arbeit mit den Kindern ein umfangreiches Werk für Erwachsene: Romane und Erzählungen, publizistische Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, Hörspiele und Mundartliteratur. Schon sein Erstling Unsereiner liess aufhorchen, man sprach von einem neuen schweizerischen Verismus; hier schilderte einer weder Grossstadt noch heile «Dörfliwelt», sondern Vorstadt-Landschaft von Lehm, Kiesgruben und Ried. Das literarische Interesse für diese Zwischenwelt war neu. Nach Ich liebe, du liebst folgten Der blinde Seher, einer der seltenen schweizerischen Zeitromane aus den Zwanzigerjahren, Anna Foor und als letzter Roman Die verlorene Einfalt, Erfahrungen und Bekenntnisse eines Lehrers. Traugott Vogel stand mit seinem erzieherischen Anliegen, das sein ganzes Werk durchzieht, nicht allein in der schweizerischen Literatur, sondern setzte eine seit Pestalozzi gepflegte Tradition fort. 1975 erschien postum Vogels letztes Buch Leben und Schreiben, ein Rückblick auf «achtzig reiche magere Jahre».

Traugott Vogel war auch bedeutend als Schriftstellerfreund und Förderer junger Autoren. Viele erfuhren seine Unterstützung, so Albin Zollinger, Erika Burkart oder Ludwig Hohl, für dessen finanzielle Unterstützung und literarische Anerkennung er sich unermüdlich einsetzte. Verdienste erwarb er sich auch während des Zweiten Weltkriegs, als er manchen vom NS-Regime Verfolgten, die in Zürich gestrandet waren, Hilfe leistete, wie z. B. Lisa Tetzner und ihrem Mann Kurt Kläber (Kurt Held). Eine Leistung besonderer Art waren die 77 Hefte der Reihe Der Bogen, die Vogel 1950–1964 im St. Galler Tschudy Verlag herausgab und in denen eine ganze Reihe später bekannt gewordener Schweizer Autoren eine erste Publikationsmöglichkeit erhielten, darunter Erika Burkart, Hans Boesch, Ernst Eggimann, Klaus Merz, Jürg Schubiger und Jörg Steiner.

Sein Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Auszeichnungen 1923: Ehrengabe der Martin Bodmer-Stiftung 1948: Grosser Literaturpreis der Stadt Zürich 1949: Schweizerischer Jugendbuchpreis

Werke Romane und Erzählungen Unsereiner. Roman, 1924 Ich liebe, du liebst. Roman, 1926 Der blinde Seher. Roman, 1930 Leben im Grund oder Wehtage der Herzen. Roman, 1938 Nachtschatten. 2 Erzählungen, 1940 Anna Foor. Roman, 1944 Das Alpinum. Erzählung, 1949 Schuld am Glück. Erzählungen, 1951 Flucht ins Leben. Erzählungen, 1961 Die verlorene Einfalt. Bekenntnisse eines Lehrers. Roman, 1964

Jugendliteratur Peter Zupf. Erzählungen, 1921 Die Tore auf! Märchen, 1927 Zirkus Juhu oder Tiermensch und Menschentier. Puppenspiel, 1928 Elastikum der Schlangenmensch. 4 Geschichten, 1933 Spiegelknöpfler. Geschichte eines Jugendklubs, 1932 (Bd. 1), 1934 (Bd. 2) und 1942 Der Engelkrieg. 1939 Augentrost und Ehrenpreis. Geschichten, 1944 Der rote Findling. Erzählung, 1955

Mundart De Baschti bin Soldate. Sächs Pletter ab em Gschichtebaum. 1942 Vaterland und Muttersprache. Ein Wort zum Preise der Mundart. 1944 De Läbesbaum. Gschichten us em Züripiet. 1952 Täilti Liebi. Gschichten us em Züripiet. 1961 Hüt und früener. Nöiji Geschichten us em Züripiet. 1966

Theater Dokter Schlimmfürguet. Es Märlistuck, 1922 De Schnydertraum. Ein lustiges Spiel mit ernstem Sinn, 1939 Wachsendes Glück. Ein festliches Spiel, 1939 De Tittitolgg. Es Bergstuck, 1939 (Musik: Rolf Liebermann) Gespräch am Abend. Pestalozzi im Töchterinstitut zu Iferten, 1946 Ein Segenstag. Ein Pestalozzispiel, 1946 Ring und Silberdolch. Kammerspiel in 5 Bildern, 1957

Hörspiele/Radiosendungen Der Ring von Hallwyl. Hörspiel, 1940 Der Wegweiser. Hörspiel, 1945 Z’Züri uf der Wält. Betrachtungen, 1951 De Baschti bin Soldate. Erinnerungen an die Grenzbesetzung 1939–1945, 1969

Verschiedenes Kindertheater in der Schule. 1935 Regine im Garten oder Das Gemüsejahr. Anbaubriefe von Feld zu Feld, 1941 Lasst uns blühen! Begegnungen im Garten, 1950 Die schönsten Bergblumen. 1953 Der heitere Claudius. 1957 Leben und Schreiben. Achtzig reiche magere Jahre, 1975

Herausgeberschaften Samstag elf Uhr. Vorlesebuch, 1936 Schwyzer Schnabelweid. E chruzwyligi Heimedkund i Gschichten und Prichten us allne Kantön, 1938 Der Bogen. Eine Reihe dichterischer Kleinwerke, 1950–1964 Briefe an einen Freund. Albin Zollinger an Traugott Vogel, 1955 Holzschnitte. Künstler der Gegenwart, 1956

Literatur

Ingrid Bigler: Vogel, Traugott. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 26: Völckel – Wagner. Hrsg. von Hubert Herkommer und Konrad Feilchenfeldt. Saur, Zürich/München 2006, ISBN 978-3-908255-26-0, Sp. 79–81.

Traugott Vogel. In: Schwyzerlüt. Zytschrift für üses Schwyzerdütsch 28/1, 1966 (Digitalisat; mit Werkverzeichnis).

Weblinks

Nachlass Traugott Vogel in der Datenbank HelveticArchives bzw. als Online-Inventar (EAD) des Schweizerischen Literaturarchivs Texte zu Traugott Vogel von Charles Linsmayer

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Alemannisch) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Heimatliteratur Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:Essay Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Autobiografie Kategorie:Schriftsteller (Zürich) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann